1871

Pariser Kommune

 

Am 1. September 1870 kapitulierte der französische Kaiser Napoleon III. im Deutsch-Französischen Krieg nach der Schlacht bei Sedan vor den Preußen. Zwei Tage später führten die republikanisch gesinnten Bürger in Paris eine unblutige Revolution durch und riefen die Dritte Republik (erste Republik 1792-1804, zweite Republik 1848)  aus. Im Januar 1871 kapitulierte Paris vor den deutschen Truppen, die die Stadt vier Monate lang belagert hatten.

Nach dem Abschluss des Waffenstillstandes zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich im Januar 1871 und dem Abschluss eines Präliminarfriedens im Februar 1871 war es Aufgabe der französischen Nationalversammlung, über die vom Deutschen Reich auferlegten Friedensbedingungen abzustimmen. 

  • Die Mehrheit der Abgeordneten waren Royalisten, die für die Wiederherstellung der Monarchie plädierten; sie waren nicht bereit, die Friedensbedingungen, die der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck diktiert hatte, anzuerkennen. 

  • Die radikalen Republikaner und Sozialisten in Paris hielten Bismarcks Bedingungen für eine Demütigung und verlangten die Fortführung des Krieges. Am 17. und 18. März erhob sich die Pariser Nationalgarde gegen die Truppen der Regierung Adolphe Thiers. Diese Regierung hatte ihren Sitz im unbesetzten Teil Frankreichs in Bordeaux.

Teile der Nationalgarde und die Arbeiter errichtete in Paris eine proletarische Regierung, das so genannte Nationalkomitee der Nationalgarde, und setzte den 26. März als Wahltermin für den Stadtrat fest. Dieser gewählte Rat bildete die Pariser Kommune von 1871, seine Mitglieder werden Kommunarden genannt. Die meisten Kommunarden waren Anhänger von Louis Auguste Blanqui, einem in Versailles gefangen gehaltenen Revolutionär. Andere Kommunarden hingen der sozialistischen Theorie des französischen Philosophen Pierre Joseph Proudhon an oder waren Mitglieder des Internationalen Arbeiterbundes, dessen Sekretär damals Karl Marx war. Ihr Ziel war nicht nur die Vertreibung der deutschen, sondern vor allem ein Umsturz der sozialen Verhältnisse in Frankreich. Die Beseitigung des Adels und der als Ausbeuter angesehenen Unternehmer. Sie forderten für die kleinen Leute (Arbeiter, Handwerker, Dienstboten) die Beteiligung an der politischen Macht.

Die Kommune beschloss zahlreiche soziale Reformen wie z. B. 

  • Arbeitsschutz, 

  • Gleichberechtigung der Frau und 

  • kostenlosen Schulunterricht. 

Bevor diese und ähnliche Reformen aber in Kraft treten konnten, hatte die Nationalversammlung bereits Truppen nach Paris entsandt, um die Kommune niederzuschlagen. Vom 2. April an beschossen französische Regierungstruppen unter Marschall Mac-Mahon sechs Wochen lang Paris. Die Deutschen hatten dafür den Zugang nach Paris geräumt. Anfang Mai brachen sie die Schutzwälle (Barrikaden) nieder, und vom 21. bis 28. Mai, in der später so genannten „blutigen Woche" (Semaine sanglante), fanden besonders heftige Straßenschlachten zwischen beiden Seiten statt. Die Regierungstruppen ermordeten mehr als 20 000 Menschen. Die Kommunarden  ergab sich am 28. Mai.

Bismarck war zur Gründung des Deutschen Reichs in Versailles anwesend. Die revolutionären Ereignisse in Paris prägten seine Furcht vor sozialen Aufständen und Unruhen, dass er die Verhinderung solcher Bewegungen und die Aufrechterhaltung des Status Quo als wichtige Ziele verfolgte. => Sozialistengesetz    und  => Sozialgesetzgebung

=> Frankreich 1850 bis 1914

=> Deutsche Einigung