virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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Weg zur Weltmacht 1898 bis 1945

 

Jörg Nagler

http://www.bpb.de/publikationen/07084789097524301595415694910700,0,0,USA.html 

Der erfolgreiche Ausgang des Spanisch-Amerikanischen Krieges führte zu einer machtbetonten Außenpolitik der Vereinigten Staaten, die mit ihrem Präsidenten Roosevelt sehr darauf bedacht waren, im ostasiatischen Raum eine Gleichgewichtspolitik zu verfolgen; das heißt, dort nach dem Russisch-Japanischen Krieg von 1904/5 weder Russland noch Japan zur beherrschenden Großmacht werden zu lassen. Allerdings verkannte Roosevelt das entschlossene japanische Vordringen und unterschätzte auch die negative außenpolitische Wirkung der restriktiven und diskriminierenden amerikanischen Einwanderungsgesetze gegen Japaner von 1907.

In Mittelamerika und der Karibik, dem „Hinterhof“ der Vereinigten Staaten, wurde indessen eine konsequente Durchsetzung der eigenen wirtschaftlichen und geo-strategischen Vorteile verfolgt. Ganz im Sinne des damaligen strategischen Denkens bildete die Flotte das Kernstück imperialer Kontrolle. Für die Vereinigten Staaten war es dabei von zentraler Bedeutung, die beiden ihrer Flotte als Operationsfelder dienenden Meere, Atlantik und Pazifik, durch einen mittelamerikanischen Kanal miteinander zu verbinden, wobei die Kontrolle über einen solchen Zugang als vitales nationales Interesse angesehen wurde. Zunächst wurde Großbritannien veranlasst, sich aus der Karibik zurückzuziehen; sodann setzten sich die Vereinigten Staaten über den Widerstand der kolumbianischen Regierung hinweg, indem sie eine panamesische Unabhängigkeitsbewegung gegen Kolumbien unterstützen, die den USA nach ihrem Sieg eine immerwährende Kontrolle über die Kanalzone versprach. Zum Zeitpunkt der Kanaleinweihung – 1914 – war die amerikanische Einflusssphäre in der Karibik bereits erheblich ausgedehnt worden. Die Jungferninseln und Puerto Rico waren in den Besitz der USA gekommen; Haiti, die Dominikanische Republik, Nicaragua, Panama und Kuba hatten den Status von Protektoraten.

Bis zum Eintritt in den Ersten Weltkrieg durchlebte die amerikanische Gesellschaft eine Krise der eigenen nationalen Identität, die einerseits durch die noch unsichere Rolle in der Weltpolitik, andererseits durch die Folgen der raschen Industrialisierung ausgelöst wurde. Das dadurch veränderte soziale Gefüge wurde durch die Masseneinwanderung seit den 1880er Jahren noch zusätzlich erschüttert.

Seit dem letzten Jahrzehnt des ausgehenden Jahrhunderts stammte diese so genannte „Neue Einwanderung“ erstmalig nicht mehr überwiegend aus Westeuropa und Skandinavien, sondern aus Süd- und Osteuropa. Sie löste eine Welle von Fremdenfeindlichkeit aus, da diese Immigranten in dem Ruf standen, nicht assimilierungswillig und unfähig zu sein, die amerikanische Demokratie und ihre Werte zu verstehen und zu akzeptieren. Viele Stimmen sprachen von Einwanderungsbeschränkungen und der Einführung eines Kriterienkatalogs, den die Immigranten bei gewünschter Einwanderung erfüllen sollten, wie zum Beispiel Schreib- und Lesetests. Es ist sicherlich kein Zufall, dass das Theaterstück „The Melting Pot“ von Israel Zangwill in dieser Zeit uraufgeführt wurde und damit den Begriff „Schmelztiegel“ als Bild für eine Gesellschaft einführte, die hoffte, die vielen Einwanderungsgruppen zu einem Ganzen zusammenschmelzen und eine Einheit bilden zu können.

