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Gladiatoren (vom lateinischen gladius, einem „Stoßschwert“) waren im
antiken Rom Berufskämpfer, die in öffentlichen Schaustellungen auf
Leben und Tod gegeneinander kämpften. Gladiatorenkämpfe waren
Bestandteil des römischen Lebens von ca 250 v.C. bis 404 n.C.

Ursprung der Gladiatorenkämpfe
Der religiöse Hintergrund
Der Ursprung der Spiele ist nicht vollständig geklärt. Vermutet
wird, dass Gladiatorenkämpfe eine religiöse Bedeutung im Rahmen von
Totenfeiern hatten. Grabmalereien aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.
deuten auf eine etruskische Herkunft. Einer anderen Theorie zufolge
stammen die Spiele aus Kampanien, wo ebenfalls in Grabmalereien aus
dem 4. Jahrhundert v. Chr. Gladiatorenkämpfe dargestellt sind, wobei
zu bedenken wäre, dass die Etrusker in dieser Zeit Herrscher
Kampaniens waren.
Die ersten Gladiatorenspiele
Die ersten belegten Gladiatorenspiele in Rom fanden 264 v. Chr.
statt, als Decimus Junius Brutus in Gedenken an seinen kurz zuvor
verstorbenen Vater auf dem Forum Boarium, einem Marktplatz in Rom,
drei Sklavenpaare gegeneinander kämpfen ließ. Dem Beispiel des
Decimus folgten sehr bald weitere römische Adlige, die mit diesen
als munus (= Dienst, Plural: munera) bezeichneten Vorführungen
gleichfalls ihre Verstorbenen ehrten. Der römische Historiker Festus
schrieb dazu:
„Es war Brauch, Gefangene auf den Gräbern
tapferer Krieger zu opfern; als die Grausamkeit dieser Sitte allen
erkenntlich war, beschloss man, Gladiatoren vor den Grabstätten
kämpfen zu lassen ...“
Trotz dieses Zitates ist die Theorie, dass
Gladiatorenkämpfe die mildere Variante griechischer und römischer
Menschenopfer zu Ehren Verstorbener waren, nach Auffassung einiger
Historiker nicht zutreffend. Sie vertreten vielmehr die Meinung,
dass mit den blutigen Kämpfen die Eigenschaften des Verstorbenen
demonstriert werden sollten. Jene Eigenschaften, die nach dem
Verständnis der damaligen Menschen die Größe des Römischen Reiches
bedingten: Mut, Kraft, Tapferkeit, Entschlossenheit und
Gleichmütigkeit gegenüber dem Tod. Veranstalter dieser
Gladiatorenkämpfe waren reiche Privatmenschen – sie waren als
einzige in der Lage, sich sowohl die Kosten für die Gladiatoren als
auch das anschließende aufwändige Festmahl zu leisten. Im Laufe der
Zeit entdeckten vor allem römische Politiker, dass die Veranstaltung
solcher munera ein geeignetes Mittel war, sich die Anerkennung der
römischen Bevölkerung zu sichern. Die Zuschauer verfolgten das
Geschehen dicht gedrängt am Rand stehend – Sitztribünen gab es bei
den ersten Veranstaltungen nicht.
Graffito aus Pompeji. Dargestellt ist
antike „Fanart“. Ein römischer Fan beschreibt die
Ergebnisse eines Gladiatorenwettstreites
Gladiatorenkämpfe im 1. Jahrhundert v. Chr.
Als die Beliebtheit von Gladiatorenkämpfen beim
römischen Volk stieg und als man es als Recht anerkannte, auf diese
Weise unterhalten zu werden, wurden die Spiele prächtiger und größer
inszeniert. Kurz darauf wurden die ersten hölzernen Sitztribühnen
errichtet und erste Tierhetzen (venationes) in die munera
aufgenommen. Beide Erweiterungen des Programms entwickelten sich
allmählich als feste Bestandteile der Veranstaltungen. Die
Veranstalter waren nach wie vor wohlhabende Privatpersonen, denen
jeder Anlass willkommen war, sich auf diese Weise die Achtung des
römischen Volkes zu verschaffen. Und je außergewöhnlicher die
Veranstaltung war, desto eher stiegen die Wohlhabenden in der Gunst
des Volkes.
