virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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Analyse eines Bildes

  Eine historische Quelle ist nicht nur ein Text, sondern auch Bilder sind solche Quellen. Dabei spielt der künstlerische Wert keine Rolle. Es kommt darauf an, was das Bild über die Zeit, die Geisteshaltung der Zeit und über künstlerisches Verständnis der Zeit sagen kann. Es ist zu beachten, dass Bilder nicht als objektives Dokument betrachtet werden, sondern kritisch mit ihrer Interpretation der Gegenwart und den Verfälschungsmöglichkeiten (s.u.) gesehen werden. Bilder werden dabei nicht primär in ihrer Qualität als Kunstwerke, sondern als „historische Dokumente“ angesehen, die Aufschluss geben können über den Menschen in der Vergangenheit, seine Wahrnehmung der Welt, seine sozialen Beziehungen und deren Veränderungen. 
  Der erste Schritt dient der Beschreibung der wahrnehmbaren Bildgegenstände und ihres Aussehens: Bildaufbau, Beziehungen der Elemente zueinander, Texteinfügungen, Farbgebung, Hell-Dunkel-Ordnung usw. 
Der zweite Schritt führt zu einer Einordnung des Bildes in den historischen Kontext und einer Erklärung.
Hierbei sind im Einzelnen folgende Fragen zu beantworten: (Schritte nach Sabine Büttner)

Herkunft / Urheberschaft: 

  • Wer ist der Künstler? 

  • wer der Auftraggeber? Stifter? Mäzen? (Anteil an der Urheberschaft?) 

  • gibt es Differenzen in der Intention von Künstler und Auftraggeber? 

  • Ort und Zeit der Entstehung?  Welches Ereignis ist für das Gemälde ursächlich? s.u.

  • Technik? 

  • Original / Kopie/Vorlagen? 

Gesellschaftliche Situation, in die Künstler bzw. Auftraggeber eingebunden waren: 

  • soziales Beziehungsgefüge? 

  • politisches Umfeld? 

  • Bildung? 

  • Lebensumstände? 

  • Anlass zur Schaffung des Bildes? 

  • Warum genau dann und dort? 

Bild als Kommunikationsmittel: 

  • Mitteilungsabsicht? 

  • Wer ist die Zielgruppe?

  • Funktionen des Bildes (liturgische, didaktische, soziale, rechtliche, propagandistische)? 

  • War das Bild repräsentativ für seine Zeit? 

Wirkungsgeschichtlicher Kontext: 

  • Wer konnte das Bild sehen?  

  • Verbreitung? 

  • Erwartungen und Vorkenntnisse des Bildbetrachters zur damaligen Zeit? 

  • spätere Wirkung, Interpretation, Veränderung, Fälschung? 

Der dritte Schritt beinhaltet die eigentliche Interpretation. Das Bild wird hier als Dokument für die Zeit gesehen und man untersucht die Bedeutung des Bildes für Entwicklung in der Geschichte und seine Bedeutung für den sozialen Kontext der Zeit.

 

Beispiel Carl Wilhelm Hübner 1844 - Die Weber

entstanden vor dem aufrüttelnden Ereignis der blutig niedergeschlagenen Weberaufstände (4.-6. Juni 1844) im schlesischen Peterswaldau und Langenbielau. (vgl. dazu in der Literatur Gedicht Heinrich Heine und Drama Gerhard Hauptmann


Zwei Monate vor dem Weberaufstand im Schlesischen Peterswaldau (4.-6.Juni 1844) wählte Hübner hier ein Thema der Tagespolitik, doch kündigt sich weniger ein historischer Moment an, als ein individuelles Schicksal. Die Weber, die in mühsamer Handarbeit das Leinen hergestellt haben, bringen ihre in Heimarbeit gefertigten Tuche (Parchant) nun im Sonntagsstaat gekleidet zum Verleger (Fabrikanten), um ihren Lohn abzuholen. Sie sind abhängig von der Qualitätskontrolle und dem Preis, den die Verleger zu zahlen bereit sind.

