virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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Die Revolution im Iran 1979

Geschichte des Iran im 20. Jahrhundert

aus Wikipedia

und

http://www.politische-bildung-brandenburg

zusammengestellt von Ahmad und Corinna K13

 

Facharbeit zum Thema:
http://members.aon.at/nima/

Im 1. Weltkrieg (1914-1918) blieb der Iran neutral, aber es gab im Iran Kämpfe um Ölfelder zwischen russischen und englischen Alliierten und den Türken. 1921 errichtete Reza Pahlavi, ein Divisionsführer, eine neue unabhängige Regierung. Pahlavi selbst wurde Kriegsminister, 1923 Premierminister und 1925 sogar zum Schah gewählt. Damit endete die Kadscharen-Dynastie.

Die Pahlavis

Reza Schah Pahlavi (1878–1944) stürzte 1925 den letzten Kadscharen (turkmenische Dynastie im Iran seit 1794) und ließ sich am 12. Dezember zum Schah (=Kaiser) ausrufen. Er regierte bis 1941 und übergab das Amt danach an seinen Sohn Mohammad Reza Pahlavi (* 26. Oktober 1919; † 17. Juli 1980). Dieser war der letzte Schah von Persien. Nach der Revolution 1979 wird der Iran zum islamischen Gottesstaat, zu einer Theokratie (= Herrschaft der Priester/Mullahs).

 


Vater und Sohn Pahlavi

Chronik

Am 12. Dezember 1925 wurde Reza Chan durch das Parlament zum Schah (Reza Schah Pahlavi) ernannt. In den Jahren 1925 bis 1928 wurde das Wirtschafts-, Straf- und Zivilrecht nach europäischen (französischen) Vorbildern unter Wahrung islamischer Elemente umgestaltet. Am 24. April 1926 wurde Reza Chan zum Schah gekrönt, gleich darauf setzt er die allgemeine Wehrpflicht und eine einheitliche Grundsteuer ein. Zwischen 1927 und 1938 wurde die Transiranische Eisenbahn erbaut, Die Nord-Süd-Linie wurde 1929 von der deutschen Firma Berger begonnen. Im Jahr 1927 wurde eine Zentralbank gegründet, die von der British Imperial Bank of Persia das Privileg der Notenemission und andere Vorrechte übernahm. Von 1928 bis 1938 entdeckte man im Land große Ölfelder, 1928 wurden neue Zollhandelsabkommen mit vielen Ländern geschlossen. Ein Jahr darauf wurde westliche Kleidung bei Männern vorgeschrieben. 1931 führte der persische Staat ein Außenhandelsmonopol ein. Der Iran wurde damit wie der Nachbarstaat Türkei zu einem weltlichen (laizistischen), autoritär von einem Kaiser regierten Land.

Am 21. März 1935 wurde die Landesbezeichnung „Persien“ auch in Europa und Amerika durch die im Land selbst gebräuchliche und offizielle Landesbezeichnung „Iran“ ersetzt. Im selben Jahr wurden die Anglo-Iranian Oil Company sowie die Universität in Teheran gegründet. Am 7. Januar 1936 wurde der Schleier (Tschador) bei den Frauen verboten. Etwas mehr als ein Jahr darauf, am 8. Juli 1937, wurde ein auf fünf Jahre befristeter Grenzvertrag zwischen der Türkei, Irak und Afghanistan abgeschlossen.

 


Quelle Karte: CIA - world fact book

Zweiter Weltkrieg

Am 24. August 1941 rückten britische und sowjetische Truppen von Westen und Süden in den neutralen Iran ein. Am 10. September wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Die neue Regierung akzeptierte die Forderungen Großbritanniens und der Sowjetunion, darunter die Freistellung von Eisenbahn- und Straßenanlagen für den Transport von Kriegsmaterial an die Sowjetunion. Der Iran war die sicherste Verbindung zwischen den USA und der UdSSR. Sechs Tage später, am 16. September, musste Reza Schah Pahlavi aufgrund seiner deutschfreundlichen Haltung auf Druck der Alliierten zu Gunsten seines Sohnes Mohammad Reza Pahlavi (1919-1980) abdanken. Sein erstes Exil war Mauritius, danach Südafrika, Länder die unter britischer Verwaltung standen. Am 29. Januar 1942 wurde ein Bündnisvertrag zwischen Großbritannien, der Sowjetunion und dem Iran geschlossen. Unter Artikel 5 wurde festgelegt, dass alle alliierten Truppen spätestens sechs Monate nach Kriegsende den Iran verlassen müssen. Etwas mehr als ein Jahr später, am 8. April 1943, schloss der Iran mit den Vereinigten Staaten ein Handelsabkommen, das den US-amerikanischen Zoll auf persische Teppiche und andere iranische Produkte gegen Konzessionen herabsetzte. Am 9. September 1943 erklärte der Iran den Achsenmächten den Krieg.

Der ehemalige Schah, Reza Schah Pahlavi, starb am 26. Juli 1944 in Johannesburg. Am 22. Januar 1946 wurde die Republik Kurdistan in Mahabad im Westen des Landes von Qazi Mohammed auf dem Car-Cira-Platz ausgerufen. Er war dadurch Präsident des einzigen kurdischen Staates der Neuzeit. Am 1. März 1946 verließen die britischen Truppen den Iran. Am 6. Mai 1946 verließen auch die sowjetischen Truppen das Land, nachdem die US-Regierung massiven Druck ausübte. Am 16. Dezember 1946 eroberten iranische Truppen die Republik Mahabad zurück, der Staat bestand nicht einmal ein Jahr.

 


Krönung des Schahs

Quelle Wikimedia commons

Nachkriegszeit

Am 4. Februar 1949 fand ein missglücktes Attentat auf den Schah an der Universität Teheran statt. Mohammad Mossadegh (1881–1967) (politischer Gegner von Mohammad Reza Pahlavi), wurde am 29. April 1951 Ministerpräsident. Mossadegh führte am 1. Mai die Verstaatlichung der Anglo-Iranian-Oil Co. durch. Am 16. Juli 1952 trat Mossadegh aufgrund der Ölkrise freiwillig zurück. Der Schah sah sich durch landesweite Proteste gezwungen, ihn wieder einzusetzen. Am 16. August 1953 floh der Schah ins Ausland. Drei Tage darauf wurde Mossadegh durch die Armee gestürzt – mit Hilfe der CIA, („Operation Ajax“). Am 28. Oktober 1954 wurde ein neuer Vertrag mit der Anglo-Iranian-Oil-Co. beschlossen. Die beteiligten 17 Ölkonzerne gestanden die Hälfte des Gewinnanteils an Iran zu.

