virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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Geschichte Neuseelands

ab ca. 7. Jh. n. Chr. Entdeckung und Besiedlung durch Polynesier. Die Maori kamen wahrscheinlich vor über 1000 Jahren mit ihren Waka Hourua (Reisekanus) vom legendären Hawaiki, der Heimat ihrer Vorfahren in Polynesien, nach Aotearoa (=Neuseeland;  wörtlich: Land der langen weißen Wolke). Sie besiedelten das ganze Land und lebten von Ackerbau und Jagd. Im Jahre 1800, so schätzt man, lebten 100.000 Maori in Neuseeland. Bis zum Jahr 1900 lebten über eine halbe Million Pakeha (=Weiße) in Neuseeland, während die Maoribevölkerung durch Krieg und Krankheiten auf nur etwa 40.000 zurückging.
1642

Abel Tasman

Europäische Entdeckung durch den Holländer Abel Tasman. Er setzte niemals einen Fuß auf neuseeländischen Boden, und reiste, nachdem er die Westküste hinaufgesegelt war, weiter zu den pazifischen Inseln und später zurück nach Batavia (heute Jakarta) in den holländischen East Indies (heute Indonesien). Seine Mission in Neuseeland wurde von seinem Auftraggeber, der Dutch East India Company, als erfolglos betrachtet, da Tasman keine Schätze oder gewinnbringende Materialien gefunden hatte. Eine Besiedelung erfolgt jedoch erst nach.
 James Cook
1769 Umsegelung, Landung und Kartographierung durch James Cook.
1840 Maori-Häuptlinge erkennen die Souveränität der britischen Krone an (Vertrag von Waitangi).

Während die meisten Verträge und Kontrakte, die in dieser Zeit von Großbritannien und seinen Kolonien geschlossen wurden, in Vergessenheit geraten sind, bleibt der 'Treaty of Waitangi' von zentraler Bedeutung für das neuseeländische Recht und die Gesellschaft. Von vielen wird er als die Gründungsurkunde der Nation angesehen. Allerdings hat es seit seiner Unterzeichnung immer wieder Probleme bei der Auslegung des Vertrags gegeben.
Sowohl die englische als auch die Maori-Version des Vetrages besteht aus drei Abschnitten. Aber da der Vertrag von Leuten aufgesetzt und übersetzt wurde, die wenig oder gar keine Erfahrung mit Gesetzestexten hatten, weicht die Übersetzung der Maori weit von der Interpretation der englischen Version ab.
Der erste Artikel behandelt die Souveränität. Die englische Version besagt, dass die Maori ihre �kawanatanga� (Hoheitsgewalt oder Souveränität) der britischen Krone übertragen. Während die englische Version jedoch von einem kompletten Machtübertrag spricht, impliziert die Version der Maori eine Gewaltenteilung.
Der zweite Artikel betrifft die tino rangatiratanga oder Häuptlingsschaft. Die Maori-Version verspricht den Maori umfassende Rechte bezüglich ihrer existierenden Besitztümer, der taonga (Schätze). Die englische Version gibt den Maori Kontrolle über ihre Ländereien, Wälder, Fischereien und anderen Grundbesitz. Doch die Version der Maori, die von taonga spricht, schliesst den Besitz und den Schutz von Gütern wie Sprache und Kultur ein. Der dritte Artikel verspricht den Maori die Rechte an allen britischen Gegenständen sowie den Schutz traditioneller und gewöhnlicher Rechte.

 

1860-72 Maori-Kriege
1893 Einführung des Frauenwahlrechts (als erstes Land weltweit)
1907 Umwandlung der Kolonie in ein Dominion
1914 Besetzung der deutschen Kolonie Samoa durch neuseeländische Truppen
1947 Westminster-Statut und Aufbau eines Außenministeriums mit eigenständiger Außenpolitik
1948 Einführung einer eigenständigen neuseeländischen Staatsangehörigkeit
1951 Gründung des ANZUS-Sicherheitspakts (mit Australien und den USA)

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb es bei der starken kulturellen Bindung zu Großbritannien. Allerdings sah die neuseeländische Regierung zunehmend einen Verbündeten und Protektoren in den Vereinigten Staaten. Neuseeland unterzeichnete die gemeinsame SEATO (South-East Asia Treaty Organisation) und den ANZUS (Australia, New Zealand, and United States) Pakt. In den Kriegen in Korea und Vietnam verbündeten sich neuseeländische Truppen mit US-Streitkräften.

