virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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Vom Mittelalter zur Neuzeit

 

Die Zeitwende - Renaissance und Humanismus

 
 

In der Mitte des 14. Jahrhunderts entsteht in Italien im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Wandel und den politischen Erschütterungen ein neues Lebensgefühl, das in der Folge auch das übrige Europa erfasst. Nicht mehr Herkunft und Stand sollen den Wert eines Menschen bestimmen, sondern Tüchtigkeit und Erfolg. An die Stelle der mittelalterlichen Vorstellung vom Menschen als einem reuigen Sünder, der jenseitsbezogen, die Gnade Gottes zu erlangen hofft, tritt die Auffassung vom Menschen als einer mit schöpferischer Kraft begabten Persönlichkeit, die ihre individuelle Verwirklichung im Diesseits findet. Der umfassend gebildete, weltoffene Mensch, der Uomo universale, wird zum Idealbild der Zeit. Die Vertreter dieser Auffassung nennen sich Humanisten, die geistige Bewegung dieser Zeit Humanismus. Im Menschen der Antike glaubt man dieses Idealbild verwirklicht zu sehen. Deshalb erfährt die Beschäftigung mit der antiken Kunst und Wissenschaft eine Wiedergeburt (Renaissance), u. a. auch angeregt durch die Flucht griechischer Gelehrter aus Konstantinopel 1453 nach Italien.
Humanistische Gelehrte dieser Zeit sind u. a.: Francesco Petrarca (1304-74). Er verfährt im Studium alter Schriftsteller (Cicero, Seneca) und bei der Besteigung des Mont Ventoux das neue Lebensgefühl und bringt es als erster in seinen Gedichten zum Ausdruck. Lorenzo Valla (1407-57), Sekretär des Papstes Nikolaus V. (1447-55), des Begründers der Vatikanischen Bibliothek, betreibt als erster kritische Textstudien und erweist die Konstantinische Schenkung als Fälschung. Niccolo Machiavelli (1469-1527) entwickelt in seinem Buch »Der Fürst« (Il Principe) aus der Betrachtung der politischen Verhältnisse in Italien eine neue Staatsauffassung. Der Staat ist nicht Wahrer von Recht und Frieden, sondern Instrument zur Machtentfaltung und -Sicherung seines Fürsten. Jedes Mittel, das diesem Ziel dient, erscheint gerechtfertigt.
In Deutschland werden die neuen, seit der Mitte des 15. Jahrhunderts gegründeten Universitäten zu Mittelpunkten humanistischer Bildung (Leipzig, Erfurt, Heidelberg u. a.). Johann Reuchlin (1455-1522) fördert das Studium der griechischen und hebräischen Sprache. In den »Dunkelmännerbriefen« bekämpfen seine Freunde die mittelalterliche Schulphilosophie (Scholastik) der Dominikaner. Philipp Melanchthon (1497-1560) wird der Begründer des humanistischen Gymnasiums und versucht, Luthers Lehre mit dem Humanismus zu verbinden. Ulrich von Hutten (1488-1523) kämpft gegen die Kirche und für eine Erneuerung Deutschlands aus dem Geist des Humanismus. Erasmus von Rotterdam (1467-1536), der bedeutendste Gelehrte seiner Zeit, veröffentlicht die griechische Ausgabe des Neuen Testaments und sucht christliche und humanistische Gesinnung zu verbinden. In England entwirft Thomas Morus (1478-1535) in seiner »Utopia« einen Idealstaat nach dem Vorbild des griechischen Philosophen Platon.


Petrarca

Michelangelo

Thomas Morus

Dante
 

Die neue Kunst stellt den Menschen als selbstbewusste Persönlichkeit dar und wendet sich ab von der sinnbildhaften Heiligendarstellung des Mittelalters. Das lebensnahe Porträt, die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe der Natur und die Entdeckung der Perspektive sind Merkmale der Malerei. In der Baukunst verdrängen der aus der Antike stammende Kuppelbau (Petersdom, Dom zu Florenz) und die Betonung der Horizontalen die nun als barbarisch empfundene Gotik mit ihrer Betonung der Vertikalen (Mailänder, Kölner Dom u. a.), des nach oben gerichteten Strebens. Das weltliche Bauwerk (Palazzo Medici) tritt gleichberechtigt neben den Kirchenbau. Bedeutende Künstler dieser Zeit sind u. a.: Giotto (1266-1337), der als erster einen naturnahen Malstil mit Raumperspektive anstelle der mittelalterlichen flächenhaften Malweise auf Goldhintergrund pflegt. Donatello (1386-1466), der als Bildhauer die erste nackte Gestalt in seiner Figur des David seit der Antike abbildet. Leonardo da Vinci (1452-1519) verkörpert am besten das Idealbild des Uomo Universale als Maler (Mona Lisa, Abendmahl), Baumeister, Naturforscher (Anatomie) und technischer Erfinder (Flugapparat, Geschütze, Unterseeboot Fallschirm u. a.). Michelangelo (1475-1564) arbeitet in Rom für Papst Julius Il. als Maler in der Sixtinischen Kapelle, als Bildhauer (Pieta, Moses) und als Bauleiter der Peterskirche. Raffael (1483-1520) und Bramante (144-1521), Architekt der Kuppel, lösen ihn ab. Tizian (1477-157) ist der größte Porträtmaler seiner Zeit. In Deutschland ist Albrecht Dürer (1471-1528) der bedeutendste Vertreter der neuen Mal- und Zeichentechnik (4 Apostel). Er schafft die frühesten deutschen Landschaftsbilder und Detailzeichnungen der Natur (Rasenstück, Hase).
Auch die Naturwissenschaften erfahren einen gewaltigen Aufschwung und verändern zusammen mit technischen Erfindungen Anschauungen und Leben der Menschen. Johannes Gensfleisch zum Gutenberg (-1400-67) schafft mit der Erfindung des neuen Druckverfahrens mit beweglichen Metall-Lettern die Voraussetzung für eine billige und massenhafte Verbreitung von Druckerzeugnissen. Nikolaus Kopernikus (1437-1543), Domherr zu Frauenburg, gelingt durch eigene Beobachtungen und kritisches Studium alter Schriften die Änderung der Lehre von der Planetenbewegung. Er entwickelt das heliozentrische Weltbild, welches das bisher gültige geozentrische ablöst. Anfangs wird diese neue Lehre von der Kirche akzeptiert, dann 1616 verboten. Giordano Bruno (1548-1600) führt die Gedanken des Kopernikus fort und spricht von der Unendlichkeit des Weltalls, das von einer göttlichen Weltseele durchwaltet wird. Dies bringt ihm den Tod auf dem Scheiterhaufen. Johannes Kepler (1571-1630) erkennt die Ellipsenbahn der Planeten. Galileo Galilei (1564-1642), italienischer Physiker, führt Experimente zur Fall- und Wurfbewegung durch und entdeckt mit einem selbstgebauten Fernrohr die Monde des Planeten Jupiter, die Sonnenflecken und die Zusammensetzung der Milchstraße. In zwei Ketzerprozessen wird er 1616 und 1633 zum Widerruf der heliozentrischen Lehre durch die Kirche gezwungen. Vesalius (1514-64), Leibarzt Karls V. und Philipps II. von Spanien, veröffentlicht die Ergebnisse von Leichenuntersuchungen und wird zum Begründer der Chirurgie und Anatomie.