Von Gaius Iulius Caesar wird überliefert, er hätte seine Gladiatoren
mit Rüstungen aus Silber ausstatten lassen, um die römische
Bevölkerung zu beeindrucken. Über die Ausmaße, die ein solcher
Bestechungsversuch der römischen Bevölkerung annehmen konnte,
berichtete Sueton, ein römischer Biograf, über Caesar:
„Caesar veranstaltete Schauspiele
unterschiedlichster Art: Ein Gladiatorenspiel, Theateraufführungen
in jedem Stadtviertel, und zwar durch Schauspieler aller Sprachen,
desgleichen Zirkusvorstellungen, Athletenkämpfe und ein Seegefecht
(Naumachie). In dem Gladiatorenspiel auf dem Forum kämpfte Furius
Leptinus, der aus einer Familie prätorischen Ranges stammte, und
der ehemalige Senator und Rechtsgelehrte Quintus Calpenus ...“
Die Tierhetzen dauerten fünf
Tage; den Schluss bildete ein Gefecht, in dem sich zwei
Abteilungen von je fünfhundert Mann zu Fuß, zwanzig Elefanten und
dreihundert Reitern gegenüberstanden ...“
Gladiatoren im römischen Kaiserreich
Gladiatorenkämpfe als öffentliche Aufgabe
Während Wagenrennen, Theateraufführungen und Tierhetzen als
öffentliche Aufgabe verstanden wurden, waren die Gladiatorenkämpfe
bis 44 v. Chr. eine rein privat finanzierte Angelegenheit. Dies
änderte sich in der Zeit der Staatskrise nach der Ermordung Caesars.
Die Aedile beschlossen in diesem Jahr zum ersten Mal, nicht nur
Wagenrennen öffentlich auszurichten, sondern auch Gladiatorenkämpfe.
Sie fanden im Rahmen der „ludi cereales” statt, den Feierlichkeiten
zu Ehren der Göttin Ceres. Begleitet wurden diese ersten öffentlich
finanzierten Gladiatorenkämpfe von Tierhetzen.
Gladiatorenkämpfe als kaiserliches Privileg
Es war vor allem Augustus, der die Veranstaltung von
Gladiatorenkämpfen als kaiserliches Privileg etablierte:
„Dreimal ließ ich in meinem eigenen Namen
Gladiatorenspiele veranstalten und fünfmal in dem meiner Söhne
oder Enkel. Bei diesen Spielen kämpften etwa zehntausend Menschen
... Tierhetzen mit afrikanischen Raubtieren ließ ich in meinem
Namen oder in dem meiner Söhne und Enkel im Zirkus oder auf dem
Forum oder im Amphitheater für das Volk sechsundzwanzigmal
durchführen, wobei ungefähr dreitausendfünfhundert Tiere erlegt
wurden.“ (Res Gestae Divi Augusti, 22)
Die Veranstaltung von Gladiatorenkämpfen wurde
immer mehr in den Kaiserkult integriert – das galt insbesondere in
den Provinzstädten. Zu den Zeiten von Augustus war es zwar den
Senatoren noch möglich, solche Spiele zu veranstalten, doch schon 22
v. Chr. ließ Augustus in einem Dekret festhalten, dass in diesen
Fällen nicht mehr als 120 Gladiatoren eingesetzt werden durften.
Gleichzeitig begrenzte Augustus die Zahl der Tage, an denen
Gladiatorenspiele veranstaltet werden konnten:
vom 2. bis 8. Dezember;
an den Tagen der „Saturnalien” zwischen dem 17.
und 23. Dezember zur Wintersonnenwende;
zum Frühlingsfest „Quinquatrus” zwischen dem 19.
und 23. März.
Wer es wagte, privat Gladiatorenkämpfe zu
veranstalten, lief, angesichts ihrer zunehmend engeren Verbindung
mit dem Kaiserkult, Gefahr, den Zorn der römischen Kaiser auf sich
zu ziehen.
Die relative Seltenheit der aufwändigen und
kostspieligen Gladiatorenkämpfe blieb über die Jahrhunderte
weitgehend konstant. Noch im Jahr 354 n. Chr. wurden von den 176
Festtagen 102 für Theateraufführungen, 64 für Wagenrennen und nur 10
für Gladiatorenkämpfe genutzt.