Am 14. September 1960 erfolgte die Gründung der OPEC mit den Mitgliedsstaaten Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela. Anlass der Gründung waren die Preisdiktate der Mineralölkonzerne. Im Jahr 1962 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt, es fand eine Landreform statt – die Krongüter wurden unter landlosen Bauern aufgeteilt. Ein Jahr später leitete Mohammad Reza Pahlavi die Weiße Revolution zur Modernisierung des Landes ein (unter anderem mit einer Bodenreform sowie dem Frauenstimmrecht), er verweigerte aber eine Demokratisierung der politischen Strukturen. Die Amerikaner hatten im Laufe der Irankrise im Nahen Osten das Heft in die Hand genommen – mehr als drei Jahre vor dem Konflikt um die Besetzung des Suezkanals in Ägypten. Im Iran errichteten sie das Paradebeispiel eines korrupten und brutalen Marionettenregimes. Gefüttert mit hoher Militär- und Wirtschaftshilfe sowie gestützt durch einen rücksichtslosen Geheimdienst SAVAK, machten sie den Schah für die nächsten fünfundzwanzig Jahre zur starken Figur im Land – und zu einem der verhasstesten Diktatoren der islamischen Welt.

Massiv und mit Unterstützung durch die USA trieb Mohammed Reza Schah Anfang der 60er Jahre die Modernisierung des Landes voran. Der Iran war wichtiger militärischer Verbündeter der USA im so genannten CENTO-Pakt (entspricht der NATO im Nahen Osten). Als wichtige Stütze neben England, der Türkei und Pakistan wurde die Verwestlichung Persiens vorangetrieben. Mit gewissem Erfolg: Gab es 1965 nur 694 Fabriken im Land, so stieg ihre Zahl bis 1972 auf 5661. Die Lebenserwartung der Iraner erhöhte sich von 27 Jahren (1941) auf 46 Jahre (1976). Gleichzeitig aber klaffte die Schere zwischen Reich und Arm, Stadt und Land immer weiter auseinander. Wie ein Hohn wirkten da die prunkvollen Feiern zum 2500-jährigen Bestehen der iranischen Monarchie, welche der Schah 1971 in Persepolis zelebrierte. Jegliche Opposition unterdrückte ein äußerst repressiver Sicherheitsapparat im Keim.

Im Jahr 1964 wurde der oppositionelle Geistliche Khomeini vom Schah ins Exil in die Türkei geschickt. 1967 wurde das Gesetz zum Schutz der Familie eingeführt. Dieses Gesetz erschwerte die Scheidung für Männer und erleichterte sie für Frauen, und es gab Frauen die Möglichkeit, das Sorgerecht für Kinder auszuüben. Am 26. Oktober 1967, seinem 48. Geburtstag, krönt sich der Schah zum Kaiser (Ehefrau Farah Dibah).

1967 besucht der Schah die Bundesrepublik. Bei Demonstrationen gegen die Diktatur des Schah und die Gewalt des Geheimdienstes Savak werden Demonstranten von der Geheimpolizei des Schah in Berlin niedergeprügelt. Ein Demonstrant, Benno Ohnesorg, wird von einem Polizisten in Berlin in einem Hinterhof erschossen, was gewalttätige Proteste auslöst und als eine der Ursachen für den bewaffneten Widerstand der RAF in den 70er Jahren gilt.

Der Iran verfolgt eine hegemoniale Politik. Die Aufrüstung Irans zur größten Militärmacht der Region geschah zunächst mit US-Krediten, später waren bis zu 41.000 militärische und 20.000 zivile US-Berater im Iran. 1969 kam es zum Konflikt mit dem Irak um die Grenze und Schifffahrt am Schatt al-Arab. Der Iran kündigte den Vertrag von 1937. Ein Jahr darauf entführte die Guerillabewegung „Iranische Befreiungsfront“ den amerikanischen Botschafter. Die Täter wurden im Juni 1973 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt. Im Jahr 1971 fand die 2500 Jahr-Feier Irans statt. Es wurde ein 5-Jahres-Plans für Rüstung verabschiedet und ein Abkommen mit den USA über Waffenkäufe im Wert von 2 bis 3 Milliarden US-Dollar unterzeichnet. Die Britischen Truppen zogen endgültig vom Golf ab.

Die Tumb-Inseln wurden militärisch besetzt und die arabischen Bevölkerung vertrieben. Marinestützpunkte zur Sicherung der Öltransporte durch die Straße von Hormus wurden errichtet. Im Oktober 1972 wurde ein Abkommen über wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit mit der Sowjetunion anlässlich eines Staatsbesuchs des Schahs in Moskau vom 10. bis 21. Oktober 1972 unterzeichnet. Am 31. Juli 1973 wurde ein Abkommen mit dem internationalen Erdölkonsortium, bestehend aus den USA, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden, geschlossen. Die National Iranian Oil Company (NIOC) übernahm alle Anlagen der Erdölwirtschaft in Staatsbesitz, da nach Meinung der iranischen Führung das Konsortium die restriktiven Maßnahmen durch das Abkommen von 1955 nicht eingehalten hatte. Im Jahr 1975 wurde ein Einparteiensystem eingeführt und ein Abkommen mit Irak zur Regelung offener Grenzfragen abgeschlossen.

