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               virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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Die Reparationsregelung und die Reparationsleistungen

 

Nach dem 1. Weltkrieg wurde dem Deutschen Reich die allgemeine Verpflichtung zu Reparationen an die alliierten Mächte auferlegt. Ihre Höhe wurde auf den Konferenzen in Boulogne-sur-Mer und Spa sowie in Paris (1921) durch die so genannte Reparationskommission bestimmt. Die deutschen Reparationszahlungen sollten  226 Milliarden Goldmark betragen, zahlbar in 42 Jahresraten zu 2,6 Milliarden. (Londoner Ultimatum) Dieser Betrag wurde so hoch festgesetzt, da in den Augen der Alliierten, Deutschland der Alleinschuldige am Krieg (s. Vertrag von Versailles) und der Hauptverantwortliche der hohen Kriegsschäden (Einmarsch im neutralen Belgien, Kriegführung in Frankreich) war. Vorab sollte Deutschland 20 Milliarden Goldmark in Geld - und Sachwerten zahlen. Nachdem im Juli von den Alliierten beschlossenen "Verteilerschlüssel" sollte Frankreich 52%, England 22%, Italien 10%, Amerika 8% und Belgien 8% der Zahlung erhalten. Frankreich hatte außerdem mit den Reparationszahlungen ein politisches Mittel, damit in Deutschland eine Revanchepolitik behindert würde. Man hoffte den Wiederaufstieg Deutschlands als Konkurrenten an der Ostgrenze aufhalten zu können. Deutschland war wirtschaftlich und nach der Einwohnerzahl größer als Frankreich. Frankreich hatte außerdem aus eigener Erfahrung gesehen, wie einfach es ist Reparationen (nach 70/71-Krieg 5 Mrd. Goldfrance) aufzubringen. Deshalb wurden die Reparationen zum politischen Kampfinstrument.
Deutschland protestierte über den hohen Betrag der Zahlungen, was nicht ohne Wirkung blieb: die Reparationskommission  reduzierte den geforderten Gesamtbetrag auf 132. Jährlich sollte Deutschland 2 Millionen Goldmark, sowie 26% des Wertes seiner Exporte abgeben. Deutschlands Wiederaufbau- und Außenminister (Walther Rathenau) hoffte die Unerfüllbarkeit der Reparationsforderungen zu beweisen. Erst mit der Währungsreform (1923) und der Inflation wurden die Voraussetzungen für neue Verhandlungen geschaffen. Nach dem, durch die Reparationsleistungen mitverursachten Zusammenbruch der deutschen Währung, versuchten Dawesplan (und 1928 Youngplan) die Reparationszahlungen der deutschen Zahlungsfähigkeit anzupassen.

Versailler Vertrag 1919

Artikel 231
Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären und Deutschland erkennt an, dass Deutschland und seine Verbündeten als Urheber aller Verluste und aller Schäden verantwortlich sind, welche die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Angehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben.

Dieser Artikel des Friedensvertrags ist die Basis für alle Reparationsforderungen - dieser Artikel ist mit das Hauptärgernis der Deutschen nach dem Krieg

 Karikatur zum Versailler vertrag - weitere Karikaturen

 

Londoner Ultimatum 1921

Am 5. Mai 1921 überreichte der britische Premierminister David Lloyd George dem deutschen Botschafter in London ein auf sechs Tage befristetes Ultimatum der alliierten Siegermächte des Ersten Weltkriegs. Deutschland sollte einen im Monat zuvor von den Ententemächten verabschiedeten Zahlungsplan anerkennen, der den Gesamtbetrag der Reparationen auf 132 Milliarden Goldmark festgelegt hatte. Zudem wurde das Deutsche Reich aufgefordert, der im Versailler Vertrag festgeschriebenen Demilitarisierung und der "Auslieferung deutscher Kriegsverbrecher" nachzukommen. Für den Fall der deutschen Ablehnung drohten die Alliierten mit der Besetzung des Ruhrgebiets.

Nach der bedingungslosen Annahme des Londoner Ultimatums durch das neu gebildete Kabinett unter Joseph Wirth und den Reichstag am 11. Mai 1921 begann die Phase der so genannten Erfüllungspolitik. Um die Ruhrbesetzung zu vermeiden, verfolgte die Reichsregierung eine Politik, welche zwar auf die Erfüllung der alliierten Forderungen abzielte. Tatsächlich versuchte sie jedoch genau dadurch den Nachweis zu erbringen, dass die jährliche Rate von drei Milliarden Goldmark vom Deutschen Reich nicht aufzubringen sei. Der extremen Rechten gaben die Annahme des Londoner Ultimatums und die scheinbare "Erfüllungspolitik" zusätzlichen Anlass zu einer Hetzkampagne gegen Vertreter der Weimarer Republik. Prominenteste Opfer dieser Hetze waren Matthias Erzberger und Außenminister Walther Rathenau, die ermordet wurden.