Die Besonderheiten des Gladiatorenlebens
Gladiatoren-Gattungen
Die erste Ausrüstung der Gladiatoren war einfach: Jeder trug
einen Schild und ein Schwert und war durch Helm und Beinschienen
geschützt. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich eine Reihe
unterschiedlicher Gladiatorengattungen, die sich in ihrer Ausrüstung
zum Teil deutlich unterschieden. Die Hauptausrüstung bestand aus
einem Schwert, Beinschienen, einem Helm, einem Schild und einem
Metallgürtel, der den Lendenschurz halten sollte, mehrere
Gladiatoren hatten auch einen Armschutz. Selten trugen die Kämpfer
einen (Ober-)Körperschutz. Neuere Erkenntnisse über die Ernährung
der Gladiatoren, welche Anthropologen des Österreichischen
Archäologischen Instituts bei Ausgrabungen eines
Gladiatorenfriedhofs in Ephesos anhand von Knochenanalysen gewonnen
haben, deuten darauf hin , dass sich einige Gladiatoren durch
natürliche Fettschichten gegen kleinere Verletzungen zu polstern
versuchten. So sahen also nicht unbedingt alle schlank und
durchtrainiert aus. Grund für die Fettpolster und die Stärke der
Gladiatoren ist in ihrer speziellen Diät zu suchen. Sie waren im
alten Rom als „Getreideknirscher” bekannt, da sie fast
ausschließlich Getreide und Bohnen aßen.
Die meisten Kenntnisse über die Waffen der Gladiatoren sind den
Ausgrabungen in Pompeji zu verdanken. Ergänzt werden sie durch
erhalten gebliebene kleine Statuen und Darstellungen von Gladiatoren
auf Grabsteinen, Fresken und ähnliches. Die unterschiedlichen
Ausrüstungen, in denen die Gladiatoren gegeneinander antraten, sind
im Artikel Gladiatorengattungen beschrieben.
Die soziale Herkunft der Gladiatoren
Bei den ersten Kämpfern handelte es sich um
Sklaven oder Kriegsgefangene. Auch später wurden vor allem
Gefangene, verurteilte Verbrecher und Sklaven als Gladiatoren
eingesetzt. Bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. verpflichteten sich
auch freie Bürger als Gladiator. Obwohl Gladiatoren gesellschaftlich
noch niedriger als Sklaven standen, war das Interesse, Gladiator zu
werden, zeitweilig so hoch, dass der Senat dies durch ein Gesetz
einzuschränken versuchte. So sollen gegen Ende der Republik fast die
Hälfte der Gladiatoren ehemals freie Bürger gewesen sein, die mit
dem Eintritt in den Berufstand der Gladiatoren ihre Freiheit
aufgaben. Dieser Schritt ist aus heutiger Sicht aufgrund der
damaligen allgemein kurzen Lebensdauer der Menschen nur allzu
verständlich. Ein Gladiator hatte nur ein- bis dreimal pro Jahr zu
kämpfen und wurde in der restlichen Zeit gut versorgt.
Beispielhaft war auch die medizinische Versorgung, die man den
Gladiatoren angedeihen ließ. Einer der berühmtesten Ärzte der
Antike, Galen, sammelte seine Erfahrungen während der Zeit, in der
er in der Gladiatorenschule von Pergamon die Kämpfer betreute.
Hinrichtung durch Raubtiere
Die Lebenserwartung eines Gladiators
Nach weit verbreiteter Auffassung begannen
während der römischen Kaiserzeit die Gladiatorenspiele mit dem Gruß
an den Caesar:
„morituri te salutant” – die Todgeweihten
grüßen dich.
Überliefert ist dieser Gruß nur für eine einzige
Gegebenheit. Dabei handelte es sich um eine von Kaiser Claudius
inszenierte Seeschlacht (Naumachie) und nicht um einen
Gladiatorenkampf. Trotzdem beschreiben diese Worte die
Lebenssituation eines Gladiators treffend. Gladiatoren wurden selten
älter als dreißig Jahre, ihre Lebenserwartung schwankte im Laufe der
Jahrhunderte erheblich. Im 1. Jahrhundert vor Christus, also noch
während der römischen Republik, als sich die römischen Adligen die
Gunst der Wähler durch großzügige munera erkauften, wurde auch
großzügig mit dem Blut der Gladiatoren verfahren. Iuvenal
kommentierte dies mit den Worten:
„Munera nunc edunt et, verso pollice vulgus
cum iubet, occidunt populariter” – „Nun geben sie
Gladiatorenkämpfe und, wie der Pöbel es mit gedrehtem Daumen
verlangt, töten sie volkstümlich.”
Insgesamt gibt es aus der Zeit der
Gladiatorenkämpfe wenig verlässliche Daten darüber, wie groß die
Chancen eines Gladiators waren, die Arena lebend zu verlassen. Der
Historiker G. Ville wertete 100 Kämpfe aus, die im 1. Jahrhundert
nach Christus stattfanden und stellte dabei fest, dass 19
Gladiatoren (von 200 beteiligten Kämpfern) in diesen einhundert
Kämpfen ihr Leben verloren. Nach Auswertungen von Grabsteinen lag
das Alter, in dem sie durchschnittlich starben, bei 27 Jahren.