1977 rutschte das Land in eine Versorgungskrise. Die von Intellektuellen getragene Nationale Front forderte das Ende der Diktatur des Schahs. Am 7. und 8. Januar 1978 kam es zu Demonstrationen für Ayatollah Chomeini. Am 8. August versprach der Schah politische Freiheiten, freie Wahlen und die Pressefreiheit. Schwere Unruhen waren die Folgen. Fünf Tage darauf wurde das Kriegsrecht in mehreren Städten ausgerufen. Als Konzession an die Schiitenpartei wurde die Rückkehr zum islamischen Kalender und die Schließung der Spielkasinos beschlossen sowie politische Parteien wieder zugelassen. Am 7. September kam es zu einem Generalstreik, die Streikwelle legte die Ölproduktion still. Das Kriegsrecht wurde daraufhin auf alle Städte ausgedehnt. Gegen den Schah arbeiteten die schiitische Geistlichkeit mit den, die westlichen Wirtschaftsreformen fürchtenden Basaris (konservative Händlerschicht), den verarmten bauern und den Studenten und der intellektuellen Oberschicht zusammen. Neun Tage später forderte das zweitschwerste Erdbeben der iranischen Geschichte mindestens 25.000 Tote. Am 5. November bildeten Chomeini und die Nationale Front in Paris die Iranisch-Islamische Nationalbewegung. Einen Tag später wurde eine Militärregierung eingesetzt. Am 16. Januar 1979 verließ der Schah, Mohammad Reza Pahlavi, den Iran. Zunächst hielt er sich bis zum 15. Dezember in den USA auf, danach in Kairo. Dort starb er am 27. Juli 1980. Die oberste Autorität wurde der Schiitenführer Ruhollah Chomeini (1902–1989), der am 1. Februar in den Iran zurückkehrte. Die Koalition, die den Schah stürzte zerbrach sehr schnell.

 

 


Mossadegh

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Der Schah in der BRD auf Staatsbesuch neben Bundespräsident Lübke

Die Islamische Republik

Chomeini proklamierte am 1. April 1979 die Islamische Republik Iran. Islamische Revolutionäre besetzten 1979 die Botschaft der USA in Teheran. Die Gefangenen kamen erst im Januar 1981 frei (siehe Geiselnahme von Teheran und Operation Eagle Claw).

 

Der Krieg zwischen Irak und Iran

Da während der islamischen Revolution die regulären Streitkräfte des Nachbarlandes faktisch zerschlagen wurden, nutzen die Iraker die vermeintliche Gunst der Stunde und marschierten im September 1980 in den Iran ein (mit Billigung und Unterstützung des Westens). Nach Anfangserfolgen lief der Vorstoß fest, und bis Juni 1982 mussten die irakischen Truppen hinter die völkerrechtlichen Grenzen zurückweichen. Nunmehr versuchte sich das Mullah-Regime in der „Befreiung“ der heiligen schiitischen Stätten des Irak. Der folgende mörderische Stellungskrieg zog sich noch bis 1988 hin und forderte insgesamt etwa eine Million Opfer. Der durch die Niederlage destabilisierte Irak blieb ein Sicherheitsrisiko in der Region. Nachdem das Land bereits 1961 und 1973 einen „Anschluss“ des benachbarten Scheichtums Kuwait erzwingen wollte, drang im August 1990 die Armee Bagdads in den Kleinstaat ein und besetzte ihn. 1991 zwang eine UN-Armee unter Führung der USA den Irak zum Rückzug. Allerdings zerschlugen die Alliierten das Sadam-Regime nicht völlig: Dieses hatte noch Kraft genug, unter den Augen der Weltöffentlichkeit einen Aufstand der Kurden und Schiiten brutal niederzuwerfen. => s. auch Irak-Krieg

weitestes Vordringen des Irak im Iran Quelle Wikimedia

Zu Beginn der Revolution wurde Mehdi Basargan Ministerpräsident der provisorischen Regierung. Am 25. Januar 1980 wurde Abu l-Hasan Banisadr Präsident, er musste jedoch aufgrund unüberbrückbarer Widerstände im Hinblick auf die zukünftige Politik am 10. Juni 1981 den Iran verlassen. Er floh nach Paris. Durch den Wahlsieg der religiösen Islamisch Republikanische Partei (IRP) im Jahr 1981 löste sich der Revolutionsrat am 9. Mai auf. Ein verheerender Bombenanschlag am 29. August auf die Parteiversammlung der IRP brachte, mit Hilfe der CIA, das Gefüge der Revolution völlig durcheinander. Parteiführer Ayatollah Mohammed Hussein Beheschti (* 1929) und über 70 weitere Abgeordnete wurden getötet. Auch der neue Präsident Mohammad Al Radschani und der neue Ministerpräsident Mohammad Javad Bahonar waren unter den Opfern. Am 2. Oktober wurde Hojatoleslam Seyyed Al Chamenei Präsident - Mir Hossein Moussavi nahm den Posten des Ministerpräsidenten ein.

1982 trat das Strafgesetz der Islamischen Republik Iran vom 25. August in Kraft. Bei den Parlamentswahlen am 15. April 1984 verlor die IRP die absolute Mehrheit, Moussavi blieb jedoch Ministerpräsident. Am 16. August 1985 wurde Ali Chamenei als Präsident wiedergewählt. Im Jahr 1986 wurden geheime Waffenlieferungen der USA an den Iran in der Iran-Contra-Affäre aufgedeckt, welche die Glaubwürdigkeit der iranischen wie auch der amerikanischen Seite erschütterte. Die Auflösung der IRP am 2. Juni 1987 bestätigte nur das völlige Abweichen des ursprünglichen Revolutionsgedankens. Am 2. Juni 1988 ernannte Chomeini (der Iran stand im Krieg gegen den Irak am Rande einer Niederlage) den Parlamentspräsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani zum amtierenden Oberkommandierenden. Chomeinis Fatwa gegen Salman Rushdie vom 14. Februar 1989 isolierte den Iran außenpolitisch völlig. Mit dem Tod von Ayatollah Chomeini am 3. Juni begann der Kampf um die Nachfolge. Der bisherige Staatspräsident Ali Chamenei wurde am 4. Juni vom Wächterrat zum neuen religiösen Führer bestimmt. Den Kampf um die Macht gewann aber Parlamentspräsident Rafsandschani. Er wurde zum Staatspräsidenten gewählt und erhielt durch eine Verfassungsänderung größere exekutive Befugnisse durch den Wegfall des Ministerpräsidentenamtes.

Bei den Parlamentswahlen am 10. April 1992 gewannen die Anhänger Rafsandschanis rund 70 Prozent aller Sitze. Rafsandschani wurde 1993 für weitere vier Jahre im Amt des Staatspräsidenten gewählt. Bei den Präsidentschaftswahlen am 23. Mai 1997 siegte der ehemalige Kulturminister Mohammad Chatemi. Ein beschränkter Liberalisierungsprozess begann mit ihm, dessen Grenze stets von Wächterrat (Chamenei) eingeschränkt wurde.

