Die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich
Der Begriff Erbfeindschaft in Bezug auf das deutsch-französische
Verhältnis wurde erstmals in den 1640er Jahren verwendet. Hauptgrund dafür
war, dass Frankreich den traditionellen "Erbfeind" des christlichen
Abendlands und speziell des habsburgischen Österreich, die osmanische
Türkei, unterstützte. Er wurde aktualisiert in Folge der Napoleonischen
Kriege mit Niederlagen, Besatzung, Neuordnungen und blutigen Schlachten mit
Deutschen auf beiden Seiten. Im Rahmen der Entstehung des Nationalismus in
Europa entwickelte sich zu dieser Zeit ein deutsches Nationalbewusstsein
insbesondere durch Erinnerung an Konflikte mit dem Nachbarn westlich des
Rheins. Die Feindschaft wurde seitens Frankreichs spätestens seit 1870
erwidert und fand Ausdruck sowohl im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71
als auch in den beiden Weltkriegen, um daraufhin überwunden zu werden.
Frankreich - vom Vorbild zum Feindbild
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Ludwig XIV
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Unter Ludwig XIII. (1610-1643) begann Frankreich, die
Vorherrschaft in Europa zu erstreben. Das Königstum war gefestigt, die
Wirtschaft stabil und die Fortentwicklung der französischen Nation gegen die
Gefahr der Zersplitterung gesichert. Die Außenpolitik blieb auf den Ausbau
einer antihabsburgischen Koalition gerichtet und führte 1635 zum Eintritt in
den Dreißigjährigen Krieg 1618-1648. Diese aktive Außenpolitik mündete in
die Erringung der Vormachtstellung Frankreichs in Europa. Frankreich
Aufstieg zur Führungsmacht wurde in beiden Friedenschlüssen von 1648
(Westfälischer Frieden zur Situation im Deutschen Reich) und von 1659
(Pyrenäenfrieden mit Spanien) festgeschrieben, die zugleich den Verlust der
spanischen Vorherrschaft bedeuteten. Mehr als einhundert Jahre war Spaniens
Stellung als Weltmacht unantastbar gewesen.
1661 begann die Phase der Alleinherrschaft Ludwig XIV. in Frankreich.
Er ernannte keine Ersten Minister mehr und konzentrierte die
Entscheidungsmacht in seinen Händen. Die Wahl der Sonne als Symbol seiner
Herrschaft verdeutlichte den Anspruch und das Selbstverständnis eines
Stellvertreters Gottes auf Erden. Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XIV. hatte
mit seinem Anspruch L’état c’est moi (“Der Staat bin ich“) dem
barock-höfischen Absolutismus in Europa seine Macht demonstriert. Ungeachtet
der Allmacht des Königs war die Blüte des Absolutismus jedoch weniger von
persönlichen Qualitäten des Monarchen abhängig, sondern baute auf der
Wirtschaftskraft des Landes und den Vorleistungen bei dessen innerer
Stabilisierung und Zentralisierung auf.
Durch Förderung von Handel und Industrie ( Merkantilismus) steigerte
Ludwig XIV. (1643-1715) mit Unterstützung des bügerlichen Ministers
Jean-Baptiste Colbert (1619-1683) die Wirtschaftskraft des Landes. Das
ermöglichte den Aufbau der größten und besten Heeresmacht in Europa. Die
Armeestärke belief sich selbst in Friedenszeiten auf 170.000 bis 200.000
Mann. Damit enstand die Voraussetzung für eine ambitionierte
Expansionspolitik. Mehr als die Hälfte der Staatsausgaben wurde für
Kriegszwecke eingesetzt. Der Kolonialbesitz erreichte die größte Ausdehnung
vor 1789. Handelsniederlassungen in Indien, in Nordamerika (Lousiana und
Kanada) sowie auf den Antillen bildeten ein weltweites Netz. Die
Kolonialpolitik entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts
immer mehr zu einem Instrument der staatlichen Wirtschaftspolitik. Die
umfangreicheren Aufgaben des zentralen Herrschaftsapparates erforderten eine
stark zentralisierte Verwaltung. Die damit eingeleitete Tendenz des
staatlichen Aufbaus prägte die französische Geschichte der Neuzeit weit über
die Herrschaft Ludwigs XIV. hinaus und beeinflusste Politik, Wirtschaft und
Kultur in ganz Europa.