Gladiatoren hätten damit eine Lebenserwartung gehabt, die nur wenig
unter der der „normalen” römischen Bürger lag. Der Historiker Marcus
Junkelmann weist darauf hin, dass nur den erfolgreichsten
Gladiatoren ein Grabmal gesetzt wurde. Der Großteil der Gladiatoren
starb dagegen am Anfang ihrer Laufbahn, da nur die fähigsten die
ersten Kämpfe überlebten. Diesen jung gestorbenen
Gladiatorenneulingen hat man in der Regel keinen Grabstein gesetzt,
sie wurden anonym begraben. Nach den Schätzungen von Junkelmann
starben die meisten Gladiatoren ihren gewaltsamen Tod im Alter
zwischen 18 bis 25 Jahren.
Mit jedem Kampf stieg die Selbstsicherheit, Erfahrung und
Beliebtheit eines Gladiators. Ein erfahrener Gladiator mit hoher
Anhängerschaft hatte deutlich mehr Chancen, vom Publikum oder
Spieleveranstalter begnadigt zu werden, wenn er im Kampf unterlag.
Das Überleben eines erfahrenen Kämpfers lag durchaus im
Eigeninteresse des Publikums – nur so waren spannende Kämpfe auch in
der Zukunft sichergestellt. Nach den Inschriften auf dem Grabmal
eines in Sizilien beerdigten Gladiators gewann dieser Gladiator 21
von 34 Kämpfen, neun Kämpfe gingen unentschieden aus, und in den
vier Kämpfen, die er verlor, begnadigte ihn das Publikum.
Da Gladiatoren ein Teil der Einnahmen aus ihren Kämpfen zustand,
hatten sie bei einer längeren Überlebensdauer eine gewisse Chance,
sich freizukaufen. Freigelassene Gladiatoren wurden mit einem
hölzernen Schwert ausgezeichnet. Die strenge römische Hierarchie bot
den Gladiatoren wenig Freiraum für ein Leben nach der Kampfarena.
Gladiatorenschulen
Gladiatoren wurden in besonderen Schulen (ludi)
ausgebildet. Berühmte Gladiatorenschulen befanden sich in Capua und
in dem 79 n. Chr. durch einen Vulkanausbruch verschütteten Pompeji.
Eine der größten Gladiatorenschulen war in Ravenna beheimatet. Nach
Schätzungen gab es insgesamt etwas mehr als 100 Gladiatorenschulen,
die normalerweise unter Leitung eines Gladiatorenmeisters standen,
der auch der Besitzer der Gladiatorenschule war. Häufig reisten
Gladiatoren in einer Truppe (familia) von Stadt zu Stadt. Der
Besitzer der Truppe vermietete seine Gladiatoren an denjenigen, der
einen Gladiatorenkampf veranstalten wollte.
In Rom gab es vier Gladiatorenschulen, die größte nannte sich Ludus
Magnus und war mit dem Kolosseum durch einen Tunnel verbunden. Diese
vier befanden sich in staatlichem Besitz und standen unter der
Aufsicht eines Beamten, der sorgfältig ausgesucht wurde und der zu
den am höchsten bezahlten römischen Beamten zählte. Angesichts der
Gefahr, die von einer todesmutigen, kampferprobten Gruppe von
Menschen ausging, wollte man auf diese Weise sichergehen, das Risiko
für die römische Bevölkerung gering zu halten.
Ausbilder eines neu angeworbenen Gladiatorrekruten waren gewöhnlich
alte, erfahrene Kämpfer, die ihren Schülern die für die jeweilige
Waffengattung typischen Bewegungsabläufe einschliffen. Die Schüler
übten an Pfählen, und Vegetius beschrieb im 4. Jahrhundert die
Ausbildungspraxis, die für Soldaten und Rekruten identisch waren:
:„Von den einzelnen Rekruten wurde aber je
ein Pfahl so in die Erde gerammt, dass er nicht wackeln konnte und
sechs Fuß hochragte. An diesem Pfahl übte sich dann der Rekrut wie
gegen einen Gegner... so dass er mal den Angriff wie gegen Kopf
und Gesicht richtete, mal von der Flanke her drohte, bisweilen
sich bemühte, die Kniekehlen oder Beine zu verwunden... In dieser
Übung achtete man auf die Vorsichtsmaßregel, dass der Rekrut zum
Anbringen einer Wunde herzusprang, ohne dabei sich selbst irgendwo
eine Blöße zur Verwundung zu geben. Außerdem lernten sie, nicht
schlagend, sondern stechend zuzustoßen... Eine geschlagene Wunde,
mit welcher Wucht sie auch angebracht werden mag, ist doch nicht
oft tödlich, da die lebenswichtigen Organe durch die Schutzwaffen
und durch die Knochen geschützt sind. Hingegen ein Stich, der nur
zwei Zoll tief geht, ist tödlich...“
Die Gladiatoren übten in der Regel mit hölzernen
Waffen, die deutlich schwerer waren als die, die später in der Arena
zum Einsatz kamen. Damit wurde ihre Ausdauer trainiert.

