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- Was war da? Warum war
da was?? Wieso entwickelt man besonders bei Tibet Emotionen?
Geschichte
Tibets aus zwei verschiedenen Blickwinkeln
- Gewaltlosigkeit? Der Dalai Lama
Die
Friedensphilosophie des Dalai Lama
- Wieso ist Tibet chinesisch?
Der Anspruch
Chinas auf Tibet -
Nach Auffassung der Volksrepublik China ist Tibet ein Teil des Staatsgebietes
und eine chinesische Provinz mit gewissen autonomen Rechten. Den Anspruch auf Tibet leitet China aus der
Geschichte ab. Bereits zur Mingzeit 13 Jh. war Tibet Teil des Kaiserreichs
China. 1653 besuchte der damalige Fünfte Dalai Lama Peking und blieb
dort ca. 6 Monate als Gast, um die Beziehungen zu der inzwischen dort
herrschenden Mandschu-Dynastie zu stabilisieren. Für ihn wurde in Peking eine
Dagoba nach dem Vorbild Lhasas errichtet (Foto s.unten).
Nach dem Tod des Fünften Dalai Lama folgte eine Periode der
Instabilität, während der Tibet durch die Dsungaren erobert wurde. 1720 wurde China vom damals herrschenden
Mongolenkönig Lhazang Khan zu Hilfe gerufen und die Dsungaren mit chinesischer
Hilfe aus Tibet vertrieben. Seit dieser Zeit beanspruchte China die Oberhoheit
über Tibet unter Gewährung der Inneren Autonomie, nahm aber großen Einfluss
auf die Inneren Angelegenheiten Tibets. Erst durch die vordringenden
europäischen Mächte im Ende des 19.Jahrhunderts verliert China die Oberhoheit
über Tibet. China wird durch die "ungleichen Verträge" unter den imperialistischen Mächte
fast komplett aufgeteilt. Durch
den russ.- britischen Kompromiss
1907 wird Tibet als englische, Sinkiang als
russische Zone betrachtet.
Karikatur zum Vertrag 1907
China verliert die Hoheit über Tibet. Dieses wird
als Protektorat unter britische Herrschaft gestellt. Mit dem Ende der
Kolonialzeit 1948 in Indien, verliert Tibet diesen Staus. Sowohl der westlich
orientierte TschiangKaiTschek als auch MaoDseDong betonen während des
chinesischen Bürgerkriegs die Hoheit Chinas über Tibet.
Tibet ist ein Teil Chinas?! Im Jahre 1949
nach dem Bürgerkrieg wurde
das bis dahin durch britische Unterstützung souveräne Tibet von der Volksrepublik China besetzt und zwei
Jahre später annektiert. Tibet war zu diesem Zeitpunkt ein nach dem
Völkerrecht ein souveräner Staat mit eigenem Staatsvolk, Staatsgewalt, Staatsgebiet
und eigener Währung. In Wirklichkeit war Tibet Teil des englischen
Kolonialreiches Indien. Ohne eine Chance gegen die chinesische
Armee und mangels Unterstützung aus dem Ausland, versuchten die Tibeter
zunächst, zu einem Arrangement mit den Besatzern zu kommen, die ihnen
Autonomie und Religionsfreiheit versprachen, sich in Wirklichkeit aber an
keinerlei Abkommen hielten. Im Gegenteil, ihre Unterdrückungsmaßnahmen wurden
immer schärfer und führten in der tibetischen Bevölkerung zu wachsendem
Widerstand, der schließlich am 10. März 1959 in einem Aufstand in Lhasa,
der Hauptstadt Tibets, seinen tragischen Höhepunkt fand. Nach offiziellen
chinesischen Angaben kamen dabei 87.000 Tibeter ums Leben. Die tatsächlichen
Zahlen dürften um ein Vielfaches darüber liegen. Seit dem ist das religiöse
und das politische Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, im Exil in Indien.
Tibet wurde als autonome Provinz verkleinert, Teile des einstigen Tibets
anderen Provinzen zugeschlagen (s. Karten)
Die Dagoba in Peking im Beihai-Park - errichtet für den 5. Dalai Lama
- Warum reagiert China so drastisch?
In China gibt es viele autonome Gebiete. Vor allem die Uiguren
und die Turkmenen, aber auch Mongolen und andere streben neben den Tibetern
mehr Autonomie oder die Unabhängigkeit an. Darüber
hinaus ist das Taiwan-Problem noch offen. Die Insel Taiwan bis 1949 eine
Provinz Chinas (1850 bis 1945 japanisch) möchte sich völlig von der "Ein-China-Ideologie"
Pekings lösen. Diese "separatistischen" Bestrebungen machen die Pekinger
Regierung nervös. Neben diesen Unabhängigkeitsbestrebungen gibt es politische
und religiöse Autonomie-Bestrebungen. Alle diese Gruppen bestreiten das Monopol
der KP Chinas und diese reagiert darauf sehr ungehalten. Die absolute
politische Macht in China zu haben, bringt auch finanzielle Vorteile. Die
Parteikader steuern mit ihren Familienclans und über Günstlinge die chinesische
Wirtschaft und werden dabei reich. Wer will auf diese Privilegien verzichten?
Am meisten hat die KP Chinas Angst, dass in China wieder echte Kommunisten an
die Macht kommen.
Zu diesen machtpolitischen Spielen kommt das
Bevölkerungsproblem Chinas. 1350 Millionen Menschen leben in China. Diese
leben allerdings sehr ungleich verteilt in diesem Staat (s.Karte).
Nur 25 % sind sehr gut für Landwirtschaft geeignet, weitere 25% sind
einigermaßen geeignet. Fast 50% der Fläche Chinas sind Wüstengebiete (Gobi,
Taklamakan), Hochgebirge und Steppen (s. Karte unten).
Die Siedlungsfläche der Chinesen reicht nicht aus. Vor allem die Han-Chinesen
leben sehr eng. Sie siedeln deshalb und das wird von der Regierung gefördert
in den autonomen Provinzen (fast 50% Chinas - s Karte)
der Minderheiten, die man damit gleichzeitig assimilieren will. Diese
"autonomen" Gebiete werden zwar genauso streng von der Zentralregierung
kontrolliert, haben aber kulturelle Privilegien. Diese Gebiete sind
landwirtschaftlich weniger intensiv nutzbar, bergen jedoch Bodenschätze, die
bisher noch gar nicht gehoben sind. Verschärft wird dieses Problem durch die
voranschreitende Umweltzerstörung in den Zentralgebieten Chinas, der
chinesischen Tiefebene. Dort sind Böden extrem durch Schadstoffe belastet. Die
Flüsse haben jährlich steigende Hochwasser, da die natürlichen
Rückhaltegebiete gegen Hochwasser besiedelt und landwirtschaftliche genutzt
wurden. Auch die Luftverschmutzung durch Smog durch ungefilterte
Industrieabgase und explodierende Autozahlen wird immer schlimmer. Da außerdem
durch den Wirtschaftsliberalismus die Binnenmigration frei ist, ziehen immer
mehr Mensch in die Randgebiete Chinas und treffen dort auf die angestammte
Bevölkerung. Dieser Konflikt wird durch die bessere Bildung und die in den
Chinesen als "Reich der Mitte" angeborene Arroganz gegenüber den "minderen
Völkern" verstärkt. In Sinkiang tobt latent ein Befreiungskrieg der
moslemischen Minderheit (Von China als Teil des Kampfes gegen den weltweiten
islamischen Terror
betrachtet), in Tibet kommt es immer wieder zu Revolten gegen die Privilegien
der Chinesen und in den südlichen Gebirgsregionen stehen Bergstämme bereit
sich zu erheben. Deshalb reagiert China so hart gegen jede Änderung des Status
Quo.
- Zusammenhang zu Olympischen Spielen?
Boykott? Eine Hintergrundreportage der FASZ
- Arbeitsauftrag zur
Eigenrecherche
- Kommentare - Die Welt
- einen eigenen Kommentar schreiben
- Berichte: Deutsche Welle - Die
Zeit und ORF
-
Informationen in Wikipedia
-
Menschenrechte in China ein kritischer Bericht von Amnesty International
- Ethnien in China Karte und andere
Karten
Geschichte Tibets -
Darstellung aus der Sicht der Tibeter
Quelle: Tibet Initiative Deutschland
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127 v. Chr. - 842 n.Chr. |
Tibet unter der
Herrschaft der 41 Könige der Yarlung-Dynastie [969 Jahre]. Mit der Krönung
Nyatri Tsenpos zum König der tibetischen Stämmen im Yarlung-Tal beginnt in
Tibet eine neue Zeitrechnung. 2002 z.B. ist das 2129. Tibetische Königsjahr
[also 127 plus 2002 = 2129 |
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617 - 649 |
König Songtsen Gampo festigt die erste Monarchie Tibets. Das Reich wird
nach Westen [Guge] und Nordosten [bis zum Kokonor-See] erweitert. |
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634 - 641 |
Kriegerische Auseinandersetzungen mit China werden durch eine Heirat des
Königs mit der chin. Prinzessin Wencheng beigelegt. Vorher [639] war
Songsten Gampo bereits mit der nepalesischen Prinzessin Brikuti verheiratet
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um 775 |
Gründung Samyes,
des ältesten buddhistischen Klosters Tibets durch den indischen Tantriker
Padmasambhava, der vom König Trisong Detsen [755-797] ins Land gerufen
wurde, um den Buddhismus zu verbreiten. |
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836 - 842 |
König Lang Dharma
verfolgt Buddhisten, die alte Bön-Religion lebt wieder auf. |
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um 970 |
Wiederbelebung
[bekannt als die spätere Verbreitung] des Buddhismus |
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1249 - 1350 |
Tibet unter der
Herrschaft der 12 Sakya-Hierarchen [101 Jahre]. Sakya als Zentrum der Macht.
