| Um die Jahrhundertwende
werden mit der Entdeckung der Radioaktivität (M.Curie) und der
Aufstellung der Relativitätstheorie (A.Einstein) die grundlegenden
Voraussetzungen für die Entwicklung von Nuklearwaffen geschaffen.
Basierend auf diesen Kenntnissen gelingt O.Hahn 1938 erstmals die
Spaltung eines Atomkerns. Der kurz darauf folgende Beginn des Krieges
und die Angst der amerikanischen Politiker und Wissenschaftler vor einer
nazi- deutschen Überlegenheit bezüglich der Nutzbarmachung der
Kernspaltung für die Entwicklung einer Bombe, haben eine enorme
Intensivierung der Förderung in diesem Forschungsbereich zur Folge. Ab
1943 werden so unter Leitung R. Oppenheimers die ersten Atombomben
gebaut, im Juli 1945 kann die Erste auf einem Versuchsgelände in New
Mexico gezündet werden.
Bei Nuklearwaffen wird eine Unterscheidung
zwischen nuklearen und thermonuklearen Sprengkörpern getroffen; erstere
beinhalten Kernmaterial zur Kernspaltung, letztere Kernmaterial zur
Kernfusion, dies sind die sog. Wasserstoffbomben, über die die USA ab
1952 verfügen. Bei beiden Arten beruht die Wirkung auf der bei
Kernspaltung wie -fusion explosionsartig freigesetzten Energie. Die
zerstörerischen Folgen bei der Detonation eines Atomsprengkörpers
beruhen auf der thermischen sowie der radioaktiven Strahlung und der
Druckwelle. Der prozentuale Anteil der thermischen bzw. der radioaktiven
Strahlung ist hierbei variabel. Thermische Strahlung äußert sich in Form
von Hitzestrahlung und verursacht Hautverbrennungen bei Mensch und Tier.
Radioaktive Strahlung wird in Anfangs- und Rückstandsstrahlung
unterschieden, Rückstandsstrahlung ist auch nach einer Minute noch
wirksam. Während die durch neutroneninduzierte Strahlung verursachte
Radioaktivität im konkret betroffenen Gebiet innerhalb von einer Woche
rasch abnimmt und ihre Lebensgefährlichkeit verliert, bewirkt der
radioaktive Niederschlag langanhaltende Verstrahlungen und kann sich als
lokaler, kontinentaler oder weltweiter Fallout auswirken. Radioaktive
Stahlung kann zu Keimungsunfähigkeit bei Samen, Mißbildungen bei Mensch
und Tier sowie zu Sarkomen und Krebserkrankung führen. Die von der
freigesetzten erhitzten Luft ausgehende Druckwelle hat u.a. die
Zerstörung von Häusern zur Folge. Dem Überdruck folgt eine
Unterdrucksphäre, also ein Sog zum Detonationspunkt hin.
Nach dem Abwurf der ersten, und bis jetzt letzten
beiden Atombomben im August 1945 über Hiroshima und Nagasaki (die
Amerikaner erzwingen so die bedingungslose Kapitulation Japans im
amerikanisch- japanischen Konflikt), und der Bekanntwerdung ihrer
verheerenden Folgen (132000 Tote und über 97000 Verletzte), dringt die
neue Dimension des wissenschaftlichen Fortschritts in das kollektive
Bewußtsein der Menschen. So stellt die Entwicklung der Atombombe neben
der Erfahrung einer Versklavung des Menschen durch die Technik die
zweite tragische Konsequenz aus wissenschaftlicher Arbeit dar. Auf
Vernunft gegründetes Denken führt demnach nicht unbedingt zur Lösung
aller Probleme der Menschen; im Gegenteil ist die Menschheit nun mit der
Tatsache konfrontiert, die Mittel zu ihrer eigenen Massenvernichtung
geschaffen zu haben. Sehr bald reicht das vorhandene Potential sogar aus
die Erde mehrfach zu verwüsten und ihre Bewohner um das Vielfache ihrer
Zahl auszulöschen (atomarer Overkill). Auch das Verständnis von Krieg
erhält so eine völlig neue Komponente. Gewaltanwendung im Atomzeitalter
dient nicht mehr allen dem Erhalt menschlichen Lebens; durch den Einsatz
von Atombomben in Japan wird die vorsätzliche physische Auslöschung von
Angehörigen eines feindlichen Staates als Mittel in einer militärischen
Auseinandersetzung für legitim erklärt.
