virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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Imperialismus

 

Definition

Imperialismus ist die Bezeichnung für die Bestrebungen eines Staates, die Herrschaft oder zumindest Kontrolle über andere Länder oder Völker zu erringen. Letzteres kann über politische, ökonomische oder kulturelle Einflussnahme und Unterwerfung geschehen. Geprägt wurde der Begriff im Zusammenhang mit der europäischen Expansionswelle zwischen 1870 und 1914. Imperialismus bedeutet eigentlich Weltreich- / Kolonialreich- Billdung nach dem Imperium Romanorum der Antike. Eine Macht beherrscht die damals bekannte Welt.

Epochekennzeichen

Das besondere an dieser Epoche war, dass sich viele Mächte (Europa, USA, Japan) gleichzeitig am Wettlauf um die - wie man glaubte- endgültige Verteilung über die überblickbar gewordene Welt, beteiligten. Um der Konkurrenz in einer sich industrialisierenden Welt gewachsen zu sein, glaubten die Protagonisten, große Teile der Erde als Rohstofflieferanten und/oder Absatzmärkte beherrschen zu müssen.

Ideologie

Neben den wirtschaftlichen und politischen Gründen gab es auch noch entscheidende geistige Gründe für den Imperialismus: Darwins Lehre " The Survival of the Fittest" war eine machtvolle Empfehlung des Wettkampfes um des Wettkampfes willen. Diese Idee wurde auf die Staaten übertragen und falsch verstanden. Aus dem Durchsetzten des best-angepassten wurde ein Durchsetzen des Stärkeren und ein Recht des Stärkeren postuliert. Dies nennt man Sozialdarwinismus. Aus der Idee der Rassenlehre durch Mendel wurde eine Rassenhierarchie entwickelt, nach der der Weiße über den anderen Völkern stünde. Dieser Rassismus erlaubte die Ausbeutung, die Unterdrückung und das Töten der so zu Minderwertigen gewordenen Völker. 

Voraussetzungen

Der technische Fortschritt schaffte durch die industrielle Revolution die Voraussetzungen zum Imperialismus. Bessere Waffen (Maschinengewehr), stärkere Transportsysteme (Eisenbahn und Stahlschiff) und schnellere Kommunikationssysteme (Telegraphie) ermöglichten die Beherrschung großer Räume durch wenige Menschen und die Nutzung und den Abtransport von Ressourcen. Der technische Vorsprung bewies die scheinbare Überlegenheit der Weißen, da nur diese im Besitz der neuen Techniken waren. Der dadurch entstehende Rassendünkel, der Rassismus, zerstörte alte Moralvorstellungen und enthemmte die Weißen, die Schwächeren blutig zu unterdrücken. 

Großbritannien

Das britische Imperium, zunächst Irland, England, Schottland, beinhaltete um 1900 zusätzlich Indien, Teile Afrikas, Kanada und Australien. Zu dieser Zeit erstreckte es sich über einen Viertel der Erdoberfläche und einen Viertel der Menschheit. Die Ziele der britischen Politik waren die Erhaltung des europäischen Gleichgewichts und die Eindämmung der aufstrebenden Konkurrenz Russlands und der USA. Größte Seemacht. Mit militärischen Interventionen wurden wirtschaftliche Interessen abgesichert und neue gebieten erworben. Durch den technischen Industrialisierungsvorsprung konnte England das größte Kolonialreich unterwerfen. 

Russland

Größte Landmacht. Zu Bismarcks Zeit (1815 - 1898) drängten die Russen an die Meere, um Schifffahrtswege/den Zugang zu den Meeren zu gewinnen. 1858: Besetzung der chinesischen Amurprovinz; 1860 Gründung des Hafens Wladiwostok; Von 1891 - 1904 Bau der transsibirischen Eisenbahn; 1900 Besetzung der Mandschurei. Dann schwere Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg 1904/05. 1850-1900 Grenzen immer näher an Indien (GB) heran. 1853 Krimkrieg verloren, danach aber Ausdehnung des Einzugsgebietes bis Balkan/Kaukasus.   .....mehr

 

