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virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen
Louise-Schroeder-Gymnasium in München
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| Der Auftrag zur Staatsgründung und zur Ausarbeitung einer Verfassung und die Rahmenrichtlinien für diese wurden den Ministerpräsidenten in Frankfurt übergeben. | |
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Der Parlamentarische Rat berät eine Verfassung für den zu schaffenden
Weststaat. Die Verfassung soll als Provisorium kenntlich gemacht werden. Sie heißt
deshalb "nur" Grundgesetz, Hauptstadt wird die Kleinstadt Bonn, das GG wird nicht
durch Volksabstimmung sondern durch die Landtage legitimiert und das GG erhält eine
Präambel zur Wiedervereinigung als erstem Politikziel des neuen Staates. Der Parlamentarische Rat ist paritätisch aus den Landtagen der Westländer gebildet. Die Parteistärken: CDU/CSU 27; SPD 27; FDP 5; DP, KPD, Zentrum je 2. |
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Nach 9-monatiger Beratung unterzeichnet der Vorsitzende des Parlamentarischen Rates Carlo Schmidt (SPD) das Grundgesetz. |
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| Das Grundgesetz ist aus der historischen Situation 1948/49 zu verstehen. Es versucht die Fehler der Weimarer Republik, die zur Machtergreifung Hitlers geführt haben, zu vermeiden. Es greift auf Traditionen der Verfassung von 1948 zurück und es arbeitet die Bedingungen der Westsieger in die Verfassung ein. Darüber hinaus spiegelt das Grundgesetz die politischen Positionen der Parteien von 1948 wider. | Fehler der Weimarer Verfassung vermeiden, deshalb: Stärkung des Kanzlers und Schwächung des Präsidenten, Stärkung der Stellung der Parteien, Stabilisierung der Regierung (konstruktives Misstrauen), Abschaffung des Plebiszits, Einklagbarkeit der Grundrechte, Unterwerfung der Staatsgewalt unter die Grundrechte (materialer Rechtsstaat), Stärkung des Föderalismus Bedingungen der Westsieger: Föderalismus, Rechtsstaat, Demokratie und Menschenrechte Positionen der Parteien: Eigentumsgarantie, Marktwirtschaftselemente, Individualrechte gegen den Staat (FDP); Familienrechte, Schutz der Ehe, soziale Marktwirtschaft, Schutz der christlichen Religionsgemeinschaften, Sozialstaatlichkeit (CDU-CSU); Bindung des Eigentums an gesellschaftliche Verpflichtungen, Streikrecht, Sozialstaatlichkeit, Koalitionsfreiheit (SPD); |
Das Grundgesetz - der komplette Text in der aktuellen Form |
Die Grundrechte |
Die Entstehung des Grundgesetzes und die deutsche Teilung
Die nachfolgende Darstellung gibt eine Überblick in
Grundzügen
1945 liegt Deutschland in Trümmern. 12 Jahre
nationalsozialistische Diktatur und sechs Jahre Weltkrieg haben unvorstellbares
Elend gebracht. Der Wiederaufbau beginnt auch der Neuaufbau demokratischer
Strukturen. Eine Staatsgewalt allerdings existiert nicht mehr, Deutschland ist
in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Sie sind die Keimzelle für die weitere
Entwicklung. Die drei Westzonen und der Westen Berlins werden demokratisch
regiert, die Sowjetische Besatzungszone zunehmend totalitär. Als Reaktion auf
die Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen und den Westsektoren
Berlins blockiert die UdSSR alle Landwege nach Berlin das aber kann den
Freiheitswillen nicht brechen.
Sowjetunion verhindert Demokratie in der SBZ
Innerhalb der einzelnen Besatzungszonen beherrscht die
jeweilige Alliierte Macht die Verwaltung und legt die Richtlinien für die
wirtschaftliche und politische Entwicklung fest. Als zentrales
Koordinierungsorgan wird der Alliierte Kontrollrat eingesetzt. Es gibt
unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Staatsorganisation
Deutschlands. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wird die Gesellschaft
nach dem Vorbild der UdSSR organisiert Zusammenschluß von Parteien, zentrale
Verwaltung, Kollektivierung von Grund und Boden, Enteignung der Banken und
Schlüsselindustrien, politische Führung nach dem Prinzip des ,demokratischen
Zentralismus'. Ausgeschlossen wird damit die Entstehung einer pluralistischen
und parlamentarischen Demokratie. Die Trennung Deutschlands zeichnet sich ab.
Für die SBZ wird eine eigene Verfassung ausgearbeitet, die von der
provisorischen Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober
1949 in Kraft gesetzt wird. Damit ist ein eigenständiger Staat neben der kurz
zuvor gegründeten Bundesrepublik Deutschland entstanden.
Länderparlamente: Basis für Pluralismus
Die Konsolidierung der westlichen Besatzungszonen geht voran.
Auf einer Außenministerkonferenz werden von den Westalliierten gegen die
Sowjetunion die ,Londoner Empfehlungen' vereinbart, die den Weg zur
parlamentarischen Demokratie ebnen. Bereits am 25. Juni 1947 kommt der deutsche
Wirtschaftsrat zusammen das erste wichtige zonenübergreifende Organ. Parteien
organisieren sich, auf Länderebene finden die ersten Wahlen statt. Das föderale
System bewährt sich im politischen Alltag. Die elf demokratisch legitimierten
Ministerpräsidenten in der amerikanischen, britischen und französischen
Besatzungszone setzen durch, daß nicht eine verfassungsgebende Versammlung,
sondern ein ,Parlamentarischer Rat' Vorschläge für ein Grundgesetz und für
Wahlgesetze zur Volksvertretung ausarbeiten.