Tibet unter der Herrschaft der Sakya-Schule erkennt die mongolische
Oberhoheit an, im Gegenzug nehmen die Mongolen den buddhistischen Glauben
an. Damit wird die Priester-Patron-Beziehung zwischen den tibetischen
Geistlichen und den mongolischen Khanen begründet. |
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1350 - 1436 |
Tibet unter der
Herrschaft der 11 Phagdru-Hierarchen [86 Jahre]. Nedong als Zentrum der
Macht. |
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1357 - 1419 |
Der Reformator
Tsongkhapa gründet die Gelugpa-Schule ["Schule der Tugendhaften"], die
zunehmend an Einfluß gewinnt und unter dem V. Dalai Lama praktisch zur
Staatsreligion wird. |
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1436-1566 |
Tibet unter der
Herrschaft der 4 Rinpung-Fürsten [130 Jahre]. Shigatse als Zentrum der
Macht. |
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1566-1642 |
Tibet unter der
Herrschaft der 3 Tsangpa-Könige [76 Jahre]. Shigatse als Zentrum der Macht.
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1578 |
Sonam Gyatso
erhält vom Mongolen Herrscher Altan Khan als erster den Ehrentitel "Dalai
Lama" [Ozean der Weiseit]. Seine beiden Vorgänger werden posthum mit dem
gleichen Titel bedacht, so dass er als III. Dalai Lama in die Geschichte
eingeht. |
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1642-1959 |
Tibet unter der
Herrschaft der Dalai Lamas [317 Jahre]. Lhasa als Zentrum der Macht
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1617 - 1682 |
Der V. Dalai
Lama, ein großer Staatsmann und Gelehrter, baut den Potala Palast in Lhasa,
der zum Wahrzeichen Tibets wurde. Unter dem Grossen Fünften wird Tibet zu
einer Theokratie. Während seiner Herrschaft wird die
Priester-Patron-Beziehung wiederbelebt, diesmal zwischen den Dalai Lamas von
Tibet und den mandschurischen Kaisern der Qing-Dynastie Chinas. |
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1697 - 1895 |
Jeweils nur kurze
Herrschaft der VI. - XII. Dalai Lamas, die teilweise unter mysteriösen
Umständen sehr jung sterben. |
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1876 - 1933 |
XIII. Dalai Lama
Thubten Gyatso. Er gewinnt als Reformator und Politiker großes Ansehen und
führt Tibet ab 1912/13 wieder in die Unabhängigkeit, versäumt es aber, diese
international abzusichern. Tibet isoliert sich nach Außen. |
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1904 |
Britische
militärische "Strafexpedition" unter Oberst Younghusband erzwingt die
Öffnung Tibets für westliche Mächte. Zwei britische Handelsposten werden in
Tibet eingerichtet. |
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1911 |
Nach dem Sturz
der Qing-Dynastie in China, werden chinesischen Truppen aus Lhasa vertrieben
und Tibet erlangt somit wieder seine Unabhängigkeit. |
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06.07.1935 |
Geburt des 14.
Dalai Lamas Tenzin Gyatso |
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01.10.1949 |
Mao
Dsedong
proklamiert die kommunistische Volksrepublik China. Die Volksbefreiungsarmee
gewinnt die Kontrolle über große Teile Amdos [Nordost-Tibet]. |
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19.10.1950 |
Chinesische
Truppen erobern die Stadt Tschamdo in Ost Tibet |
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17.11.1950 |
Der XIV. Dalai
Lama übernimmt [vorzeitig] als 16jähriger die Regierungsgeschäfte. |
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23.05.1951 |
Eine
tibetische Delegation unterzeichnet unter Zwang in Bejing das "17-Punkte-Abkommen
zur friedlichen Befreiung Tibets". s. unten |
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10.03.1959 |
Volksaufstand
der Tibeter gegen die chinesische
Fremdherrschaft, der blutig niedergeschlagen wird. Tausende Tibeter kommen
ums Leben und der Dalai Lama flieht nach Indien. Es folgen ihm seitdem
Hunderttausende ins Exil. Nach der Niederschlagung des Aufstandes, setzt
Peking die "demokratischen Reformen" in ganz Tibet durch, in deren Verlauf
bis zum Beginn der Kulturrevolution 1966 über 90% der Klöster, Tempel und
Kulturdenkmäler zerstört wurden. |
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seit 1959 |
Tibet unter
chinesischer Herrschaft. Beijing als Zentrum der Macht. |
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02.09.1960 |
Die Commission of
Tibetan People's Deputies [Parlament] nimmt im Exil nach den ersten
demokratischen Wahlen in der Geschichte Tibets ihre Arbeit auf. |
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1962 |
Der X. Panchen
Lama überreicht nach einer ausgedehnten Inspektionsreise durch ganz Tibet
Mao Zedong eine 70.000 Schriftzeichen-Petition, die die chinesische Politik
und Misswirtschaft scharf kritisiert, die zu nie da gewesenen Hungersnöten in
Tibet geführt hat. |
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10.03.1963 |
Der Dalai Lama
verkündet im Exil eine demokratische Verfassung Tibets |
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09.09.1965 |
Gründung der
"Autonomen Region Tibet", die Hälfte des früheren Staatsgebietes wird chinesischen
Provinzen zugeschlagen |
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1966 - 1976 |
Durch
die Kulturrevolution wurden Angst und Terror in ganz China und den besetzten
Ländern wie Tibet verbreitet. |
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ab September 1987 |
ab
September1987 Ab September 1987 gelangen wiederholt Informationen über gewaltsame
Demonstrationen in Lhasa und ganz
Tibet gegen die chinesische Tibetpolitik durch westliche Touristen an die
Weltöffentlichkeit. Die chinesischen Behörden reagieren darauf, indem sie
erstmalig in der tibetischen Geschichte 1989 das Kriegsrecht über Lhasa
verhängen. |
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05.10.1989 |
Dem XIV. Dalai
Lama wird in Oslo der Friedensnobelpreises verliehen. |
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15. 5.1995 |
Der XIV. Dalai
Lama erkennt Choekyi Nyima als die Reinkarnation des X. Panchen Lama an.
Choekyi Nyima wird mit seiner Familie verschleppt und die chinesischen
Behörden installieren am 29. 11.1995 Gyaltsen Norbu als XI. Panchen Lama im
Jokhang-Tempel in Lhasa. |
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28.12.1999 |
Der XVII. Karmapa
Urgyen Trinley Dorje
flieht im Alter von 14 Jahren als einer der
letzten religiösen Führer aus seinem Kloster Tshurpu nach Indien.
Hinweis: Über die Identität seiner derzeitigen Inkarnation des Karmapa
besteht Uneinigkeit: Urgyen Trinley Dorje wurde 1985 in Osttibet geboren und
1992 im Kloster Tsurphu, dem traditionellen Sitz der Karmapas in Tibet, als
Reinkarnation eingesetzt.. Er wurde von Situ Rinpoche, Gyaltsap Rinpoche,
dem 14. Dalai Lama und der chinesischen Regierung anerkannt. Trinley Thaye
Dorje wurde 1982 in Lhasa geboren und von Shamarpa, als Reinkarnation des
16. Karmapa anerkannt. Er floh im März 1994 nach Indien.
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2002 - 2005 |
Fünf
Gesprächsrunden zwischen Vertretern der tibetischen Exilregierung und der
chinesischen Führung führten bis heute zu keinerlei erkennbaren
Veränderungen in der Tibet Politik der VR China. |
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Material |
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Der 17 Punkte Vertrag vom 23. Mai 1951 zwischen
der Volksrepublik China und der Regierung von Tibet über die Maßnahmen
zur friedlichen Befreiung Tibets
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1.
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Das tibetische Volk soll
sich zusammenschließen und die imperialistischen Angreifer aus Tibet
vertreiben; das tibetische Volk soll in die große Völkerfamilie des
Mutterlandes der Volksrepublik China zurückkehren. |
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2.
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Die lokale Regierung
Tibets soll die Volksbefreiungsarmee beim Einrücken in Tibet aktiv
unterstützen und die nationale Verteidigung festigen. |
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3.
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In Übereinstimmung mit
der Politik gegenüber den Volksstämmen, wie sie im »Allgemeinen
Programm· der Politischen Beratenden Konferenz des Chinesischen
Volkes (CPPCC) verankert ist, hat das tibetische Volk das Recht zur
Ausübung regional nationaler Autonomie unter der geeinten Führung
der Zentralen Volksregierung. |
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4.
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Die Zentralbehörden
werden das bestehende politische System in Tibet unverändert lassen.
Die Zentralbehörden werden außerdem den bestehenden Status, die
Funktionen und Befugnisse des Dalai Lama nicht antasten. Die Beamten
der verschiedenen Rangstufen sollen ihre Ämter ausüben wie bisher. |
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5.
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Der bestehende Status,
die Funktionen und Befugnisse des Pantschen Lama sollen erhalten
bleiben. |
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6.
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Mit dem bestehenden
Status, den Funktionen und Befugnissen des Dalai Lama und des
Pantschen Lama sind der Status, die Funktionen und Befugnisse des
Dreizehnten Dalai Lama und des Neunten Pantschen Lama zu der Zeit
gemeint, als zwischen beiden freundschaftliche und friedliche
Beziehungen bestanden. |
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7.
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Die Politik der
religiösen Glaubensfreiheit, wie sie im Allgemeinen Programm der
Politischen Beratenden Konferenz des Chinesischen Volkes (CPPCC)
niedergelegt ist, soll wirksam werden. Religion, Sitten und
Gebräuche des tibetischen Volkes sollen respektiert und die
Lamaklöster geschützt werden. Die Zentralbehörden werden den
KIöstern unverändert ihre Einkünfte belassen. |
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8.
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Die tibetischen
Streitkräfte werden Schritt für Schritt der Volksbefreiungsarmee
eingegliedert und Bestandteil der nationalen Verteidigungskräfte der
Volksrepublik China werden. |
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9.
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Die Sprache in Wort und
Schrift sowie das Schulwesen des tibetischen Volksstammes sollen in
Übereinstimmung mit den heutigen Bedingungen in Tibet Schritt für
Schritt entwickelt werden. |
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10.
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Die tibetische
Landwirtschaft, Viehzucht, Industrie und der Handel sollen
schrittweise entwickelt und der Lebensstandard des Volkes in
Übereinstimmung mit den heutigen Bedingungen in Tibet schrittweise
verbessert werden |
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11.
