virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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Adel und Großbürgertum –  die neue Elite

 

 

Unser Referat ist in 5 Punkte gegliedert,

· als erstes erklären wir um welche Gesellschaftsschicht es sich beim Adel + Großbürgertum handelt.

· unser zweiter Punkt beschreibt die Machtpositionen

· der dritte geht auf die Verschmelzung der beiden Gesellschaftsgruppen ein

· viertens wird die Lebensweise erläutert

· und zuletzt befassen wir uns mit den politischen Einstellungen der neuen Führungsschicht

 

(Geschichtsbuch S. 78/Bild)

Symbolisch war schon bei der Reichsgründung im Spiegelsaal in Versailles 1871 zu erkennen, dass der Adel nach wie vor in seinem alt eingesessenen Recht der Führungsholle unangefochten blieb, weil die Verfassung oktroyiert wurde. Die Anwesenden waren Adelige, der einzige Bürgerliche war der Künstler.

Doch bildete sich im Kaiserreich eine neue Oberschicht heraus. Sie bestand aus „Roggen und Eisen" wie Kaiser Willhelm II bemerkte. „Roggen" steht für die adeligen Großgrundbesitzer und „Eisen" symbolisiert das durch die Schwerindustrie profitierende Großbürgertum.

Das heißt zu den altadeligen Großgrundbesitzern gesellten sich Bürgerliche, die durch die Schwerindustrie emporgestiegenen waren.

 

Zur Machtposition des Adels:

Der Adel, der seit alters her schon seine Vorrechte hatte, galt jedoch immer noch als der Machtinhabende schlecht hin. An allen Ecken und Enden fand er Begünstigungen.

 

 

In der Politik:

Bei der Stellenvergabe der öffentlichen Ämter hatte er gewisse Vorrechte, welche sich dadurch bemerkbar machten, dass z.B. Bismarck Reichskanzler geworden war. Andere Positionen, die hauptsächlich vom Adel vertreten wurden, waren u.a. auch die Stelle des Kaisers, der Reichsminister und Diplomaten. Leitende Diplomaten in den wichtigsten Botschaften in London, Wien, Paris, St. Petersburg waren adelig.

 

Auch in der Verfassung war der Adel eindeutig bevorzugt:

Gesetzesbeschlüsse der bürgerlichen Mehrheiten in den Zweiten Kammern waren nur mit Zustimmung der vom Adel bestimmten Ersten Kammern möglich. Die erste Kammer stellte im Bundesrat die Vertreter der souveränen Fürsten dar. Somit hatten wenigere Adelige in der gewichtigeren ersten Kammer den gleichen Einfluss wie die Bürger in der zweiten Kammer, welche ein weitaus größeres Spektrum vertreten mussten.

 

Führungspositionen hatte der Adel im Militär inne:

Zwar durften nach Reformen im Absolutismus durchaus Bürgerliche Offiziere werden, allerdings überwogen immer noch im preuß. Offizierskorp die Adeligen. Nach der Verschmelzung der Heere tilgte sich zwar die Überrepräsentation des Adels etwas, aber der Anteil der Adeligen überwog je höher die militärischen Ränge waren und dies war sogar weitgehend bis ins 20.Jhdt der Fall.

Im Kaiserreich waren militärische Leitbilder u.a. durch die Einigungskriege entstanden, was bedeutete, dass die Offiziere unter denen eben viele adelig waren, hohes Ansehen genossen

 

 

Es kam zu einer Verschmelzung zwischen Adel und Großbürgertum, sie bildeten eine neue Führungsschicht:

 

Die Industrialisierung des Großbürgertums durch gesellschaftlichen Ehrgeiz führte dazu, dass dieses immer wichtiger und mächtiger wurde. Sie waren eine staatstragende Schicht, weil sie zwar von der direkten pol. Mitbestimmung ausgeschlossen waren, jedoch vom wirtschaftsliberalem Kurs des Kaiserreichs ökonomische Vorteile erhoffen konnten.

Die Großbürger waren sich dem sehr wohl bewusst und strebten deshalb nach gesellschaftlichem Ansehen. Wenige Großunternehmer und Besitzbürger konnten es sich ohne Schaden für ihr gesellschaftliches Ansehen leisten, auf Orden, Titel und Verschwendung zu verzichten. Deshalb wollten sie den durch lange Tradition gefestigten Lebensstil des Adels imitieren.

Beispiele dieser Assimilation sind u.a.:

· Entwicklung der Fabrikantenwohnungen vom kleinen Haus unmittelbar neben dem Betrieb über die Villa bis zum ländlichen Herrschaftssitz

· dass vermehrt Söhne von Fabrikbesitzern und Kaufleuten den Offiziersberuf wählten

Streben nach Nobilitierungen, nach Orden und nach auszeichnenden Titeln (Kommerzienrat).