Der Ablauf eines Tages in der Arena
Die Vorbereitungen
Stand ein munus an, wandte sich der
Spieleveranstalter (editor) an einen Gladiatorenmeister (lanista),
der mit der Durchführung beauftragt wurde. Ein Vertrag schrieb fest,
wie viele Gladiatorenpaare anzutreten hatten, wie das
Begleitprogramm aussah, wie lange die Veranstaltung dauern sollte
und regelte auch die Bezahlung. Wenige Tage vor dem Beginn des munus
wurden die Kämpfer öffentlich vorgestellt. Wichtige Informationen
für die Zuschauer waren, in welchen Paarungen die Kämpfer
gegeneinander antreten würden, in welcher Reihenfolge die Kämpfe
durchgeführt werden würden und in wievielen Kämpfen die jeweiligen
Gladiatoren schon erfolgreich gewesen waren. Am Vorabend gab es für
die Gladiatoren ein Festbankett, bei dem auch Publikum zugelassen
war.
Der Kampftag
So wie Augustus die Veranstaltung von
Gladiatorenkämpfen als kaiserliches Privileg etablierte, so prägte
er auch den Ablauf eines Gladiatorenkampfes entscheidend mit. Die
bis zu der augusteischen Zeit als eigenständige Veranstaltung
abgehaltenen Tierhetzen band er in den Ablauf eines Kampftages mit
ein. Der einzelne Ablauf eines Gladiatorenkampfes variierte zwar,
aber der folgend beschriebene Ablauf war für einen Tag in einem
Amphitheater in der nachaugusteischen Kaiserzeit typisch:
In den Morgenstunden wurden als erstes Tierkämpfe veranstaltet. Dies
konnte beispielsweise der Kampf eines Stieres gegen einen Bär sein.
Der Dichter Martial berichtet auch über Kämpfe zwischen Stier und
Elefant, Löwe und Leopard oder Nashorn gegen Büffel. Als
Zwischenspiel folgten gelegentlich Zirkusnummern, in denen
dressierte Tiere auftraten. Danach folgten Tierhetzen, bei denen
nicht Gladiatoren kämpften, sondern spezielle venatores und
bestiarii. Diese speziell ausgebildeten Kämpfer sah man noch
geringer an als Gladiatoren, sie trugen auch eine völlig andere
Ausrüstung. Ihre Waffen waren vor allem der Jagdspeer. Gehetzt
wurden zunächst harmlose Tiere wie beispielsweise Antilopen oder
Hirsche. Waren diese erlegt, begann die Jagd auf gefährlichere Tiere
wie Raubkatzen, Elefanten oder Bären.
Während der Mittagszeit wurden Verbrecher in der Arena hingerichtet.
Das konnte eine Hinrichtung sein, bei der die Verbrecher den Tieren
vorgeworfen wurden (was einer Verurteilung damnatio ad bestias
entsprach) oder sie wurden gezwungen, mit Waffen gegeneinander
anzutreten. Der Sieger eines Zweikampfs hatte sich dann dem nächsten
Verurteilten zu stellen. Eine Chance auf eine Begnadigung gab es
nicht; der zuletzt überlebende wurde in der Arena durch venatores
hingerichtet (munera sine missione).
Das Nachmittagsprogramm begann mit dem Einmarsch aller Gladiatoren,
die sich dem Publikum präsentierten. Nach der Präsentation kehrten
sie in die Katakomben zurück.
Als Vorübung (sogenannte prolusio) zu den eigentlichen
Gladiatorenkämpfen traten Gladiatoren, aber auch gelegentlich
Vertreter des Adels, mit stumpfen oder hölzernen Waffen paarweise
gegeneinander an. Bei sehr großen Veranstaltungen konnte sich diese
prolusio auch über mehrere Tage hinziehen. Eine Teilnahme eines
römischen Adligen an einer solchen prolusio wurde im Gegensatz zum
„echten“ Gladiatorenkampf als nicht ehrenrührig betrachtet. Auch
römische Kaiser – wie beispielsweise Commodus – sollen hierbei ihren
Mut zur Schau gestellt haben.
