Kurzer Überblick über die Wirtschaftspolitik der DDR:

Start der DDR auf sehr biedrigem Level. Wenig Industrie vor 1939. Demontagen durch die UdSSR. Enteignungen durch die SMAD (=sowjetische Militäradministration). 1952/53: Zentralisierung der DDR im Sinne der sowjetischen Planwirtschaft; Enteignungen, Kollektivierung der Landwirtschaft, 1959/60: Zwangskollektivierung. Aufbau neuer Industriestandorte für die Schwerindustrie (Neubrandenburg, Eisenhüttenstadt) mit gravierenden Standortbachteilen. Hauptsächlich Nutzung der Braunkohle (ökologische Folgen!).

60er Jahre: Nach dem Mauerbau können die Menschen kaum noch flüchten, also arrangieren sie sich nach und nach mit dem System. Die Wirtschaft wird reformiert: 1963 wird ein „Neues ökonomisches System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft" (NÖS) verabschiedet. Durch materielle Leistungsanreize und Steigerung der Autonomie der Betriebe soll die Planwirtschaft effizienter und die Produktion erhöht werden. 1968 wird die NÖS in „Ökonomisches System des Sozialismus" (ÖSS) umbenannt. Fortschrittliche Industrien sollen gefördert und die DDR-Industrie somit auf den Level der BRD angehoben werden. Das wird zwar nicht erreicht, aber es entsteht etwas Wohlstand à wirtschaftliche Stabilisierung! Trotzdem kommt es immer wieder zu Versorgungsengpässen.

70er Jahre: Neuorientierung: „real existierender Sozialismus": Es gibt eine neue Sozialpolitik mit Lohn- und Rentenerhöhungen und vermehrtem Wohnungsbau; die Produktion von grundlegend notwendigen Gütern wird stark subventioniert und damit die Grundversorgung der Bevölkerung sichergestellt. In der Industrie werden die restlichen noch privaten Betriebe verstaatlicht und es gibt wirtschaftliche Fortschritte.

80er Jahre: Die Verbesserung des Lebensstandards in den 70er Jahren führte dazu, dass die Investitionen in die Industrie stark zurückgingen. Somit produzierte man weiterhin in veralteten und reparaturbedürftigen Industrieanlagen, solang dies möglich war. Auch die Ölkrise verstärkte die schlechte Wirtschaftssituation der DDR. Um die sozialpolitischen Leistungen weiterhin zu erbringen und die Verbraucherpreise stabil zu halten verschuldete sich die DDR immer mehr im Westen, v.a. in der BRD. Es wurde versucht, die Verschuldung niedrig zu halten, in dem man verstärkt Konsumgüter exportierte. Diese fehlten dann aber bei der Versorgung der eigenen Bevölkerung, was zu starker Missstimmung führte. Die Zahlungsunfähigkeit der DDR konnte zwar Mitte der 80er Jahre durch westdeutsche Kredite von insgesamt ungefähr 2 Mrd. DM verhindert werden, nicht aber der wirtschaftliche Niedergang.

Plakate:

Die Plakate lassen sich zeitlich in die 80er Jahre einordnen.

1) Werktätige Bauern! Verkauft eure Übersollprodukte eurer Konsumgenossenschaft.

Konsumgenossenschaft, auch kurz Konsum, ist eine Art „Supermarktkette" in der DDR.

Aufgrund der Planwirtschaft war die Produktionsmenge in jedem Wirtschaftsbereich genauestens vorgeschrieben. Der Bedarf an den Gütern war dennoch vorhanden, weshalb ein Mangel entstand (Angebot < Nachfrage) --> Mangelwirtschaft

Die Bauern wurden nun animiert, mehr zu produzieren, als ihnen im Plan vorgeschrieben war. Ihr "Übersoll" sollten sie dann an die Konsumgenossenschaft abtreten.

„Sozialistischer Wettbewerb": Plakate 2,4,6,8:

Def.: „in der ehemaligen DDR vom FDGB veranstalteter Wettbewerb zwischen einzelnen Arbeitern, Brigaden, Abteilungen und Betrieben in Form von Leistungsverpflichtungen. Ziele waren die Beschleunigung der Produktion, die Steigerung der Arbeitsproduktivität und die vorfristige Erfüllung und Übererfüllung der staatlichen Pläne." (http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/geschichte/zeitgeschehen/index,page=1244330.html)

Der sozialistische Wettbewerb war sozusagen die Entsprechung zum Leistungsprinzip des Kapitalismus.

2) Wettbewerb (Tempo '88) - Hohe Leistungen zum Wohl des Volkes und für den Frieden - Alles für die Verwirklichung der Beschlüsse des XI. Parteitages der SED!

