Europa und Osterreich 1815 -1847 |
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| Der Begriff "Restauration",
die übliche Bezeichnung für die drei Jahrzehnte zwischen dem Wiener
Kongress und den Revolutionen von 1848/49, trifft nur die halbe
Wahrheit. Angemessen ist er insofern die Kräfte der
"Beharrung", repräsentiert durch die
monarchisch-bürokratischen Obrigkeitsstaaten, ihre meisten
Machtpositionen damals alles in allem zu behaupten wussten. Aber der
Begriff verdeckt auch, dass die Kräfte der "Bewegung" in
jenen 33 Jahren nicht abnahmen, sondern anwuchsen und dass, aller
konservativen und reaktionären Blockierungen zum Trotz, sich ein
tiefgreifender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel vollzog.
Im Prinzip war die Restauration ein mit staatlichen Machtmitteln
durchgesetzter unnatürlicher Zustand. Im nichtstaatlichen Bereich
vollzog sich der Wandel. Die alten Mächte, darunter natürlich auch Österreich, hatten sich vor allem einer dreifachen Herausforderung zu erwehren: Der liberalen, vereinzelt auch demokratischen Verfassungsbewegung, die einen gebührenden Anteil des Bürgertums an der politischen Macht forderte; der nationalen Bewegung, die nach nationaler Eigenständigkeit, Unabhängigkeit, Einheit und nach der politisch-staatlichen Selbstbestimmung des Volkes verlangte; der sozialen Protestbewegung, die auf eine Milderung von Not und Armut und auf mehr soziale Gerechtigkeit drängte. Solange Österreich und die restlichen europäischen Großmächte an einem Strang zogen, hatten die oppositionellen Kräfte wenig Chancen. In Bedrängnis geriet die alte Ordnung aber immer dann, wenn die Großmächte uneins waren und die Opposition sich zu gemeinsamem Handeln zusammenfand. Bis zur Jahreswende 1847/48 trat dieser Fall selten ein. Dann brach die alte Ordnung um so schneller und widerstandsloser zusammen. Dies ist eigentlich überraschend, denn der Konsens der Großmächte war brüchig. Die Politische Ordnung des Wiener Kongresses Die Neuordnung Europas war das Werk der fünf
Großmächte Frankreich, Großbritannien, Preußen, Russland und
Österreich. Wo sie sich einig waren, hatten die vielen Mittel- und
Kleinstaaten wenig zu bestellen. Überhaupt kein Gehör für ihre
Wünsche und Hoffnungen fanden die Völker selbst; sie blieben
Untertanen, Objekte der Kabinettspolitik. Maßgebend für die
territorialen Regelungen waren die in der napoleonischen Ära
geschaffenen Verhältnisse und deren Landaufteilung. Von der
Wiederherstellung des vorrevolutionären Besitzstandes konnte im
allgemeinen keine Rede sein. Nutznießer der neuen Machtverteilung waren
neben den oben genannten Großmächten (außer Frankreich) vor allem die
süddeutschen Staaten, aber auch der Niederländische König, der die
österreichischen Niederlande (seit 1831 Belgien) zugesprochen bekam.
Österreich verlagerte sich aus dem deutschen Siedlungsraum nach Osten
und Südosten und wurde noch stärker zur multikulturellen Großmacht.
Dabei wurden die nationalen Einheitswünsche der Polen, die auf
Russland, Preußen und Österreich verteilt wurden, und die
Einheitswünsche der Italiener, die Österreich zugeteilt wurden,
ignoriert. Wie Metternich befriedigt feststellte, war Italien nunmehr
ein "geographischer Begriff". Das System MetternichSeit dem Wiener Kongress nahm Österreich unter
der Leitung Metternichs (seit 1821 Staatskanzler) in Europa die
führende Stellung ein. In Deutschland war es die Präsidialmacht des
Deutschen Bundes, in Italien unbestritten die Vormacht, der sich die
Habsburger Nebenlinien (in Toskana und Modena), die Bourbonen (in
Neapel, Sizilien, Parma-Piacenza) und die Päpste (im Kirchenstaat)
fügten. Metternich wurde der Vorkämpfer des politischen Systems der
Restauration und Verteidiger der europäischen Ordnung des Wiener
Kongresses sowie des monarchischen Absolutismus gegen alle aufstrebenden
liberalen und nationalen Gedanken. In Deutschland wusste er das
Einvernehmen mit Preußen zu wahren, das er als gleichberechtigte Macht
innerhalb des Deutschen Bundes behandelte; um so leichter konnte er
Friedrich Wilhelm III. zur Unterstützung seiner Politik bewegen
(Karlsbader Beschlüsse 1819). Referat von A. Küchlin bearbeitet von Schorsch
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