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Quelle: viadrina - Fernuni-Frankfurt-Oder

Quelle: viadrina - Fernuni-Frankfurt-Oder
Sterberate sinkt + Geburtenrate steigt leicht an
genauere Ausführungen hier!

Die Zeit von 1750 bis 1914 war gekennzeichnet durch eine
Bevölkerungsexplosion, wie es sie nie zuvor in der europäischen Geschichte
gegeben hatte: Um 1700 hatte Europa etwa 120 Millionen Einwohner, 1914 aber
450 Millionen. Und dies, obwohl in diesem Zeitraum etwa 60 Millionen
Europäer ausgewandert waren.
Die vier Phasen der Bevölkerungsentwicklung:
1. Die "vorindustrielle Bevölkerungsweise"
Die Geburten- und Sterberaten sind hoch, schwanken aber
sehr stark, da die meisten Menschen an der Grenze des "Nahrungsspielraumes"
leben: Ernteschwankungen, Hungersnöte und in ihrem Gefolge Seuchen wirken sich
sofort in erhöhter Sterblichkeit (besonders der Säuglinge und Kinder) aus und
setzen auch die Geburtenzahlen herab.
Innerhalb der Ehen gibt es zumeist keine Beschränkung
der Kinderzahl, aber die Eheschließung unterliegt zahlreichen
gesellschaftlichen Beschränkungen - das durchschnittliche Heiratsalter ist oft
hoch, viele Bevölkerungsgruppen bleiben unverheiratet. Die Eheschließung ist
zumeist an eine Erwerbstätigkeit gebunden, die die Ernährung einer Familie
erlaubt.
2. Die
"Bevölkerungsexplosion" - die "Schere" öffnet sich
Die Versorgung mit Nahrungsmitteln wird besser (neue
Anbaufrüchte, wie etwa Kartoffeln und Mais, verbesserte Methoden in der
Bewirtschaftung: Fruchtwechsel, Stallfütterung, Düngereinsatz),
Ausschaltung regionaler Hungersnöte durch verbesserte Verkehrswege und
Transportmittel (Eisenbahn), medizinische Fortschritte (Pockenimpfung,
Entdeckung zahlreicher Seuchenerreger, bessere Hygiene), die Erwerbschancen
in einer ertragreicheren Landwirtschaft und vor allem in der entstehenden
Industrie verbessern sich. Die Sterbeziffern beginnen stark abzusinken, vor
allem die Säuglings- und Kindersterblichkeit geht zurück, aber auch das
Durchschnittsalter der Erwachsenen steigt. Die Geburtenziffern aber bleiben
hoch. Obwohl jetzt mehr Kinder überleben, wird die Zahl der Geburten nicht
beschränkt. Außerdem verschwinden zahlreiche vorindustrielle Heiratshemmnisse:
Handwerksgesellen, Mägde, Knechte werden zu Industriearbeitern und können
heiraten...
3. Die Geburtenrate sinkt - die Schere schließt sich
Etwa um 1880 beginnt auch die Geburtenrate abzusinken und
zwar zuerst in den wohlhabenderen bürgerlichen Familien. Andere soziale
Schichten folgen diesem "Bevölkerungsverhalten". Die Gründe dafür sind
vielfältig: Keine Aufsplitterung von Vermögen, bessere Bildungs- und
Lebenschancen, Konkurrenz anderer Lebensinhalte (Karriere auch der Frauen,
Beruf, Reisen...) Soziele Sicherung auch anders als durch Kinder möglich.
4. Bevölkerungsweise hoch industrialisierter
Gesellschaften
Niedrige Geburten- und Sterberaten, ständiges Ansteigen des
Durchschnittsalters, geringes Wachstum bis Stagnation der Bevölkerung
Mit der industriellen Revolution und dem raschen
Bevölkerungswachstum "explodierten" auch die Städte. Aber nicht nur die
Industriestädte wuchsen und verdichteten sich zu Stadtagglomerationen(Ballungsraum),
sondern auch die alten Städte, vor allem die Hauptstädte, wuchsen zu
Metropolen heran (London). Zwischen 1800 und 1900 wuchs die Einwohnerzahl von
Wien um etwa 500%. Wien hatte am Vorabend des 1.WK die 2-Millionen-Grenze
erreicht und man rechnete damals mit einem weiteren Anstieg auf 4 Millionen.
Versorgung und Entsorgung dieser neuen Riesenstädte wurde
schon damals zu einem Problem: Wasserleitungen, Abwasserkanäle, Straßen,
Straßenbeleuchtungen, öffentliche Verkehrseinrichtungen mussten gebaut werden,
hunderte Schulen, Krankenhäuser, Verwaltungseinrichtungen wurden gebraucht. Es
dauerte Jahrzehnte, bis man all diese Probleme einigermaßen "in den Griff"
bekam.
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