virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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Imperialismus - eine Definition 
Referat Wolfgang

Der Begriff „Imperialismus" bezeichnet das Erobern und Angliedern eines militärisch und/oder wirtschaftlich unterlegenen Landes oder einer Bevölkerung durch eine Nation und dessen anschließende wirtschaftliche Ausbeute mit militärischen Mitteln (formeller Imperialismus) bzw. die wirtschaftliche Gefügig- und Abhängigmachung durch ein Mutterland mittels wirtschaftlicher Methoden (informeller Imperialismus).

Der Ausdruck Imperialismus bezieht sich hauptsächlich auf einen Zeitraum von etwa 1880 bis 1914, die „Hochphase" des Imperialismus, in dem die europäischen Großmächte, Japan und die USA gleichzeitig mittels einer expansiven Politik versuchten, möglichst große Teile der Erde in Form von Kolonien an das jeweilige Mutterland anzugliedern.

Diese Bestrebungen wurden aufgrund einer militärischen Überlegenheit gegenüber den kolonialisierten Bevölkerungen erst ermöglicht. Hierzu leistete die Entwicklung des Ganzstahlschiffes mit Schiffsschraube (alle Orte waren nun unabhängig von Wind- oder Strömungsverhältnissen erreichbar, die Stahlkonstruktion war den meisten konventionellen Waffen haushoch überlegen) und der MG (eine kleine Gruppe von Kolonisten war damit in der Lage, die waffentechnisch meist unterlegene einheimische Bevölkerung unter Kontrolle zu halten). Weiterhin war mit dem Chinin erst kurz zuvor ein Mittel gegen die Malaria gefunden worden, dass es Weißen überhaupt erst ermöglichte, im subtropischen Raum für eine längere Zeit zu überleben. Die Erfindung des Telegrafen, mit dem eine ständige Verbindung mit dem Mutterland geschaffen war, tat ihr Übriges.

Die Entwicklung des starken Sendungsbewusstseins, das für den Imperialismus eine zentrale Rolle spielte, leitet sich aus mehreren Faktoren ab. Mendel (Vererbungslehre) und Darwin (Evolutionstheorie) hatten mit ihren Entdeckungen (wohl unabsichtlich) den Boden für eine Ideologie geschaffen, auf dessen Grundlage die Idee, die eigene Kultur möglichst auszubreiten stand. Nach der Theorie des Sozialdarwinismus, der aus der unkontrollierten Vermischung von Darwins und Mendels Lehren gepaart mit nationalistischem Chauvinismus entstand, befanden sich alle Rassen („Rasse" wurde mit dem Begriff „Nation" gleichgesetzt - es gab also deutsche, englische usw. Rassen) in einem ständigen Kampf ums Überleben - eine Ausbreitung bzw. ein aggressives Vorgehen der eigenen „Rasse" war als nötig - , in dem Kolonien als zusätzliche Gebiete eine tragende Rolle spielten, da man mit ihnen glaubte, den nationalen Einfluss ausdehnen zu können und sich so „einen Platz an der Sonne" sichern zu können.

die russische Spielart des Imperialismus - Binnenimperialimus

Einer der Auslöser expansiver Unternehmungen waren die ständig wachsenden Bevölkerungszahlen in den Mutterländern. Man meinte, so der Überbevölkerung Herr zu werden (Auswanderer). Ein weiterer Auslöser waren die Probleme der eigenen Industrie, die man mit Kolonien zu beseitigen suchte (man Erhoffte sich die Lösung der eigenen sozialen Frage, sowie die Möglichkeit die Überproduktion der heimischen Betriebe in die Kolonien absetzen zu können). Unterstütz wurden imperialistische Vortriebe durch den Glauben, die jeweils eigene Rasse sei durch göttliche Vorsehung auserwählt, wie auch durch den Gedanken, möglichst viele Menschen mit der eigenen (also der überlegenen) Kultur beglücken zu müssen. Russland erwirbt dabei keine Kolonien in Übersee, sondern schlißt angrenzende Gebiete direkt dem Staat an.

Bereits unter Zar Peter dem Großen befand sich Russland auf der Suche nach einem eisfreien Hafen, der einen ganzjährigen Zugang zu den Weltmeeren garantieren würde. Auf der „Jagd nach einer Grenze", die sich durch das ganze 19 Jh. erstreckt, dehnte sich Russland erst über den Ural, dann in die Gebiete Zentralasiens bis nach Ostasien und China aus. Ein weiteres Ziel der russischen Expansionspolitik war es, den Bosporus und damit den Zugang zum Mittelmeer in den eigenen Herrschaftsbereich zu bringen (eisfreier Hafen). Weiterhin suchte man, die slawischen „Brudervölker" auf dem Balkan von der türkischen Herrschaft zu befreien. Hierzu wurden zwar mehrere Versuche unternommen (1828/29, 1855/56 (Krimkrieg) und 1877/78), die jedoch alle nicht von Erfolg gekrönt waren. Nach dem verlorenen Krimkrieg begann sich die Expansionspolitik des Zaren verstärkt nach Osten zu orientieren, wo man sich große Teile Chinas aneignete (1858 das Armurgebiet, 1860 die Küstenprovinz und 1900 im Zuge der Niederschlagung des Boxeraufstandes die Mandschurei). Ein kolonialer Vorstoß nach Alaska scheitert 1876. Nach diesen Eroberungen stellte nur noch Japan einen Block dar, der den Zugang zum Pazifik verwehrte, gegen den Russland 1904/05 jedoch eine Niederlage einstecken musste. Durch die Niederlage gegen Japan waren die Interessen Russlands an einer weiteren Ostexpansion vorerst gedeckt und man wendete seine Aufmerksamkeit wieder verstärkt nach Westen, was sich in einem verstärkten Engagement Russlands auf dem Balkan äußerte. Dieser Panslawismus (Vormacht und Beschützer aller slawischen Völker) bringt Russland in Konflikte mit Österreich-Ungarn. Das Instrument dieser Expansion war die Russifizierung dieser Gebiete (Sprache, Kultur), die russ. orthodoxe Religion und die Besiedelung durch "Verbannte" und Strafgefangene. Eine wirtschaftliche Nutzung erfolgt nach dem Bau der Transsibirischen Bahnlinie nach Wladiwostok. Hier sind sich US- und russischer Imperialismus ähnlich.

Während der russischen Expansion zur Ostsee und über Teile Nordeuropas bzw. später Zentral- und Ostasien wurden mehrere Bevölkerungsgruppen an das Reich angeschlossen, die mit der eigentlichen russischen Bevölkerung nichts zu tun hatten. Russland wird ein Vielvölkerstaat.  Die Abspaltungen nach dem 1. Weltkrieg (Finnland, Estland, Lettland, Litauen) und nach dem Zerfall der Sowjetunion ab 1990 (Tschetschenien)  können als späte Entkolonialisierungsprozess bewertet werden.