 

Ruhrkampf

Ab Mitte 1922 kommt es über die Bezahlung der fälligen Rearationen (s. Ultimatum von London) zum Streit. Wie sollen die Sachlieferungen abgerechnet werden (Großhandelspreise, Herstellerpreis???). Nachdem zu wenige Telegrafenstangen geliefert wurde, eskaliert der Streit und Frankreich besetzt, wie 1921 angedroht, das Ruhrgebiet. Dieses war das weltgrößte Industrierevier der Zeit. Dort wurden fast 1/3 aller deutschen Industriegüter hergestellt. Die französische Regierung reagierte hier sehr hart. Das war auch eine Reaktion auf den Rapallo-Vertrag Deutschlands mit der UdSSR. Frankreich hatte Angst vor einem Militärbündnis zwischen diesen beiden Mächten. Die politisch-militärischen Vorgänge im Ruhrgebiet 1923 stellen dann den eigentlichen Ruhrkampf dar. Im Januar besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet, um die Reparationsforderungen des Versailler Vertrags und des Londoner Ultimatums durchzusetzen. Dem Aufruf der Reichsregierung Cuno zum passiven Widerstand leistete die Ruhrbevölkerung Folge (140 Tote, 180 000 Ausweisungen). Die Besetzung erwies sich wirtschaftlich als ein Misserfolg. Da nichts mehr produziert wurde, keine Steuereinnahmen mehr liefen, aber die Kosten für den Streik aufliefen (die Reichsregierung übernahm die Lohnkosten und die Produktionsausfälle). Als die Reichsregierung den Widerstand nicht mehr durch finanzielle (Drucken von Geld!! => Inflation) und wirtschaftliche Hilfen unterstützen konnte, wurde der Ruhrkampf am 26. 9. 1923 abgebrochen. Auf der Londoner Konferenz (August 1924) wurde die Räumung des Ruhrgebiets beschlossen; sie war im August 1925 beendet. Durch den Locarno-Vertrag sollte durch die Grenzgarantie eine erneute Besetzung ausgeschlossen werden.

Dawes-Plan 1923

Der Dawesplan (Quelle) sah vor, dass Deutschland 1924 1 Milliarde Reichsmark bezahlt. Bis 1928 sollten die Zahlungen auf 2,5 Mrd. Reichsmark steigen und dabei bleiben. Dank eines Transferschutzes ging das Risiko bei Problemen mit der Devisenbeschaffung auf die Empfänger über und einer erneuten Destabilisierung der Reichsmark konnte damit entgegengewirkt werden. 55 Prozent der Reparationen sollten in Geld, der Rest in Sachleistungen erbracht werden. Parker Gilbert wurde die Organisation der Zahlungen übergeben. Ein wichtiger Teil des Planes war, dass aus Amerika sehr hohe Kredite nach Deutschland flossen (800 Millionen Reichsmark bereits als Starthilfe; bis 1929 ca. 21 Mrd. Mark) so dass Deutschland im ersten Jahr nur 200 Mio. Goldmark selbst aufbringen musste. Außerdem sollte es die Politik der Produktiven Pfänder nicht mehr geben, die Ruhrbesetzung sollte beendet werden. Die Quellen für die Reparationen waren Zölle und Steuern, die direkt abgeführt werden mussten und Zinsen und Tilgung für Schuldverschreibungen in Höhe von 16 Mrd. Goldmark mit denen die Industrie belastet wird. Um die Zahlungen zu sichern wurde die Reichsbank und die Reichsbahn unter internationale Kontrolle gestellt.

Es waren aber bereits Probleme abzusehen.

  • Es wurde kein Ende der Reparationszahlungen festgesetzt.
  • Die Reichsbank und die Reichsbahn mussten unter internationale Kontrolle gestellt werden. Die politische Rechte kritisierte den Plan auf Grund dieser Souveränitätsbeschränkungen.
  • Es war bereits absehbar, dass Deutschland nicht in der Lage sein würde, die 2 5 Milliarden Reichsmark zu zahlen.

Auf Druck der Industrie und der Agrarbetriebe und wegen der Beendigung der Ruhrbesetzung stimmten am 29. August bei der Abstimmung im Reichstag auch Abgeordnete der nationalistischen DNVP für den Dawes-Plan, so dass die nötige 2/3 Mehrheit erreicht wird..

