virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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Geschichte Nicaraguas

1502

Christoph Kolumbus erreicht Nicaragua auf seiner vierten und letzten Reise. Das Gebiet gehört der spanischen Krone und wird von Mexiko aus verwaltet.  

1821

Nach der Unabhängigkeit von Spanien gehört Nicaragua kurzzeitig zu Mexiko, ab 1823 dann mit Guatemala, Honduras, El Salvador und Costa Rica zur Zentralamerikanischen Föderation. 1839 wird Nicaragua souveräner Staat.  

1849

Die USA erhalten das ausschließliche Recht zum Bau eines Kanals zwischen Atlantik und Pazifik durch Nicaragua. Die natürliche, jedoch unvollständige Verbindung zwischen den beiden Ozeanen läuft von Ost nach West über den Río San Juan del Norte an der südlichen Atlantikküste Nicaraguas durch den Nicaraguasee bis zum Hafen La Virgen, von dem aus die letzten 16 km bis zum Pazifikhafen San Juan del Sur im Südwesten des Landes mit der Postkutsche zurückgelegt werden. Diese Route wird während des Goldrausches in den USA zu einer der wichtigsten Ost-West-Transitstrecken. In diesem Zusammenhang wird Nicaragua Interessengebiet der USA. 1855 landet William Walker mit einer Söldnertruppe in Nicaragua und wird ein Jahr später mit der Unterstützung der USA zum Präsidenten Nicaraguas. Damit sind die Interessen der USA gewahrt. Allerdings helfen alle zentralamerikanischen Staaten zusammen Walker abzusetzen.

1859 - 93

Nicaragua wird präsidial regiert. In dieser Zeit herrschen die Großgrundbesitzer gemeinsam als Oligarchie über das Land.
Es bildet sich aber immer mehr Widerstand gegen die Kanalbaupläne der USA. José Santos Zelaya beschränkt das Recht der USA zum Kanalbau, worauf diese endgültig wie Lesseps auf einen Kanalbau in Panama umschwenken.
 

1912 - 33

Nicaragua ist von US-Truppen besetzt. Gegen diese erhebt sich General Sandino ab 1927 in einem Guerillakrieg (ermordet 1934). Die USA bauen eine Nationalgarde als Armee Nicaraguas auf. Oberbefehlshaber wird Anasatasio Somoza García, der die Macht übernimmt. 1933 ziehen sich die USA zurück. Die Familie Somoza beherrscht bis 1979 das Land diktatorisch. Sandino

1956

Anastasio Somoza wird ermordet. Sein Sohn Luis Somoza Debayle wird Präsident, dessen jüngerer Bruder Anastasio Somoza Debayle übernimmt die Leitung der Guardia Nacional.
Somoza

1961

Carlos Fonseca Amador gründet die „Frente Sandinista de Liberación Nacional“ ( = Sandinistische Front zur Nationalen Befreiung).

1967 - 79

Anastasio Somoza Debayle regiert als Präsident diktatorisch. Er ist der Repräsentant der Großgrundbesitzer, der entstehenden Industrie und der ausländischen Unternehmen, der deren Interessen gegen kubanische und sozialistische Tendenzen schützt. Die USA decken diese Diktatur, weil sie in ihr einen antikommunistischen Verbündeten im Kalten Krieg sehen. Fast 40000 Menschen werden während der Somozadiktatur ermordet.

1979

Verhandlungen über eine friedliche Lösung des Konflikts scheitern. Die gegründete Regierung des nationalen Wiederaufbaus (darunter Violeta Chamorro, Daniel Ortega, Sergio Ramírez...) verlangt den Rücktritt Somozas und weigert sich mehrheitlich, den Antrag der Vereinten Nationen zu unterstützen, eine Friedenstruppe nach Nicaragua zu schicken. Am 17.Juli verlässt Anastasio Somoza das Land. Die Guardia Nacional desertiert. Am 19. Juli erreichen die sandinistischen Kräfte siegreich Managua und übernehmen die Kontrolle über das Land.
Zu den ersten Maßnahmen der neuen Regierung gehören die Enteignung des Besitzes der Familie Somoza, die Verstaatlichung der Banken und Minen, die Abschaffung der Todesstrafe, die Garantie der Meinungsfreiheit, umfangreiche Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen und eine Agrarreform zu Gunsten landloser Bauern.
 

1980

Diktator Somoza wird im Exil in Paraguay ermordet. In den USA wird Ronald Reagan Präsident.
 