Im Oktober 2003 wurde Schirin Ebadi mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Nachdem bei den Wahlen vom 20. Februar 2004 tausende von liberalen Kandidaten ausgeschlossen waren und andere reformorientierte Politiker ihre Kandidatur zurückgezogen hatten, war die Wahlbeteiligung nach offiziellen Angaben des Innenministeriums mit nur 50,57 % die niedrigste seit Bestehen der Islamischen Republik. Im Anschluss an die Wahlen kam es zu Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften in mehreren Städten, bei denen acht Personen getötet wurden. Im November des Jahres gab der Iran bekannt, dass das Land keine Atomwaffen entwickeln wolle; die USA, aber auch europäische Regierungen betrachteten dieses Versprechen weiter mit einem gewissen Misstrauen. Im Konflikt um das Atomprogramm des Iran kam es 2005 unter dem Druck der USA und Großbritanniens zu Verhandlungen zwischen Iran und den EU-3, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Im selben Jahr wurde Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten gewählt. Dieser zeichnet sich durch seinen Antisemitismus, seinen Wunsch Israel zu vernichten und seine aggressive Suche nach Atomwaffen aus. Der Iran weigert sich, sein Atomprogramm durch die internationalen Gremien überprüfen zu lassen. Es besteht deshalb der Verdacht, dass in den Atomanlagen des Iran waffenfähiges Uran durch Anreicherung hergestellt wird. Die Beziehungen zum Westen haben sich dadurch weiter verschlechtert.

 


Ankunft Chomeinis aus dem Exil in Paris Januar 1979



Geiselnahme 1979 in Teheran - Für 444 Tage werden Mitarbeiter der US-Botschaft in Teheran als Geiseln gefangen gehalten. Ein Befreiungsversuch 1980 scheitert.

Die Verfassung der islamischen Republik:
http://www.eslam.de/manuskripte/verfassung_iri/verfassung_iri.htm
 

 

 

Quellen

   

 

Reden Ayatollah Khomeinis

1st speech.
"I must tell you that Mohammad Reza Pahlavi, that evil traitor, has gone. He fled and plundered everything. He destroyed our country and filled our cemeteries. He ruined our country's economy. Even the projects he carried out in the name of progress, pushed the country towards decadence. He suppressed our culture, annihilated people and destroyed all our manpower resources. We are saying this man, his government, his Majlis are all illegal. If they were to continue to stay in power, we would treat them as criminals and would try them as criminals. I shall appoint my own government. I shall slap this government in the mouth. I shall determine the government with the backing of this nation, because this nation accepts me."
 

1st speech.
"This government represents a regime, whose leader and his father were illegally in power. This government is therefore illegal. The deputies appointed to work in the Majlis are there illegally. The Majlis itself and the Senate are illegal. How can anyone appointed by the Shah be legal? We are telling all of them that they are illegal and they should go. We hereby announce that this government, which has presented itself as a legal government is in fact illegal. Even the members of this government before accepting to be ministers, were considering the whole establishment to be illegal. What has happened now, that they are claiming to be legitimate? This gentleman, Dr Bakhtiar, does not accept himself, and his friends do not accept him either. The nation does not accept him and the army does not accept him. Only America is backing him and has ordered the army to support him. Britain has backed him too and had said that he must be supported. If one were to search among the nation, one would not find a single person among all strata of the nation, who accepts this man, but he is saying that one country cannot have two governments. Well of course, it is clear that this country does not have two governments and in any case, the illegal government should go. You are illegal. The government of our choice relies on the nation's backing and enjoys the backing of God. If you claim that your government is legal, you must necessarily be denying God and the will of the nation. Someone must put this man in his place."
 

1st speech.
"We want our army to be independent. You army commanders, you generals and major generals, do you not wish to be independent? What is our reward for saying that we would like our army to be independent? Is it right to punish us by killing our young men in the street just because we wish you to be your own master rather than taking orders from foreign powers? At this point I would like to thank those units of the army, which have joined the ranks of the nation. We praise the NCOs, the air force, and officers of the air force, who are already with us and call upon the rest of you to join. Abandon your foreign masters and do not fear that if you abandon them , we will come and hang you. Such rumours are spread by your enemies. Can you not see your other comrades, the officers, the NCOs and the pilots, who have joined us? We love them, we respect them and we want to keep our strong army intact. We want to have a powerful country. We want to preserve the structure of the army, but for the service of the nation."

1st speech.
(Read by Ayatollah Moussavi Ardabili.)
"Now that the armed forces have stepped back, have declared their neutrality in the face of political affairs and have expressed support for the nation, the dear and courageous nation is expected to maintain law and order when the troops return to barracks. You should stop saboteurs, who may try to create catastrophe and instruct them of their religious and humanitarian obligations. Do not allow anyone to attack foreign embassies. If, God forbid, the army were to enter the arena again, you must defend yourselves with all your might. I hereby inform senior army officers that if they were to stop the army's aggression, and instruct them to join the nation and its legal Islamic government, we would regard the army as part of the nation and vice versa. [Signed Ruhollah al-Mousavi al-Khomeini]."

zitiert nach BBC http://www.bbc.co.uk/persian/revolution/khomeini.shtml

 

Kommentare

   

Bewertung der Revolution aus marxistischer Sicht

Die iranische Tragödie 1979: Von der Arbeitermacht zur Ayatollahdiktatur

Jan Maas aus: http://www.sozialismus-von-unten.de/archiv/svu7/iran_maas.html
 

Von der Revolution im Iran ist oft nur ein verzerrtes Bild übrig. Dass das Regime des Schahs durch die Massen hinweggefegt wurde, ließ sich aus der Geschichte nicht streichen. Aber der Umsturz wird als Terror unter Führung fanatischer Islamisten dargestellt. Die wahre Geschichte der iranischen Revolution ist ein Festival der Unterdrückten auf der Grundlage von Arbeiterräten und Massenbewegungen. Jan Maas beschreibt, wie trotzdem die Fundamentalisten die Macht übernahmen.

Der Iran galt einmal als Vorzeige-Entwicklungland. Öleinkünfte ermöglichten ein riesiges Wirtschaftswachstum. Die Verhandlungsposition der jungen iranischen Arbeiterklasse war so stark, dass jährliche Lohnzuwächse von 30-50% möglich waren. Ab 1975 gingen die Öleinnahmen zurück, Staatsverschuldung und Inflation stiegen. Die Zahl der städtischen Armen explodierte. Es kam zu Zusammenstößen zwischen Staatsmacht und demonstrierenden Studenten oder Slumbewohnern. Trotzdem erklärte der Schah im Juni 1978: "Niemand kann mich stürzen. Ich habe die Unterstützung von 700.000 Soldaten, eines Großteils des Volkes und aller Arbeiter".