1967 Einführung des neuseeländischen Dollars als Landeswährung im Dezimalsystem

Einwanderungswellen
In den 1960ern und 70ern litt Neuseeland unter einem massiven Mangel an Arbeitskräften. Dies führte insbesondere in Auckland zu einem Anstieg von Einwanderern aus der Pazifischen Region. Heute stammen mehr als 5 Prozent der neuseeländischen Einwohner von den Pazifischen Inseln ab und Auckland ist inzwischen die größte polynesische Stadt auf der Erde. Zwar wurden die pazifischen Insulaner ursprünglich in Fabriken und als Hilfskräfte eingesetzt, doch immer mehr ergreifen nun freie Berufe und leisten einen Hauptanteil in den Sparten Sport, Mode, Popmusik, Fernsehen und Kunst in Neuseeland. Den Einfluss Pazifischer Speisen, Mode und Kunst kann man auf den Strassen der meisten neuseeländischen Städte bewundern. In den letzten 15 Jahren gab es in Neuseeland massive Einwanderungsströme aus Asien; einschließlich Hongkong, Taiwan, Singapur, Korea und Japan. Diese asiatischen Migranten haben einen großen Anteil an der neuseeländischen Wirtschaft, vor allem bei den Unternehmen und freien Berufen. Die meisten Städte haben heute viele asiatische Restaurants und Shops.

1984

 

Suspendierung des ANZUS-Sicherheitspakts durch die USA aufgrund von Differenzen über Neuseelands Anti-Atompolitik
Beginn tief greifender marktwirtschaftlicher Reformen unter dem Labour-Premierminister David Lange (Senkung des Haushaltsdefizits, Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, weit reichende Privatisierungen, Kürzung von Sozialleistungen, Abbau von Handelsschranken)
Die Reformen werden auch unter den konservativen Premiers Jim Bolger (ab 1990) und Jennifer Shipley (ab 1997) fortgeführt.

1985

Greenpeace-Flaggschiff "Rainbow Warrior" wird im Hafen von Auckland von französischen Geheimagenten versenkt

1987 Neuseeland erklärt sich zur atomfreien Zone
Maori wird zweite Landessprache; der Vertrag von Waitangi erhält Gesetzesstatus.

Obwohl es als Neuseelands Gründungsdokument gilt, wurden viele der Rechte, die den Maori im Vertrag garantiert wurden, ignoriert. Trotz des angebotenen Schutzes, der im Vertrag von Waitangi verankert wurde, verloren die Maori im 19. und 20. Jahrhundert beträchtliche Mengen an Land. Die Art und Weise wie das Land verloren ging, war häufig fragwürdig und führte zu großem Protest von Seiten der Maori.

1975 wurde das Waitangi Tribunal von der Regierung gegründet. Dieses Gericht wurde eingesetzt, um den Vertrag als ein relevantes und gültiges Dokument anzuerkennen. Seitdem hat das Waitangi Tribunal über etliche Forderungen der Maori Iwi (Stämme) verfügt. In vielen Fällen wurden Kompensationen, häufig in Form von finanziellen Zahlungen und Land, gewährt. In den letzten zehn Jahren wurden einige besonders große Abfindungen zwischen der Regierung und bedeutenden Iwi getroffen, einschließlich der Tainui von Waikato und Ngai Tahu von der Südinsel. Ein großer Anteil der Ausgleichszahlungen wurde in Einrichtungen für Bildung und Gesundheit für Mitglieder des Iwi investiert. 1987 wird dieser Vertrag zum Gesetz erklärt. Damit erhalten die Maoris einklagbare Rechte.

1996 Erste Parlamentswahlen nach einem neuen, gemischten Verhältniswahlrecht nach deutschem Muster
1999 Die Parlamentswahlen enden mit einem Sieg von Labour. Die neue Premierministerin Helen Clark bildet eine Minderheitsregierung.
2002 Premierministerin Helen Clark wird bei den Parlamentswahlen im Amt bestätigt.