virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

vor 3000 3000 - 800 800v. - 500n. 500 - 1500 1400 - 1789 1789-1848 1815-1914 1890-1914 1914-1918 1918-1939 1939-1945 1945 - 1990 seit 1990
Frühgeschichte Hochkulturen Antike Mittelalter Aufklärung-Absolutismus Revolutionen Nationalstaaten Imperialismus Weltkrieg I Zwischen den Weltkriegen Weltkrieg II Kalter Krieg Gegenwart
                         

Startseite

Impressum Unterrichtsmaterial Sitemap Arbeitstechniken Didaktik m@scholl online       Deutschland Europa Amerika Asien Afrika

Die Geschichte Großbritanniens von der Thronbesteigung Victorias bis zum 2. Weltkrieg

 

1. Innenpolitik

Unter der Herrscherin Queen Viktoria, die schon 1834 den Thron Englands bestiegen hatte und 1877 auch Kaiserin von Indien wurde, erlebte England seine Blütezeit. Diese Zeit, die den Höhepunkt des Kapitalismus, Imperialismus und Kolonialismus beinhaltete, sollte jedoch nicht mehr lange andauern. In den 1870er und 1880er Jahren wurden entscheidende Schritte in Richtung Demokratisierung gemacht, um die Entwicklung zum Sozialstaat voranzutreiben.

1837: Thronbesteigung Victorias

1839 / 42 / 48: Massenpetitionen der Chartisten, einer Arbeiterbewegung, für demokratische Reformen: Die Chartisten forderten eine radikale Demokratisierung der Verfassung, besonders das allgemeine, gleiche, geheime Wahlrecht für jährlich zu wählende Parlamente. Sie glaubten daran, dass nur eine echte Volksvertretung die sozialen Probleme lösen könnte. Obwohl sie dem Parlament dreimal ihre Forderungen vorlegten - 1839 / 42 / 48  - , lehnte das Haus sie jedes Mal mit einer eindeutigen Mehrheit ab.

 

1840: Gründung der Anti – Corn – Law – League:

Seit 1815 die Corn Laws erlassen worden waren, die hohe Zölle festsetzen, um den Preisverfall durch ausländische Konkurrenz vorzubeugen, waren Lebenskosten, Arbeitslosigkeit und Massenelend extrem angestiegen. Radikale Liberale argumentierten, dass billiges Importgetreide die Lebenskosten senken und die englische Industrie wieder ankurbeln könnte. Nachdem sich 1838 Unternehmen in einem Verein zusammengeschlossen hatten, um völlige Zollfreiheit durchzusetzen, folgte 1840 die Gründung der Anti – Corn – Law – League, ein Zusammenschluss solcher Vereine, die das gleiche Ziel verfolgten.

 

1841 – 1846: Kabinett Peel und Spaltung der Konservativen:

Der konservative Premier Robert Peel setzte die Aufhebung der Kornzölle durch, womit er den Anstoß zur Ablösung des Merkantilismus durch den allgemeinen Freihandel lieferte. Damit legte er die Basis für die Erschließung neuer Wählerschaften aus dem Mittelstand; er forderte aber auch eine Spaltung der Partei heraus, da agrarische Vertreter andere Ziele hatten, die sie auch weiterhin verfolgen wollten. Es bilden sich die Peelities und eine protektionistische Mehrheit unter der Führung von Derby.

 

1846 – 1868: ständiger Wechsel von Regierungen

Die Tatsache, dass im Jahr 1850 das Unterhaus eine Mischung aus Konservativen, Liberalkonservativen ( Peelities ), unabhängigen Radikalen und irischen Nationalisten war, macht deutlich, dass das englische Zweiparteiensystem keineswegs das parlamentarische Geschehen bestimmte. Die politischen Entscheidungen fanden zumeist im Parlament, besonders im Unterhaus, statt; wo es noch keine eindeutige Mehrheit gab, spielten Intrigen und Reden eine große Rolle: Dementsprechend häufig fanden in diesen Jahren Regierungswechsel und Kabinettsumbildungen statt:

·        1846 – 1852 : Liberales Kabinett unter Russell mit Palmerston als Außenminister

·        1852 – 1855: Konservatives Kabinett unter Derby

·        1855 – 1858: Palmerston als Premier

·        1858 – 1859: Konservative Regierung unter Derby

·        1859 – 1866: Liberales Kabinett unter Russell

·        1866 – 1868: Konservatives Kabinett unter Derby und Disraeli

 

1864: Gründung der ersten Internationale:

Obwohl Karl Marx schon seit 1849 in London lebte, an seinem „Kapital“ arbeitete und schließlich 1864 seine „Erste Internationale“, eine Arbeiter – Assoziation, gründete, die die Lage der Arbeiter verbessern sollte, konnte der klassische Sozialismus in England zunächst keinen Anklang finden. Erst als das viktorianische Zeitalter sich dem Ende zuneigte und somit deren Grundwerte an Überzeugungskraft verloren, wurde die englische Bevölkerung offen für die sozialistischen kollektiven Ideen.