Der eigentliche Gladiatorenkampf fand im Anschluss an die
Schaukämpfe statt. Üblich war der Zweikampf, wobei bestimmte
Paarungen wie ein retiarius gegen einen secutor oder thraex gegen
murmillo klassische Kombinationen waren.
Der Kampf
Der Historiker Junkelmann weist darauf hin, dass
der Kampf in der Arena – die sogenannte Gladiatur – kein wildes
Handgemenge, sondern ein höchst differenzierter, genauen Regeln
unterworfener Kampfsport war. Darauf lassen auch forensische
Analysen der Knochen von toten Gladiatoren schließen.[1] Der Kampf
wurde in der Regel von zwei Schiedsrichtern beobachtet. Sie leiteten
auch Pausen ein, wenn beide Kämpfer zu erschöpft waren oder sich die
Riemen der Ausrüstung lösten; und sie ahndeten Regelverstöße. Eine
der wesentlichen Aufgaben der Schiedsrichter war es zu verhindern,
dass ein sich ergebender Gladiator den weiteren Attacken seines
Gegners ausgesetzt war. Ein Kampf konnte auf vier Weisen enden:
-
durch den Tod eines der Kontrahenten während
des Kampfes
-
dadurch, dass einer der Unterlegenen aufgab und
auf Verlangen des Publikums oder des Spieleveranstalters noch in
der Arena durch seinen Gegner hinrichtungsmäßig getötet wurde
(kämpfte er gut, kam er meist frei; waren vorherige Kämpfe
unblutig verlaufen, so wollte das Publikum irgendwann jemanden
sterben sehen)
-
Aufgabe eines der Kämpfer und Begnadigung des
Gladiators durch das Publikum oder den Spieleveranstalter (sogenannte
missio)
-
die Entscheidung, dass das Gefecht
unentschieden ausging (so genannte stantes missi)
In der Arena starben weniger Gladiatoren als
bisher angenommen - wahrscheinlich starb einer von acht.
Ein unterlegener Gladiator bat um Gnade, indem er einen Zeigefinger
ausstreckte oder seine Waffen niederlegte. Der Schiedsrichter wandte
sich dann an den Veranstalter der Spiele – im römischen Kolosseum
war dies meist der Kaiser, der das Urteil zu fällen hatte. Dieser
übertrug die Entscheidung aber gewöhnlich den Zuschauern. In der
allgemeinen Vorstellung fällten die Zuschauer das Todesurteil, wenn
sie mit dem Daumen nach unten zeigten. Da es in der römischen,
vorchristlichen Vorstellungswelt den Begriff Himmel (Reich der
Guten) und Hölle (Reich der Bösen) nicht gab, ist es ebenso
wahrscheinlich, dass ein Todesurteil mit dem Daumen nach oben – als
Symbol für die Entfernung von Mutter Erde – ausgedrückt wurde;
analog galt in umgekehrter Richtung der nach unten gestreckte Daumen
als Zeichen für ein Verbleiben auf dieser Erde. Es gibt keine
historischen Belege dafür, dass dies so war. Es ist auch denkbar,
dass mit einem gegen die Brust oder Kehle gerichteten Daumen der
Todesstoß symbolisiert wurde, da der Todesstoß mit dem Schwert vom
Schlüsselbein in das Herz ausgeführt wurde. Eindeutiger belegt ist,
was die römischer Zuschauer in solchen Momenten riefen. Riefen sie
mitte (laß ihn gehen) oder missum, dann durfte der unterlegene
Gladiator lebend die Arena verlassen. Der Ruf iugula (Abstechen)
dagegen kündigte das Ende des Gladiators per Hinrichtung an. Vom
unterlegenen Gladiator wurde erwartet, dass er auf dem Boden kniend
gefasst den Todesstoß in den Hals oder zwischen die Schulterblätter
hinnahm. Dies wurde in den Gladiatorenschulen geübt.
Der Sieger erhielt einen Ölzweig und einen Geldbetrag und verließ
die Arena durch die Porta Sanavivaria, das Tor der Gesundheit und
des Lebens. Der Tote wurde dagegen auf einer mit Tüchern behängten
Bahre durch die Porta Libitinaria hinausgetragen – das Tor von Venus
Libitina, der Göttin des Todes und der Bestattung.