Parlamentarischer Rat erarbeitet Grundgesetz
Die Beratungen über ein neues Grundgesetz werden im Wesentlichen auf der Basis des ,Herrenchiemseer Entwurfs' geführt, den ein Gremium von Ländervertretern erarbeitet hat. Es gelingt im Parlamentarischen Rat, der in den Räumen des Bonner Museums König (siehe Titelbild) und in der Pädagogischen Akademie tagt, die Fehler der Weimarer Reichsverfassung zu vermeiden und ein föderales System einer parlamentarischen Demokratie mit einer einflußreichen Volksvertretung zu errichten. Wichtig ist die klare Gewaltenteilung die Trennung von Rechtsprechung, vollziehender Gewalt und Gesetzgebung. Verabschiedet wird das Grundgesetz mit großer Mehrheit vom Parlamentarischen Rat und den Landesparlamenten, kann am 23. Mai 1949 verkündet werden und tritt damit in Kraft.
Die ersten zwanzig Jahre der Bundesrepublik Deutschland sind
geprägt vom wirtschaftlichen Aufbau und der Stabilisierung der parlamentarischen
Demokratie, Die Parteienlandschaft wird kleiner und übersichtlicher. Nach einer
Krise im christlichliberalen Regierungsbündnis tritt Bundeskanzler Erhard 1966
zurück und macht den Weg frei für eine Große Koalition.
Erste Wahl zum Deutschen Bundestag
Das provisorische Wahlrecht zum ersten Deutschen Bundestag
enthält schon viele Elemente späterer Wahlgesetze. Mit der Erstund Zweitstimme
können Direktkandidaten und Parteilisten gewählt werden; einziehen in die
Volksvertretung kann eine Partei nur, wenn sie in einem Bundesland 5% der
Stimmen oder in einem Wahlkreis die Mehrheit errungen hat ab der zweiten
Bundestagswahl gilt die 5% Hürde bundesweit. Nach der ersten Wahl zum Deutschen
Bundestag am 14. August 1949 tritt das Parlament am 7. September zusammen. Wenig
später werden Theodor Heuss zum Bundespräsidenten und Konrad Adenauer zum
Bundeskanzler gewählt. Mit der Vereidigung des Kabinetts im September 1949
(siehe Abbildung) sind erstmals seit der Machtergreifung Hitlers wieder
demokratisch legitimiertes Staatsorgane eingesetzt der politische und
parlamentarische Alltag beginnt. Die Länderparlamente haben über den Bundesrat
die Möglichkeit, auf Politik und Gesetzgebung einzuwirken. Damit ist ein
weiteres demokratisches Gestaltungs und Kontrollinstrument geschaffen.
Parlament als Zentrum politischer
Auseinandersetzung
Am 8. Februar 1952 findet eine der wichtigsten
Bundestagsdebatten statt. Das Parlament beschließt einen deutschen
Verteidigungsbeitrag im Rahmen einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft
(EVG), der gekoppelt ist mit der Aufhebung des Besatzungsstatuts und damit die
Bundesrepublik als weitgehend souveränen Staat in die westliche
Staatengemeinschaft einordnet. Unmittelbar darauf schlägt die Sowjetunion in der
ersten von vier Noten an die westlichen Alliierten die Aufnahme von
Friedensverhandlungen mit dem Ziel eines wiedervereinigten Deutschlands vor. Das
wird allerdings als taktisches Manöver gewertet. Durch die Ablehnung der
EVGVerträge in der Pariser Nationalversammlung wird die Ablösung des
Besatzungsregimes in der Bundesrepublik Deutschland aber nur verzögert.
Vollzogen wird die Westintegration der Bundesrepublik mit dem Inkrafttreten der
Pariser Verträge über den Beitritt zur NATO am 5. Mai 1955.
Struktur der Parteien stabilisiert
Entscheidender Unterschied zur Weimarer Republik ist die
Regierungsbildung aus dem Parlament heraus, das den Bundeskanzler als
Regierungschef wählt und die föderale Struktur des neuen deutschen Staates, die
zentralistischen Tendenzen entgegenwirkt. Der Deutsche Bundestag wird zum Forum
der Demokratie hier wird Politik diskutiert, erarbeitet, abgestimmt. Die
Fraktionen der Parteien sind dabei ebenso wichtig wie die Ausschüsse des
Parlaments, in denen trotz unterschiedlicher Auffassungen erfolgreich nach
Kompromissen und mehrheitsfähigen Lösungen gesucht wird. Die anfänglich große
Zahl der Parteien im Bundestag und in den Länderparlamenten verringert sich
CDU/CSU, SPD und FDP sind die entscheidenden politischen Kräfte. Die CSU ist als
Landespartei auf den Freistaat Bayern beschränkt, politisch gleichwohl national
und international orientiert. 1949 schließt sie sich mit der CDU zur stärksten
Fraktion im Bundestag mit Ausnahme der Jahre 1972 bis 1976 zusammen.
Aus: Geschichte des Deutschen Parlamentarismus. Hrsg. Vom Deutschen Bundestag. Referat Öffentlichkeitsarbeit. 1996. S.20ff..