virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und England im Vergleich

 
 

Quelle CD-Rom Bundeszentrale für politische Bildung 1848 - 1949 - ein Jahrhundert der deutschen Geschichte

 

 


Quelle: viadrina - Fernuni-Frankfurt-Oder

 


Quelle: viadrina - Fernuni-Frankfurt-Oder

 

 

Sterberate sinkt + Geburtenrate steigt leicht an 

genauere Ausführungen hier!

 

 

 

Die Zeit von 1750 bis 1914 war gekennzeichnet durch eine Bevölkerungsexplosion, wie es sie nie zuvor in der europäischen Geschichte gegeben hatte: Um 1700 hatte Europa etwa 120 Millionen Einwohner, 1914 aber 450 Millionen. Und dies, obwohl in diesem Zeitraum etwa 60 Millionen Europäer ausgewandert waren.
 

Die vier Phasen der Bevölkerungsentwicklung:
 

 

1. Die "vorindustrielle Bevölkerungsweise"

Die Geburten- und Sterberaten sind hoch, schwanken aber sehr stark, da die meisten Menschen an der Grenze des "Nahrungsspielraumes" leben: Ernteschwankungen, Hungersnöte und in ihrem Gefolge Seuchen wirken sich sofort in erhöhter Sterblichkeit (besonders der Säuglinge und Kinder) aus und setzen auch die Geburtenzahlen herab.
 
Innerhalb der Ehen gibt es zumeist keine Beschränkung der Kinderzahl, aber die Eheschließung unterliegt zahlreichen gesellschaftlichen Beschränkungen - das durchschnittliche Heiratsalter ist oft hoch, viele Bevölkerungsgruppen bleiben unverheiratet. Die Eheschließung ist zumeist an eine Erwerbstätigkeit gebunden, die die Ernährung einer Familie erlaubt.
 

 

2. Die "Bevölkerungsexplosion" - die "Schere" öffnet sich

Die Versorgung mit Nahrungsmitteln wird besser (neue Anbaufrüchte, wie etwa Kartoffeln und Mais, verbesserte Methoden in der Bewirtschaftung: Fruchtwechsel, Stallfütterung, Düngereinsatz), Ausschaltung regionaler Hungersnöte durch verbesserte Verkehrswege und Transportmittel (Eisenbahn), medizinische Fortschritte (Pockenimpfung, Entdeckung zahlreicher Seuchenerreger, bessere Hygiene), die Erwerbschancen in einer ertragreicheren Landwirtschaft und vor allem in der entstehenden Industrie verbessern sich. Die Sterbeziffern beginnen stark abzusinken, vor allem die Säuglings- und Kindersterblichkeit geht zurück, aber auch das Durchschnittsalter der Erwachsenen steigt. Die Geburtenziffern aber bleiben hoch. Obwohl jetzt mehr Kinder überleben, wird die Zahl der Geburten nicht beschränkt. Außerdem verschwinden zahlreiche vorindustrielle Heiratshemmnisse: Handwerksgesellen, Mägde, Knechte werden zu Industriearbeitern und können heiraten...
 

 

3. Die Geburtenrate sinkt - die Schere schließt sich

Etwa um 1880 beginnt auch die Geburtenrate abzusinken und zwar zuerst in den wohlhabenderen bürgerlichen Familien. Andere soziale Schichten folgen diesem "Bevölkerungsverhalten". Die Gründe dafür sind vielfältig: Keine Aufsplitterung von Vermögen, bessere Bildungs- und Lebenschancen, Konkurrenz anderer Lebensinhalte (Karriere auch der Frauen, Beruf, Reisen...) Soziele Sicherung auch anders als durch Kinder möglich.
 

 

4. Bevölkerungsweise hoch industrialisierter Gesellschaften

Niedrige Geburten- und Sterberaten, ständiges Ansteigen des Durchschnittsalters, geringes Wachstum bis Stagnation der Bevölkerung
 

 
Mit der industriellen Revolution und dem raschen Bevölkerungswachstum "explodierten" auch die Städte. Aber nicht nur die Industriestädte wuchsen und verdichteten sich zu Stadtagglomerationen(Ballungsraum), sondern auch die alten Städte, vor allem die Hauptstädte, wuchsen zu Metropolen heran (London). Zwischen 1800 und 1900 wuchs die Einwohnerzahl von Wien um etwa 500%. Wien hatte am Vorabend des 1.WK die 2-Millionen-Grenze erreicht und man rechnete damals mit einem weiteren Anstieg auf 4 Millionen.
 
Versorgung und Entsorgung dieser neuen Riesenstädte wurde schon damals zu einem Problem: Wasserleitungen, Abwasserkanäle, Straßen, Straßenbeleuchtungen, öffentliche Verkehrseinrichtungen mussten gebaut werden, hunderte Schulen, Krankenhäuser, Verwaltungseinrichtungen wurden gebraucht. Es dauerte Jahrzehnte, bis man all diese Probleme einigermaßen "in den Griff" bekam.
 

 

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