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Hinsichtlich
verschiedener Reformen in Tibet werden die Zentralbehörden keinen
Zwang ausüben. Es bleibt der lokalen Regierung in Tibet überlassen,
Reformen selbständig durchzuführen, und wenn im Volk Reformwünsche
laut werden, sollen sie durch Beratung mit den maßgeblichen Personen
in Tibet erfüllt werden. |
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12.
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Insofern frühere, dem
Imperialismus und der Kuomintang zugeneigte Beamte alle Beziehungen
zu imperialistischen Kräften und zur Kuomintang entschieden
abbrechen und weder Sabotage betreiben noch Widerstand leisten,
dürfen sie ungeachtet ihrer Vergangenheit im Amt bleiben. |
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13.
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Die in Tibet einrückende
Volksbefreiungsarmee wird die oben aufgeführten politischen
Richtlinien beachten, wird sich bei allen Käufen und Verkäufen
anständig verhalten und der Bevölkerung nicht das geringste weder
Nadel noch Faden gewaltsam nehmen. |
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14.
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Die Zentrale
Volksregierung soll die auswärtigen Angelegenheiten des Gebietes
Tibet einheitlich handhaben. Mit den Nachbarländern wird friedliche
Koexistenz herrschen, und auf der Basis von Gleichheit,
gegenseitigem Nutzen und gegenseitiger Achtung der Grenzen und der
Souveränität werden mit ihnen faire Wirtschaftsund
Handelsbeziehungen aufgenommen und entwickelt werden. |
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15.
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Zur Sicherung der
praktischen Durchführung dieses Abkommens soll die Zentrale
Volksregierung einen Militär- und Verwaltungsausschuss sowie ein
militärisches Hauptquartier in Tibet schaffen. Außer dem von der
Zentralen Volksregierung entsandten Personal soll möglichst viel
einheimisches tibetisches Personal zur Mitarbeit herangezogen
werden. Zu dem einheimischen tibetischen Personal, das in dem
Militär- und Verwaltungsausschuss mitarbeitet, können patriotische
Kräfte aus der lokalen Regierung Tibets, aus verschiedenen Gebieten
und aus führenden KIöstern gehören; die Namensliste soll nach
Konsultation zwischen den Beauftragten der Zentralen Volksregierung
und den verschiedenen in Frage kommenden Behörden aufgestellt und
der Zentralen Volksregierung zur Genehmigung vorgelegt werden. |
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16.
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Die Kosten für den
Militär- und Verwaltungsausschuss, das militärische Hauptquartier
und die in Tibet einrückende Volksbefreiungsarmee werden von der
Zentralen Volksregierung getragen. Die lokale Regierung Tibets wird
die Volksbefreiungsarmee beim Ankauf und Transport von
Lebensmitteln, Futter und anderen Dingen des täglichen Bedarfs
unterstützen. |
| 17. |
Dieses Abkommen tritt
sofort in Kraft, nachdem die Unterschriften geleistet und die
Dokumente gesiegelt sind |
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Unterzeichnet und besiegelt von den
bevollmächtigten Delegierten der Zentralen Volksregierung:
Chef-Delegierter Li Wei-han (Vorsitzender der Kommission für
Angelegenheiten der Nationalitäten)
Delegierte: Chang Ching-wu, Chang Kuo-hua, Sun Chih-yuan.
Bevollmächtigte Delegierte der Landesregierung Tibets:
Chef-Delegierter: KaIön Ngabö Ngawang Dschigme (Ngabö Schape);
Delegierte: Dsasag Kemä Sonam Wangdü, Kendrung Tubten Tender,
Kentschung Tubten Legmön, Rimschi Samposä Tenzin Döndrub.
Peking, am 23. Mai 1951 |
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Umfang des 1949 annektierten Gebiets
Quelle
http://sfteamtibet.org/2007/07/frequently-asked-questions.html |
Darstellung aus der Sicht der Chinesen der VR-China
Quelle:
http://www.china-guide.de/china/
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Quelle im Internet:
tibet.php
die Karte stammt aber von CNNChina ist ein vereinigter Nationalitätenstaat,
Tibet ist von alters her ein unabtrennbarer
Bestandteil Chinas. Schon früher hatten die Vorfahren der heutigen
Tibeter mit der Han-Bevölkerung im zentralen
Gebiet Chinas Beziehungen hergestellt. Im Laufe der Zeit vereinigten sich
viele Stämme auf dem Tibet-Hochplateau zur
jetzigen tibetischen Nationalität.
Die
Tubo-Nationalität Anfang des 7. Jahrhunderts trat Chinas
Geschichte in eine neue Periode ein. Die
Tang-Dynastie (618-907) begründete eine starke einheitliche Staatsgewalt und
beendete die 300jährige chaotische Spaltung im zentralen Gebiet Chinas.
Gleichzeitig vereinigte der tibetische
Nationalheld Songtsan Gampo auf dem Tibet-Hochplateau
über zehn Stämme und Sippen. Er gründete die Tubo-Dynastie, deren Hauptstadt
Lhasa wurde.
Songtsan Gampo strebte danach, mit der Tang-Dynastie freundschaftliche
Beziehungen herzustellen und fortgeschrittene Produktionstechniken sowie
politische und kulturelle Errungenschaften des Han-Volkes in
Tibet einzuführen. Er schickte zweimal Gesandte
nach Chang’an (das heutige Xi’an), um dem Tang-Kaiser den Vorschlag einer
ehelichen Verbindung zu unterbreiten, und heiratete dann im Jahr 641 die
Tang-Prinzessin Wencheng. Die Prinzessin war eine Nichte des Kaisers Taizong
und damit ein Mitglied der kaiserlichen
Familie. Songtsan Gampo übernahm so dann Produktionstechniken wie die
Papierherstellung und den Gebrauch von Steinmühlen, er schickte Kinder von
Adligen nach Chang’an zum Studium, stellte Han-Gelehrte in
Tibet an und pflegte freundschaftliche
Beziehungen mit der Tang-Dynastie in den Bereichen Politik, Wirtschaft und
Kultur. Der Tang-Kaiser Gaozong verlieh Songtsan Gampo den Titel „Fuma Duwei“
(„Fuma“ bedeutet Schwiegersohn des Kaisers, „Duwei“ ist ein alter
Beamtentitel) und belohnte ihn mit dem Rang eines „Königs der Länder des
Westmeeres“. Später verlieh Gaozong ihm noch den Titel „Geschätzter König“.
Die von Songtsan Gampo begründete „Onkel-Neffen-Beziehung“ zwischen der
Tubo- und der Tang-Dynastie währte über 200 Jahre. Im Jahr 710 verheiratete
sich die Tang-Prinzessin Jincheng mit dem tibetischen
König Tride Tsugtan. Sie brachte eine große Menge Brokat sowie technische
Bücher und Gebrauchsgegenstände nach Tibet mit.
Auf ihre Initiative kamen buddhistische Mönche aus Yutian, dem heutigen
Xinjiang, und anderen Gebieten nach Tibet, um
hier Tempel und Klöster zu bauen und Sutren zu übersetzen.
Im Jahr 821 schickte der Tubo-König Triral Panchen dreimal hintereinander
Gesandte nach Chang’an mit dem Vorschlag, ein Bündnis zu schließen.
Tang-Kaiser Muzong ließ seinen Kanzler und verschiedene Minister mit der
Gesandtschaft von Tubo verhandeln. Im nächsten Jahr schickte das Tang-Reich
Gesandte nach Tubo, wo das Bündnis geschlossen wurde. Es gibt drei Stelen
mit Inschriften über das Bündnis, eine davon vor dem Jokhang-Kloster in
Lhasa.
Spaltung des Gebiets Tibet Im Jahr 842
spaltete sich die Tubo-Dynastie wegen innerer Zerwürfnisse und Machtkämpfe
innerhalb der königlichen Familie sowie wegen der von Sippen und Stämmen und
von Offizieren. Viele lokale Regime wurden dort errichtet. Diese Regime, die
je ein Gebiet besetzt hielten, kämpften gegeneinander. Die kriegerischen
Auseinandersetzungen dauerten über 400 Jahre.
Vereinigung Tibets mit China in der Mitte des
13. Jahrhunderts Anfang des 13. Jahrhunderts gründete der mongolische Führer
Dschingis Khan (1162-1227) im Norden Chinas das mongolische Reich. 1247 traf
der tibetische Führer der Sekte Sakyapa, Sapan
Gongar Gyamcan, mit Go Tan, einem Sohn des mongolischen Königs, in Liangzhou
(heute Wuwei, Provinz Gansu) zusammen, mit dem er die Bedingungen für eine
Eingliederung Tibets ins mongolische Reich
aushandelte. Das lokale Regime Sakya wurde errichtet. Ab 1271 nannten die
Mongolen ihre Herrschaft Yuan-Dynastie, und im Jahr 1279 vereinigte sie
China und gründete eine einheitliche Macht. Tibet
wurde zu einem Verwaltungsgebiet Chinas, das direkt von der zentralen
Regierung der Yuan-Dynastie verwaltet wurde.
Als Kublai Khan (1215-1294) im Jahr 1260 auf den Thron kam, wurde Pagpa,
der Dharmakönig der Sykyapa-Sekte des tibetischen
Buddhismus, sein „Staatslehrmeister“. Im Jahr 1264 gründete Kublai eine
Kommission für die Verwaltung Tibets. Pagpa
wurde zum Leiter dieser Institution und zum Statthalter
Tibets ernannt. 1265 verlieh Kublai Khan Pagpa
die Titel „Großer Dharmakönig“ und „Kaiserlicher Lehrmeister“, und auf
Pagpas Vorschlag ernannt er den Beamten für die Verwaltungsangelegenheiten
Tibets und 13 Wanhu-Vorsteher. 1268, 1287 und
1334 schickte die Yuan-Regierung Beamte nach Tibet,
um dort die Zahl der Mitglieder aller Haushalte zu überprüfen, 15
Poststationen zu errichten, eine Verkehrslinie von
Tibet nach Dadu (heute Beijing) einrichten zu lassen und die
Frondienste in Tibet zu regeln.
