virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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1919 - 1933

Wahlergebnisse und Wahlanalysen zur Weimarer Republik

Ergebnisse der Zentrumspartei

1919 - 1933

   
       
Wahlergebnisse linkes Spektrum:
SPD - KPD und Addition in Deutschland
Wahl SPD USPD KPD Gesamt
37,9
 
7,6
 

 
45,5
 
21,7
 
17,9
 
2,1
 
41,7
 
20,5
 

 
12,6
 
33,1
 
26,0
 

 
9,0
 
35,0
 
29,8
 

 
10,6
 
40,4
 
24,5
 

 
13,1
 
37,6
 
21,6
 

 
14,3
 
35,9
 
20,4
 

 
16,9
 
37,3
 

 

 
Wahlergebnisse linkes Spektrum:
SPD - KPD und Addition in Berlin

Wahlen in Groß-Berlin 1919-1932

(in Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen)

 

Parlament / Jahr SPD USPD KPD Gesamt
36,4 27,6   64,0
31,7 33,0   64,7
17,5 42,7 1,3 61,5
17,2 38,5   55,7
20,5 19,1 9,5 49,1
21,8   20,6 42,2
32,5   19,2 51,7
32,6 0,8 18,7 52,1
34,0   29,6 63,6
28,4 0,2 24,6 53,2
28,0   33,0 61,0
27,9   33,4 61,3
23,8   37,7 61,5

Quelle: Jürgen Falter u.a.: Wahlen und Abstimmungen in der Weimarer Republik. Materialien zum Wahlverhalten 1919-1933, München 1986

 

 
Wahlergebnisse Entwicklung im Überblick: Quelle Wikipedia

 

 

weitere graphische Darstellung nach Wahlbezirken
http://www.wahlen-in-deutschland.de/

   
Die Parteien der Weimarer Republik

Quelle: Deutscher Bundestag

Die Parteien der Weimarer Republik 

 
Die Deutsch-Nationale Volkspartei (DNVP) als Repräsentanz des konservativ-monarchistischen Lagers bekämpfte
das demokratische System und die mit dem Versailler Vertrag etablierte internationale Ordnung. Die
DNVP vertrat die wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen der ostelbischen Großagrarier und der Großindustrie.
Nach anfänglicher begrenzter Kooperation radikalisierte sie sich unter dem Einfluss ihres Vorsitzenden
Hugenberg, der ihre republikfeindliche und antisemitische Ausrichtung forcierte und durch Zusammenarbeit mit
der NSDAP (Harzburger Front) Hitler in rechtsbürgerlichen Kreisen erst hoffähig machte. Die Koalitionsregierung
der DNVP mit der NSDAP unter Hitlers Kanzlerschaft im Januar 1933 markiert das Ende des demokratischen
Parteienstaats und den Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.  Mitglieder
 
Die Deutsche Demokratische Partei (DDP), aus der Fortschrittlichen Volkspartei (FVP) und dem linken Flügel
der Nationalliberalen hervorgegangen, stand auf dem Boden der demokratischen Ordnung und nahm großen
Einfluss auf die Gestaltung der Weimarer Verfassung. Die in Bildungsbürgertum und Mittelstand verankerte
Partei forderte die strikte Trennung von Staat und Kirche, eine Begrenzung des staatlichen Einflusses auf die
Wirtschaft sowie die Abschaffung wirtschaftlicher Monopole und strebte einen Ausgleich zwischen Kapital- und
Arbeiterinteressen an. Die DDP befürwortete die Bildung eines Völkerbunds. In der Nationalversammlung
1919/20 bildete sie mit SPD und Zentrum die Regierung der Weimarer Koalition und war bis 1932 an fast allen
Reichsregierungen beteiligt. Die Bereitschaft zu unpopulären Kompromisslösungen zahlte sich für die DDP
nicht aus. Nach dem Gewinn von fast einem Fünftel der Wählerstimmen (17,3%) 1919 verlor sie rapide an Zustimmung
und rangierte – trotz der Vereinigung mit dem Jungdeutschen Orden zur Deutschen Staatspartei - seit
den 30er-Jahren mit einem Anteil von ca. 1% der Stimmen nur noch auf dem Niveau einer unbedeutenden Splitterpartei.
 