Dieser erste und bisher einzige militärische
Einsatz von Atombomben ist eine deutliche Demonstration der absoluten
militärischen Überlegenheit der USA; bis 1948 ist sie die einzige
Atommacht der Erde. Sie lebt in dem Bewußtsein unangreifbar zu sein.
Interessengegensätze im ersten Jahrzehnt nach Ende des Krieges und die
Angst vor der Gefährdung ihrer Existenz veranlaßt die SU ein eigenes
Kernwaffenpotential zu entwickeln; 1949 zünden sie ihre erste Atombombe,
1955 ihre erste Wasserstoffbombe. Mit dem Beginn dieser Entwicklung, die
ein atomares Wettrüsten zwischen den sich herauskristallisierenden
Blöcken einleitet, wächst in den USA die Erkenntnis ihrer eigenen
Verwundbarkeit. Sie besitzt nicht mehr das alleinige Atomwaffenpotential
der Erde, sondern nur noch das zahlenmäßig Überlegene Mit der
Entwicklung der Interkontinentalrakete und dem Höhepunkt des Kalten
Krieges in Form der Kuba- Krise 1962 wird das internationale Klima
nunmehr vom „Gleichgewicht des Schreckens" bestimmt. Die gegnerischen
Lager fühlen sich gezwungen die Fähigkeit zu entwickeln, nach einem
Nuklearangriff dem jeweiligen Angreifer einen vernichtenden Schlag
beizubringen. Auf der Basis des „nuklearen Patts" und der gegenseitigen
Abschreckung- eine Bewußtseinsänderung in Richtung der möglichen
Verluste im Rahmen eines Atomkrieges und weg von starrer ideologische
Haltung findet statt - wird die Politik des status quo (Anerkennung der
jeweiligen Machtbereiche) und der „nukleare Dialog" zwischen den beiden
Blöcken eingeleitet. Schon vorher hatten auf Initiative der UNO
verschiedene Abrüstungsgespräche, allerdings ohne konkrete Ergebnisse,
stattgefunden. Der Abrüstungsgedanke der Weltorganisation greift den des
Völkerbundes auf und beruht somit auf der von Wilson in seinen 14
Punkten aufgestellten Forderung die nationale Rüstung auf das für die
Sicherheit des Staates notwendige Mindestmaß zu reduzieren. Auf
Grundlage einer von ihr aufgestellten Resolution tagt ab 1962 die Genfer
Abrüstungskonferenz. Aus ihr gehen der 1967 der Weltraum- und
Meeresbodenvertrag, 1968 der Kernwaffensperrvertrag und 1972 das B-
Waffen- Abkommen hervor. Neben den Bemühungen der UNO gehen verschiedene
Abkommen auf die Eigeninitiative der beiden Lager zurück. 1963 wird
zwischen den USA, Großbritannien und der UdSSR ein Teststopabkommen
vereinbart. In dem Bestreben zu einer effektiveren Begrenzung bzw.
Verminderung der atomaren Rüstung zu gelangen, resultieren zweiseitige
Verhandlungen zwischen den USA und der SU 1972 und -79 in den SALT I und
-II -Abkommen. Das SALT I- Abkommen - Ergebnis: qualitative
Überlegenheit der USA und quantitativer Vorsprung der UdSSR =
Gleichgewicht - fällt in die Zeit der internationalen Entspannung. Das
strategische Gleichgewicht, der politische status quo bewirken mehr
Realitätsbezogenheit und das Bestreben menschliche Erleichterungen in
der Situation des Kalten Krieges zu schaffen. 1973 gehen die USA und die
SU ein Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges ein. Parallel zu den
KSZE- Verhandlungen, die 1975 ihren Abschluß finden und im Grunde zum
Ziel haben, auf allen erdenklichen Gebieten wie wirtschaftlichen,
humanitären und das Menschenrecht betreffende Fragen, gegenseitige
Abhängigkeiten zu schaffen, läuft die MBFR- Konferenz zwischen Ost und
West bezüglich militärischer Fragen. Es kann keine Annäherung erreicht
werden. Das SALT II- Abkommen wird von den USA nicht mehr ratifiziert.
Hemmende Faktoren bezüglich der auf globalen
Frieden zielenden Abrüstungsbemühungen sind historisch oder aktuell
begründeten Erfahrungen vieler Staaten bezüglich der Bedrohung der
eigenen Existenz oder Souveränität, ideologisch bedingtes Mißtrauen
unter den Blöcken sowie die der Rüstung innewohnende Eigendynamik.