Der 11. Parteitag fand 1986 statt. Die Beschlüsse waren „die Versorgung der Bevölkerung mit Dienstleistungen und Reparaturen durch weitere Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Dienstleistungsbetriebe, entsprechend dem Bedarf der Bevölkerung wesentlich, insbesondere nach Qualität und Vielfalt zu erweitern." (http://www.roskothen.com/Brigade/Seiten/seite42.htm ). Dieses Plakat ruft zum „sozialistischen Wettbewerb" auf: Betriebe setzten sich dazu Ziele, die sie erreichen wollen (so z.B. die Druckerei im letzten Link.). Ansporn soll das „Wohl des Volkes" und der „Frieden sein. Allerdings hatte die Wirtschaft zu dieser Zeit schon stagniert, die DDR war hoch im Westen verschuldet und exportierte Güter, die eigentlich die Bevölkerung gebraucht hätte. Das, was die Betriebe zusätzlich produzierten, floss wahrscheinlich größtenteils ins Ausland.

4) Hohe arbeitstägliche Leistungen für die Erfüllung und erzeugniskonkrete Überbietung des Planes 1988, Beispiel eines Magdeburger Betriebs

auch Ansporn zu soz. Wettbewerb. Ein Betrieb wird als „Vorbild", dem man nacheifern soll, aufgezeigt. Der 2-Jahresplan soll nicht nur erfüllt, sondern überboten werden.

6) Auftrieb durch Wettbewerb – Wandzeitungsmaterial zum Thema Soz. Wettbewerb:

Durch Erfüllung der Ziele im soz. Wettbewerb bekommen die Betriebe Auszeichnungen (die „Fähnchen" am aufsteigenden Ballon) wie z.B. ein Gütezeichen oder eine Auszeichnung für „Spitzenleistung". Der sozialistische Wettbewerb soll für wirtschaftlichen „Auftrieb" sorgen (symbolisiert durch den Ballon).

8) Wer Qualität kaufen will, muss Qualität produzieren: Laut Plakat ist das Konsumieren ein Kreislauf: Man kann nur Gutes einkaufen, wenn man Gutes produziert. Ironie: Blöd nur, wenn die produzierten Waren v.a. exportiert werden und der Bevölkerung somit gar nicht zur Verfügung stehen (s.o.)


Plakat 5) Errungenschaften der wissenschaftlich-technischen Revolution - für die Stärkung des Sozialismus, für das Wohl des Volkes :

Das Plakat preist die angeblich neuen Technologien an. Es gibt aber in Wirklichkeit kaum neue Technologien, da sich die DDR auf die sozialpolitischen Leistungen ab den 70er Jahren konzentriert und allein dadurch zu viel Geld ausgibt, als sie verdient und sich damit verschuldet. Folge davon sind veraltete Technologien und Arbeitsstätten.

Plakat 3) Plandiskussion

Das Plakat impliziert eigentlich, dass die Arbeiter mit in die Plan-Gestaltung der Wirtschaft und damit auch die Politik einbezogen werden. In Wirklichkeit gab es aber keinerlei Diskussion, sondern die Betriebe bekamen den Plan und sollten ihn, wenn möglich, mehr als erfüllen (siehe auch sozialistischer Wettbewerb oben). Die Arbeiter hatten keine Chance, etwas zu verändern und wagten nicht, zu widersprechen. Sie waren abhängig von ihrer Arbeit und resignierten. (http://www1.mdr.de/damals-in-der-ddr/lexikon/1478574.html)

Plakat 7) Karikatur, Leider keine Angaben, wo und wann sie erschienen und aus wessen Sicht sie zu interpretieren ist.

rechts: Sherlock Holmes mit Pfeife hält Haushaltsbuch in der Hand.
links: kleiner fetter Bandit/Dieb hat die Kiste "Hohe Kosten" gestohlen, wurde von Holmes ertappt, lässt Hohe Kosten-Kiste fallen und frägt, wie er ihm auf die Spur gekommen ist. Sherlock hebt Haushaltsbuch hoch und sagt "Damit!"
Möglicher Interpretationsansatz: Fettleibigkeit des Diebs lässt nicht gerade auf beliebigen DDR-Bürger schließen, sondern eher auf Vorstand/Führungsposition eines Betriebs? Vielleicht hat er mehr Kosten ins Haushaltsbuch notiert, als der Betrieb eigentlich macht und hat sich selbst Geld abgezweigt. Evtl. steht Sherlock für den Westen, der dies erkannt hat. So gesehen könnte man den Banditen mit der DDR gleichsetzen, die ihren Betrieben sagt, sie sollen mehr und mehr produzieren, damit es ihnen besser geht, wobei die produzierten Güter in Wahrheit nicht ihnen selbst zu Gute kommen, sondern exportiert werden, um der Verschuldung (minimal) entgegenzuwirken.

weitere Quellen:

Bürger u.a.: Geschichte 2 – Abitur-Training Geschichte, Stark-Verlag, Freising 1985

Fox, A., Hirsch, H.: Fischer Kolleg Abiturwissen – Geschichte, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 2004

Heydemann, G.: Entwicklung der DDR bis Ende der 80er Jahre, http://www.bpb.de/publikationen/04479337524831941020482494448688,5,0,Entwicklung_der_DDR_bis_Ende_der_80er_Jahre.html, aufgerufen am 17.04.2009

Anna St, K13