DDR- Thema: Der antifaschistische Schutzwall

 

Aus Sicht der DDR:

Zwischen 1945 und dem Bau der Berliner Mauer flohen 3.5 Millionen Menschen aufgrund der schlechten Lebensbedingungen und der politischen Unterdrückung aus der DDR. Da es sich dabei oft um gut ausgebildete junge Menschen handelte, fast 50% der Universitätsabsolventen in technischen Berufen flohen in den Westen, bedrohte diese Abwanderung die Wirtschaftskraft der DDR und letztlich den Bestand des Staates. Außerdem kauften viele West-Berliner mit der auf dem Devisenschwarzmarkt günstig getauschten Mark der DDR – Umtauschkurs ca. 1:4 – die vergleichsweise billigen Grundnahrungsmittel und die wenigen hochwertigen Konsumgüter in Ost-Berlin. Das planwirtschaftliche Wirtschaftssystem der DDR wurde dadurch zusätzlich geschwächt. Seit 1952 gab es daher Überlegungen der SED-Führung die Grenze zu Berlin-West abzuriegeln, doch fehlte damals zum einen eine Zustimmung der Sowjetunion und zum anderen wäre eine Abriegelung verkehrstechnisch nicht möglich gewesen. Das Politbüro sah die Abriegelung daher als einigste Möglichkeit die ökonomische Lage der DDR zu stabilisieren. Das Risiko einer Konfliktverschärfung mit dem Westen wurde in Kauf genommen. Unter Schutz und Überwachung durch Volkspolizisten und Soldaten der Nationalen Volksarmee wurde in der Nacht zum 13. August 1961 mit dem Bau der Mauer begonnen, die  Alle Verkehrsverbindungen zwischen beiden Teilen Berlins wurden damit unterbrochen, soziale Kontakte getrennt, die U-Bahn-Verbindung gekappt. Die Sektorengrenze in Berlin und die Staatsgrenze der DDR konnten nun nur noch mit Sondergenehmigungen passiert werden. Die DDR-Propaganda bezeichnete die Mauer, wie auch die gesamte Grenzsicherung zur Bundesrepublik, als „antifaschistischen Schutzwall“, der die DDR vor „Abwanderung, Unterwanderung, Spionage, Sabotage, Schmuggel, Ausverkauf und Aggression aus dem Westen“ schützen sollte. Die Sperranlagen richteten sich aber hauptsächlich gegen die eigenen Bürger. Dieser Umstand und die Tatsache der massenhaften Republikfluchten waren Tabuthemen.

Aus Sicht der BRD:

Die Westmächte mussten diesen Gewaltakt hilflos hinnehmen, Proteste der westlichen Alliierten bleiben wirkungslos, als Zeichen der Verteidigungsbereitschaft lassen die Amerikaner am Checkpoint Charlie Kampfpanzer auffahren. Die Alliierten versuchten den Vorfall nicht eskalieren zu lassen und die Menschen von spontanen Aktionen abzuhalten. Willy Brandt, der regierender Berliner Bürgermeister , lehnte in diesem Zusammenhang eine Demonstration ab, um gewalttätige Übergriffe an den Zäunen und Sperreinrichtungen zu verhindern. Der Mauerbau fiel in eine Zeit, in der im Westen der Wahlkampf auf Hochtouren lief, => auch Bundeskanzler Adenauer setzte sein Wahlkampfprogramm fort und reiste erst zwei Wochen nach Mauerbau nach Berlin und stieß mit diesem Verhalten bei der deutschen Öffentlichkeit auf Unverständnis und Kritik.

Folgen:

Da die Sowjetunion immer noch das Maximalziel verfolgte ganz Berlin der DDR einzuverleiben, sahen die Westmächte die politische Garantie für Westberlin und die  Sicherung der Zufahrtswege in Gefahr, =>Willy Brandt will dieser Gefahr vorbeugen und erreicht bei dem amerikanischen Präsidenten Kennedy eine Garantieerklärung für Westberlin. Dass die Alliierten nicht unmittelbar eingriffen und die Grenze zu Ostberlin nicht überschritten verdeutlicht, dass sie den Einflussbereich der Sowjetunion respektierten und sich in dessen Vorgänge nicht einmischten,  =>Politik des amerikanischen „Roll Back“ greift nicht und „Politik der Stärke“ von Adenauer scheitert. Die SED Propaganda feierte den  Bau der Mauer als „antifaschistischen Schutzwall“ als Sieg des „sozialistischen Lagers“ über den westlichen Imperialismus.

 

Die Plakate:

Plakatinterpretation:

Das Plakat zeigt eine alte Frau in einem Treppenhaus vor der Wohnungstür einer Frau Westkamp. Diese steht im Türrahmen, bekleidet nur mit einem Morgenmantel. Sie hält eine Zigarette in der Hand und sieht leicht gelangweilt auf die andere Frau herab. Aus dem Text unter der Karikatur geht hervor, dass die alte Frau der Frau Westkamp, aufgrund der schlechten Versorgungslage, nur noch sechszehn Stück Butter aus dem Osten mitbringen konnte.

Gemeint ist aus Sicht der DDR die Ausbeutung ihrer Planwirtschaft durch Schmuggel in den Westen. Daraus resultiere auch die schlechte Versorgungslage der Bevölkerung, nicht durch die geringen Produktionszahlen. Der antifaschistische Schutzwall soll unter anderem eben vor diesem „Ausbluten“ der Wirtschaft schützen, so die Erklärung der SED.

Das nächste Plakat zeigt Menschen mit Fliegenflügeln. Ein fliegender Mann spricht zu zwei weiteren „Fliegen“, die aus den Kelchen zweier Rosen schauen. Der fliegende Mann deutet zum linken Bildrand und ruft den beiden anderen zu: „Hier müsst ihr ja arbeiten, kommt doch mit nach drüben, dort ist der Honig viel besser!“ Am besagten linken Bildrand ist ein Klebestreifen zu sehen an dem bereits zwei „Fliegen“ kleben geblieben und verendet sind.

Das Plakat spricht auf die Republikflucht vor allem unter den Akademikern an. Die Arbeiter gehen den Konsumversprechen des Westens „auf den Leim“ und merken es erst nachdem sie die DDR verlassen haben. Die SED versucht damit den Bau der Mauer und die damit verbundene Grenzsperrung vor seinen Bürgern zu rechtfertigen. Indem sie angibt die Bürger vor dem Westen zu schützen und den Westen als „Fliegenfänger“ der „Arbeiterfliegen“ zu verteufeln.

Sebastian