Giotto

Donatello - David

Dürer

Kepler
 

Der Engländer Francis Bacon (1561-1626) entwickelt durch Beobachten und Experimentieren die neue Methode der Naturwissenschaften, um aus Einzelerfahrungen zu allgemein gültigen Gesetzen zu gelangen. Martin Behaim (1459-1507) benützt die wieder entdeckte Erkenntnis von der Kugelgestalt der Erde dazu, als erster einen Globus (1492) zu bauen. Peter Henlein entwickelt als erster eine Taschenuhr. Daneben führen weitere technische Erfindungen zu grundlegenden Veränderungen. Im Bergbau ergeben sich neue Fördermöglichkeiten in größeren Tiefen durch Wasserhebewerke, Treträder und Kolbenpumpe (1565). Die Verwendung des Pulvers für Feuerwaffen leitet eine grundlegende Wandlung der Kriegstechnik ein. An die Stelle des ritterlichen Nah- und Zweikampfs tritt der Fern- und Massenkampf. Anstelle gepanzerter Reiterheere tritt zunehmend das mit Gewehren und Kanonen ausgerüstete Fußvolk. Söldner lösen die adligen Ritter ab, die damit ihre Existenzgrundlage verlieren und einen sozialen Abstieg nehmen. Das Aufblühen von Kunst und Wissenschaft wäre nicht denkbar gewesen ohne Mäzene, die Künstlern und Gelehrten die Möglichkeit des Arbeitens geben. Dazu gehören die Herren und Fürsten der italienischen Stadtstaaten, u. a. Cosimo Medici (1389-1464) und sein Enkel Lorenzo (1449-92) in Florenz sowie die Päpste in Rom, u. a. der Sohn Lorenzos, Leo X. (1513-21), der mit Ablasshandel den Bau der Peterskirche finanziert. In der Wirtschaft erfasst der Geldhandel ganz Europa. Mit dieser Wandlung vollzieht sich auch eine Änderung der Wirtschaftsgesinnung. Der neue Typ des wirtschaftenden Menschen entsteht, dem der Gewinn zum Ziel des Wirtschaftens wird. Neue Organisationsformen entstehen, so die Handelsgesellschaft (Ravensburger Handelsgesellschaft 1380-1530), in denen sich Kaufleute zu gemeinsamer Finanzierung des Warentransports zusammenschließen. Bargeldloser Zahlungsverkehr und doppelte Buchführung bringen ein rationelleres Arbeiten. Das Zinsverbot der Kirche wird umgangen, die bisher jüdischen Geldverleiher durch Bankunternehmer verdrängt. Die Kirche selbst und die europäischen Fürsten werden zu den eifrigsten Kreditnehmern. Sie verpachten dafür Boden- und Bergwerksrechte. In der Textil- und Metallproduktion entsteht das Verlagssystem: Der Verleger stellt bezahlten Heimarbeitern Rohstoffe und Geräte und vertreibt die Fertigprodukte. Die Unternehmer drängen nach Monopolstellung, besonders im Bergbau. In England, den Niederlanden und in Frankreich entstehen die ersten Handelskompanien, die im staatlichen Auftrag Kolonialpolitik betreiben. Bedeutende Unternehmer dieser Zeit sind u. a. in Italien die Familie der Medici, die durch Orienthandel reich geworden, vom Papst das Alaunmonopol gewinnt und das größte Bank- und Handelshaus begründet; in Deutschland die Fugger in Augsburg, die als kleine Weberfamilie durch Handel und Geldgeschäfte zu Reichtum gelangen und die Politik der Habsburger finanzieren. Jakob Fugger der Reiche (1511-25) besitzt das Blei-, Silber-, Kupfer- und Ouecksilbermonopol in Europa und finanziert die Wahl Karls V.

Informationen zum Alltag des Mittelalters http://www.kleio.org/de/geschichte/alltag/index.html

Das Mittelalterquiz der Uni Tübingen http://www.mittelalter.uni-tuebingen.de/?q=spiele/quiz.htm


Bacon

Lorenzo di Medici - von Botticelli

Venus - Botticelli

Raffael
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