Seit alters untersteht Tibet der
Zentralregierung Seit Tibet Mitte des 13.
Jahrunderts dem Territorium der Yuan-Dynastie offiziell angegliedert wurde,
stand es stets unter der Verwaltung der Zentralregierung, ungeachtet der
Wechsel der Dynastien. Mitte des 14. Jahrhunderts verfiel die
Sakya-Lokalmacht allmählich. Im Jahr 1354 übernahm die Pagdu-Kagyupa-Sekte
mit Changchub Gyaltsan (Regierungszeit 1354-1371) an der Spitze die
Herrschaft über die meisten Gebiete Tibets. So
entstand das feudal-theokratische Pagdu-Lokalregime. Die Zentralregierung
der Yuan-Dynastie erkannte die Lokalregierung an und verlieh Changchub
Gyaltsan den Titel „Dasitu“ (Lokalbeamter). Nach der Gründung der
Ming-Dynastie im Jahr 1368 wurde eine Belehnungspolitik durchgeführt, und
den Anführern der religiösen Sekten wurden Titel wie „Gottkönig“, „König der
Gesetze“ und „Großer Kaiserlicher Lehrer“ verliehen. Die Erbfolge mußte vom
Kaiser genehmigt werden. Damals erstarkte die Gelugpa-Sekte, der die beiden
Großen Lebenden Buddhas, der Dalai Lama und der Panchen Lama, angehörten.
Der 3. Dalai Lama Sonam Gyatso (1544-1588) brachte dem Ming-Hof Gaben dar
und bekam den Titel „Dorjichang“ (Vajradhara Dalai Lama). Die
Zentralregierung der Ming-Dynastie behielt die Ämter und Rangstufen der
Yuan-Dynastie größtenteils bei. Für die militärische und zivile Verwaltung
wurden in der Mitte und im Ostteil des heutigen Tibet
zwei Unterhauptquartiere eingerichtet (in Dbus-Gtsang und Mdo-Khams) sowie
in Ngari die „Kommandantur E-Li-Si“. Gleichzeitig errichtete das
Pagdu-Regime ein System von Kreisvorstehern (Dzongbon). Der Ming-Hof übergab
allen Anführern öffentliche Funktionen, so daß sie sowohl Dzongbon als auch
ernannte Beamte der Zentralregierung waren.
Im Jahr 1644 wurde die Ming-Dynastie von der Qing-Dynastie abgelöst, die
die Kontrolle über Tibet verstärkte. Die Politik
der Zentralregierung bezüglich einer souveränen Verwaltung
Tibets wurde weiter vervollkommnet. Der
Qing-Kaiser Shunzhi (1644-1661) lud den 5. Dalai Lama mehrmals in die
Hauptstadt ein, wo er ihm 1653 in Form einer goldenen Urkunde und eines
Goldsiegels den Titel „Dailai Lama, Bewahrer der Vajra“ verlieh. Im Jahr
1713 verlieh der Kaiser Kangxi (1662-1722) dem 5. Panchen Lobsang Yeshe den
Titel „Panchen Erdini“. Von da an herrschten die Dalai Lamas über Lhasa und
die meisten Gebiete Tibets und die Panchen Lamas
über Xigaze und die anderen Gebiete. Im Jahr 1727 entsandte der Qing-Hof
einen Hochkommissar nach Tibet, der als
Vertreter der Zentralregierung die lokalen Behörden überwachte. Zu dieser
Zeit wurden die Grenzen zwischen Tibet, Sichuan,
Yunnan und Qinghai offiziell festgelegt. Gleichzeitig ernannte die
Qing-Zentralregierung verdiente tibetische
Beamte zu „Galoins“ (Verwaltungsbeamte für Tibet).
Später, im Jahr 1750, wurde das Präfektur-System abgeschafft und die
tibetische Lokalregierung „Kasha“ gegründet.
Fortan regelten der Hochkommissar und der Dalai Lama gemeinsam die
tibetischen Angelegenheiten. Im Jahr 1793 erließ
die Qing-Regierung eine 29-Punkte-Vorschrift über die Amtsbefugnisse der
Hochkommissare in Tibet, die Reinkarnationen der
Dalai Lamas und Panchen Lamas sowie anderer Lebender Buddhas, die
militärischen Angelegenheiten an der Grenze, die auswärtigen
Angelegenheiten, die Finanzverwaltung, die Gabendarbringung und Verwaltung
der Klöster und über weitere Fragen. Diese 29-Punkte-Vorschrift regelte über
hundert Jahre lang die lokale Verwaltung in Tibet,
sie hatte den Standard von Gesetzen.
Im Jahr 1911 brach in China die Xinhai-Revolution aus, die zur Gründung
der Republik China (1912-1949) führte, in der sich Han, Mandschuren,
Mongolen, Hui, Tibeter und andere Nationalitäten
vereinigten. Die Zentralregierung führte die Verwaltung in
Tibet weiter auf der in den Dynastien Yuan, Ming
und Qing gelegten Basis durch. Im Jahr 1912 richtete die Zentralregierung
das Amt für mongolische und tibetische
Angelegenheiten ein (1914 umbenannt in „Rat für mongolische und
tibetische Belange“, das verantwortlich war für
die lokalen Angelegenheiten in Tibet. Ferner
setzte die Zentralregierung Beamte in Tibet ein.
1927 wurde in Nanjing die Nationalregierung der Republik China gebildet, und
zwei Jahre später setzte die Regierung eine Mongolisch-Tibetische
Kommission ein, die für die administrativen Angelegenheiten von
Tibetern, Mongolen und anderen nationalen
Minderheiten zuständig war. Im Jahr 1940 errichtete die Nationalregierung
der Republik China in Lhasa eine Vertretung der Mongolisch-Tibetischen
Kommission als ständiges Organ der Zentralregierung in
Tibet. Die tibetische
Lokalregierung wählte mehrmals Beamte zur Teilnahme an den
Abgeordneten-Versammlungen der Nationalregierung der Republik China aus.
Während der Republik China gab es Unruhen im Inneren und Inovasionen von
außen, was die Zentralregierung schwächte. Trotzdem akzeptierten der Dalai
Lama und der Panchen Erdini weiterhin die ihnen von der Zentralregierung
verliehenen Titel. Als der 14. Dalai Lama Lhamo Dondrup 1940, sieben Jahre
nach dem Tod des 13. Dalai Lama, die Nachfolge antrat, wurde dies vom
Vorsitzenden der Nationalregierung der Republik China genehmigt.
Die Gründung des neuen Tibets Im Jahr 1949
wurde die Volksrepublik China gegründet. Ausgehend von den historischen und
aktuellen Verhältnissen beschloß die Zentrale Volksregierung Richtlinien zur
friedlichen Befreiung Tibets. Am 23. Mai 1951
unterzeichneten die Vertreter der Zentralen Volksregierung und der
tibetischen Lokalregierung das „Abkommen der
Zentralen Volksregierung und der tibetischen
Lokalregierung über Maßnahmen zur friedlichen Befreiung
Tibets“, ein 17-Punkte-Abkommen, das im
wesentlichen aus zwei Inhalten bestand: Einerseits bekräftigte es die
Forderungen der Zentralen Volksregierung an die tibetische
Lokalregierung, die Volksbefreiungsarmee beim Einmarsch in
Tibet aktiv zu unterstützen, die
Landesverteidigung zu verstärken, die Kräfte des Imperialismus zu
vertreiben, alle auswärtigen Angelegenheiten der Region
Tibet von der Zentralen Volksregierung
einheitlich regeln zu lassen und die tibetischen
Truppen Schritt für Schritt in die Volksbefreiungsarmee einzugliedern.
Andererseits wurde darin versichert, keine Veränderungen des politischen
Systems in Tibet und der besonderen Stellung und
Kompetenzen des Dalai Lama vorzunehmen, die Sitten und Gebräuche der
tibetischen Bevölkerung zu respektieren, die
Religionsfreiheit zu gewährleisten, gesellschaftliche Reformen durch
Vereinbarungen mit der tibetischen Führung
durchzuführen und eine Politik der regionalen Autonomie der Nationalitäten
zu praktizieren. Der Dalai Lama und der Panchen Erdini sandten dem
Vorsitzenden der Zentralen Volksregierung, Mao Zedong, Telegramme, in denen
sie die Unterstützung des 17-Punkte-Abkommens zusagten und ihre
Entschlossenheit bekräftigten, die Einheit der Souveränität des Vaterlandes
zu verteidigen. Die geistliche und weltliche Bevölkerung
Tibets aller Ebenen und die
tibetische Lokalregierung unterstützen das
Abkommen entschieden, hieß es im Telegramm des Dalai Lama. Von da an begann
für die tibetische
Geschichte eine neue Phase.
Im Jahr 1954 kamen der Dalai Lama und der Panchen Erdini gemeinsam nach
Beijing zur Teilnahme am 1. Nationalen Volkskongress der Volksrepublik China,
auf dem der Dalai Lama zum Vorsitzenden und der Panchen Erdini zum Mitglied
des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses gewählt wurden.
Im Jahr 1956 wurde das Vorbereitungskomitee des Autonomen Gebiets
Tibet gegründet, dessen Vorsitz der Dalai Lama
übernahm.
Im März 1959 entfesselten die meisten Galoins der
tibetischen Lokalregierung und eine reaktionäre Clique der Oberschicht
eine bewaffnete Rebellion zur Spaltung des Vaterlandes, zur
Aufrechterhaltung der feudalistischen Leibeigenschaft und zum Kampf gegen
demokratische Reformen. Die Zentrale Volksregierung erteilte der in
Tibet stationierten Volksbefreiungsarmee den
Befehl, die Rebellion entschieden niederzuwerfen. Am 28. März gab
Ministerpräsident Zhou Enlai Order, die tibetische
Lokalregierung aufzulösen. Mit den Befugnissen der Lokalregierung wurde das
Vorbereitungskomitee des Autonomen Gebiets Tibet
betraut. Sodann entsprach die Zentrale Volksregierung dem Willen des
tibetischen Volkes, demokratische Reformen
durchzuführen und das feudale System der Leibeigenschaft abzuschaffen. Alle
Leibeigenen und Sklaven wurden befreit. Nach einer stabilen Entwicklung von
einigen Jahren wurde im September 1965 das Autonome Gebiet
Tibet offiziell ins Leben gerufen. |
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Lesen Sie beide Darstellungen
der Geschichte Tibets und Chinas bzw. deren Verhältnis.