Doch die herablassende Herrschergeste des Fabrikbesitzers im linken Bilddrittel lässt erkennen, dass er ihnen den Lohn verweigert, weil ihm die Qualität des Produktes nicht genügt. Ein altes Paar in der Mitte ist ganz verzweifelt; ein Familienvater, dessen Frau in Ohnmacht zu fallen droht, versucht den Fabrikanten zu beschwören und mit großer Geste das Unglück abzuwehren.

Bald darauf erhoben sich jedoch die Weber zum Aufstand, der bereits schwelende Konflikt zwischen der Handarbeit als Produktionsform und der (billigeren) industriellen Fertigungsform kam zum Ausbruch. Friedrich Engels zog dieses Bild zur Illustration des Heineschen Weberliedes heran, da es manches Gemüt für soziale Ideen empfänglich mache und wirksamer für den Sozialismus sei als hundert Flugschriften.

 

   
 

Problem der Bildanalyse: Auch Bilder können lügen

   
 
Veränderung aus politischen Gründen - "Entnazifizierung" von Bildern
 

Originalwandbild von Adolf Riedlin, 1937


1937 schafft der heute fast vergessene badische Maler Adolf Riedlin (1892-1969) für das Freiburger Gaswerk ein Fresko. Das Wandbild im Gemeinschaftsraum zeigt eine Kolonne von Männern auf dem Weg zur Arbeitsstätte. Der Arbeiter an der Spitze der Gruppe grüßt einen Arbeitslosen mit dem Hitlergruß, den dieser erwidert. Ein weiterer Mann hinter ihm verhält sich noch abwartend. Beide sind aufgefordert, sich in die „Gemeinschaft der Schaffenden" einzugliedern - so die propagandistische Absicht dieses Werkes.


Von Adolf Riedlin 1948 retuschiertes Wandbild - Zustand 1990


Am 21. April 1945, fünf Tage nach dem Einmarsch der französischen Truppen in Freiburg, schreibt der Chef des Gaswerks an den Oberbürgermeister, dass es sich bei den zwei Männern, die auf dem Riedlin-Gemälde die Hand zum Hitlergruß emporheben, „bei strengster Beurteilung" um „eine Verherrlichung der Parteiziele" handeln könnte. Die Bauverwaltung bemüht sich daraufhin ab Juli 1945, den Maler ausfindig zu machen, um den Hitlergruß auf dem Gemälde zu verändern. Da Riedlin nicht auffindbar ist, decken Mitarbeiter des Hochbauamts besagten Ausschnitt zunächst ab, 1946 wird er mit schwarzer Ölfarbe übermalt. Als Riedlin kurz darauf gefunden wird, ist er aus gesundheitlichen Gründen zunächst nicht in der Lage, das Fresko zu „entnazifizieren". Erst im Juni 1948 meldet das Freiburger Wiederaufbaubüro an das Bürgermeisteramt: „Die Abänderung des Freskogemäldes im Gaswerk ist beendet."

Quelle: Bilder, die lügen
Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hg.)
Bouvier Verlag, Bonn 1998
ISBN 3-416-09202-X, S. 45

 

Journalisten brauchen Bilder von Ereignissen, die sie nicht haben => da muss man einfach fälschen!!

 


Das neutrale Foto oben wird durch Einfärben zu einem Dokument des Blutbades nach dem Anschlag von Terroristen auf Touristen! Das Originalfoto ist Jahre vor dem Anschlag aufgenommen worden! Es ist kein Blut, sondern Wasser im Originalbild!

 

Trotzki wird aus der Geschichte der UdSSR getilgt => Fälschung durch Stalin

 

Bilder machen Geschichte und sollen sie verfälschen - eine Unterrichtseinheit für die Kollegstufe