 

1982 - 90

Beginn des bewaffneten Widerstandes der so genannten. Contras aus Honduras und Costa Rica gegen die sandinistische Regierung. Diese Contras werden durch die USA massiv unterstütz, da man in den Sandinstas Kommunisten vermutet.  Reagan beschafft illegal ohne das Parlament zu fragen Gelder aus Waffengeschäften mit dem Iran. Diese Gelder werden zum Sturz einer fremden Regierung in Nicaragua eingesetzt, was einen Verstoß gegen die UN-Charta darstellt. 1984  vermint die CIA die wichtigsten Häfen Nicaraguas. Die Bundesrepublik Deutschland friert bereits zugesagte Entwicklungshilfe für Nicaragua ein. Aus den nationalen Wahlen geht aber die FSLN als überlegene Siegerin hervor. Präsident wird Daniel Ortega. Allerdimgs kann das Alphabetisierungsprogramm, die Gesundheitsfürsorge und andere soziale Programme aus Geldmangel kaum greifen. 1985 verhängt Ronald Reagan zusätzlich eine Wirtschaftsblockade gegen Nicaragua. Allerdings schaft es Kultusminister Ernesto Cardenal das Land mit Schulen zu überziehen. Das Land gleitet ins wirtschaftliche Chaos ab. Inflation und extreme Energiepreise lösen eine Hungersnot aus.
Oliver North organisiert für Reagan das Waffengeschäft. Er und der CIA sind auch in Rauschgiftgeschäfte General Noriegas von Panama zur Geldbeschaffung verstrickt. North wird in den USA von einem Gericht verurteilt.

1989

Beginn von Waffenstillstandsgesprächen. Mit dem Untergang des Ostblocks und der Demokratisierung dieser Staaten, will die USA den Krieg in Nicaragua beenden. George Bush sen. stellt die Hilfe für die Contras ein.  

1990

Überraschender Wahlsieg eines aus 14 Parteien bestehenden heterogenen Bündnisses, der UNO. Präsidentin wird Violeta Barrios de Chamorro. Damit erfolgt eine Abwahl der Sandinistas. Die FSLN bleibt mit knapp über 40% aber stärkste Einzelpartei. Beginn der Entwaffnung der Contras.  

1995

Wahl des Liberalen Arnoldo Alemán zum Präsidenten. In seiner Regierungszeit werden mit erheblicher Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft deutliche Fortschritte beim Wiederaufbau des Landes erzielt. Gleichzeitig nimmt aber die Korruption zu. Die Sandinistische Befreiungsfront ist unter Führung Daniel Ortegas zur größten Oppositionspartei geworden. Die Regierungen, die auf die Revolution folgen, wenden neoliberale Wirtschaftskonzepte an, die den Handel und die Infrastruktur des Landes zu Gunsten der Mittel- und Oberschicht verbessern. Auch wenn das Ende des Krieges eine gewisse politische Stabilität und größere demokratische Freiheiten bringen, unterzeichnen die sandinistische Befreiungsfront und die liberale Partei aus wahltaktischen Gründen einen Pakt, der dem Land ein Zwei-Parteien-System aufzwingen soll.  

2001

Der Liberale Enrique Bolaños Geyer wird zum Präsidenten gewählt. Er nimmt mit Unterstützung der internationalen Gebergemeinschaft den Kampf gegen die Korruption auf.  

2003

Die Immunität Alemans wird aufgehoben. Er wird wegen massiver Korruption inhaftiert und verurteilt.  

2007

 

Daniel Ortega Saavedra wird zum zweiten Mal (nach 1985) Präsident Nicaraguas. Seine Regierung der Nationalen Versöhnung und Einheit tritt dem von Venezuela initiierten Staatenbündnis "Alternativa Bolivariana para las Américas" (Bolivarianische Alternative für die Amerikas, ALBA) bei, aus dem sie erhebliche finanzielle und materielle Unterstützung zur Durchführung sozialer und wirtschaftlicher Programme erhält.

Schulbesuch und Gesundheitswesen werden für die Bevölkerung wieder kostenfrei, Programme wie "Hambre Cero" (Null Hunger) und "Usura Cero" (Null Wucher) kommen den armen Bevölkerungsschichten zugute.

 

2008

Die Alphabetisierungskampagne "Yo sí puedo" (Ich kann's doch) senkt die Analphabetenrate auf einen historischen Tiefststand von unter 8%. Bis Mitte 2009 will Nicaragua sich als analphabetenfreies Territorium deklarieren können. Die Kommunalwahlen im November gewinnt die FSLN-Allianz deutlich. Die Opposition, vor allem die PLC, spricht noch am Wahlabend von massivem Betrug. Es kommt über Wochen zu erheblichen Unruhen vor allem in Managua und zu einem parlamentarischen Boykott durch die PLC, die so die Verabschiedung des Haushalts für 2009 verhindert. Zahlreiche Geberländer, darunter die gesamte EU, frieren aufgrund des Vorwurfs des Wahlbetrugs und intransparenter Regierungsführung ihre finanziellen Hilfen für den nicaraguanischen Haushalt ein.

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