virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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Zwangsarbeit und Ausbeutung von Kriegsgefangenen und KZ-Insassen


Wirtschaftspolitik

 
Die Wirtschaft, die Hitler an die Macht bringt, profitiert von der NS-Wirtschaftspolitik, der Ausschaltung der Gewerkschaften, den gedrückten Löhnen und der Aufrüstung. Auch während des Krieges profitieren diejenigen, die Hitler unterstütz haben durch Privilegien in den besetzten Gebieten, durch Zwangsarbeiterzuweisungen, durch KZ-Arbeiterzuweisungen und durch Staatsaufträge. Je näher ein Unternehmer am System steht, desto höher ist sein Profit durch die Arisierung deutscher Unternehmen (Juden mussten gegen Trinkgelder ihre Unternehmen und Aktien hergeben) und die Ausplünderung Europas während des Kriegs.
   

Deutschland litt mit Kriegsbeginn unter einem Arbeitskräftemangel. Hitler wollte aus ideologischen Gründen (Frau an den Herd) nicht wie im 1. Weltkrieg die Frauen für die Rüstung mobilisieren. So wurde Arbeitskräfte zuerst bei Bündnispartner (Italien, Slowakei, Ungarn) angeworben, dann in den besetzten Gebieten (Norwegen, Dänemark, Holland, Frankreich). Dies reichte bei weitem nicht aus. Nach dem deutschen Überfall auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden in den besetzten Gebieten Arbeitskräfte für die deutsche Kriegswirtschaft zwangsrekrutiert. Im Sommer 1940 waren über eine Million Polen in Deutschland beschäftigt. Hatte man vor dem "Polenfeldzug" nur eine zeitlich begrenzte Heranziehung von Zivilisten und Kriegsgefangenen als Arbeitskräfte geplant, so war der Einsatz sogenannter Fremdarbeiter in großem Umfang spätestens nach der im Krieg gegen die Sowjetunion gescheiterten Offensive vor Moskau Ende 1941 für die deutsche Kriegswirtschaft unerlässlich. Da der Versuch, Arbeitskräfte aus der besetzten Sowjetunion als Freiwillige anzuwerben, fast gänzlich gescheitert war, schritt man auch hier zur Zwangsrekrutierung. "Ostarbeiter" aus der Sowjetunion und polnische Arbeiter mussten auf ihrer Kleidung die Aufnäher "OST" beziehungsweise "P" tragen. Die Zwangsarbeiter wurde bei Razzien in Städten von der Straße zusammengefangen und nach Deutschland verschleppt.

Ende 1944 arbeiteten mehr als 7,5 Millionen ausländische Arbeitskräfte, davon ein Drittel Frauen, für geringe Bezahlung oder meist ohne Lohn in fast allen Bereichen der deutschen Wirtschaft. Nur so konnte die NS-Führung der deutschen Bevölkerung bis Kriegsende einen relativ hohen Lebensstandard sichern und den massenhaften Einsatz von deutschen Frauen in der Wirtschaft lange vermeiden. Auch die Landwirtschaft erhielt diese Zwangsarbeiter zugewiesen, damit nicht wie im 1. Weltkrieg die Lebensmittelproduktion absackte. Praktisch jeder Bauer hatte Zwangsarbeiter als Knechte und Mägde. Ohne den Arbeitseinsatz von Millionen Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und Häftlingen aus den Konzentrationslagern (KZ) wäre die Weiterführung des Kriegs für das Deutsche Reich spätestens ab 1942 nicht möglich gewesen. Während der Kriegsjahre wurden Zehntausende KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen beim Bau unterirdischer Fabrikanlagen und in der Rüstungsproduktion eingesetzt. Aber auch in den besetzten Gebieten mussten Hunderttausende von Menschen Zwangsarbeit für die deutschen Besatzer leisten. Organisatorisch zuständig für die Rekrutierung und Verteilung von Zwangsarbeitern in Deutschland und den besetzten Gebieten waren Arbeitsverwaltung, Schutzstaffel (SS), Wehrmacht und zivile Besatzungsbehörden. Von der Zwangsarbeit profitierten Reichsbehörden sowie öffentliche und private Unternehmen gleichermaßen. Die SS wurde von Unternehmen für die Zwangsarbeiter bezahlt. Diese erhielten selbst keinen Lohn. Das SS-System konnte durch die Zwangsarbeiter Profite erwirtschaften und sich so zu einem selbstständigen Unternehmen entwickeln.

Die Beschäftigung ausländischer Arbeiter in Deutschland, die etwa aus der Sowjetunion oder aus Polen kamen, stand im Widerspruch zur NS-Rassenideologie; einige Vertreter der SS und der NSDAP wandten sich gegen die Rekrutierung von "Fremdvölkischen" und Juden. Allerdings profitierten SS und Wehrmacht vom Einsatz der Zwangsarbeiter(s. oben Lohnzahlungen der Unternehmen an die SS). Angesichts der kriegsbedingten Notwendigkeit des Einsatzes von Zwangsarbeitern wurde eine umfassende Reglementierung ihrer Lebensbedingungen durchgesetzt. Ausländische Arbeitskräfte sollten von der deutschen Bevölkerung getrennt leben. Öffentliche Einrichtungen wie Kinos oder Schwimmbäder blieben ihnen verschlossen. Die meisten Zwangsarbeiter lebten in Lagern, von denen in Deutschland rund 30.000 existierten und in denen je nach Verpflichtungsart und Herkunft der Arbeitskräfte unterschiedlichste Bedingungen herrschten. Je tiefer "Fremdarbeiter" in der NS-Rassenlehre angesiedelt waren, desto schlechter waren ihre Lebensbedingungen. Behandlung, Unterbringung, Art der Beschäftigung, Lebensmittelrationen und Löhne nord- und westeuropäischer Arbeiter lagen weit über denen der "Ostarbeiter". Die Verpflegungsrationen der freiwilligen Westeuropäer erreichten in etwa diejenigen der Deutschen. Ungenügende Ernährung und Misshandlung durch deutsche Vorarbeiter gehörten für die Mehrzahl der osteuropäischen Zwangsarbeiter vor allem in Städten zum Alltag, viele von ihnen gingen an den Arbeitsbedingungen zugrunde. In Dörfern griffen die gegen Zwangsarbeiter gerichteten Maßgaben und Regeln nicht immer. Mobilität und Freizügigkeit waren auf dem Lande, wo etwa die Hälfte aller Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft arbeiteten und häufig in den Familien integriert waren, ausgeprägter. Nach 1945 kam es vielfältig zu Racheaktionen der geschundenen Zwangsarbeiter in den Dörfern gegen ihre Peiniger.

Dabei sollten sexuelle Kontakte verhindert werden, vor allem zwischen den "fremdvölkischen Untermenschen" und Deutschen. Für "Ostarbeiter" und für Polen aber auch für Deutsche zog in der Regel schon der Verdacht auf Geschlechtsverkehr harte Strafen bis hin zur Hinrichtung nach sich. Zur Vermeidung sexueller Kontakte bestimmte im Dezember 1941 das Zentralbüro der Deutschen Arbeitsfront (DAF) die Einrichtung von Bordellen für "fremdvölkische Arbeiter", in denen ausschließlich ausländische Prostituierte arbeiteten.

Referat sehr nahe an der Quelle des dhm.lemo

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