Hatte 1870 jeder vierte Amerikaner in einem städtischen Gebiet gewohnt, so war es 1890 etwa jeder dritte, und bis Ende des Ersten Weltkrieges wohnten mehr Amerikaner in Städten als auf dem Land. Die schnelle Verstädterung und zunehmende Größe und Anzahl von Immigranten-Ghettos in den urbanen Zentren der Ostküste und des Mittelwestens führte zu sozialen Problemen, die befürchten ließen, dass sich in großen Städten allmählich Keimzellen sozialen Unfriedens und Aufruhrs bildeten. Um dieser Gefahr vorzubeugen und um einem zügellosen Kapitalismus das öffentliche Wohl als Leitbild gegenüberzustellen, entstand eine soziale Reformbewegung, das so genannte „Progressive Movement“. Die Phase zwischen 1900 und dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg 1917 war geprägt vom Geist des Reformstrebens, der gleichzeitig Ausdruck des Wunsches nach innerer Erneuerung war.

Erster Weltkrieg

Als die europäischen Nationen 1914 in den Ersten Weltkrieg eintraten, rief der amerikanische Präsident Woodrow Wilson (1913–1921) seine Landsleute zu strikter Neutralität auf. Wegen der vielen europäischen Immigranten – 1910 hatte der Anteil der im Ausland Geborenen mit nahezu 15 Prozent seinen absoluten Höchststand erreicht – ermahnte er sie, amerikanisch zu denken und alte Loyalitäten aufzukündigen. 1910 lebten immerhin über acht Millionen Erst- und Zweitgenerationsangehörige deutscher Herkunft in den USA, gemessen an der amerikanischen Gesamtbevölkerung von etwa 92 Millionen also ein erheblicher Anteil; 2,5 Millionen von ihnen waren noch in Deutschland geboren; fast vier Millionen hatten deutsche Eltern.

Die von Präsident Wilson propagierte strikte Neutralität war jedoch von Anfang an gefährdet; die kulturelle Nähe der Vereinigten Staaten – insbesondere der Ostküsten-Elite – zu Großbritannien führte zu einem Kurs der „parteiischen Neutralität“, einem geschickten Lavieren zwischen den unterschiedlichen Interessen der Krieg führenden europäischen Mächte. Gegen die britische Seeblockade, die Deutschland faktisch von der Außenwelt abschnitt und zu erheblichen Versorgungsschwierigkeiten führte, gab es offizielle halbherzige amerikanische Proteste. Gegenüber dem Deutschen Reich drohte man mit Sanktionen aufgrund des U-Bootkrieges. Die durch die britische Blockade hervorgerufenen amerikanischen Außenhandelseinbußen wurden allerdings wett gemacht durch die Kapitalnachfrage der Alliierten und ihren Bedarf an amerikanischen Waffen. Die US-Wirtschaft konnte sich aufgrund dieser Situation schnell von einer Depression erholen.

Entscheidend für die zunehmend kritische Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber Deutschland wurden der Einmarsch deutscher Truppen in das neutrale Belgien und die Versenkung des britischen Passagierschiffes Lusitania im Mai 1915, bei der 128 Amerikaner den Tod fanden. Der amerikanische Kriegseintritt am 6. April 1917 wurde hauptsächlich durch zwei Ereignisse ausgelöst: den deutschen uneingeschränkten U-Bootkrieg, der weiterhin amerikanisches Leben und Eigentum bedrohte, sowie durch die deutsche Note an Mexiko, worin im Falle eines amerikanischen Kriegseintrittes ein Bündnis mit Mexiko vorgeschlagen wurde; das verschlüsselte Telegramm war vom britischen Geheimdienst decodiert und der Amerikanischen Regierung übermittelt worden.

Das Eingreifen in den Ersten Weltkrieg war in den Vereinigten Staaten durchaus nicht ungeteilt populär. Immerhin entschieden im Repräsentantenhaus von insgesamt 423 Stimmberechtigten fünfzig dagegen, im Senat sechs von 88, und entsprechend den warnenden Stimmen im Land war die Nation zu Anfang des Krieges eher gespalten. Insofern kam der geistigen Mobilisierung ebenso viel Gewicht zu wie der militärischen und wirtschaftlichen, was der Wilson-Regierung auf allen drei Gebieten in relativ kurzer Zeit gelang. Durch die Entsendung von über zwei Millionen Soldaten zum europäischen Kriegsschauplatz erwies sich das amerikanische Kriegsengagement als entscheidend. Mit den „Vierzehn Punkten“ vom Januar 1918 definierte Präsident Woodrow Wilson seine Kriegsziele und Vorstellungen einer friedlichen Nachriegsordnung, über die ein Völkerbund wachen sollte.