Das änderte sich grundlegend. Die Forderungen der Beschäftigten, die oft auf die Betriebe beschränkt gewesen waren, konnten immer seltener erfüllt werden und neue Streikforderungen tauchten auf : "Beendigung des Notstands" oder "Freilassung aller politischen Gefangenen". Im September 1978 traten die mächtigen Ölarbeiter in den Ausstand. Sie kamen aus den Fabriken und versammelten sich millionenstark in den Zentren der Industriestädte. Die Flut stieg täglich. Medienangestellte verhinderten regimetreue Radio- und Fernsehsendungen, Eisenbahner weigerten sich, Militär zu befördern, Beschäftigte in den Atomkraftwerken streikten und erklärten: "Die AKW sind dem Iran durch die Großmächte im Interesse des Atomkrieges aufgezwungen worden". Zahlreiche Unternehmer verließen, als es heiß für sie wurde, das Land.

Revolution

Die herrenlosen Fabriken wurden von den Beschäftigten übernommen, die in Schoras (iran.: Räte) die Produktion kontrollierten. Am 16. Januar 1979 musste der verhasste Schah endlich das Land verlassen. Euphorie breitete sich aus: Die Mengen warfen Soldaten Blumen zu und verbündeten sich mit ihnen. Gemeinsam stürzten sie die Statuen des Diktators.

Am 1. Februar kehrte Ajatollah Khomeini aus dem Exil zurück. Er erklärte sich fünf Tage später zum Staatsoberhaupt. Der Staatsapparat und der revolutionsfeindliche teil des Militärs kooperierten sofort, heilfroh, wieder "Ordnung" schaffen zu können. Eine Doppelherrschaft war entstanden: Die Macht über die Betriebe lag bei den Schoras, aber die Macht über den Staat hielt Khomeini in seinen Händen. Die Einmischung von Arbeitnehmern in leitende Funktionen wurde von der Regierung sofort für unislamisch erklärt. Ein Shellarbeiter erzählt: "Die vom Staat ernannten Manager haben die gleiche Einstellung wie die alten Manager. Die wissen, dass ihr Schicksal besiegelt ist, wenn die Schoras ihre Macht behalten. Sie können ihre arbeiterfeindliche Politik nicht direkt umsetzen; also bekämpfen sie die Schoras erstmal auf der Grundlage des religiösen Glaubens".

Ende Februar erließ Khomeini Gesetze, die gegen die Frauen gerichtet waren. Das Scheidungsrecht wurde allein den Männern zuteil, gleichzeitig wurde ihnen die Polygamie erlaubt. Tag für Tag wurden Frauen aus neuen Berufen verdrängt. Am Frauentag, dem 8.März, wurde eine Gegendemonstration von Regierungstreuen angegriffen. Die gesamte Linke ließ die Frauen im Stich und behauptete, Frauenrechte seien nur bürgerliche Forderungen. Die islamische Reaktion erschien um so stärker, weil die Linke sich nicht wehrte.

Machtkampf

Doch so schnell kam der Sieg nicht. Als eine Arbeitslosendemonstration von Khomeinis Revolutionsgarden zusammengeschossen wurde, besetzten ArbeiterInnen das Justiz- und das Arbeitsministerium. Einer von ihnen sagte: "Ich schlage vor, dass wir an diesem Ort bleiben, bis dieses Ministerium der Bosse zu einem Ministerium der Arbeiter wird. Werft uns nicht Ungläubigkeit vor. Ihr erfüllt unsere Forderungen und wir werden 37 mal am Tag beten statt 17 mal". Auch die Demonstration am 1. Mai zeigte die Stärke der iranischen Arbeiterklasse. Eineinhalb Millionen Menschen marschierten sechseinhalb Stunden lang. Ihre Banner trugen Slogans wie "Nieder mit den alten Arbeitsgesetzen - schreibt ein neues Gesetz unter unserer Mitwirkung!" oder "Schulen für Kinder, nicht Kinderarbeit". Die Islamisten antworteten mit Schlägertrupps.

Die Linke reagierte wieder nicht, weil sie argumentierte, dass sie nur eine Minderheit sei. Also gelang es den Trupps, Parolen wie "Lang lebe der Islam, Tod den Kommunisten" zu rufen und Banner niederzureißen. Die Guerilleros der Modschahedin fürchteten, man könne ihnen Gegnerschaft zur islamischen Republik vorwerfen und blieben der Kundgebung fern. Schritt für Schritt drängte Khomeini mit religiösen Argumenten seine GegnerInnen zurück. Doch bis zum Herbst stand der Iran im Zeichen der Revolution: Frauen widersetzten sich massenhaft den Gesetzen, die Schoras arbeiteten weiter und überall fanden Demonstrationen statt.

Niederlage

Im November ließ Khomeini die US-Botschaft in Teheran besetzen. Er behauptete, damit den Kampf gegen den Imperialismus aufzunehmen. Er appellierte an die nationale Einheit und erklärte damit alle Aktivitäten, die der Regierungslinie widersprachen, für imperialistisch. Alle linken Parteien akzeptierten dieses Argument. Sie fielen der Arbeiterklasse in den Rücken. Um das zu rechtfertigen, sagten sie, der Bewusstseinsstand der Beschäftigten sei zu niedrig - die Schoras hätten bloß wirtschaftlichen Charakter!

Als 1980 der Irak in den Iran einmarschierte, schlug Khomeini erneut erfolgreich in die Kerbe der nationalen Einheit. Damit war der größte Teil der Opposition gebrochen. Die Linke hatte sich von ihrer Unabhängigkeit verabschiedet. Das war aber nicht unvermeidlich. Sie hätte auf Grundlage der Schoras für die Übernahme der politischen Macht kämpfen können. Einzig die politischen Fehler der Linken haben den Sieg der Mullahs zu verantworten. Eine revolutionäre Bewegung braucht eine politische Partei, die kompromisslos für die Machtübernahme durch die Masse der Bevölkerung kämpft.