Welche Ereignisse werden in beiden Darstellungen genannt? Welche gibt es nur
in einer Darstellung? Warum könnte das so sein?
Welche Rolle spielt China für Tibet in den Darstellungen? Wie oft kommt
China vor? Welche Rolle spielen europäische Mächte für Tibet? Welche
Informationen enthalten die Texte über Ereignisse außerhalb Tibets? Warum
ist Tibet so isoliert zu betrachten? Welche Rolle spielt in Tibet die
Landwirtschaft, der sekundäre Sektor? Was wird exportiert? Was wurde
exportiert?
Welche Rolle kommt der Religion zu? Versuche
in der Diskussion mit deiner Ethik- oder Religionslehrkraft die Religion des
Buddhismus und seiner verschiedenen Spielarten zu ergründen. Warum gelten
Buddhisten als friedlich?
Was versteht man unter einer Theokratie? Was unter einer Mönchsherrschaft?
Wer ist in Tibet Mönch? Welche Regeln gelten? Kann ein Mönch heiraten? Muss
er arbeiten? Warum ist es evtl. schön Mönch zu sein? In welchem Alter ist
man Mönch? Welche Rolle spielen Frauen in der Religion, in dieser Theokratie?
Gelten in der Mönchsherrschaft der Lamas Menschenrechte? Gilt
Gleichberechtigung? Warum setzen sich in Europa ausgerechnet Frauenverbände
für das tibetanische Mönchssystem ein? Frage eine Lehrerin!
Die Zeitungstexte unten befassen sich mit dem Thema
Tibet. Warum wird das Thema plötzlich (2008 März) aktuell? Welches Ereignis
steht im Hintergrund? Welche Position beziehen die verschiedenen Autoren? 6
Gruppen zu den Texten 1-6! Jede Gruppe versucht einen Text inhaltlich
zusammen zu fassen! Jede Gruppe erklärt die Textsorte! Jede Gruppe schreibt
zu den vorkommenden Fachausdrücken ein Glossar! Jede Gruppe schreibt einen
Spickzettel zu den Ergebnissen! 30 min Zeit!!! Dann wechseln die Gruppen!
Aus jeder Gruppe kommt einer in die neue Gruppe! Jeder informiert in der
neuen Gruppe über die gerade erarbeiteten Ergebnisse der ersten Runde! Jeder
lässt sich den Beurteilungsbogen für seine Information, die er gegeben hat,
ausfüllen. Was wurde beanstandet? 30 min Treffen in der 3. Runde wieder in
der ersten Formation! Wie wurden die anderen aus der Gruppe beurteilt.
Stimmen alle Urteile überein? ==> Fehler oder Bonus der Gruppenarbeit! große
Abweichungen? Warum war der eine besser als die andere? oder umgekehrt? Wir
klären die Fragen auf den Beurteilungsbögen! Was haben die anderen warum
nicht verstanden? |
1
Unruhen in Tibet
Peking bezeichnet Dalai Lama als Lügner
Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao macht den Dalai
Lama für die blutigen Unruhen in Tibet verantwortlich. Er fordert das
geistige Oberhaupt der Tibeter auf, sein Land als Teil Chinas zu
akzeptieren. Nur auf dieser Grundlage könne es zu Gesprächen kommen. Der
Premier bestätigte erstmals auch Unruhen außerhalb Tibets.
Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao hat Vorwürfe des
Dalai Lamas von einem „kulturellen Völkermord“ in Tibet als „Lügen“
zurückgewiesen. Auf einer Pressekonferenz zum Abschluss der diesjährigen
Tagung des Volkskongresses am Dienstag in Peking machte der
Regierungschef das religiöse Oberhaupt der Tibeter außerdem für die
blutigen Unruhen verantwortlich. China lägen „hinreichende Fakten und
reichlich Beweise“ vor, wonach die „Dalai-Lama-Clique“ die Zwischenfälle
in Lhasa „vorsätzlich geplant und organisiert“ habe.
Die chinesische Regierung forderte den Dalai Lama
auf, das Ziel einer Unabhängigkeit Tibets aufzugeben. "Wenn der Dalai
Lama auf eine Unabhängigkeit verzichtet und akzeptiert, dass Tibet ein
unveräußerlicher Teil Chinas ist, wie Taiwan, dann ist unsere Tür weit
auf für einen Dialog mit ihm", sagte Wen Jiabao.
Nach der Niederschlagung der Proteste gegen die
chinesische Besatzung in der vergangenen Woche waren im Ausland
Forderungen nach einem Dialog zwischen der Regierung in Peking und dem
Friedensnobelpreisträger laut geworden.
Wen bestätigte erstmals ein Übergreifen der Unruhen in Tibet auf andere
Teile des Landes und machte Anhänger des geistlichen Oberhaupts der
Tibeter für die Proteste verantwortlich. "Sie haben versucht, so ein
schreckliches Ereignis in Lhasa und in anderen Teilen Chinas zu
inszenieren", sagte Wen. Die gewaltsamen Proteste in der tibetischen
Hauptstadt Lhasa seien "von der Clique des Dalai Lama angezettelt und
organisiert" worden, sagte Wen weiter. Die chinesische Regierung habe
"zahlreiche Beweise" dafür.
Die gegen China gerichteten Demonstrationen hatten in Lhasa begonnen und
sich dann auf andere Regionen im Nordwesten Chinas ausgeweitet, in denen
viele Exil-Tibeter leben. Anti-chinesische Proteste waren aus den
Provinzen Sichuan, Gansu und Qinghai gemeldet worden.
Menschenrechtsgruppen hatten unter Berufung auf Augenzeugen berichtet,
dass Soldaten am Sonntag das Feuer auf Demonstranten in der Stadt Ngawa
in Sichuan eröffneten und mindestens acht Menschen töteten.
Bei den blutigen Protesten in Lhasa und anderen Teilen Chinas starben
nach Angaben des Exilparlaments der Tibeter hundert oder sogar mehrere
hundert Menschen. Die chinesische Regierung sprach von 13 Toten
Staatschef Hu Jintao ruft China zu
Geschlossenheit auf
Zum Abschluss der Tagung des chinesischen
Volkskongresses forderte Staats- und Parteichef Hu Jintao China zu
"Geschlossenheit" auf. Die zweiwöchige Sitzung war überschattet von den
schwersten Ausschreitungen in Tibet seit zwei Jahrzehnten. Hu Jintao
äußerte sich jedoch nicht direkt zu den Unruhen.
Die rund 3000 Delegierten billigten mit großer Mehrheit die
Rechenschaftsberichte der Regierung. Der Bericht von Ministerpräsident Wen
Jiabao bekam wie erwartet starke Zustimmung mit 2885 Ja-Stimmen, 32
Nein-Stimmen und 12 Enthaltungen.
Der Haushalt für dieses Jahr mit einer erneuten
drastischen Erhöhung der Militärausgaben wurde bei 362 Gegenstimmen und
102 Enthaltungen mit 2462 Ja-Stimmen angenommen. Wie in den Vorjahren
stießen die Berichte des obersten Richters und Generalstaatsanwalts mit
521 beziehungsweise 514 Gegenstimmen auf die stärkste Ablehnung.
Die Delegierten äußerten damit ihren Unmut über mangelnde Erfolge bei der
Bekämpfung von Korruption und Kriminalität. Der Entwicklungsplan für
dieses Jahr wurde mit 2747 Ja-Stimmen, 125 Gegenstimmen und 50
Enthaltungen gebilligt.
Diplomaten: Sicherheitsrat wird sich nicht zu
Tibet äußern
Der UN-Sicherheitsrat äußerte sich bisher nicht zur
Lage in Tibet. Es herrsche überwiegend die Ansicht, dass sich China
andernfalls provoziert fühlen würde und sich in der Sache dennoch nichts
ändere, sagte ein UN-Diplomat, der namentlich nicht genannt werden wollte,
am Montag.
Allein schon eine Diskussion in der Angelegenheit
würde wohl von China abgewiesen. Es stelle sich deshalb die Frage, was
mit einem Disput erreicht werden könne. Ein anderer UN-Diplomat
bestätigte diese Ansicht.
Der chinesische UN-Vertreter Liu Zhenmin sagte, in einer Sitzung am
Montag sei das Thema Tibet nicht angesprochen worden. "Das hat nichts
mit Frieden und Sicherheit zu tun", sagte er. Vielmehr sei es eine
inländische Angelegenheit. China ist eines der fünf Veto-Staaten im
UN-Sicherheitsrat. Die Regierung in Peking könnte jegliche Versuche
des Gremiums blockieren, im Tibet-Konflikt tätig zu werden.
Ein Vertreter von der Menschenrechtsgruppe Amnesty International
forderte dennoch, dass sich der Rat einmischt. "China wird sein Veto
einlegen. Dann soll es doch", sagte für Asien zuständige
Amnesty-Vertreter T. Kumar.
UN-Generalsekretär Ban-ki Moon erklärte zuvor, er sei "zunehmend
besorgt" über die Berichte von Gewalt in Tibet. Er habe dies auch in
Treffen mit Chinas Botschafter zum Ausdruck gebracht, sagte Ban. Er
gab jedoch keine Hinweise darauf, dass sich das Sekretariat der
Vereinten Nationen einmischen werde.
|
2
Herbert Kremp - Die Welt - Kommentar
Noch ist die
Dimension der Unruhen in Tibet weitgehend unbekannt. Die Kraft des
Aufstandes von 1959 und in den 80er Jahren scheinen sie nicht zu gewinnen.
Auch das Ausmaß der Beteiligung der Mönche ist fraglich. Ein Teil ihrer
Gemeinschaft wurde infolge ständiger chinesische Indoktrination in den
Bann des politischen Gehorsams geschlagen. Die Klosterkultur zerfällt.