Kriegsfolgen

Die Amerikaner hatten 50000 Gefallene zu beklagen; 200000 waren verwundet worden. Die politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen der amerikanischen Intervention waren erheblich. Gemessen an den hochgesteckten amerikanischen Erwartungen waren die Ergebnisse der Versailler Friedenskonferenz (Januar bis Juni 1919) allerdings enttäuschend. Wilson wurde zu Hause direkt für den Misserfolg verantwortlich gemacht. Große Konsequenzen für die globale Nachkriegsordnung sollte die Entscheidung des Senats vom November 1919 haben, die Unterzeichnung des Versailler Vertrages und den amerikanischen Beitritt in den Völkerbund abzulehnen. Die Nation wollte sich offenbar vom Schicksal Europas abwenden und zu einem Isolationismus zurückkehren, eine Haltung, die der neue – mit großer Mehrheit gewählte – republikanische Präsident Warren G. Harding durch seinen berühmten Wahlkampfslogan „Zurück zur Normalität“ ausgedrückt hatte. Hiermit brachte er die überwiegende Stimmung einer Gesellschaft zum Ausdruck, die nach der Reform- und Kriegszeit nun allem Idealismus à la Wilson kritisch gegenüberstand. Mit Harding wurde die Dominanz der Republikanischen Partei eingeleitet, die in ungebrochener Folge bis 1933 auch die Präsidenten stellte.

Wirtschaftlich gesehen waren die Vereinigten Staaten zur bedeutendsten Handelsmacht und von einer Schuldnernation zum größten Gläubiger der Welt geworden, und neben London hatte sich New York als Weltfinanzzentrum etabliert. Durch die wirtschaftliche Mobilisierung, Vernetzung und entsprechende Produktiviätssteigerung wichtiger Industriezweige waren Erfahrungen gesammelt worden, die sich sowohl im privatwirtschaftlichen als auch staatlichen Bereich niederschlugen.

Trotz isolationistischer Außenpolitik blieben die Vereinigten Staaten in der Außenhandelspolitik aktiv. Sie erwarteten die Rückzahlung der alliierten Schulden und hatten ebenso ein Interesse, die Reparationszahlungen der Besiegten mitzugestalten. Im internationalen Abkommen des Dawes Plan von 1924 wurde ersichtlich, dass sie für die deutschen Rückzahlungsschwierigkeiten größeres Verständnis als England und Frankreich aufbrachten: Sie setzten eine Angleichung der Reparationszahlungen an die eigentliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands durch und stellten Deutschland eine erhebliche Anleihe zur Verfügung. Als sich die Forderungen erneut als zu hoch erwiesen, wurden die jährlichen deutschen Zahlungsraten 1929 mit dem Young-Plan noch einmal reduziert. Diese auf amerikanischen Druck zurückzuführenden Abkommen dokumentierten, dass den Vereinigten Staaten durchaus an einer europäischen Stabilität gelegen war, nicht zuletzt zur Sicherung eigener dortiger Investitionen.

Zwischenkriegszeit

Während sich im Europa der Nachkriegsjahre fundamentale gesellschaftliche Umwälzungen entwickelten, war diese Phase in den USA durch Kontinuität gekennzeichnet – die „Goldenen Zwanziger“ standen die längste Zeit im Zeichen von Genuss und Konsum des Einzelnen zur sinnlichen Gestaltung seiner individuellen Freiräume. Unterstützt wurde diese Haltung durch eine florierende und dynamische Wirtschaft, die keine Grenzen zu haben schien und die Verbraucherbedürfnisse durch die Mittel einer bereits weit entwickelten Werbung noch weiter hochschraubte. Die jährlichen Wachstumsraten von etwa fünf Prozent bei Vollbeschäftigung bestätigten den Kurs des ungezügelten Kapitalismus, in welchem dem Staat nur eine Randfunktion zugewiesen wurde.

Die seit 1920 bestehende Prohibition mit dem Verbot von Herstellung und Konsum alkoholischer Getränke (1933 wieder aufgehoben) führte durch Schmuggel und illegale Alkoholproduktion zum Aufblühen des organisierten Verbrechens, dessen bekanntester Vertreter Al Capone (1899 bis 1947) zur legendären Symbolfigur des amerikanischen Gangsterunwesens wurde. Die Vereinigten Staaten erfuhren in dieser Zeit eine Identifizierung mit Modernität schlechthin: unverwechselbar und eindrucksvoll schon rein äußerlich durch die Schwindel erregenden neuen Wolkenkratzer New Yorks und Chicagos, klanglich durch die weltweite Verbreitung des Jazz, individuell durch das Automobil als Ausdruck persönlicher Mobilität im American way of life. Jeder fünfte der nunmehr 120 Millionen Amerikaner besaß 1929 ein Kraftfahrzeug (ein Verhältnis, das in der Bundesrepublik Deutschland erst 1965 erreicht wurde).