 

Die Opposition der Islamisten

Die Basis des Klerus bestand vor allem aus Kleinbürgern - den Basaris. Sie hatten, genau wie ArbeiterInnen und StudentInnen, unter dem Schah zu leiden - allerdings aus anderen Gründen. Die Basaris hatten in der kapitalistischen Entwicklung des Iran kaum noch eine Bedeutung. Die politische Macht des Klerus war immer weiter zurückgegangen. Die Mullahs in den Moscheen boten aber einen Sammelpunkt für viele andere Kräfte, die gegen die "Verwestlichung" kämpften, weil ihre Oppositionsrolle staatlich geduldet war. Die Unterstützung, die der fortschrittliche Teil des islamischen Klerus erfuhr, gründete sich auf revolutionäre Rhetorik. Er prangerte die Vernachlässigung der ökonomischen Bedürfnisse der Arbeiter und Bauern, die barbarischen Gefängnisse, die Einschränkung der Freiheit an. Der traditionelle Flügel, darunter zunächst auch Ajatollah Khomeini, isolierte sich von den Massen. Khomeini sah diese Entwicklung und zog die Konsequenz: Er fing an, die Forderungen der sozialen Bewegung aufzunehmen. Dafür wurde er 1968 ausgewiesen. Auch aus dem Exil konzentrierte er sein Feuer auf den Sturz des Schahs und baute so seine Glaubwürdigkeit auf. Er wurde zur Hauptoppostitionsfigur. Bis zu seinem Tode galt er als der "Revolutionsführer".

An den Massen vorbei: Stalinisten und Guerilla

Proteste der StudentInnen und der nationalen oder religiösen Minderheiten hatten im Iran eine lange Tradition. Die mächtigste Kraft gegen den Schah stellte aber der ArbeiterInnenwiderstand dar. Von all diesen Bewegungen profitierten die linken Parteien. Die größte von ihnen war die kommunistische moskautreue Tudeh-Partei. Die Tudeh-Partei wuchs mit Stalins Volksfront-Taktik auf. Nach dieser Theorie sollten sich die Kommunisten in sozialen Bewegungen auf fortschrittliche bürgerliche Kräfte stützen, statt auf die Macht der Arbeiterklasse. Dies führte die Anhänger dieser Taktik regelmäßig zu Fehleinschätzungen. Sie behaupteten trotz der zunehmenden Aktivitäten der Arbeiterklasse, der Iran sei noch nicht reif für eine sozialistische Revolution und trennten ihre Politik von den Interessen der sich radikalisierenden Massen ab. 1946 hatten sie sogar im Interesse der Profite ausländischer Investoren einen Generalstreik der Ölarbeiter verhindert.

Die zwei iranischen Guerillabewegungen, die Modschahedin und die Fedayin, spiegelten die revolutionäre Ungeduld der iranischen Jugend gegenüber den traditionellen Oppositionsparteien wider. Die Modschahedin hatten einen religiösen Hintergrund, die Fedayin waren eine Abspaltung der Tudeh-Partei. Beide rekrutierten sich vor allem aus städtischen Intellektuellen.

Mit Terroraktionen von den Bergen aus versuchten sie, die Masse der Iraner in Aktivitäten gegen den Schah zu drängen. Gleichzeitig schnitten sie sich damit von jeglicher Massenaktion in den Städten ab und errangen nie breite Unterstützung. Beide Strategien zielten an den Massen vorbei und mussten die fortschrittlichen ArbeiterInnen schließlich im Stich lassen. Damit war das Schicksal der gerade begonnenen Revolution besiegelt - der Fundamentalismus hatte freie Bahn.

 

 

weiterer Kommentar

http://moderne-geschichte-naher-osten-mittlerer-osten.suite101.de/article.cfm/die_iranische_revolution_von_197879  
  ....... von Jens Bertrams aus dem Jahr 2000

Tatsächlich war die islamische Revolution eine sehr ernste und schwierige Sache. Nach der Machtergreifung der Revolutionsgarden und der Revolutionswächter, einer Gruppe strenggläubiger Shiiten, wurden soziale Errungenschaften der letzten zwanzig Jahre sofort zurückgedreht. Man verlangte islamisches Verhalten im Umgang und in der Kleidung. Frauen, die ohne Schleier angetroffen wurden, wurden in den ersten Monaten hingerichtet. Die Revolutionäre verjagten die Reste der alten Machthaber und veranstalteten eine Volksabstimmung über die Einführung einer islamischen Republik nach den Regeln des Khoran und der Sharia, des islamischen Rechts. Bei dieser Abstimmung gab es nur eine Ja-Antwort-Möglichkeit, und die Wahl war nicht geheim, das gehörte nicht zum islamischen Rechtsverständnis, denn wer ein Ungläubiger war, sollte erkannt werden. Khomeini übernahm als Revolutionsführer die Macht im Iran, und über viele Jahre übte er sein Schreckensregime aus. Auch heute noch kann der Wächterrat, ein vom geistigen Führer berufenes Gremium, die Entscheidungen des Parlaments einfach aufheben, weswegen Iran auf dem vom jetzigen Präsidenten angestrebten Weg zur Demokratie nicht weiterkommt.

Die islamische Republik Iran war das erste Land der Welt, das für sich in Anspruch nahm, nach den Gesetzen Allahs zu leben. Ihr folgte viele Jahre später Afghanistan, das jetzt unter der Herrschaft einer ebenso radikalen Gruppe von Moslems steht. Versuche zur Errichtung eines Gottesstaates gibt es in vielen Ländern, und oft ist es eine Protestwelle gegen eine allzu westlich orientierte Lebensweise. Der Sieg der Fundamentalisten im Iran hat die sogenannten islamischen Befreiungsbewegungen in anderen Ländern wie Algerien und Afghanistan sicherlich extrem ermutigt, und der daraufhin verstärkte Streit zwischen weltlicher und streng religiöser Gesellschaftsform dauert seither an.

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Frankfurter Rundschau

Triumph des Gottesstaates

Vor 30 Jahren stürzte Ajatollah Khomeini den persischen Schah. Die islamische Revolution wurde von Linken in Europa begrüßt. Unterdrückung und Terror herrschen seither im Iran.
VON KARL GROBE
 

Flughafen Teheran-Mehrabad, 1. Februar 1979, 9.39 Uhr Ortszeit: Ein welthistorischer Augenblick. Ajatollah Ruhollah Khomeini setzt einen Fuß auf iranischen Boden, zum ersten Mal seit 15 Exiljahren. Millionen Iraner sind hinausgepilgert zum Airport, Millionen stehen am Straßenrand. Der Heimkehrer spricht nicht zu ihnen, er fährt zum Märtyrer-Friedhof Behest-e Zahra, erklärt die Regierung für illegal, ruft die Armee zur Neutralität auf. Zehn Tage danach folgt sie seinem Wunsch. Er weiß, dass er die Macht soeben dort aufgelesen hat, wo sie in Zeiten des Umbruchs zu liegen pflegt: auf der Straße.