Dafür sehen zahlreiche Heranwachsende in Tibet unter der chinesischen
Oppression keine Zukunft und begehren auf. Der Dalai Lama sprach in einer
seiner Stellungnahmen von einer „gewaltbereiten Generation“. Sie mag Feuer
legen, verfügt aber weder über eine geistige Strategie noch über Waffen.
Trotz dieser Einschränkungen befindet sich Peking in
einer heiklen Lage – von den „Störungen“ der olympischen Spiele ganz
abgesehen. Denn nicht nur das militärisch leicht abzuriegelnde Dach der
Welt ist unruhig, sondern mehrere Westprovinzen des Reiches mit
tibetanischen und turkmenischen Minderheiten respektive administrativ
reduzierten Mehrheiten. Zum traditionellen Nationalitätenkonflikt kommen
schwere soziale Verwerfungen in den überwiegend ländlichen Regionen.
Protest und kleinerer Aufruhr mit blau geschlagenen Parteifunktionären
ereignen sich in China tausendfach pro Jahr. Der Himmel ist hoch, der Zar
ist weit, das Wasser schmutzig und knapp, und die Geldentwertung schreitet
rasend voran.
Die Spaltung des Landes in reiche Küstenregionen mit
glitzernden Metropolen und rückständige, sozial unversicherte Binnen- und
Westprovinzen mit ihren Millionenmassen, in die des gerade im Amt
bestätigten Hu Jintaos Geist der Harmonie nicht dringt, schafft einen
kritischen Widerspruch. Die Unruhen in Tibet und den angrenzenden
Talprovinzen sind von dem dramatischen sozialen Vorgang nicht zu trennen
und können insofern als Zündsatz für letztlich organisierten Aufruhr gegen
die kommunistische Dynastie im fernen Peking wirken. Wenn die
Zentralregierung etwas fürchtet, dann ist es der Verlust des Mandats der
nationalen Einheit – die Verwandlung des Landes in kosovoartige
Krisengebiete, die in der zentralasiatischen Weite ihr Glück versuchen.
Da es um den Zusammenhalt, um China und die Partei
geht und keineswegs nur um neurotische Revolutionsphobien, genau besehen
sogar um mehr als das Taiwan-Problem, greift die herausgeforderte
herrschende Klasse bei jeder sich abzeichnenden Gefahr der Abspaltung mit
äußerster Entschlossenheit militärpolizeilich ein. Statuierte Exempel
sollen Nachfolgetaten verhindern. Man kann davon ausgehen, dass ein Teil
des Politbüros die olympischen Spiele verflucht, weil sie jede
dissidentische Tat in den elektronischen Blickpunkt rücken. Das
Parteiregime hat durch seine Politik der kulturellen Zerstörung den Grund
für die tibetischen Unruhen gelegt – der Aufruhr selbst ist jedoch mit
Sicherheit ein lancierter Stoff, um die Weltmeinung zu erregen. Man kann
analytisch von einem guten „timing“ sprechen. Die chinesische Vermutung,
dass planvolle, mit der inneren Entwicklung unzufriedene Hände am Werke
sind, wie immer sie sich nennen mögen, klingt nicht so platt wie sonst.
Völkerrechtlich ist es durchaus umstritten, ob Tibet
als Teil des chinesischen Staatsverbandes, als sogenannte Autonome Region
im Rahmen der Volksrepublik China anzusehen ist. Während die USA nach
einem Beschluss des Senats von 1991 Tibet für „okkupiert“ halten, folgt
Deutschland auch in dieser Hinsicht der offiziellen Pekinger Regel der
Ein-China-Politik. Die deutsche Forderung nach einem „Dialog“ zwischen dem
Dalai Lama – einem rechtlich gesehen zweifelhaften Repräsentanten der
Tibeter – und der Zentralregierung hat insofern den Charakter eines
Vorschlags zur Güte im Sinne der Menschenrechte und einer gedeihlichen
Friedensentwicklung. Nach diesem Muster reagiert der größte Teil der
Staaten der Welt, durchaus ehrenwert, besorgt und frustriert.
Die chinesische Regierung wird versuchen, ein großes
Blutbad zu vermeiden. Tatsächlich erinnert bis jetzt nichts an das
Massaker von 1959 oder an die Niederschlagung der Tienanmen-Unruhen 1989.
Die zu erwartende Weigerung, mit dem Dalai Lama zu verhandeln, beruht
darauf, dass Peking nicht das geringste Interesse hat, den geistlichen
Führer aufzuwerten. Die Gravitation des Aufruhrs ist von der alten
buddhistischen Ursache weggewandert. Die Bedrohung hat sich gewissermaßen
erweitert, sie ist, was China betrifft, allgemeinpolitisch und sozial
geworden. Die Partei wird, weil sie überleben will, die „Ordnung“
verteidigen, aber die Lösung besteht nicht mehr im militanten Kulturkampf,
sondern in der Bändigung eines Frühkapitalismus, der paradoxerweise aus
der Revolutions-Ära Mao Zedongs hervorgeschossen ist wie ein fremder
Geist.
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Kommentare: Der jahrzehntelange Kampf der Tibeter
Die Welt
3
China fördert den Terrorismus
Die Tibeter sind der Vorzeigefall einer
Befreiungsbewegung. Sie agierten jahrzehntelang weitgehend friedlich
und setzen vor allem Prominente statt Waffen ein. Ihr Anführer, der
Dalai Lama, ist auch kein nationalistischer Maximalist. Seit das
unabhängige Tibet von China besetzt wurde, hat er unzählige Gesprächs-
und Kompromissangebote unterbreitet. Allein: Gebracht hat es den
Tibetern nichts. Im Gegenteil - seit Jahrzehnten betreiben die
Chinesen eine Politik des Bevölkerungsaustausches, der die Tibeter zur
Minderheit im eigenen Land machen soll.
Vergleicht man die tibetische mit anderen
Befreiungsbewegungen, so wird sofort deutlich, warum die chinesische
Reaktion so deprimierend ist. Die Palästinenser haben ihren Fall in
den 60er- und 70er-Jahren vor allem mit Flugzeugentführungen und
Terroranschlägen auf die internationale Agenda gesetzt. Der einzige
Grund, warum sie heute immer noch keinen Staat haben, sind ihre
schlechten Führer. Auch die Protestanten in Nordirland haben gezeigt,
dass Terror funktioniert. Es ist schwer vorstellbar, dass sie es ohne
die Anschläge der IRA bis zur Beteiligung an der nordirischen
Regierung gebracht hätten. Im Vergleich dazu hat sich die Lage der
Tibeter eher verschlechtert als verbessert. Die Lehren, die
Unabhängigkeitsbewegungen daraus ziehen werden, sind klar: Nur wenn
man sich mit terroristischer Gewalt auf die Weltbühne bombt, wird man
irgendwann als politischer Verhandlungspartner akzeptiert. Die
Chinesen tun also nicht nur den Tibetern Unrecht an, sie befördern mit
ihrer Gesprächsverweigerung letztlich auch den Terrorismus. Manche der
einheimischen islamischen Uiguren, die ebenfalls nach mehr Autonomie
streben, haben diese tibetische Lektion schon gelernt und China ein
eigenes islamistisches Terrorproblem beschert.
Tibet will nicht länger für seine Friedfertigkeit
bestraft werden. Wenn die Chinesen nicht möchten, dass die Tibeter vom
Weg des Dalai Lama abkommen, dann sollten sie ihn wenigstens als
Gesprächspartner akzeptieren. Aber auch die Weltgemeinschaft muss das
Problem energischer verfolgen. Sonst entsteht der fatale Eindruck,
dass sich Gewaltfreiheit nicht auszahlt.
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4
Deutsche Welle
Niederlage für Chinas
Sicherheitsapparat in Tibet
Der
chinesische Sicherheitsapparat geht mit Gewalt gegen die Demonstranten in
Tibet vor. Dabei wollte sich China im Olympiajahr eigentlich als modern
und weltoffen zeigen. Doch das Gegenteil scheint sich einzustellen.
Für die chinesische Staatsführung
könnten die Unruhen in Lhasa nicht ungünstiger kommen. Denn in nicht
einmal mehr fünf Monaten werden die Olympischen Spiele in Peking
eröffnet, und während der Spiele will sich China der Welt von seiner
Schokoladenseite präsentieren.
Insbesondere das Olympiajahr ist in China mit vielen Erwartungen und
viel Imageaufbau der chinesischen Regierung verbunden. Darum habe die
chinesische Regierung in den vergangenen Monaten einerseits
demonstrieren wollen, wie modern und weltoffen China geworden sei, und
damit durchaus Recht habe, meint Christoph Müller-Hofstede,
China-Experte bei der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn.
Gleichzeitig scheine durch diese große Anspannung der Sicherheitsapparat
die Schrauben immer enger zu stellen und sich teilweise der gegenteilige
Effekt einzustellen, ergänzt Müller-Hofstede. "Denn die Kritik an China,
das muss man ganz klar sagen, hat in den letzten Monaten eher
zugenommen."
"Füchterlich außer Kontrolle geraten"
Gerade weil die internationale Gemeinschaft im Olympiajahr mit
großer Aufmerksamkeit nach China blickt, ist Müller-Hofstede nun
verwundert darüber, dass es überhaupt zu den Unruhen in Lhasa kommen
konnte. Denn der chinesische Sicherheitsapparat habe sich in den letzten
20 Jahren systematisch präventiv auf mögliche Unruhen vorbereitet und
immer die Philosophie verfolgt hat, diese im Keim zu ersticken. "Das ist
ihnen offensichtlich überhaupt nicht gelungen. Da ist etwas fürchterlich
außer Kontrolle geraten, was die Spontanität und das Ausmaß der Unruhen
angeht", meint Müller Hofstede. "Insofern ist das eine richtige
Niederlage für den chinesischen Sicherheitsapparat."
Die Frage ist nun, wie sich die Situation in Tibet weiterentwickeln
wird. Westliche Beobachter wie etwa der China-Kenner Thomas Heberer sind
angesichts der Proteste in Lhasa zurückhaltend: "Das Ganze wird mit
einer Übermacht an Bewaffneten beendet werden, es wird zu Haftstrafen
kommen, die Restriktionen in den Klöstern werden verstärkt werden."