 

1867: Gründung der konservativen National Union:

Nachdem die Konservativen in den Wahlen gegenüber den Liberalen eine Niederlage einstecken mussten, bemühte sich Disraeli verstärkt darum, den Ausbau einer außerparlamentarischen Partei zu erreichen. Bereits zuvor hatten Gefolgsleute Disraelis die „National Union of Conservative and Constituional Associations“ gegründet, um die Partei auch bei den unteren Mittelklassen und Arbeiterschaften zu profilieren.

 

1868: Gründung des gewerkschaftlichen Dachverbandes TUC

Nach 1850 setzte die 2. Welle der Gewerkschaftsbewegung ein. Obwohl diese Gewerkschaften durch den allgemeinen Wohlstand florierten, fühlten sie sich durch einen unsicheren Rechtsstatus eingeengt. Diese Unzufriedenheit erreichte ihren Höhepunkt, als 1867 die Justiz entschied, dass eine Gewerkschaft für sich nicht den Schutz eines Rechts beanspruchen könne. Das hatte die Gründung einer Dachorganisation, des Trade Union Congress ( TUC ) zur Folge, ums o stärkeren Einfluss auf die Gesetzgebung des Parlaments ausüben zu können.

 

1868 – 1874: Erstes Kabinett Gladstone

 

1874 – 1880: Kabinett Disraeli

 

1880 – 1885: Zweites Kabinett Gladstone

 

1886: Drittes Kabinett Gladstone

 

1886 – 1892: Konservative Regierung unter Salisbury

 

1887: Königin Victorias goldenes Jubiläum

 

1892 – 1895: Liberale Regierung unter Gladstone und Roseberry

 

1893: Gründung der Independent Labour Party:

Die ILP versuchte die Unions für sich zu gewinnen, um somit Unterstützung für eine unabhängige Arbeiterpartei zu erhalten. Die ILP hatte dazu mit ihrem Sozialismus auch eine gute Vorraussetzung, aber trotzdem blieben die großen Gewerkschaften zunächst ihrer liberalen tradition treu. Daher war es der ILP bei den Wahlen nicht möglich, auch nur einen einzigen Sitz zu erringen.

 

1895 – 1902: Konservatives Kabinett unter Salisbury

 

1900: Gründung der Labour Party:

Aus einer Konferenz über Maßnahmen für die Wahl von Arbeitervertretern ins Unterhaus in London, ging das „Labour Representation Committee“ hervor, das von nun an eine parlamentarische Vertretung der englischen Arbeiterschaft zu organisieren. Der Erfolg der LRP blieb aber vorerst aus; erst als die Existenzberechtigung der Gewerkschaften abermals in Frage gestellt wurde, unterstützten die Gewerkschaften die LRC. So konnten 29 von 50 aufgestellten Kandidaten ins Unterhaus gebracht werden und die LRC wurde zur Labour Party umbenannt.

 

1901 – 1910: Regierungszeit von Eduard V!!

 

1902 – 1905: Konservative Regierung unter Balfour

 

1905 – 1908: Liberale Regierung unter Champbell und Bannermann

 

1908 – 1915: Liberale Regierung unter Asquith

 

1910 – 1936: Regierungszeit von Georg V

 


2. Außenpolitik 1837-1939

 

Viktorianisches Zeitalter:

 

1840-1842   Opiumkrieg

Auslöser: Zunehmende Einfuhr von indischem Opium auf englischen Schiffen nach China => Schädigung der chinesischen Bevölkerung und Zerrüttung der chinesischen Finanzen

1839 verbietet Kaiser Hsüan-tsung den Opiumhandel und lässt 1000 Tonnen Opium, Eigentum britischer Kaufleute, vernichten. Britische Handelsgesellschaften als Rauschgifthändler unter dem Schutz der britischen Regierung machen das große Geld. Als Antwort besetzt GB 1840 Hongkong und erzwingt:
29.8.1842 Vertrag von Nanking: Abtretung Hongkongs, Erweiterung des Handels durch Öffnung von fünf weiteren Häfen für britischen Handel, Kriegsentschädigung von 21 Millionen mexikanischen Dollar