Das Zeitalter Ludwigs XIV. war eine der glanzvollsten Perioden
französischer Kulturgeschichte. Literatur, Kunst und Wissenschaften wurden
für die Glorifizierung des Herrschers in den Dienst genommen, welcher dafür
eine finanzkräftige Förderung der Kultur inszenierte. Besonders in den
Jahren 1660 bis 1685 tat sich eine große Schar von Literaten der
verschiedensten Gattungen hervor und schuf Modelle für ganz Europa. Neben
Jean de La Fontaine und Blaise Pascal vertraten Piere Corneille, Nicolas
Boileau und Jean Racine die Tragödie und Molière die Komödie. Der Bau des
Schlosses von Versailles entsprach einer Tradition, wonach die Architektur
Inspirator der Künste ist und Zeugnis für die Größe des Herrschers abzulegen
hat. 1682 erfolgte der Umzug des französischen Hoffes nach Versailles. Der
Hof wurde zum Muster für Europas Fürstenhäuser. Colbert gründete von
Akademien, die der wissenschaftlichen, literarischen und künstlerischen
Entwicklung eine einheitliche und nationale Prägung geben sollten. Nachdem
Armand-Jean du Plessis, Herzog von Richelieu bereits die Académie française
für Literatur und Sprache installiert hatte, entstanden 1663 die Akademie
für Malerei und Bildhauerei und 1666 die Académie des sciences (Natur- und
Technikwissenschaften). 1671 folgte die Gründung der Akademie für
Architektur und 1672 die Akademie für Musik. In den 54 Jahren persönlicher
Herrschaft war mit dem Namen Ludwig XIV. vieles an Glanz, Neuschöpfung und
Reorganisation im Staatswesen verbunden, weshalb schon bald von einem
Zeitalter oder Jahrhundert Ludwig XIV. gesprochen wurde ( Voltaire).
Neben Frankreich galt Brandenburg-Preußen in Europa als Musterfall einer
absolut regierten Monarchie. Was das Heilige Römische Reich Deutscher Nation
nach der Zersplitterung von 1525 und 1648 nicht erreichen konnte, gelang den
preußischen Herrschern. Preußens Könige im 18. Jahrhundert errangen
tatsächlich jene Souveränität nach innen, die Friedrich Wilhelm, der Große
Kurfürst (1640-1688), in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erstrebt
hatte. Indem er als oberster Landesheer die Rechte der Stände einschränkte,
den Aufbau eines stehenden Heeres beschleunigte und erste zentrale
Verwaltungsorgane einführte, schuf er die Grundlagen eines absolutistischen
Staates nach französischem Vorbild. Auch in der Wirtschaftspolitik
orientierte er sich an Frankreich und dachte über den regionalen Bereich
hinaus. Mit dem Edikt von Potsdam (1685) ermöglichte er den französischen
Glaubensflüchtlichen ( Hugenotten) die Ansiedlung in Brandenburg.
Der Erwerb der Königskrone 1701 für (Ost-)Preußen nach Verhandlungen mit
dem Habsburgischen Kaiserhaus hatte für Kurfürst Friedrich III., der sich
zum König Friedrich I. in Preußen krönte, weniger machtpolitische als
zeremonielle Bedeutung. Prunkvolle Hofhaltung war zu dieser Zeit nicht die
Ausnahme, sondern nach dem Vorbild des Sonnenkönigs Ludwig XIV. die Regel.
Der weitere Ausbau des Berliner Stadtschlosses um 1700 sollte dem neu
gewonnenen politischen Status Preußens durch ein repräsentatives Bauwerk
entsprechen. Unter Friedrich I. wurde auch die Residenzlandschaft mit
Königlichen Schlössern und Lustgärten um Berlin-Kölln systematisch weiter
entwickelt. Der König hat sich dabei ebenfalls stark am französischen
Vorbild orientiert. Ihm war allerdings das äußere Bild der absolutistischen
Herrschaft wichtiger als deren praktisches Einwirken in die Landesverfassung
und -verwaltung. Immer wieder suchte er Gelegenheiten, um auf prächtigen
Festlichkeiten, die prunkvoll zeremonielle Ordnung seines Hof-Staates zu
demonstrieren. Er gründete die Universität in Halle (1694), die Akademie der
Künste (1699) und die Akademie der Wissenschaften (1700) in Berlin. Die
Aufgabe der Künste und Wissenschaften war es, die soziale Rangordnung
sichtbar darzustellen und diese als von Gott gegeben zu rechtfertigen.
Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm I konzentrierte sich dagegen weniger
auf ein kostspieliges höfisches Leben als auf den Ausbau Preußens zur
Militärmacht. Sein Sohn Friedrich II setzte das Werk seines Vaters fort. Als
Vertreter eines aufgeklärten Absolutismus war er eng mit Frankreich
verbunden. Von dort aus hatte sich seit dem 17. Jahrhundert eine
fortdauernde kulturelle Hegemonie im geistigen Leben ausgebreitet. Friedrich
förderte zeitlebens Kunst und Wissenschaft. Gleich nach seinem
Regierungsantritt holte der König Voltaire und andere französische Aufklärer
an die Akademie der Wissenschaften. In Potsdam ließ Friedrich nach seinen
Plänen durch seinen Hofarchitekten von Knobelsdorff Schloss Sanssouci sowie
das Neue Palais in Anlehnung an Versailles errichten. In Berlin baute er als
Ausdruck seiner religiösen Toleranz die katholische Hedwigskirche.