Römer und Gladiatoren - eine ambivalente
Beziehung
Das Beispiel mannhafter Tapferkeit
Die Haltung der Römer gegenüber den Gladiatoren
war sehr ambivalent: Auf der einen Seite waren Gladiatoren in der
sozialen Hierarchie noch niedriger angesiedelt als Sklaven, auf der
anderen Seite wurden erfolgreiche Gladiatoren zu Berühmtheiten, von
denen man sich die alten römischen Tugenden wie Siegeswille,
Todesverachtung und Tapferkeit demonstrieren ließ. Sowohl für Cicero
als auch für Seneca war der gleichmütig sterbende Gladiator ein
exemplum virtutis, ein Beispiel mannhafter Tapferkeit. Marcus
Junkelmann weist darauf hin, dass Cicero das, was er dem römischen
Volk in seiner Dritten Philippischen Rede angesichts des Griffes von
Marcus Antonius nach der Macht predigte
„... was tapfere Gladiatoren zeigen, indem sie
mit Würde untergehen, das lasst auch uns tun, die Herren aller
Länder und Völker - lieber wollen wir in Ehren fallen, als in
Schande das Leben von Sklaven führen”
für sich selbst auch umsetzte. Er starb den
„Gladiatorentod”, indem er bereitwillig seinen Hals dem Schwert
darbot, als ihn die Söldner des Antonius fingen.
Der „angebetete“ Gladiator
Einige Gladiatoren besaßen eine große
Anhängerschaft unter den Bürgerinnen Roms, die die Gladiatoren als
Sexualobjekt betrachteten. Der lateinische Begriff Gladius, von dem
sich gladiator ableitet, wurde außer in seiner ursprünglichen
Bedeutung „Stoßschwert“ im vulgären Sprachgebrauch auch für „Penis“
verwendet (analog zu Vagina, ursprünglich Schwertscheide, übertragen
auch das weibliche Geschlechtsorgan). Graffiti, wie sie in Pompeji
zu finden sind, lassen auf glühende Anhängerinnen der Gladiatoren
schließen. Ein sexueller Kontakt mit Gladiatoren war zwar verpönt
und wurde gesellschaftlich streng geächtet, es kam aber trotzdem zu
sexuellen Beziehungen zwischen Gladiatoren und Bürgerinnen.
Gladiatoren genossen in der römischen Gesellschaft einen ähnlichen
Ruf wie heutige Popstars. Die Festgelage des Spieleveranstalters am
Abend vor einem Kampf gaben den einflussreichen Frauen der Stadt die
Gelegenheit, ihre Idole persönlich und oft auch intim kennenzulernen.
Faustina, die Mutter des Kaisers Commodus, hatte ihren Sohn
angeblich mit einem Gladiator gezeugt - wahrscheinlich aber erfand
Commodus diese Geschichte selber, um seine Sonderrolle zu
unterstreichen. Als besonders skandalös empfand man die Beziehung
zwischen Eppia, einer Frau aus reicher Familie, die Senatorengattin
war, und dem Gladiator Sergiolus. Glaubt man dem römischen Satiriker
Juvenal, folgte Eppia dem körperlich schon lange nicht mehr
attraktiven Sergiolus aus Liebe kreuz und quer durch die Provinzen.

Gladiator, Jean-Leon Gerome
Die Veranstaltungsorte der Gladiatorenkämpfe
Das Forum Boarium – der Viehmarkt nahe der
Tiberinsel – war der erste Veranstaltungsort von Gladiatorenkämpfen,
die anfangs nur schlichte, primitive Veranstaltungen waren. Das
Forum Romanum war aus Platzgründen geeigneter als das Forum Boarium
und wurde daher in der Folge der Schauplatz der Gladiatorenkämpfe,
deren Zahl ab 264 v. Chr. kontinuierlich zunahm. Schon wenige Jahre,
nachdem Decimus seine spezielle Gedenkfeier für seinen Vater
abgehalten hatte, wurden für die Zuschauer Sitzgelegenheiten
geschaffen, damit sie dem Geschehen mit etwas mehr Komfort beiwohnen
konnten.
Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Städten des Reiches hatte Rom
selbst lange Zeit keinen angemessenen Ort für Gladiatorenkämpfe. Das
änderte sich erst mit dem Bau des Kolosseums, mit dem eine riesige
mit Sand bestreute Arena (der Begriff Arena kommt aus dem
Lateinischen und bedeutet „Sand“) geschaffen wurde, von deren Rängen
aus die römischen Zuschauer das Geschehen verfolgen konnten.