1845 britischer Imperialismus  stößt auf Widerstand in Neuseeland : Aufstand der Maoris (Ureinwohner)

1851 Briten besetzen Lagos um Sklavenhandel zu unterdrücken

1853 Russisch- Türkischer Krieg Dieser löst den:

1853-1856 Krimkrieg aus

  •        Kriegserklärung Englands wegen Expansion Russlands in den Mittelmeerraum

  •        Konflikt zwischen Osmanischem Reich und Russland

  •        Eingreifen der Alliierten (Italien, Frankreich, England) auf der Krim

  •        à Eine der blutigsten Auseinandersetzungen des 19. Jahrhunderts

  1857 Sepoy- Aufstand von den Briten niedergeschlagen und  Auflösung des Mogulenreichs

 

Von den 70ern bis zum 1. Weltkrieg

Diese Zeit wird geprägt von:

Durch wirtschaftliche Stagnation imperialistische Erwerbspolitik:  Die Regierung will wirtschaftliche Krisen durch Expansion, internationale Aufträge, Rohstoffgewinnung überwinden und Überbevölkerung in die Kolonien ableiten. Dabei entsteht ein zusammenhängendes Reich um den Indischen Ozean.

1878 Zypern,
Afrika: seit 1880 Kap-Kairo- Linie, 1885 Nigeria, Kenia, Ägypten,
Asien: 1876 Beludschistan, 1898 Weihaiwai, 1884 Südost- Neuginea, ein Großteil Indiens unter britischen Regierung - die unabhängigen Maharadschas (lokale Fürsten) arbeiten mit GB zusammen und stehen unter englischem Schutz.

Einbrüche im Außenhandel, Vorsprung der Handelsmacht geht verloren, Konkurrenz: USA und Deutschland

Englisch-Deutsche Flottenrivalität

1877 Königin Victoria trägt den Titel „Kaiserin von Indien“

1887 Österreich-Ungarn, Italien, Groß Britannien Orient Dreibund => Ziel: Erhaltung des Status Quo im Orient und Unabhängigkeit des Osmanischen  Reichs gegen Russland

1890 Helgoland- Sansibar Vertrag : Großbritannien tritt Helgoland an das Deutsche Reich ab und erhält Sansibar und Territorien in Ostafrika

1898: Faschodakrise zwischen Frankreich und Großbritannien.

1904: Entente Cordiale mit Frankreich

1907: Britisch-russischer Interessensausgleich

1911: Marokkokrise

1912: Bündnis Frankreich-Großbritannien

1914: Beginn des ersten Weltkrieges, wegen der Ermordung des österreichischen Thronfolgers. Deutschland will den Krieg, deshalb Blankoscheck an Österreich, Dies will Demütigung und Schwächung Serbiens; Dies will Russland verhindern, da mit Serbien verbündet; Russland macht für Serbien mobil. Deshalb muss Deutschland, da Schlieffenplan auch mobil machen; Der Überfall auf Belgien löst den Kriegseintritt Großbritanniens aus. Damit Weltkrieg. GB erobert alle deutschen Kolonien. Nach Kriegsende werden diese als so genannte Mandatsgebiete des Völkerbunds aufgeteilt.

 

   

1919: Friedensvertrag von Versailles, der Deutschland zum Hauptschuldigen erklärt. Dies ist zwar richtig, wird aber in Deutschland als ungerecht bekämpft, da die historischen Fakten in Deutschland anders interpretiert werden und die Politik Wilhelm II, der den Krieg möglichst bald wollte, falsch gesehen wird.

1924: Londoner Konferenz über den Dawes-Plan zur Abwicklung der dt. Reparationszahlungen. GB will Deutschland so wie die USA als Handelspartner wieder aufbauen.

1932: Einführung von Einfuhrzöllen und Vorzugszöllen im Weltreich. Ende des Freihandels. Alle Staaten schützen ihre Wirtschaft wegen der Weltwirtschaftskrise. Damit wird diese aber verschlimmert. 

1933 GB sieht Hitlers Machtübernahme nicht tragisch. Hitler gilt als Bollwerk gegen des Kommunismus, gegen die UdSSR. Deswegen Appeasementpolitik. GB kommt Hitler entgegen. Ist zur Revision von Versailles bereiht (akzeptiert die Aufrüstung, akzeptiert die Flottenrüstung, den Anschluss Österreichs und gibt in der Sudetenkrise Hitler Recht.) Erst nach der Zerschlagung der Resttschechei und dem Vertragsbruch durch Hitler März 1939 kommt es in GB zum Wandel der Außenpolitik.

