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virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen
Louise-Schroeder-Gymnasium in München
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1848: Scheitern der Märzrevolution
"Ich sterbe für die Freiheit", lauteten die letzten Worte des Abgeordneten
Robert Blums. Am 9. November 1848 wurde der Demokrat in Wien von den Truppen der
Gegenrevolution erschossen. Das Ereignis markierte den Anfang vom Ende der so
genannten Märzrevolution in den Staaten des Deutschen Bundes. Begonnen hatte das
revolutionäre Zeitalter in Frankreich, es erfasste nahezu ganz Europa und
erreichte schließlich auch Deutschland. Geistiges Fundament der
Revolutionsbewegung war die Forderung nach einer Verfassung, die den Ausgleich
von monarchischer Autorität und Volkssouveränität bringen sollte. Zudem standen
im Mittelpunkt die nationale Frage - die Forderung nach nationaler Einheit und
Unabhängigkeit - und die soziale Frage, insbesondere die Forderung nach
vollständiger Bauernbefreiung und sozialer Sicherung der freien Lohnarbeiter.
Doch der erste Versuch, Deutschland als Teil einer europäischen Modernisierung
nach freiheitlichen und nationalen Leitvorstellungen auszurichten, scheiterte an
dem Widerstand der reaktionären Kräfte.
1918: Novemberrevolution
Im Herbst 1918 überschlugen sich im Deutschen Reich die Ereignisse. Angesichts
der bereits feststehenden Niederlage der Deutschen im Ersten Weltkrieg wurde der
Ruf nach Frieden und der Abdankung des Kaisers lauter. Es kam zu einer
Revolutionsbewegung. Betriebe wurden bestreikt, in vielen Städten bildeten sich
Arbeiter- und Soldatenräte. Am 9. November erfasste die Revolution auch Berlin,
wo Reichskanzler Prinz Maximilian von Baden aus Sorge vor einem radikalen
politischen Umsturz eigenmächtig die Abdankung des Kaisers bekannt gab. Der
stellvertretende SPD-Vorsitzende Philipp Scheidemann rief daraufhin von einem
Balkon des Berliner Reichstags die erste deutsche Republik aus und besiegelte
damit das Ende der Hohenzollernherrschaft. Doch die junge Republik hatte es von
Anfang an schwer: Ihr fehlte es an Rückhalt in der Bevölkerung, an
Geschlossenheit und Unterstützung durch die exekutive Gewalt.
Massenarbeitslosigkeit, Kriegsschäden und Reparationsforderungen aus dem Ersten
Weltkrieg stellten die Weimarer Demokratie vor eine Zerreißprobe. Europaweit
erlangten antidemokratische Strömungen Aufwind und lieferten den Nährboden für
den aufkommenden Nationalsozialismus.
1923: Hitler-Ludendorff-Putsch
Inflation, kommunistische Unruhen und die französische Besetzung des
Ruhrgebietes begünstigten Anfang der 1920er Jahre die Entstehung reaktionärer
und nationalistischer Strömungen. In dieser instabilen politischen Lage plante
Adolf Hitler als Parteiführer der NSDAP in München einen gewaltsamen Putsch.
Sein Ziel war es, die Regierung in Berlin abzusetzen und selbst die Macht in
einer nationalen Diktatur zu erringen. Am Sonntagmorgen des 9. November 1923
marschierte Hitler zusammen mit General Erich Ludendorff und weiteren Anhängern
zur Feldherrnhalle in München. Doch die bayerische Polizei stoppte den Marsch
und damit auch Hitlers Versuch, gewaltsam an die Macht zu gelangen. Die NSDAP
wurde daraufhin verboten, Hitler zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zehn Jahre
später gelang es ihm auf legalem Wege an die Macht zu gelangen.
1938: Novemberpogrom
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 organisierten SA-Truppen und
Angehörige der SS gewalttätige Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung. Mehrere
hundert Synagogen wurden in Brand gesetzt, mindestens 8000 jüdische Geschäfte
zerstört sowie zahllose Wohnungen verwüstet. Zwischen 90 und 100 Juden wurden
erschlagen, niedergestochen oder zu Tode geprügelt. In den Tagen darauf wurden
im ganzen deutschen Reich etwa 30000 jüdische Männer verhaftet und in die
Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt. Die
antisemitischen Ausschreitungen waren von der nationalsozialistischen Führung
organisiert, die die Diskriminierung und Verfolgung jüdischer Bürger seit der
"Machtergreifung" Hitlers 1933 systematisch vorantrieb. Die Nacht des 9.
Novembers 1938 ging als Reichspogromnacht in die Geschichtsbücher ein.
1989: Fall der Berliner Mauer
"Ab sofort." So lautete die knappe Antwort des DDR-Politbüro-Mitglieds Günter
Schabowski auf die Frage eines Reporters, wann die beschlossene Reiseregelung in
Kraft trete. Mit dieser neuen Freiheit besiegelte er am 9. November 1989 nach 28
Jahren den Fall der Mauer. Unter dem Druck der tausendfachen Ausreise von
DDR-Bürgern über Ungarn und der Montagsdemonstrationen in Leipzig und anderen
ostdeutschen Städten zerfiel das SED-Regime in der DDR. Am 4. November 1989
versammelten sich mehr als 500.000 Demonstranten zu einer Kundgebung auf dem
Berliner Alexanderplatz, nur vier Tage später trat das SED-Politbüro geschlossen
zurück. Am Abend des 9. November verkündete SED-Pressesprecher und
Politbüromitglied Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz überraschend die
sofortige Öffnung der Mauer. Daraufhin strömten tausende Ostberliner an die
Grenzübergänge ihrer Stadt. Gegen 23.30 konnten am Grenzübergang Bornholmer
Straße die Kontrolleure dem Andrang der Menschen nicht mehr standhalten. Der
Übergang wird geöffnet. Bis Mitternacht sind alle Berliner Grenzübergänge offen.
Der Weg zur deutschen Wiedervereinigung war frei.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung;
http://www.bpb.de/themen/V8YTAG,0,Der_9_November_in_der_deutschen_Geschichte.html