Positive Auswirkungen für Tibet und die Tibeter erwartet er nicht.
IOC: Kein Boykott
Unterdessen ist die Diskussion darüber entbrannt, wie man angesichts
der aktuellen Krise mit den Olympischen Spielen umgehen soll: Das
Internationale Olympische Komitee lehnt einen Boykott der Spiele ab, wie
IOC-Präsident Jacques Rogge am Samstag (15.3.2008) mitteilte. Und in der
Tat ist es eher unwahrscheinlich, dass es dazu kommen wird.
Aber die Tibetfrage wird in den Wochen bis zu den Olympischen Spielen
weitere Diskussionen aufwerfen, sagt Müller-Hofstede. Unter anderem
würden etwa die Sponsoren der Olympiade in die Kritik geraten. Denn
spätestens nach den Unruhen Mitte März ist deutlich, dass die
Olympischen Spiele in Peking nicht unpolitisch sein werden.
"Es gibt
Menschenrechts-Lobbyorganisationen in den USA mit Richard Gere oder Mia
Farrow, die massiven Druck schon auf einzelne Personen wie Steven
Spielberg ausgeübt haben, der sein Amt als
künstlerischer Berater niedergelegt hat, und die irgendwann auch an
diese Firmen herangehen werden", sagt der China-Kenner von der
Bundeszentrale für politische Bildung.
Silke Ballweg
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Bericht
Exiltibeter berichten von hunderten
Toten
ORF- Radioskript
Ö1 Mittagsjournal - Cornelia Vospernik
Wer im chinesischen Fernsehen Neuigkeiten sucht,
landet oft bei Altbekanntem: Eine Sendung nach der anderen widmet sich
dem derzeit laufenden Volkskongress in Peking. In den Abendnachrichten
gestern war Tibet erst ganz am Schluss dran. Schließlich hat der
Volkskongress Premierminister Wen Jiabao wiederbestellt.
Manipulierte Reportagen
Der Telefonbericht der Korrespondentin in Tibet, die zuvor noch neben
einem niedergebrannten Haus und inmitten von Schutt zu sehen gewesen
war, war ganz offensichtlich mit Archivbildern unterschnitten. Die
Lichtstimmung schien nicht ganz einheitlich, aber nicht nur das:
Ordentliche Straßen, geöffnete Geschäfte und ein Marktplatz, auf dem
sich die Menschen tummeln, waren da zu sehen.
Ultimatum endet
Was Augenzeugen aus Lhasa berichten, hört sich anders an: Niemand wage
sich vor das Haus. Von Tür zu Tür sei die Polizei den ganzen Sonntag
gezogen, dutzende Menschen sollen festgenommen worden sein, unter
ihnen ehemalige politische Häftlinge. Heute Nacht endet das Ultimatum
an die Demonstranten und was dann geschieht, kann man sich ausmalen.
Dass sämtliche Ausländer zum Verlassen der Provinz aufgerufen werden
und natürlich kein Ausländer hinein darf, lässt nichts Gutes erahnen.
Offizielle Dementis
Bis jetzt hat China nach eigenen Angaben nämlich Zurückhaltung geübt.
Keine tödlichen Waffen seien eingesetzt worden, nicht von der Polizei,
beteuert der tibetische Regierungschef Qiangba Puncog: "Wir haben in
Lhasa Brandschatzung gesehen, Schlägereien, Verwüstungen und
Plünderungen. Das sind Schwerverbrechen, die von der Dalai-Clique
geplant wurden. Sie steckt mit Ausländern unter einer Decke."
Anschuldigungen gegen Dali Lama
Dass diese Revolte einer angeblich kleinen sogenannten Dalai-Clique
jetzt offenbar auf andere Provinzen, in denen Tibeter leben,
überspringt, wird verschwiegen. Aus der östlichen Nachbarprovinz
Sichuan werden Tote gemeldet, auch im nördlich von Tibet liegenden
Qinghai soll es Demonstrationen geben. Und in Gansu wird seit Tagen
demonstriert. Exiltibeter sprechen von hunderten Toten. China von 13
und einem Schuldigen, dem Dalai Lama.
Propagandamaschine läuft
Keine Gelegenheit wird ausgelassen, um das Image des
Friedensnobelpreisträgers im In,- und Ausland anzupatzen. Ein
gewaltbereiter Mensch verstecke sich hinter dieser Mönchkutte, sagt
die staatliche Propaganda. Der Dalai Lama habe der Gewalt nie
abgeschworen schreibt die Xinhua. Die Staatengemeinschaft müsse ihre
Haltung gegenüber dieser Gruppe, die sich mit Gewaltlosigkeit tarne,
überdenken. Die Propagandamaschine Pekings ist voll angelaufen.
Chinesische Internet-Blogs sind voll mit Entrüstung über die Tibeter.
Bedrohte Minderheiten
Aber der Volkszorn kann sich schnell auch gegen andere Minderheiten
richten: So kursiert in Peking derzeit ein SMS, in dem davor gewarnt
wird, Essen bei uigurischen Straßenverkäufern zu kaufen. Dieses sei
nämlich mit HIV-infiziertem Blut verseucht. Zwischen beschworener und
echter Brüderlichkeit liegen dann doch Welten.
|
6
Die Zeit
Bis zu Ende kämpfen
Von Britta
Petersen | © ZEIT online 18.3.2008 -
13:50 Uhr
Die verschiedenen
Gruppe von Exiltibetern organisieren aus Indien den Widerstand gegen China
- manche beginnen, die gewaltlose Strategie des Dalai Lama zu kritisieren
Jeden Morgen ab neun Uhr versammeln
sich an Delhis Jantar Mantar – einem astronomischen Observatorium aus
dem 18. Jahrhundert – Hunderte junger Tibeter zum Hungerstreik. Ein
stiller Protest, der lange unbemerkt blieb.
Doch seit einigen Tagen ist alles
anders. Seit die chinesische Regierung vergangene Woche brutal gegen
Demonstranten in der tibetischen Hauptstadt Lhasa vorging und ein
friedlicher Protestmarsch von der indischen Regierung gestoppt wurde,
ist die Wut groß unter den Tibetern. 65 Mitglieder des „Tibetan Youth
Congress“ wurden gestern in Delhi verhaftet, als sie bei einer
Demonstration vor der chinesischen Botschaft Steine auf das Gebäude
warfen.
„Wir wissen nicht, wie viele Tibeter
schon von den Chinesen getötet wurden, es können 150 sein oder mehr.
Aber die Bewegung muss weitergehen. Jeder Tibeter hat die Pflicht, sich
für die Freiheit seines Landes und den Erhalt unserer Kultur
einzusetzen“, sagt Kunchok Yangpel, Sprecher des „Tibetan Youth
Congress“ in Delhi. Die Jugendorganisation ist bekannt dafür, dass sie
der Politik des Dalai Lama, die auf gewaltfreien Protest gegen die
chinesische Herrschaft in Tibet und auf Autonomie statt Unabhängigkeit
setzt, skeptisch gegenübersteht. Doch der „Youth Congress“ ist nicht
mehr allein.
„Jeder hat großen Respekt vor dem
Dalai Lama als geistigem Führer. Aber nach mehr als 50 Jahren Besatzung
haben die Leute einfach genug. Seine Politik der Gewaltlosigkeit hat
nichts gebracht“, sagt Tarini Mahta von der Organisation „Friends of
Tibet“. Die Gruppe ist nur eine von zahlreichen Organisationen in
Indien, die sich für die Sache Tibets starkmachen.
Im vergangenen Jahr beschlossen
verschiedene Gruppen von Exiltibetern, darunter der „Tibetan Youth
Congress“, die „Tibetan Women’s Organization“, die „Gu-Chu-Sum Movement“
für politische Gefangene, „Students for a Free Tibet“ und die „National
Democratic Party of Tibet“ die bevorstehenden Olympischen Spiele in
Beijing als Gelegenheit zu nutzen, gegen die Besatzung ihres Landes und
die andauernden Menschenrechtsverletzungen in Tibet zu protestieren. Sie
rufen deshalb zum Boykott der Spiele auf.
Mehr als 100.000 Tibeter leben im
Exil in Indien. Die meisten von ihnen sind in der einen oder anderen
Gruppe engagiert. In Delhis Tibeterviertel Maju Ka Tila haben seit einer
Woche aus Protest gegen die chinesische Politik alle Geschäfte
geschlossen und auch der Tibetische Markt am Janpath, einer beliebten
Einkaufsmeile für Touristen, ist verweist. „Wir können nicht so tun, als
sei nichts passiert. Das sind die größten Proteste seit 20 Jahren. Wir
sollten erst aufhören, wenn wir unser Land zurückhaben“, sagt Neema,
Betreiberin eines Reisebüros in Maju Ka Tila.
Dennoch sind die Möglichkeiten der
Exiltibeter begrenzt. „Es gibt kaum Kommunikationsmöglichkeiten nach
Tibet, die Telefone, das Internet, alles ist abgeschaltet“, sagt Kunchok
Yangpel. „Es ist deshalb lächerlich, wenn die chinesische Regierung
behauptet, die Proteste in Tibet seien vom Dalai Lama gesteuert. Diese
Bewegung hat kein Zentrum und keinen Führer, die Leute sind auf sich
allein gestellt.“ Das sieht auch Tarini Mahta so: „In gewisser Weise
müssen die Tibeter ihren Kampf allein kämpfen, es gibt praktisch einen
völligen Informations-Blackout.“
Die Unterstützergruppen versuchen
deshalb von Indien aus, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und Druck
auf die politischen Akteure im Ausland auszuüben. Am gestrigen Montag
demonstrierten Hunderte von Tibetern vor dem Büro der Vereinten Nationen
(UN) in Delhi. Auch indische Gruppierungen haben sich dem Protest
angeschlossen, wie die „Friends of Tibet“, das „All Indian Parliamentary
Forum for Tibet“ und die „Core Group for Tibetan Cause“. Sie verurteilten
auf einer Pressekonferenz die indische Beschwichtigungspolitik gegenüber
China. „Die größte Gefahr ist jetzt, dass die indische Regierung dem Druck
Beijings nachgibt und die Grenze zumacht. Das könnte zu einer Tragödie
werden. Wenn die chinesische Regierung weiter so brutal gegen
Demonstranten vorgeht, werden viele Tibeter nach Indien fliehen“, warnt
Tarini Mahta.
