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Durch gezielte
Kürzungen Bismarcks wurde ein Telegramm seines
Mitarbeiters Heinrich Abeken über die Unterredung König Wilhelms mit
dem französischen Botschafter Graf Benedetti in Bad Ems auf der
Kurpromenade so
umformuliert, dass Frankreich das Ergebnis als Provokation empfinden
musste. Während im Original der König höflich, aber bestimmt
ablehnte, Benedetti nochmals zu empfangen, da sich eine weitere
Unterredung über die französische Forderung vorerst erübrigt hatte,
klingt in Bismarcks Version des Telegramms die französische
Forderung wie ein Ultimatum, dem zwangsläufig der Abbruch der
Beziehungen durch den empörten König folgen musste. Auch wird durch
die Kürzungen der Botschafter Frankreichs außerhalb der diplomatischen
Gepflogenheiten stehend dargestellt. Wie kann man einen König ohne
Audienz ansprechen! Darauf gibt es nur eine Antwort: der König lässt
Frankreichs Botschafter durch einen Adjudanten (Laufburschen) etwas
mitteilen. Frankreichs kaiser sieht seinen Botschafter nicht ernst
genommen! Dies ist eine Beleidigung! da aber Frankreichs Botschafter
zuerst einen Fehler gemacht hat, wird in der Welt die Brüskierung
Frankreichs als normal erachtet. Kein Staat wird für Frankreich Partei
ergreifen!
Emser
Depesche
13. VII.
1870, Abeken an Bismarck; ab Ems 15.10 Uhr
Seine
Majestät der König schreibt mir:
„Graf
Benedetti fing mich auf der Promenade ab, um auf zuletzt sehr
zudringliche Art von mir zu verlangen, ich sollte ihn autorisiren,
sofort zu telegraphiren, dass ich für alle Zukunft mich verpflichtete
niemals wieder meine Zustimmung zu geben, wenn die Hohenzollern auf ihre
Candidatur zurückkämen.
Ich wies ihn
zuletzt, etwas ernst, zurück da man à tout jamais dergleichen
Engagements nicht nehmen dürfe noch könne.
Natürlich
sagte ich ihm, dass ich noch nichts erhalten hätte und da er über
Paris und Madrid früher benachrichtigt sei als ich, er wohl einsähe,
dass mein Gouvernement wiederum ausser Spiel sei."
Seine
Majestät hat seitdem ein Schreiben des Fürsten bekommen.
Da Seine
Majestät dem Grafen Benedetti gesagt, dass er Nachricht vom Fürsten
erwarte, hat Allerhöchstderselbe, mit Rücksicht auf die obige
Zumuthung, auf des Grafen Eulenburg und meinen Vortrag, beschlossen, den
Grafen Benedetti nicht mehr zu empfangen, sondern ihm nur durch einen
Adjutanten sagen zu lassen: dass Seine Majestät jetzt vom Fürsten die
Bestätigung der Nachricht erhalten, die Benedetti aus Paris schon
gehabt, und dem Botschafter nichts weiter zu sagen habe.
Seine
Majestät stellt Eurer Excellenz anheim, ob nicht die neue Forderung
Benedetti’s und ihre Zurückweisung sogleich, sowohl unsern Gesandten,
als in der Presse mitgetheilt werden sollte.
Die von
Bismarck redigierte Depesche
Nachdem
die Nachricht von der Entsagung des Erbprinzen von Hohenzollern der
Kaiserlich Französischen Regierung von der Königlich Spanischen
amtlich mitgetheilt worden sind, hat der Französische Botschafter in
Ems an S. Maj. den König noch die Forderung gestellt, ihn zu
autorisiren, dass er nach Paris telegraphire, dass S. Maj. der
König sich für alle Zukunft verpflichte, niemals wieder seine
Zustimmung zu geben, wenn die Hohenzollern auf ihre Kandidatur wieder
zurückkommen sollten.
Seine
Maj. der König hat es darauf abgelehnt, den Franz. Botschafter nochmals
zu empfangen, und demselben durch den Adjutanten vom Dienst sagen
lassen, dass S. Majestät dem Botschafter nichts weiter
mitzutheilen habe.
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