USA

Bis 1850 hatten sich die weißen Amerikaner über die ganze Breite des Kontinents ausgebreitet; gleichzeitig hatte die industrielle Revolution begonnen. Sie nahm Ausmaße an, die in Europa (aufgrund der vielen, relativ kleinen Staaten) nicht möglich war. 1861: Sezessionskrieg. Der industrialisierte Norden der USA gegen den agrarischen Süden. Der Sieg des Nordens schuf die Voraussetzung für das Wachstum des späten 19. Jahrhunderts. Die Freiheitsidee zog viele Europäer an und die Eisenbahn erschloss das Land. Die Rohstoffe und die Arbeitskräfte brachten die USA bis 1900 an die industrielle Spitze aller Staaten. Die wirtschaftliche Überlegenheit und die Idee alle Europäer aus Amerika fernzuhalten (Monroe-Doktrin) ermöglichte den USA eine Vormachtstellung in ganz Amerika. Die "Gringos" beherrschten mit einer Politik der wirtschaftlichen Durchdringung ("Dollar-Imperialismus") und der Absicherung der Investitionen durch Militärinterventionen (Big-Stick-Politik) Lateinamerika. Mit dem Krieg gegen Spanien wurden 1900 mit Cuba, Puerto Rico und den Philippinen die ersten Kolonien errichtet. Der 1903 eröffnete Panamakanal erschloss neue Verkehrswege. 

Deutschland 

Laut Kaiser Wilhelm II. sollte Deutschland Weltmacht werden: "Weltpolitik als Aufgabe, Weltmacht als Ziel, Flotte als Instrument." Diese  "Weltpolitik" war die deutsche Form des Imperialismus. Im Wettlauf um einen "Platz an der Sonne" - um die Kolonialisierung der noch nicht unterworfenen Gebiete - blieben die Erfolge gering. In Afrika bleiben nur weniger wichtige, verstreute Gebiete für Deutschland. In  der Südsee erwarb Deutschland unbedeutende Inseln. Auch in China fasst Deutschland Fuß. Insgesamt kam Deutschland zu spät bei der Aufteilung der Welt. Man fühlte sich betrogen. Die rassistischen und antisemitischen "Alldeutschen" forderten ein reinrassiges, alle anderen unterdrückendes Weltreich. Diese Parolen und die aggressive Politik Wilhelm II prägten das Bild des Deutschen in der Welt und sorgten für Angst vor Deutschland. Deutschland grenzte sich durch seine Politik aus. Bis auf Österreich waren alle anderen Staaten in Europa gegen Deutschland mehr oder weniger verbündet. So sah Wilhelm II nur noch in einem Krieg die Chance die Umklammerung Deutschlands aufzubrechen und sein Ziel Kolonien zu erwerben und Weltmacht zu werden, zu erreichen. Die erste Gelegenheit zum Krieg nach dem Mord an dem österreichischen Thronfolger wurde ergriffen ("Jetzt oder nie!") und somit der erste Weltkrieg auf Wunsch Wilhelms ausgelöst.

Folgen

Europäisierung der Welt: Die weißen "Herrenvölker" hatten keinen Blick für die Kultur usw. der anderen. Alles, was braun, gelb, schwarz oder rot war, stand jedenfalls unter den Weißen. "Ich behaupte, dass wir die erste Rasse in der Welt sind und dass es um so besser für die Menschheit ist, je mehr wir von der Welt bewohnen." Cecil Rhodes 1877. Der Welt wurde die "fortschrittlicher" europäische Kultur aufgezwungen. Bis heute ist die Welt europäisch geprägt. 
Wirtschaftlicher Aufschwung: Die Wirtschaft Europas machte durch die Ausbeutung der Kolonien auf deren Kosten einen Sprung vorwärts, obwohl die hochgesteckten Ziele nie erreicht wurden und die Kolonien nie wirklich wirtschaftlich entscheidend wurden. 
Zerstörung von Kulturen: Die Kulturen der "Eingeborenen" wurden zerschlagen und europäische Denkweisen (Egoismus, Gewinnstreben, Fortschrittsgläubigkeit, Freiheitsideal) eingeführt.

Entkolonialisierung

Alle Kolonien wollen eines Tages ihren Kolonialstatus abschütteln und über Autonomie (Selbstverwaltung) zur Souveränität (Selbstbestimmung) kommen. So sind heute fast alle Kolonien unabhängige Staaten. Auch die in der ehemaligen UdSSR ablaufenden Prozesse wie in Tschetschnien (Befreiungskrieg gegen die Russen) können als Entkolonialisierungskonflikte betrachtet werden.

theoretische Ansätze, den Imperialismus zu erklären

  • marxistischer Ansatz
  • sozialpsychologischer Ansatz
  • liberaler Ansatz
  • bürgerlich-konservativer Ansatz
  • phänomenologischer Ansatz

Erklären Sie jeweils kurz die Kernthese des jeweiligen Ansatzes!

 

Begründung des imperialistischen Strebens

Untersuchen Sie diese Rechtfertigungen!

s auch Repetitorium