40 indische Parlamentsabgeordnete haben
ihre Solidarität mit den Tibetern zum Ausdruck gebracht und
Premierminister Manmohan Singh in einem Brief aufgefordert, die Probleme
„im Dialog mit dem Dalai Lama“ zu lösen. Das geistige und religiöse
Oberhaupt der Tibeter lebt seit seiner Flucht aus Lhasa 1959 im
nordindischen Exil in Dharamsala. „Seit 50 Jahren ist Indien Heimat für
tibetische Flüchtlinge. Die Regierung muss einschreiten und die
chinesischen Repressionen stoppen“, forderte Kiren Rijiju, Abgeordneter im
indischen Unterhaus, der Lok Sabha.
Wenn diese Bemühungen erfolglos bleiben
sollten, muss Beijing sich auf unruhige Olympische Spiele einstellen.
„Dies ist unser Kampf, und wir müssen ihn kämpfen dürfen“, sagt Rin Chin
Norzong von der „Tibetan Women’s Organisation“ – eine der Demonstrantinnen
am Jantar Mantar, die täglich zur Mahnwache mit Kerzen kommt. „China hat
uns so lange unterdrückt, und nur eine Revolution kann sie stoppen. Wir
sind bereit, bis zum Ende zu kämpfen!“
|
7
Frankfurter Allgemeine Zeitung
zum
Olympiaboykott
„Es brennt immer noch“
Von Evi Simeoni
17. März 2008 Nur
ein einziges Mal bekam Thomas Bachs Stimme einen metallenen Beiklang: Als
der ranghöchste deutsche Sportfunktionär auf einen möglichen Boykott der
Olympischen Spiele in Peking wegen der blutigen Niederschlagung der
Unruhen in Tibet zu sprechen kam. „Die Geschichte hat gezeigt, dass
Boykotte nie zum Ziel führen“, rief er in den Saal. Die alte Empörung war
plötzlich wieder da. Auch 28 Jahre nach dem Boykott der Spiele in Moskau
sind die alten Narben noch empfindlich. Nicht nur bei Bach, dem
Mannschafts-Olympiasieger im Fechten von 1976 auf Florett, sondern beim
gesamten deutschen Sport.
Eigentlich hatte am Sonntag eine
launige Festrede im Kölner Gürzenich zum 125. Bestehen des Deutschen
Ruderverbandes auf der Agenda des sportpolitischen Multi-Taskers
gestanden, und Bach gab sich alle Mühe, Humor zu beweisen. Aber mit der
guten Laune ist es in den Diskussionszirkeln des deutschen Sports vorbei –
seit Forderungen etwa von Hollywoodstar Richard Gere laut geworden sind,
die Nationen sollten dem großen chinesischen Prestige-Ereignis Olympia
fernbleiben.
Verzicht löst keinen Konflikt
Olympiaboykott ist eines der größten
Reizworte der Sportgeschichte – und selten sind sich Athleten und
Sportfunktionäre so einig wie in diesem wunden Punkt: Der Verzicht der
Athleten auf ihre wichtigsten Wettbewerbe löst nicht die Konflikte der
Welt. Auch Bundesinnenminister Schäuble, der sich dem Sport schon immer
nah gefühlt hat, ist dieser Ansicht. „Der Sport kann seine Wirkung nur
entfalten, wenn die Olympischen Spiele stattfinden“, sagte er am Sonntag.
Als am 23. April 1980 alle
Bundestags-Fraktionen einer Empfehlung an das Nationale Olympische Komitee
für Deutschland (NOK) zustimmten, aus Protest gegen den Einmarsch der
Sowjetunion in Afghanistan die Moskauer Spiele zu boykottieren, war
Schäuble schon Abgeordneter der CDU. Man folgte damals dem Beispiel der
Vereinigten Staaten – insgesamt beteiligten sich schließlich 30 Staaten
ausdrücklich am Boykott. Immerhin ist aber eine Parlamentarische Anfrage
Schäubles vom 13. Juni 1980 dokumentiert, in der er wissen will, wie die
Bundesregierung „die Entscheidung der im deutschen Sportbund
zusammengeschlossenen olympischen Spitzensportverbände, 32 Offizielle zu
den anlässlich der Olympischen Spiele stattfindenden Kongressen der
internationalen Föderationen zu entsenden“, beurteile. Schäuble wollte
damals auch wissen, ob für diese Reisen Haushaltsmittel aufgewendet
würden.
1980 keine Chance gegen die Politik
In der Tat schlugen damals die Wogen
der Empörung über unverdrossen nach Moskau reisende deutsche Funktionäre
besonders unter den Athleten hoch, die zum Teil auf die Medaillenchance
ihres Lebens verzichten mussten. „Das ist das Schlimmste, was einem
Athleten passieren kann“, sagt etwa der Handball-Bundestrainer Heiner
Brand, ein Boykott-Opfer von 1980. „Deswegen halte ich davon gar nichts.“
Bach wettert heute noch: „Kein einziger Soldat hat sich aus Afghanistan
herausbewegt, nur weil einige Mannschaften nicht bei den Olympischen
Spielen gestartet sind.“
In jenem Jahr hatte der heutige
Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und Präsident
des Deutschen Olympischen Sportbundes gelernt, wie sich Ohnmacht und
Hilflosigkeit anfühlen. Am 15. Mai 1980 beschloss das NOK in Düsseldorf
den Boykott. Athletensprecher Bach hatte bis zuletzt dagegen gekämpft,
doch gegen die Politik hatte er keine Chance. Als besonders demütigend
empfand er ein Treffen mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt, der
die Argumente der Athleten „abgebügelt hat in einer Art und Weise, die
hart an der Grenze des Erträglichen war“. Auch beim Treffen mit einer
Menschenrechtsorganisation fühlte sich Bach hilflos und unverstanden. „In
einem tribunalartigen Verfahren wollten sie mich verantwortlich dafür
machen, dass in der Sowjetunion Kinder sterben und Menschen hungern und es
politische Gefangene gebe.“ Er wurde angefeindet, erhielt Anrufe: Du
Kommunistenfreund! „Für mich persönlich war es eine Schule, die durch
nichts zu ersetzen ist. Es brennt immer noch.“
Das letzte Geschenk von Samaranch
Auf diesen traumatischen Erlebnissen
gründet Bachs Funktionärskarriere, die den Tauberbischofsheimer eines
Tages an die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees führen soll.
Willi Daume im Übrigen, der damalige NOK-Präsident und Bachs Förderer,
zählte auch zu den Verlierern des Moskau-Boykotts: Er unterlag bei der
Wahl zum IOC-Präsidenten chancenlos dem Katalanen Juan Antonio Samaranch.
Ein positiver Effekt der Boykotte – 1984 blieben im Gegenzug viele
Ostblockstaaten den Spielen in Los Angeles fern – war die Einführung der
Athletensprecher beim IOC. Der „mündige Athlet“ wurde in den aufgeklärten
Nationen zu einer erstrebenswerten Größe.
„Wir wollen“, sagte Bach am Sonntag,
„eine Mannschaft von mündigen Athleten nach Peking schicken, die ihre
Meinung vertreten und damit dem olympischen Geist gerecht werden.“ Und
nun, vor dem Hintergrund der Gewalt in Lhasa, bekommen die hehren Worte
der Olympier, die häufig genug missbraucht werden, um nackte
Geschäftsinteressen zu verschleiern, tatsächlich einen tieferen Sinn. Als
der scheidende IOC-Präsident Samaranch 2001 in Moskau als eine seiner
letzten Amtshandlungen seinen chinesischen Freunden die Spiele schenkte,
war klar, dass dies nicht aus Sorge um die Menschenrechtslage in dem
Riesenreich geschah.
„Die einzige Chance auf einen
olympischen Erfolg“
Samaranch hatte sich in seiner Amtszeit
nicht unbedingt als Hüter der Coubertinschen Grundsätze, sondern als
genialer Vermarkter der olympischen Idee erwiesen. Die öffentliche
Aufmerksamkeit, die Olympische Spiele mit sich bringen, so argumentierte
damals schon das IOC, werde aber für eine Verbesserung der
Menschenrechtslage in China sorgen. „Gerade in solchen Situationen“, sagt
Bach, „sind die olympischen Werte und Symbole, das Leben unter einem Dach
und der friedliche Wettstreit besonders wichtig. Sie können ein ganz
besonders intensives Zeichen setzen.“
Athleten allerdings wollen selten
politische Zeichen setzen, sondern möglichst ungestört ihre Wettkämpfe
absolvieren. „Die Athleten haben sich jahrelang vorbereitet“, sagt etwa
Roland Baar, der erfolgreichste Ruder-Schlagmann der Welt und
Medaillengewinner von Barcelona und Atlanta. „Für viele bedeuten die
Spiele in Peking die einzige Chance auf einen olympischen Erfolg.“ Steffi
Nerius, die Europameisterin im Speerwurf, sieht das genau so: „Mir tun
jetzt noch die Athleten leid, die sich für die Boykottspiele 1980 und 1984
vier Jahre lang umsonst vorbereitet hatten.“
Die Olympischen Spiele, darin sind sich
alle Sportler einig, sollen nicht für politische Zwecke missbraucht
werden. Sie bestehen zugleich darauf, bei einem gigantischen
Medienspektakel mitzuwirken, das traditionell nicht nur die
Austragungsländer für Imagepflege und Prestigegewinn nutzen, sondern auch
die Teilnehmerländer. Wie etwa Deutschland, das zum Zwecke der
Spitzensportförderung in diesem Haushaltsjahr 126,8 Millionen Euro an
Steuergeldern fließen lässt, um sich im Medaillenspiegel angemessen zu
positionieren.
Text: F.A.Z.
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