Große Depression

Als um so dramatischer wurde dann der Wirtschaftszusammenbruch in der Phase der Großen Depression erlebt, die im Oktober 1929 mit dem New Yorker Börsenkrach an der Wallstreet begann. Innerhalb kurzer Zeit brach die Wirtschaft durch Kettenreaktion in vielen Bereichen zusammen. Die Folge waren Konkurse und hohe Arbeitslosigkeit, die 1933 mit 25 Prozent ihren Höhepunkt erreichte. Bis 1932 war das Bruttosozialprodukt um 43,5 Prozent gefallen und die Industrieproduktion hatte sich um die Hälfte verringert.

Andere Wirtschaftszweige, wie die Landwirtschaft, wurden noch mehr geschädigt als der industrielle Sektor. Der Preisverfall der Agrarprodukte führte zu einer mehr als 50-prozentigen Dezimierung der Bruttoeinkommen der Farmer, die dadurch ihre Hypothekenzinsen nicht mehr bezahlen konnten. Die Folge waren Zwangsversteigerungen vieler Farmen, deren Besitzer nun gezwungen waren sich als Landarbeiter durchzuschlagen. Viele von ihnen machten sich auf den Weg nach Kalifornien, in der Hoffnung dort Arbeit und Brot für ihre Familien zu finden. Stattdessen erwartete sie dort Obdachlosenlager und eine desolate Zukunft – Schicksale, die John Steinbeck in seinem Roman „Früchte des Zorns“ (1939) eindringlich beschreibt.

Als ebenso schwerwiegend wie die wirtschaftliche Not erwies sich die Demoralisierung der Bevölkerung, die von den Höhen einer scheinbar grenzenlosen Prosperität in die Tiefen einer offenbar ausweglosen Depression gestürzt wurde. Das jahrzehntelange Vertrauen in den Laissez-faire-Kapitalismus war über Nacht gewichen und löste – wie auch vielerorts im Ausland – in den Vereinigten Staaten eine tiefe gesellschaftliche Krise aus, die die Grundfesten bisheriger amerikanischer Lebensanschauungen und Werte zutiefst erschütterte. Eng damit in Verbindung stand die Kernfrage, ob eine liberale Demokratie noch in der Lage sein würde, dieser Krise etwas entgegenzuhalten.

New Deal

Der 1932 gewählte demokratische Präsident Franklin Delano Roosevelt sprach mit seinen Reden weitaus stärker die Bedürfnisse der Wähler an als sein republikanischer Gegenkandidat und vermochte der Bevölkerung erneutes Vertrauen in die Zukunft zu vermitteln. Typisch für diese Art der Zuversicht war der berühmte Satz aus seiner Rede zum Amtsantritt: „Das einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst“. Roosevelts ehrgeiziges von 1933 bis 1939 durchgeführtes Wirtschafts- und Sozialprogramm des New Deal versuchte durch großangelegte Maßnahmen, wie zum Beispiel der Arbeitsbeschaffung, die Krise zu bewältigen. In den „ersten hundert Tagen“ seiner Administration gelang es Roosevelt, ein ganzes Bündel von Reformen auf den Weg zu bringen, die jeden Wirtschaftsbereich erfassten: den industriellen Sektor, die Landwirtschaft, das Bankensystem, das Sozialwesen und den Arbeitsmarkt. Für die jeweilige Umsetzung der Reformen wurden viele Exekutivbehörden gegründet, die die bundesstaatliche Bürokratie erheblich anwachsen ließen und die Kompetenz des Präsidenten verstärkte. Durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Works Progress Administration wurden von insgesamt 8,5 Millionen Beschäftigen 122000 öffentliche Gebäude, mehr als eine Million Kilometer neuer Straßen und an die 80000 Brücken gebaut. Ebenso beeindruckend war das Großprojekt zur Entwicklung der Tennesseetalregion, die Teile von sechs angrenzenden Einzelstaaten umfasste und die unter anderem durch den Bau von Staudämmen und Kraftwerken von ihrer wirtschaftlichen Rückständigkeit befreit werden sollte.

