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Durch gezielte Kürzungen
Bismarcks wurde ein Telegramm seines Mitarbeiters Heinrich Abeken über
die Unterredung König Wilhelms mit dem französischen Botschafter Graf
Benedetti in Bad Ems auf der Kurpromenade so umformuliert, dass
Frankreich das Ergebnis als Provokation empfinden musste. Während im
Original der König höflich, aber bestimmt ablehnte, Benedetti nochmals
zu empfangen, da sich eine weitere Unterredung über die französische
Forderung vorerst erübrigt hatte, klingt in Bismarcks Version des
Telegramms die französische Forderung wie ein Ultimatum, dem
zwangsläufig der Abbruch der Beziehungen durch den empörten König folgen
musste. Auch wird durch die Kürzungen der Botschafter Frankreichs
außerhalb der diplomatischen Gepflogenheiten stehend dargestellt. Wie
kann man einen König ohne Audienz ansprechen! Darauf gibt es nur eine
Antwort: der König lässt Frankreichs Botschafter durch einen Adjudanten
(Laufburschen) etwas mitteilen. Frankreichs Kaiser sieht seinen
Botschafter nicht ernst genommen! Dies ist eine Beleidigung! da aber
Frankreichs Botschafter zuerst einen Fehler gemacht hat, wird in der
Welt die Brüskierung Frankreichs als normal erachtet. Kein Staat wird
für Frankreich Partei ergreifen! Napoleon III., der seine Herrschaft auf
Plebiszite (Volksabstimmungen) aufbaut, braucht dringend einen Erfolg.
Hatte schon vorher in Mexiko (Maximilian wird von USA und Juarez zum
Rückzug gezwungen) und in Luxemburg (gescheiterte Annexion)
außenpolitische Rückschläge erlitten. Dazu kommen innenpolitische
Schwierigkeiten (Industrialisierung, Verelendung der Arbeiter).
Emser Depesche
13. VII. 1870, Abeken an
Bismarck; ab Ems 15.10 Uhr
Seine Majestät der König
schreibt mir:
„Graf Benedetti fing mich
auf der Promenade ab, um auf zuletzt sehr zudringliche Art von mir zu
verlangen, ich sollte ihn autorisiren, sofort zu telegraphiren, dass ich
für alle Zukunft mich verpflichtete niemals wieder meine Zustimmung zu
geben, wenn die Hohenzollern auf ihre Candidatur zurückkämen.
Ich wies ihn zuletzt, etwas
ernst, zurück da man à tout jamais dergleichen Engagements nicht nehmen
dürfe noch könne.
Natürlich sagte ich ihm,
dass ich noch nichts erhalten hätte und da er über Paris und Madrid
früher benachrichtigt sei als ich, er wohl einsähe, dass mein
Gouvernement wiederum ausser Spiel sei."
Seine Majestät hat seitdem
ein Schreiben des Fürsten bekommen.
Da Seine Majestät dem Grafen
Benedetti gesagt, dass er Nachricht vom Fürsten erwarte, hat
Allerhöchstderselbe, mit Rücksicht auf die obige Zumuthung, auf des
Grafen Eulenburg und meinen Vortrag, beschlossen, den Grafen Benedetti
nicht mehr zu empfangen, sondern ihm nur durch einen Adjutanten sagen zu
lassen: dass Seine Majestät jetzt vom Fürsten die Bestätigung der
Nachricht erhalten, die Benedetti aus Paris schon gehabt, und dem
Botschafter nichts weiter zu sagen habe.
Seine Majestät stellt Eurer
Excellenz anheim, ob nicht die neue Forderung Benedetti’s und ihre
Zurückweisung sogleich, sowohl unsern Gesandten, als in der Presse
mitgetheilt werden sollte.
Die von Bismarck
redigierte Depesche
Nachdem die Nachricht von
der Entsagung des Erbprinzen von Hohenzollern der Kaiserlich
Französischen Regierung von der Königlich Spanischen amtlich mitgetheilt
worden sind, hat der Französische Botschafter in Ems an S. Maj. den
König noch die Forderung gestellt, ihn zu autorisiren, dass er nach
Paris telegraphire, dass S. Maj. der König sich für alle Zukunft
verpflichte, niemals wieder seine Zustimmung zu geben, wenn die
Hohenzollern auf ihre Kandidatur wieder zurückkommen sollten.
Seine Maj. der König hat es
darauf abgelehnt, den Franz. Botschafter nochmals zu empfangen, und
demselben durch den Adjutanten vom Dienst sagen lassen, dass S. Majestät
dem Botschafter nichts weiter mitzutheilen habe.
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