Der Inhaber der Staatsgewalt, Mohammad Reza Schah Pahlavi (selbstgewählter Beiname: Aryamehr, "Licht der Arier"), ist seit zwei Wochen weg. Sein Regime ist zusammengebrochen, und keineswegs lautlos und unerwartet. Unmut über die Korruption der oberen Viertausend", über den Hochmut und die ins Unerträgliche wuchernde Arroganz des Kaisers und seiner Hofschranzen, Ärger über die "Verwestlichung" und die Abhängigkeit vom Ausland - vor allem den USA - hatten die Massen ergriffen. Und die brutale, gezielt eingesetzte Gewalt des Geheimdienstes Savak schüchterte nicht mehr ein. Im Gegenteil: Die Freilassung der über 25 000 politischen Gefangenen wurde zur entschiedenen Forderung der Opposition, erst recht nachdem der Schah im März 1977 genau 91 "Politische" amnestiert hatte.

Lobeshymnen auf den Schah

Auf die USA konnte er noch bauen. Zu Neujahr 1978 rühmte Präsident Jimmy Carter in Teheran den Schah-Staat als "Insel der Stabilität" und versicherte den Schah "tiefer Dankbarkeit und persönlicher Freundschaft". Während in den Sommermonaten die Massenkundgebungen vom nördlichen Täbris bis zu den proletarischen Öl-Städten im Süden zunahmen, fand auch Chinas damals starker Mann, Hua Guofeng, im August in Teheran lobende Worte für den Schah. Die schon zum aufrührerischen Alltag gehörenden "Allah hu akbar"-Rufe von Dächern und Balkons hat er wohl nicht gehört.

Die Geistlichkeit hatte sich längst mit der Nationalen Front zusammengeschlossen, der bürgerlich-demokratischen Bewegung, die das Erbe des 1953 gestürzten Mohammed Mossadegh bewahrte, den ein vom US-Geheimdienst CIA in die Wege geleiteter Putsch aus dem Amt gejagt hatte. Die neue Opposition rief zum Generalstreik. Das Militär schoss eine Demonstration nieder. An diesem 8. September 1978, dem "Schwarzen Freitag", verlor das Regime den Rest seiner Legitimität.

Mullahs und Nationale Front waren nicht die einzigen Kräfte des Aufbegehrens. Studenten und Literaten, politische Untergrundbewegungen und im Elend der Teheraner Südstadt vegetierende, aus den Dörfern vertriebene Bauern, Öl- und Bahnarbeiter rebellierten. Junge Frauen legten aus Protest den Tschador an als Symbol politischer Emanzipation.

Es war eine Revolution. Aber nicht die, welche manche westliche Regierung und manchen westlichen Kommentator ängstigte: die nach russischer Oktober-Art, die "von Moskau gesteuerte" kommunistische.

Khomeini hatte seit 35 Jahren gegen den Schah gepredigt. Er war deutlicher geworden, nachdem er aus dem Irak nach Frankreich hatte ausweichen müssen: Saddam Hussein hatte dem Schah noch im Oktober des Revolutionsjahres den Gefallen getan, den unerbittlichen Prediger des Landes zu verweisen. Khomeini ließ seine Predigten mittels Kassettenrekorder verbreiten. Sein Wort erreichte die Unzufriedenen, Aufbegehrenden an den Orten, die dem Zugriff der Politik und des Savak weitgehend entzogen waren: in den Moscheen. Es erreichte die Mullahs und die Analphabeten. Es war der Ruf nach dem Gottesstaat.


Naivität - in Ost und West

"Staat im Islam heißt, die Gesetzgebung, die Gott dem Propheten übertragen hat, zu verwirklichen und sich ihr zu unterwerfen. Der Prophet ist tot. Seinen Auftrag haben die Kenner des islamischen Gesetzes, die Imame, übernommen." Das war die Botschaft. Sie wurde unterschätzt, auf naive Art von den Experten in West und Ost, auf opportunistische Weise von den vielen weltlichen, liberalen, linken Parteien und Strömungen im Lande. Die sahen den fast Achtzigjährigen als mobilisierendes Element; sie würden ihn beerben. Es würde ihre Revolution werden. Den Westlern aber war eine epochale Wende noch nicht aufgefallen.

Politischer Islam - das war das Neue. In Pakistan hatte Militärdiktator Zia ul-Haq seine Herrschaft durch Rückgriff auf den Islam gefestigt. In Afghanistan standen Konservative unter der grünen Fahne gegen die Modernisierer auf; nur ein Jahr nach Khomeinis Teheraner Triumphzug wurde die Religion, von Pakistan, den USA und Saudi-Arabien gefördert, zum einigenden Element des Widerstands gegen die Sowjetunion. In Algerien, in Ägypten, im Sudan, in Indonesien begannen politische Bewegungen, unter aus dem Islam entlehnten Parolen die etablierten Kräfte zu erschüttern.

Keine Parteien mehr, nur noch der Imam: Mit dieser unausgesprochenen Parole ließ Khomeini von den Moscheen aus im ganzen Land Revolutionskomitees einrichten. Sie nahmen den revolutionären Konkurrenten die Massenbasis weg. Schnellgerichte begannen, das zu schaffen, was in anderen Fällen revolutionärer Terror genannt worden ist - die physische Vernichtung der alternativen gesellschaftlichen Kräfte.

Schließlich rettete unabsichtlich Saddam Hussein zum zweiten Mal Khomeinis Regime durch seinen Überfall im September 1980. In dem Krieg, der acht Jahre dauerte, ging Irans alte Armee unter, neue bewaffnete Verbände übernahmen ihre Rolle, die Pasdaran und die Bassiji, nun auch als Revolutionswächter gegen das Volk.