Das Ende der Gladiatorenkämpfe
Unter den römischen Kaisern gab es neben den
großen Freunden der Gladiatorenkämpfe (wie Commodus, Caligula und
Claudius) auch solche, die diesem Treiben deutlich distanzierter
gegenüberstanden (Tiberius oder Mark Aurel). Mark Aurel
beispielsweise verbot den Einsatz scharfer Waffen bei
Gladiatorenkämpfen und Augustus verbot Gladiatorenkämpfe, die nur
mit dem Tod eines der Kämpfenden enden durften. Entschiedene Gegner
der Gladiatorenkämpfe gab es nicht: Kaiserkult und Gladiatorenkampf
waren eng miteinander verwoben. Wer sich gegen den Gladiatorenkampf
aussprach, sprach sich auch gegen die Institution des Kaisers aus.
Kritische Stimmen richteten sich eher gegen die hemmungslos zur
Schau gestellte Blutgier des Publikums und das brutale
Begleitprogramm. So berichtet Seneca schockiert über die
mittäglichen Hinrichtungen, bei denen die Hinzurichtenden mit
scharfen Waffen gegeneinander antraten:
„Durch Zufall bin ich im Mittagsprogramm des Zirkus gewesen –
Scherze erwartend, Witze und etwas Entspannung, womit sich der
Menschen Augen vom Menschenblut erholen: das Gegenteil ist der Fall.
Was vorher gekämpft worden ist, war Mitleid; nun läßt man die
Spielchen, und es ist der reine Mord: nichts haben sie, sich zu
schützen. Dem Hieb mit dem gesamten Körper ausgesetzt, schlagen sie
niemals vergeblich zu. Das ziehen die meisten den regulären
Kampfpaaren und sonst geschätzten vor. Warum sollten sie es nicht
vorziehen? Nicht Helm, nicht Schild weist ab das Schwert. Wozu
Finten? All das ist Verzögerung des Todes. Am Morgen wirft man den
Löwen und Bären Menschen vor, am Mittag den Zuschauern. Mörder
werden auf ihren Befehl künftigen Mördern vorgeworfen, und den
Sieger heben sie auf für einen weiteren Mord; Abschluß ist der
Kämpfenden Tod: mit Schwert und Feuer wird die Sache ausgefochten.
Das geschieht, bis die Arena leer ist.“
Für Seneca genau wie für Cicero symbolisierte dagegen der Gladiator,
der gleichmütig und tapfer im Kampf gegen einen anderen Gladiator
stirbt, in beispielhafter Form römische Kardinaltugenden.
Wirkliche und auch wirksame Kritik am Gladiatorenkampf setzte erst
mit den christlichen Schriftstellern im 2. und 3. Jahrhundert ein,
die sich die Argumente der Stoiker zu eigen machten. Im Jahre 325
n.Chr. erließ dann der dem Christentum zuneigende Kaiser Konstantin
erstmals ein an die Gouverneure der östlichen Provinzen gerichtetes
Edikt:
„In Zeiten, in denen Frieden und
innenpolitische Ruhe herrschen, missfallen uns blutige
Vorführungen. Deshalb verfügen wir, dass es keine Gladiatoren mehr
geben darf. Die, die ihrer Verbrechen wegen früher dazu verurteilt
wurden, Gladiatoren zu werden, sollen ab jetzt in den Bergwerken
arbeiten. So büßen sie die Strafe für ihre Verbrechen, ohne ihr
Blut vergießen zu müssen.“
Dennoch blieben Gladiatorenkämpfe (munera) im
ganzen 4. Jahrhundert sehr beliebt und boten Kaisern und
Würdenträgern wichtige Möglichkeiten zur Repräsentation. Allerdings
wurde es immer schwieriger, Gladiatoren zu finden, seitdem 365 der
Einsatz von Christen verboten worden war. Auch der Einsatz von
Soldaten und Veteranen wurde untersagt. Damit stiegen auch die
Kosten für die Spiele. Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. wurden die
Gladiatorenspiele von Kaiser Honorius zwar endgültig verboten – die
bei Theodoret überlieferte Geschichte, dass diesem Verbot der Tod
eines Mönches vorangegangen sei, der in die Arena gesprungen sei, um
die Kämpfe zu unterbinden, ist allerdings wenig glaubwürdig – sie
sind aber noch bis in die Mitte des 5. Jahrhunderts bezeugt.
Tierhetzen (venationes), gegen die von christlicher Seite weitaus
weniger Vorbehalte bestanden, wurden noch mindestens bis zum Ausgang
der Spätantike im 6. Jahrhundert veranstaltet und blieben zusammen
mit Wagenrennen höchst beliebte Veranstaltungen.
aus Wikipedia der Text steht unter GNU-Lizenz
Inschriften in Pompeji
Quelle Wikipedia: |

Pompeji - Arena |