Kriegsschuldfrage

 


Zweifellos trifft alle europäischen Großmächte in abgestufter Form eine Kriegsschuld. Allen voran Österreich, das den Krieg auf dem Balkan gegen Serbien gewollt, und Deutschland, das diesen Krieg durch seine Blankovollmacht ermöglicht und gedeckt hat; Russland, das durch eine rasche Mobilmachung. die Lage verschärft; Frankreich, das nichts unternommen hat, seinen Bundesgenossen Russland zurückzuhalten, und England, das zwar verhandlungsbereit war, aber zu spät eingriff. Nicht zuletzt trugen zum Kriegsausbruch der weit verbreitete Kriegsfatalismus, die durch Aufrüstung hervorgerufene Kriegsbereitschaft und die Unterschätzung der Vernichtungskraft der inzwischen entwickelten Kriegstechnik bei. Das Denken der Menschen der Zeit war sozialdarwinistisch und militaristisch geprägt. Die Menschen sahen im Krieg etwas Positives, etwas Notwendiges, das die Probleme löst und das notwendig ist, dem eigenen Volk mehr Spielraum zum Überleben zu verschaffen.
Darüber hinaus trifft Deutschland eine Schuld, weil die Politik Wilhelms II. es war, die die Blockbildung und die krisenhafte Zuspitzen ermöglicht hat. Die deutsche politische Führung hat, wie Franz Fischer es bewiesen hat, diesen Krieg gewünscht und vorbereitet. Dabei wurde wissentlich der Überfall auf Neutrale (Belgien, Luxemburg) eingeplant und durch den Schlieffen-Plan der politische Spielraum (man musste möglichst schnell losschlagen) zum Verhandeln eingeengt. Der Krieg wird vom Kaiser seit ca. 1908 als unvermeidlich angesehen, und  - da sich Deutschland Lage verschlechtert -  "je eher desto besser"  - herbeigewünscht.

 
  Unterrichtsmaterial für Arbeitsauftrag Grundkurs/Leistungskurs Geschichte

Die Fischer-Kontroverse (Fremdmaterial)