Young-Plan 1928

Der Youngplan (benannt nach dem US-Politiker  Owen Young) legte 37 Jahresraten von jeweils 2,05 Milliarden Goldmark sowie weitere 22 Jahresraten von jeweils 1,65 Milliarden Goldmark fest; nach 59 Jahren, also 1988, sollten die Reparationsverpflichtungen abgeleistet sein. Für die Abwicklung der Zahlungen, die in fremder Währung zu begleichen waren, wurde die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich eingerichtet. Zudem sah der Plan für Deutschland eine internationale Anleihe über etwa 300 Millionen US-Dollar vor, die so genannte Younganleihe. Schließlich wurde die vorzeitige Räumung des Rheinlandes vereinbart. Außerdem wurde die Kontrolle der Reichsbahn und der Reichsbank wieder in deutsche Hände gelegt. 
Obwohl dies eine finanzielle Entlastung des Deutschen Reiches gegenüber bestehenden Abkommen bedeutete, versuchten die rechten Vereinigungen DNVP, NSDAPund der Stahlhelm diesen Plan im Wege einer Volksabstimmung zu Fall zu bringen. DNVP-Vorsitzender Alfred Hugenberg nannte den Plan eine „Maschinerie des Hochkapitalismus zur Unterjochung Deutschlands“, vor allem die lange Dauer der Zahlungsverpflichtung bis 1988 wurden in der rechten Agitation herausgestrichen („Bis in die dritte Generation müsst ihr fronen!“ s. Plakat unten). Sie gründeten im Juli 1929 den „Reichsausschuß für das Volksbegehren gegen den Young-Plan“. Am 22. Dezember 1929 stimmten die Bürger über das „Freiheitsgesetz“ ab, das den ganzen Versailler Vertrag revidieren sollte und die Bestrafung der Unterzeichner des Planes durch Zuchthaus wegen Landesverrats enthielt.
Das Volksbegehren scheiterte in der zweiten Instanz, da für einen Erfolg des Volksentscheides die Zustimmung von 50% aller Wahlberechtigten nötig gewesen wäre, aber nur 13,5% aller Wahlberechtigten zur Wahl gingen. Diese 13,5 % Wählerstimmen bestanden aus 5.838.890 Ja-Stimmen und nur 338.195 Nein-Stimmen. Damit hatten 94,5 % der Abstimmenden dem Plan zugestimmt. Die Regierung hatte den Abstimmungstermin absichtlich auf den letzten verkaufsoffenen Sonntag vor Weihnachten gelegt. Repräsentativ gesehen gab es tendenziell somit eine große Mehrheit für das Volksbegehren, zumal man die Nichtwähler auch nicht einfach als Contrastimmen zählen kann. Dieses Bündnis der Rechten integrierte Hitler und machte ihn zu einer deren Führungsfiguren. Er war im Bereich der Rechten der beste und aggressivste Redner, der am besten die Masse mobilisieren konnte.

Die Jahreszahlungen steigen dann langsam weiter bis auf annähernd 2,3 Milliarden.
Der Young-Plan sollte  bis 1. April 1988 laufen.

Quelle: Die Young-Plan-Annuitäten

Quelle: der Vertrag

 

Das Moratorium von Lausanne 1932

Durch den Zusammenbruch deutscher Banken im Juli 1931 und dem massiven Abzug der Auslandsanleihen, vor allem der USA (s. Dawes-Plan) erhielten die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise im Deutschen Reich eine neue Dimension. (Die Arbeitslosigkeit stieg auf über 40%, durch Brünings Deflationspolitik noch gesteigert) Die finanziellen Belastungen der im Young-Plan festgelegten Reparationen überstiegen die Leistungsfähigkeit Deutschlands erheblich, da die Steuereinnahmen einbrachen. Reichskanzler Heinrich Brüning entschloss sich in dieser Phase zu einer Revisionspolitik gegenüber dem Young-Plan, da er in dieser Situation eine Gefährdung seiner Spar- und Deflationspolitik erkannte, mit der er den Geldwert stabilisieren wollte, damit es nicht zu einer zweiten Inflation käme. Ziel der Politik Brünings war die endgültige Streichung der Reparationslasten. Die auf Grundlage der Notverordnung vom 8. Dezember 1931 erlassenen Preissenkungsbestimmungen bei gleichzeitiger Umsatzsteuererhöhung sollten zu einer bewussten Verschärfung der Krise führen. Die sich dadurch verschlimmernde wirtschaftliche Depression wurde als Argument deutscher Zahlungsunfähigkeit angeführt. Auf der am 16. Juni 1932 beginnenden Konferenz von Lausanne signalisierten Frankreich, Großbritannien und die USA ihre Bereitschaft zu einer Neuregelung der Reparationen, um sie den veränderten Wirtschaftsverhältnissen anzupassen. Die Konferenz führte schließlich zur Aufhebung des Young-Plans und zum Abschluss der deutschen Reparationsverpflichtungen. Franz von Papen, nach dem Sturz des Präsidialkabinetts von Brüning neuer Reichskanzler, verpflichtete sich am 9. Juli 1932 in dem Abkommen von Lausanne lediglich zu einer Abschlusszahlung von 3 Milliarden Reichsmark. Diese wurden aber nie bezahlt.

 

 

Die Entwicklung der alliierten Reparationsforderungen:

Jahr Konferenz Gesamthöhe in Goldmark Jahresraten Anzahl der Jahresraten
1919 Versailles nicht festgelegt   30
1920 Boulogne 269 Mrd. 2,6 Mrd 42
1921 Paris (Jan.)

London (Apr.) Ultimatum

226 Mrd.

132.Mrd

 

ca. 2,5 Mrd

42

66

1924 Paris (Dawes-Plan) nicht festgelegt Jahresraten von 1-2,5 Mrd.  2,5 Mrd sollte erst 1928 festgelegt werden
1929 Den Haag (Young-Plan) 112 Mrd. 1,6 - 2.3 Mrd 59    2 Raten bezahlt
1932 Lausanne (Schuldenmoratorium) 3 Mrd. 3 Mrd 1     nicht bezahlt

Quelle der Statistik: Wikipedia

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