Das Volk hatte eine andere Revolution bekommen, als es sich erträumt hatte. Nur Khomeinis Traum war wahr geworden, ein Alptraum für die anderen.

 
aus http://islamicrevolutionservice.
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Grafik Quelle s. oben

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Die größte Errungenschaft der Islamischen Revolution ist aber die vom Volk getragene geistige und geistliche Führung, die nach dem Vorbild des Propheten ein bescheidenes Leben führt. Solch eine Führung ist eine “echte“ Bedrohung für ein Weltsystem, dass den materiellen Reichtum für die Führungselite anstrebt auf Kosten der Armut in der Bevölkerung. Gekoppelt an diese Errungenschaft der Islamischen Revolution ist eine seit Jahrhunderten eingeschlafene Hoffnung auf das Erscheinen des gottgesandten Erlösers, die jetzt mit realen Inhalten gefüllt wurde, ebenfalls deutlich zu beobachten, nicht nur bei Muslimen.

Es soll hier kein falscher Eindruck erweckt werden: Niemand behauptet, dass die Islamische Republik Iran alle Ideale perfekt umgesetzt hätte. Möglicherweise sind erst 15% der islamischen Ideale realisiert, aber vor 15 Jahren waren es erst 5% und vor der Islamischen Revolution herrschte über das Land solch eine Marionette der Westlichen Welt, wie in vielen anderen Ländern der Region und Afrikas noch immer! Auch soll hier nicht behauptet werden, dass in der Westlichen Welt keines der islamischen Ideale verwirklicht wäre. Möglicherweise sind heute in der Westlichen Welt sogar 20% der islamischen Ideale verwirklicht (man denke nur – abgesehen von den USA – an das Sozialsystem und die Versorgung von Behinderten), aber gestern waren es hier eben noch 30%; und zu welchem Preis? Die Errungenschaften der Westlichen Welt sind ja NIE mit den Mitteln aufgebaut worden, die man selbst erwirtschaftet hat, sondern stets mit Mitteln, deren Zinsen die noch nicht einmal geborenen Urenkel bezahlen müssen. Allein dieser Systemfehler, wie auch die Verdeutlichung, dass das materialistische Weltsystem eben nicht alle Bedürfnisse des Menschen befriedigen kann, ist eine Errungenschaft der Islamischen Revolution.

Vor 30 Jahren dachte der absolut überwiegende Teil der gesamten Menschheit, dass von der westlichen Welt – bei aller Kritik und bei allen Schwächen – letztendlich Demokratie und Menschenrechte ausgehen würden. Die Islamische Revolution hat diese Lügenmaske so vieler westlicher Herrscher heruntergerissen. Heute glauben nicht einmal mehr die eigenen Bürger der Westlichen Welt, dass jene Legende gültig wäre.

Auch die anderen Religionen konnten sehr stark von der Islamischen Revolution profitieren. Auf der einen Seite stand die Rückbesinnung auf geistige Werte, die insbesondere bei Christen in der Region zu beobachten ist. Auf der anderen Seite stand die Demaskierung von heuchlerischen Gottesvertretern, die nur dadurch möglich wurde, da aufrichtige Geistliche in allen Bereichen wirkten und die “verbeamteten“ Geistlichen ablösen! Wenn heute hohe Herren in der katholischen Kirche auftreten und behaupten, dass die Leugnung eines geschichtlichen Ereignisses der Gottesleugnung gleich käme, dann ist das eine “Befreiung“ für alle, die sich von solchen heuchlerischen Thesen haben jahrelang in die Irre führen lassen, denn ihre Falschheit ist so offensichtlich, dass der Propagandist selbst kaum daran glauben kann. Am meisten – unter Nichtmuslimen – dürfte das Judentum von der Islamischen Revolution profitiert haben, denn es hat die Chance erhalten, sich von Israels Vereinnahmung zu emanzipieren. Und diese Chance nutzen immer mehr Juden.

Zweifelsohne haben aber Muslime selbst am meisten von der Islamischen Revolution profitiert, haben sie doch die Inhalte ihrer Religion in ganz neuem Licht lernen und verstehen gelernt. Während die Westliche Welt diesen Teil der Revolution, der eigentlich den erheblich größeren Teil ausmacht, fast überhaupt nicht wahrgenommen hat, wirkte er doch unter Muslimen am intensivsten. Aus 1400 Jahre lang zumeist inhaltlosen Gebeten und Hungern an Fastentagen, wurde ein inhaltvolles Gebet so vieler Millionen Menschen und ein wirklich befreiendes Fasten.

30 Jahre Islamische Republik Iran ist der Anfang einer weltweit wirkenden kulturellen und geistigen Befreiungsbewegung, die eines Tages im Rückblick selbst die französische Revolution in den Schatten stellen wird. Das Symbol dieser Islamischen Revolution ist eine Tulpe. Sie findet sich im Emblem der neuen Flagge, die das Glaubensbekenntnis in sich birgt, dass die Befreiung von allen Gottheiten der irdischen Welt zum Ziel hat. Solch eine Befreiungsidee kann auch helfen, westliche Gesellschaften von den Zwängen zu befreien, die zur eigenen Krise geführt haben.

Die Geschichte der Region und der letzten 30 Jahre hat es mehr als verdeutlicht. Von der Islamischen Revolution im Iran geht Freiheit für die ganze Menschheit aus, denn sie wollen den so wichtigen Wert “Freiheit“ auf den ebenfalls wichtigen Werten “Gerechtigkeit“ und “Frieden“ aufbauen. Es ist kein Wunder, dass so mancher Mächtiger dieser Welt sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Wunsch nach Gerechtigkeit sträubt, würde sie doch auch zu seiner oder ihrer Verurteilung führen.

Dem Bundesbürger kann in dieser Situation nur empfohlen werden, nicht den Fehler zu machen, den die Hofberichterstattung ihnen aufzwingen will. Beurteilen sie das System erst, wenn sie die Originalschriften der wahren Vertreter gelesen haben (es gibt sie inzwischen auch in deutscher Übersetzung), nicht aber aufgrund der Beschreibung derjenigen, die Gerechtigkeit in der Politik hassen.

 

 

Arbeitsauftrag

Vergleichen Sie die Kommentare:
  1. Welches Ereignis, welche Entwicklung, welche Folge wird ins Zentrum gerückt?
  2. Wird die Revolution in der Summe positiv oder negativ bewertet?
  3. Wird Ayatollah Khomeini irgendwie bewertet? wie?
  4. Wer wollte die Revolution? Warum? Sind die Erwartungen erfüllt worden?
  5. Wie wird die Herrschaft des Schah bewertet? Warum?
  6. Wie wird das System der Mullahs und der islamische Fundamentalismus bewertet?
  7. Ist die Entwicklung in Persien/Iran irgendwie positiv zu sehen?