Von der deutschen Literatur hielt Friedrich wenig, er zog die französische
Sprache und Literatur vor und war selbst ein äußerst produktiver und
bedeutender Autor in französischer Sprache. Sein Gesamtwerk wurde zwischen
1846 und 1857 in 30 Bänden herausgegeben. Als aufgeklärter Monarch spielte
Friedrich II. eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung der von Toleranz
bestimmten Religionspolitik sowie der Durchsetzung von Reformen im Justiz-
und Erziehungswesen. Hier zeigten sich am deutlichsten seine aufklärerischen
Ideale und humanitäre Zielsetzung, obwohl auch hier das Staatsinteresse im
Vordergrund stand. Die Militarisierung des öffentlichen Lebens bestimmte
seine innenpolitische Tätigkeit. Unter Friedrich II. wuchs das Heer auf
200.000 Mann. Außenpolitisch war damit die Etablierung Preußens als
Großmacht verbunden. Seine Umsetzung verdeutlichte die politischen Grenzen
seiner aufgeklärten Humanitätsgedanken. Den Siebenjährigen Krieg
(1746-1753), den Preußen mit Unterstützung von England gegen Frankreich und
Österreich führte, verlor Frankreich. Preußen wurde zur zweiten deutschen
Großmacht in Europa.
Quelle: Preussenweb.de |
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Restaurationszeit
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Die Wacht am Rhein
Im Vorfeld der Revolution von 1848 enstanden nationale und
freiheitlich-liberale Bewegungen, die bald durch Zensur- und
Verfolgungsmaßnahmen bekämpft wurden. Das zumeist von bürgerlichen
Intellektuellen getragende liberale, republikanische, demokratische
Gedankengut hatte zum grosen Teil seinen Ursprung in der Französischen
Revolution. Auch die Julirevolution von 1830 gegen die Bourbonenherrschaft
in Frankreich inspirierte die deutsche liberal-demokratische Bewegung für
Freiheit und Einheit gegen die preußische Monarchie. Diese spaltete sich
zunehmend in einen lediglich auf eine Reform der bestehenden Verhältnisse
gerichteten Liberalismus und in einen zunehmend demokratischen Liberalismus.
Die Zentren dieser Entwicklung lagen in Baden und in der Rheinpfalz. Den
Höhepunkt bildete das Hambacher Fest 1832. Auf literarischem Gebiet äußerte
sich die demokratische Variante noch entschieden ausgeprägter durch Ludwig
Börne und Heinrich Heine.
Auf der anderen Seite hatte Napoleon I. die französische Vorherrschaft in
Deutschland zur Einführung eines Reformwerkes auch in den Rheinbundstaaten
(1806-1813) genutzt. Das brachte die Polarisierung der bürgerlichen
Verhältnisse voran und machte sie zu einer wirtschaftlichen starken Region.
Als jedoch von der französischen Bourgeoisie nach der Julirevolution 1830
die Forderung nach Revision der Rheingrenze erhoben wurde, rief das eine
Verstärkung des deutschen Nationalgefühls hervor. Es enstanden die
franzosenfeindlichen Lieder Die Wacht am Rhein und Sie sollen ihn nicht
haben... Die außenpolitischen Ambitionen der preußischen Monarchie förderten
den Hass gegen die Franzosen in der deutschen Bevölkerung.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts konnte Frankreich seine europäische
Vormachtstellung zeitweise behaupten. Sie musste jedoch mehr und mehr mit
anderen Mächten wie England, Italien, Russland und Deutschland unfreiwillig
geteilt werden. Selbst die Gründung des Deutschen Reiches 1871 konnte von
Seiten Preußens nur über einen Krieg gegen Frankreich durchgesetzt werden.
Der deutsch-französische Gegensatz blieb unverändert bestehen und bildete
eine wichtige Vorbedingung für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914. Das
Konfliktpotential zwischen den Großmächten sollte nicht nur die europäische
Politik des ausgehenden 19. Jahrhunderts bestimmen, sondern auch die
Weltpolitik des 20. Jahrhunderts.
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Es braust ein Ruf wie Donnerhall,
Wie Schwertgeklirr und Wogenprall:
Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein,
Wer will des Stromes Hüter sein?
Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein!
Durch Hunderttausend zuckt es schnell,
Und aller Augen blitzen hell;
Der deutsche Jüngling, fromm und stark,
Beschirmt die heil’ge Landesmark.
Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein!
Er blickt hinauf in Himmels Au’n,
Wo Heldengeister niederschau’n,
Und schwört mit stolzer Kampfeslust:
Du Rhein bleibst deutsch, wie meine Brust!
Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein!
So lang ein Tropfen Blut noch glüht,
Noch eine Faust den Degen zieht,
Und noch ein Arm die Büchse spannt,
Betritt kein Feind hier deinen Strand!
Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein!
Und ob mein Herz im Tode bricht,
Wirst du doch drum ein Welscher nicht,
Reich, wie an Wasser deine Flut,
Ist Deutschland ja an Heldenblut!
Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein!
Der Schwur erschallt, die Woge rinnt,
Die Fahnen flattern hoch im Wind:
Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein,
Wir alle wollen Hüter sein!
Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein!
So führe uns, du bist bewährt;
In Gottvertrau’n greif’ zu dem Schwert,
Hoch Wilhelm! Nieder mit der Brut!
Und tilg’ die Schmach mit Feindesblut!
Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein,
Fest steht und treu die Wacht am Rhein! |