· Töchter der reichen Bürgerlichen wurden oft mit verarmten Adeligen vermählt. (Emilia Galotti)

 

Die Erhebungen in den Adelsstand, auch Nobilitierungen genannt, wurden meist völlig ohne Gesetzte oder Regeln durchgeführt. Allerdings gab es eine sogenannte „Kontingentierung", die besagte, dass höchstens 30 Familien pro Jahr geadelt werden sollten. Bei einer solchen Nobilitierung kam es auf die Gunst des Kaisers, Könige, Fürsten an. Hauptsächlich waren es Offiziere, die sich in erfolgreichen Kriegen Ruhm erworben hatten.

Wilhelm II sah es als seine Pflicht als Herrscher an, den Wünschen von Millionären nach Auszeichnungen (Orden + Adelsbriefen) entgegenzukommen, aber nur mit der Bedingung gemeinnütziger Spenden oder Stiftungen. Þ So entstand der Wilhelminischer Adel.

Þ es kam zu so vielen Adelserhebungen, dass das Ansehen des Adels sank!

 

Zwar hatten Großbürgertum und Adel gemeinsame Interessen, wie die Erhaltung der gegenwärtigen Situation, und dem gemeinsamen Gegenspieler: die Arbeiterbewegung, doch akzeptierte der Altadel die neu ernannten sprich den adoptierten Adel nicht als gleichberechtigt.

Insgesamt bildet sich eine neue Gesellschaftsschicht aus Adel und Großbürgertum heraus, nämlich der sogenannte „Industrieadel"!

 

Lebensstil:

Luxus, Repräsentation,. Villen Orden + Titel waren angesehen

(Nobilitierungssucht!): Für das Angebot an der Lebensweise des Adels teilhaben zu dürfen zahlten Besitz -und auch das Bildungsbürgertum ihren Preis: je mehr es sich nach oben orientierte, um so heftiger grenzte es sich gegen die Unterschichten ab. Die alte Interessengemeinschaft des dritten Standes, die noch bei der Rev 48/49 bestanden hatte, wurde zugunsten der neuen Dreieinigkeit von Besitz, Bildung und Macht aufgegeben.

Eleganz der damaligen Gesellschaften, riesige Menüs (Luxus im Essen und Trinken), Blumenluxus, Weine, Liköre, Importzigarren als Luxusartikel, nach dem Essen Künstlerauftritte + Dichterlesungen.

„Industrieadel"= neue Schicht aus Adel + „adoptiertem" Bürgertum

Politik:

In der Politik hatte der Adel eine sehr konservative Einstellung. Der „Konservativismus" war weit unter ihnen verbreitet. Dies bedeutete, dass sie sich für die Legitimation der alten Herrschaftsordnung und die Erhaltung überlieferter Wertvorstellungen einsetzten!

Allgemein waren sie nicht gegen ein Parlament, nur sollte es nicht aus Bürgerlichen bestehen, von denen sie sich sehr abgrenzen wollten, sondern aus „höheren Ständen".

Es gab 2 Parteien, in denen der Adel stark vertreten war.

Erste ist die Konservative Partei, und diese wurde 1867 als Reaktion auf die Überlegenheit der Liberalen im preuß. Reichstag gegründet.

Ihre Mitglieder waren Adelige Großgrundbesitzer und das Großbürgertum aus dem Osten (auch hier lässt sich z.B. Die Verschmelzung beider Schichten erkennen)

Die politischen Tendenzen dieser Partei waren folgende:

  • Sie waren gegen die nationale Einigung Deutschlands waren sie
  • Ihre Einstellung gegenüber Bismarcks Reichspolitik war sehr misstrauisch, weil dieser sich die Einigung Deutschlands als Ziel gesetzt hatte.

Die andere konservative Partei war die Freikonservative Partei, welche seit 1867 die Deutsche Reichspartei war.

Auch die Gründung dieser Partei 1861 noch als „preuß. Volksverein" wurde als Gegengewicht gegen die Liberalen eingesetzt. 1867 trennten sie sich von den Freikonservativen, da sie die Reichspolitik Bismarcks ablehnten.

Zu ihren Mitgliedern zählten Evangelische Geistliche, Offiziere, Beamte, Grundbesitzeradel + reiche Bauern, preuß. überzeugte Monarchisten. In der Freikonservativen Partei ist also nicht nur die neue Führungsschicht vertreten, was sich auch in den Zielen sehr deutlich sehen lässt:

- Wahrung der kulturpolitischen Interessen des preuß. Protestantismus + der wirtschaftliche Interessen der ostelbischen Agrarier

- Sie sprach sich eindeutig gegen Konstitutionalismus und die Teilung der Gewalten aus, da sonst z.B. der Adel seine Vorrechte verloren hätte.

- Bezgl. der sozialen Frage vertraten sie ein christl.-patriarchalisches Denken, was zur Folge hatte, dass sie Bismarck ohne Vorbehalt unterstützten.