Die sich festfahrende Entwicklung bezüglich der
Abrüstungsgespräche Ende der 70er Jahre ist Ausdruck der erneut
anbrechenden „Eiszeit" zwischen den Blöcken zu Anfang der 80er Jahre. Um
einer Steigerung des militärischen Waffenpotentials der SU, v.a.
hinsichtlich der Mittelstreckenraketen, zu begegnen, kommt es 1979 zum
NATO- Doppelbeschluß. Nach gescheiterten sowjetisch - amerikanischen
Gesprächen über den beiderseitigen Bestand an Mittelstreckenraketen,
kommt es aus Angst vor einem atomaren Präventivschlag der UdSSR in
Westeuropa zur Stationierung von Pershing II -Raketen. Die parallel dazu
verlaufenden START - Verhandlungen über die beiderseitige Verminderung
der Interkontinentalraketen werden ebenfalls erfolglos abgebrochen.
Unter dem Einfluß Gorbatschows und auf der anderen
Seite Reagans werden Mitte der 80er Jahre die Bemühungen zu einer
Annäherung in Abrüstungsfragen wieder aufgenommen, so in Form der
Stockholmer Konferenz über Vertrauensbildung und Abrüstung in Europa und
den amerikanisch -sowjetischen Verhandlungen in Genf über Nuklear - und
Weltraumwaffen.
Für das kurz darauf folgende Ende des Kalten
Krieges sind sicher verschiedenste Entwicklungen verantwortlich. Von
großer Bedeutung ist jedoch auf alle Fälle die Erkenntnis der Absurdität
des atomaren Rüstungswettlaufes auf beiden Teilen der Erde und den
vornehmlich durch diesen hervorgerufenen finanziellen Zusammenbruch des
Sowjetimperiums.
Das Phänomen Atombombe ist nicht allein
verantwortlich für Zustand der internationalen Beziehungen auf
politischer Ebene, es ist ebenso Ursache für eine breite öffentliche
Diskussion zwischen Parteien, Verbänden, Publizisten, Wissenschaftlern
und in der Friedensbewegung engagierten Bürgern. Als ein besonderer
Zweig der Wissenschaft entwickelt sich hieraus die Friedensforschung.
Die Welt heute kann man aufteilen in
Nuklearmächte, also solche, die mit Sicherheit Kernwaffen besitzen; in
Schwellenmächte, die zwar keine Kernwaffen produzieren, denen aber die
technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür gegeben wären;
und solche, die aus historischen oder aus dem Grad ihres
Entwicklungsstandes resultierenden Gründen keine besitzen. Zu Ersteren
zählen England (seit 1952), Frankreich (seit 1960), China (seit 1964),
Indien (seit 1974), und seit kürzerem auch Pakistan.. Schwellenmächte
stellen dar Argentinien, Brasilien, Iran, Israel, Nord-Korea, Iran und Südafrika. Letztere sind z.B. Deutschland und Länder der Dritten
Welt.
Mit dem Ende des Kalten Krieges, also auch der
Spaltung der Erde in zwei Machtblöcke, und somit einem Verschwinden des
„Gleichgewicht des Schreckens", ist die Problematik im Zusammenhang mit
der Atombombe im Bewusstsein der Menschen weitgehend in den Hintergrund
gerückt. Das Problem einer Gefährdung der gesamten Menschheit und des
Planeten ist jedoch weiterhin existent. Das entsprechende Atompotential
ist weiterhin vorhanden, zudem ist die Kontrolle desselben, sei es aus
Gründen politischer Instabilität oder auch einfach nur aus der
Unmöglichkeit alle Länder einem Diktat zur Regelung des
Kernwaffenpotentials zu unterwerfen, nicht gegeben. Der momentanen
Situation wohnt eine enorme Unberechenbarkeit inne, die in regionalen
Konflikten wie z.B. dem zwischen Indien und Pakistans deutlich wird.
Auch das Streben des Irans nach einer eigenen Bombe kann die gesamte
Region destabilisieren, da der Iran alös Atommacht auch politischen
Druck zur Durchsetzung seiner Ziele anwenden wird. Für Israel ist eine
iranische Bombe existenzgefährdend. Israel müsste dann selbst als
Atommacht, die es ist, offen auftreten und gegen den Iran ein Patt
aufbauen um so einen Frieden zu erhalten. Wie im Ost-West-Konflikt ist
aber dieser Zustand kein wirklicher Friede.
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