In Teilbereichen erwies sich der New Deal als durchaus erfolgreich und wichtig für eine Neuorientierung der sozialen Verantwortung des Staates – zum Beispiel durch das Errichten eines Sozialversicherungssystems. Es gelang indessen nicht, die strukturell bedingte Wirtschaftskrise völlig zu beheben. Erst nach Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg im Dezember 1941, als die Produktion von Kriegsgütern wieder für Beschäftigung sorgte, wurde die Krise überwunden.

Zweiter Weltkrieg

Die Große Depression hatte den Blick nach innen geschärft. Als in Europa und Asien zunehmend Anzeichen eines erneuten Krieges sichtbar wurden, nahm die isolationistische Stimmung in der Bevölkerung eher noch zu. Daher ging Roosevelt als überzeugter Internationalist vorsichtig dabei vor, seine Vorstellungen der zukünftigen Weltmachtrolle der Vereinigten Staaten öffentlich darzustellen.

Der überwiegend isolationistisch geprägte Kongress verabschiedete mehrere Neutralitätsgesetze, die den Handlungsspielraum des Präsidenten in der Außenpolitik erheblich einschränkten. Nach einer Gallup-Umfrage vom 1. September 1939, kurz nach Hitlers Angriff auf Polen, waren 84 Prozent der Befragten gegen ein amerikanisches Eingreifen. Auch Roosevelt erklärte öffentlich Neutralität, bemerkte aber, dass er nicht wie Wilson von seinen Landsleuten forderte, auch in Gedanken neutral zu bleiben.

Bis zum tatsächlichen amerikanischen Kriegseintritt bauten die Vereinigten Staaten ihre weltweite Präsenz und die Unterstützung ihnen befreundeter Nationen zunehmend aus. Ferner wurde durch ein gewaltiges Rüstungsprogramm und die Einführung der Wehrpflicht die nationale Verteidigung vorbereitet. Anfang Oktober 1939 wurde zunächst eine Sicherheitszone 300 bis 1000 Meilen in den Gewässern um den amerikanischen Kontinent proklamiert. Das 4. Neutralitätsgesetz (4. November 1939) hob ein generelles Waffenembargo auf und erlaubte ausländischen Mächten den Erwerb von amerikanischen Waffen, wenn sie bar bezahlt und auf eigenen Schiffen abtransportiert werden konnten. Anfang September 1940 erhielten die USA für die Überstellung von 50 Zerstörern aus dem Ersten Weltkrieg an England auf Pachtbasis Militärstützpunkte in Neufundland und auf den karibischen Inseln. Im Leih-Pacht-Gesetz (Land-Lease-Act vom 11. März 1941) wurde bestimmt, dass an jedes Land Waffen verkauft oder verliehen werden durften, dessen Verteidigung für die USA von vitalem Interesse sei.

Im August 1941 kam es vor Neufundland zu einem geheimen Treffen von Roosevelt und dem britischen Premierminister Winston Churchill. Das Ergebnis war eine Erklärung über gemeinsame amerikanisch-britische Prinzipien – die so genannte Atlantik-Charta. Dazu gehörten das Selbstbestimmungsrecht der Völker; der Zugang zum freien Welthandel zur Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Situation der Völker; Freiheit der Meere und Entwaffnung von Aggressorstaaten. Im September 1941 befahl Roosevelt den Schutz britischer Schiffe durch die amerikanische Flotte, was eine militärische Konfrontation mit Deutschland heraufbeschwor.

Angriff auf Pearl Harbor    =>

Völlig überraschend kam gleichwohl der japanische Flugzeugangriff auf den Stützpunkt der amerikanischen Pazifikflotte in Pearl Harbor auf Hawaii am 7. Dezember 1941, bei dem über 2400 amerikanische Soldaten getötet und ein großer Teil der Flotte zerstört wurden. Aufgrund der „schmachvollen Niederlage“ in Pearl Harbor schlug die abwartende, immer noch isolationistische Stimmung in den Vereinigten Staaten über Nacht um. Der Krieg ließ vorherige ideologische Differenzen vergessen und schmiedete die Nation zusammen, die umgehend zur Mobilisierung ihrer Ressourcen überging. Etwa elf Prozent der Gesamtbevölkerung leisteten Kriegsdienst.