Chamberlain nach der Münchner Konferenz 1938 - er glaubt, dass sich Hitler an das Abkommen hält - er glaubt an Papier

1939 Eine Annäherung an die UdSSR scheitert am polnischen Widerstand gegen ein Durchmarschrecht der Roten Armee. GB gibt Polen eine Existenzgarantie. Nach dem Einmarsch Hitlers in Polen => 1. Sept.1939: Großbritannien erklärt Deutschland den Krieg

 

3. Recht und Verfassung von 1837-1939

1832: 1. Wahlrechtsreform

Ausweitung des Wahlrechts auf die aufsteigende Mittelschicht. Davor waren nur Gutsbesitzer mit einem Nettojahreseinkommen von 40 Schilling wahlberechtigt.

1853: Northcote-Trevelyan-Kommission empfiehlt die Reform der Staatl. Verwaltung

1867: 2. Wahlrechtsreform

Anzahl der Wahlberechtigten in England und Wales verdoppelt sich. Steuerzahlende Haushaltsvorstände und Untermieter, die mehr als zehn Pfund Miete p.a. zahlen, kommen zur Wählerschaft hinzu.

1871: Trade Union Act

Gewerkschaften und ihr Vermögen werden dem Schutz des Gesetzes unterstellt. Anerkennung des Streikrechtes; jedoch Verhinderung seiner Ausführung, durch Strafandrohungen.

1872: Ballo Act

Gesetz, das die geheimen Wahlen vorschreibt.

1883: Gesetz gegen die Manipulation von Wahlen

 

1884: 3. Wahlrechtsreform

Franchise Act macht Landarbeiter zu Wahlberechtigten. 60% aller Männer werden stimmberechtigt. à Verlagerung des politischen Gewichtes vom Land in die Stadt. Durch die Gesetzesänderung erhielten Industrie und Kommerz eine knappe Mehrheit im Unterhaus.

 

5: Neueinteilung der Wahlkreise

 

1888/94: Reform der Grafschaftsverwaltung

 

1909-1911:  Verfassungskonflikt

Oberhaus lehnt neuen Haushaltsplan, der Gelder zur Unterstützung Minderbemittelter vorsieht ab. Als Begründung wird genannt, dass dieser Haushaltsplan durch die vorgesehenen Steuererhöhungen stark in die bestehenden Vermögensverhältnisse eingreifen würde. Das Oberhaus, bestehend aus Vertretern des Adels, ist natürlich gegen eine Umverteilung der Güter. Das Unterhaus legt Beschwerde gegen das Oberhaus ein, wird daraufhin jedoch aufgelöst. Im Januar 1901 finden Neuwahlen des Unterhauses statt, bei der die Regierung 100 Sitze verliert und nur eine knappe Mehrheit behält. Als Konsequenz billigt sie den neuen Haushaltsplan. In einer anschließenden Diskussion fordern die irischen Abgeordneten eine Verkürzung der Legislaturperiode von 7 auf 5 Jahre. Das Oberhaus soll außerdem jegliches Veto bei Finanzgesetzen verlieren. Bei anderen Gesetzesvorlagen, soll das Veto des Oberhauses nur noch aufschiebende Wirkung haben. Nach dem Tod von König Eduard VII. stehen Neuwahlen an, die keine Kräfteverschiebung bringen. Unter Androhung eines Putsches, stimmt das Oberhaus 1911 seiner Entmachtung zu.

 

1911: Parliamental Act

Aufhebung des Vetorechtes des Oberhauses. Vetos haben nur noch eine aufschiebende Wirkung von zwei Jahren.

 

1918: Wahlrechtsreform

Einführung des Wahlrechts für Männer ab 21 und Frauen ab 30, unter bestimmten Besitzvoraussetzungen. Durch das neue Wahlrecht gibt es nun 21,3 Mio. Wahlberechtigte, davon 6 Mio. Frauen.

 

1919: Aufgabe des Goldstandards, der vorschreibt, dass die nationalen Goldreserven immer gleich dem sich in Umlauf befindenden Bargeld sein muss, zum Schutz vor einer Inflation.

 

1925: Wiedereinführung des Goldstandards, was eine bedingte Aufwertung des Pfundes bewirkt.

 

1928:  Ausweitung des Frauenwahlrechtes

 

1931: Endgültige Aufgabe des Goldstandards.

Geschichtsgrundkurs, Neubig-Scherf, K12 2g2

Martina +Julia