Anders als im Ersten Weltkrieg befürwortete nun eine überwältigende Mehrheit den Krieg gegen die Achsenmächte. Binnen kurzem bauten die USA die größte Kriegsmaschinerie der Geschichte auf. Im Zeitraum von 1939 bis 1945 wurde die Industrieproduktion mehr als verdoppelt. Obwohl etwa 60 Prozent dieses gewaltigen Potenzials zur Niederwerfung Deutschlands eingeplant waren, gelang es der amerikanischen Pazifik-Flotte nach der gewonnenen Seeschlacht bei den Midway-Inseln Anfang Juni 1942, auch zum Gegenangriff gegen die Japaner überzugehen. Das verbündete China wurde durch amerikanische Militär- und Materialhilfe im Kampf gegen die japanische Besetzung gestärkt.

Neben der Kooperation mit Großbritannien war es für die weitere Kriegführung zentral, das Bündnis mit der Sowjetunion zu stabilisieren. Stalin misstraute permanent den westlichen Alliierten und verdächtigte sie, einen Sonderfrieden mit Deutschland schließen zu wollen. Im Verhältnis zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion wurde der möglichst frühen Etablierung einer „zweiten Front“, die die enormen Verluste der Sowjets mindern könnte, eine vorrangige Priorität zugemessen. Da ein Angriff der französischen Atlantikküste 1942 militärisch noch nicht umsetzbar war, entschieden Roosevelt und Churchill, den deutschen Kontrollbereich vom Mittelmeerraum aus anzugreifen.

Nach der erfolgreichen Invasion in Nordafrika kamen sie darüber hinaus im Januar 1943 in Casablanca überein, von Deutschland ausschließlich eine bedingungslose Kapitulation (unconditional surrender) zu akzeptieren.

Invasion in der Normandie

Gleichzeitig wurde der Zeitpunkt einer alliierten Invasion in Frankreich auf das Jahr 1944 festgelegt. Nach Abschluss der Mobilisierung und Ausschaltung der deutschen U-Boote im Atlantik kam es am 6. Juni 1944 unter dem Oberbefehl General Dwight D. Eisenhowers zur erfolgreichen alliierten Landung in der Normandie. Mit über 200000 Soldaten und 2700 Schiffen sowie massiver Flugunterstützung gelang es, die schwer befestigte Küste zu erobern. Durch die sowjetischen Erfolge im Osten und das gleichzeitige Vorrücken alliierter Truppen in Italien und Frankreich wurde Deutschland zunehmend eingekreist. Nachdem ein großflächiges strategisches amerikanisch-britisches Flugbombardement die deutschen Wirtschaftsressourcen schwächte und den Widerstandswillen brach, kam es am 8. Mai 1945 zur deutschen Kapitulation. Dieses Ereignis konnte Roosevelt nicht mehr erleben, da er am 12. April 1945 verstarb. Vizepräsident Harry S. Truman wurde umgehend zum Präsidenten ernannt.

Auf der Potsdamer Konferenz (17. Juli bis 2. August 1945), dem letzten Gipfeltreffen der Alliierten, kamen Truman sowie Stalin und Churchill zusammen. Doch außer der Einigung über die Modalitäten der Besetzung Deutschlands, das in vier Zonen aufgeteilt und als Wirtschaftseinheit behandelt werden sollte, sowie dem erneuten sowjetischen Versprechen einer Kriegserklärung an Japan kamen sie zu keinen weiteren Übereinkünften. Die Kooperation mit der Sowjetunion zeigte bereits während der Konferenz von Potsdam ihre Grenzen.

Im Pazifik tobte der Kampf indessen unerbittlich weiter. Als nach den für beide Seiten verlustreichen Schlachten von Iwo Jima und Okinawa für die USA ersichtlich wurde, dass Japan nicht ohne erbitterten Widerstand kapitulieren würde, wurden die Bombardements der amerikanischen Luft- und Seestreitkräfte auf das japanische Festland verstärkt. Daraufhin deutete Japan an, dass es eine „ehrenvolle Kapitulation“ akzeptieren würde, nicht aber eine bedingungslose.

Nachdem von Militärexperten gewaltige Verluste im Falle einer amerikanischen Invasion vorausgesagt worden waren, entschied sich Truman für den Abwurf der beiden Atombomben auf Hiroshima (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945), dem Hunderttausende von Menschen zum Opfer fielen. Am 14. August kapitulierte Japan und wurde von amerikanischen Truppen besetzt.

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