Die Deutsche Volkspartei (DVP), aus dem rechten Flügel der Nationalliberalen und Teilen der FVP gebildet,
stand dem neuen Staat indifferent bis ablehnend gegenüber. Als Partei der Schwerindustrie vertrat sie vornehmlich
die Interessen des Großbürgertums und des gewerblichen Mittelstands. Politisch noch stark der Gedankenwelt
des Obrigkeitsstaats verhaftet, befürwortete die DVP den Aufbau einer starken Zentralgewalt. Außenpolitisch
strebte sie eine Revision des Versailler Vertrags an. Unter dem Vorsitz Stresemanns arrangierte sich die
Partei mit dem demokratischen System und schwenkte auf einen Kurs der Verständigung mit den Siegermächten
ein. Das Erstarken antiparlamentarischer Kräfte innerhalb der Partei nach Stresemanns Tod und die Annäherung
an die rechts-nationale Opposition konnten den seit 1920 anhaltenden Rückgang der Wählerstimmen von 10%
bei den Reichstagswahlen 1920 auf circa 1% in den dreißiger Jahren nicht verhindern.
 
Die Zentrumspartei (Z) verstand sich als politische Interessenvertreterin der katholischen Bevölkerung. Unter
Führung Matthias Erzbergers bekannte sich das Zentrum zum republikanischen Verfassungsstaat und arbeitete
gemeinsam mit SPD und DDP in der Weimarer Koalition am Aufbau der parlamentarischen Demokratie. Neben
dem Eintreten für die Rechte der katholischen Kirche und den Erhalt der Länder kennzeichnete das Zentrum eine
breite programmatische Vielfalt. Befürwortete der linke Flügel den Ausbau des Sozialstaats und die außenpolitische
Verständigung, so sprach sich der rechte Flügel für eine patriarchalisch-ständestaatlich orientierte Innenund
eine revisionistische, nationalbetonte Außenpolitik aus. Das Zentrum erhielt stets rund 15% der Wählerstimmen,
stellte insgesamt fünf Reichskanzler und war bis 1932 an allen Reichsregierungen beteiligt. 1930 leitete
die Ernennung des Zentrumspolitikers Brüning zum Reichskanzler einer Minderheitsregierung, die nur mit
Unterstützung des Reichspräsidenten ihren Aufgaben nachkommen konnte, von der parlamentarischen Regierungsweise
zur Phase der scheinparlamentarischen Präsidialkabinette über.
 
Die Bayerische Volkspartei (BVP) hatte sich im Konflikt über die Haltung zum parlamentarischen System vom
Zentrum abgespalten und als konservativ-klerikale Regionalpartei mit reichsweitem Betätigungsfeld etabliert.
Die partikularistisch ausgerichtete Partei war die dominierende politische Kraft in Bayern. Auf Reichsebene
strebte sie rechtsbürgerliche Koalitionen unter Ausschluss der SPD an. Seit 1930 sprach sich die BVP für die
Regierungsbeteiligung der NSDAP aus.
 
Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) setzte sich ungeachtet heftiger interner Konflikte in der
Revolutionsphase für die Aufrechterhaltung der staatlichen Ordnung ein. Sie drängte auf baldige Wahlen zur
Nationalversammlung und trat mit 39,9% als stärkste politische Kraft in die Regierung der Weimarer Koalition
unter Ministerpräsident Scheidemann ein. Die SPD, bis 1932 stärkste politische Kraft, stützte und verteidigte
stets die Republik, obwohl sie sich zumeist in der Opposition befand, vom bürgerlichen Lager überwiegend
skeptisch betrachtet wurde und sich wegen ihres vermittelnden Kurses zahlreichen Anfeindungen von Rechts
und Links ausgesetzt sah. Der fortwährende Spagat zwischen pragmatischer Kompromissbereitschaft und staatspolitischer
Verantwortung sowie sozialistischer Programmatik andererseits führte zu internen Konflikten und
einem Wählerrückgang von rund 40% auf unter 20% bei der Wahl 1933. Dabei spielte auch eine Rolle, dass es
der SPD nicht gelungen war, ihre Anhängerschaft über das sozialdemokratische Milieu hinaus auszudehnen.
Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) bildete sich 1917 unter dem Vorsitz von
Hugo Haase aus dem pazifistischen Flügel der SPD nach heftigem Streit über die Haltung zum Krieg. Die von
ihr organisierten Massenstreiks gegen schlechte Lebensmittelversorgung und die Fortführung des Kriegs verschafften
der Partei vor allem in den Teilen der sozialistischen Arbeiterschaft Rückhalt, die der MSPD (Mehrheitssozialdemokratische
Partei Deutschlands) wegen ihrer Zusammenarbeit mit bürgerlichen Parteien „Verrat
am Sozialismus“ vorwarfen. Zwar einigten sich beide Parteien im November 1918 auf eine Zusammenarbeit im
Rat der Volksbeauftragten, aber wegen des gewaltsamen Vorgehens der MSPD gegen linksrevolutionäre Aufstände
verließ die USPD Ende 1918 die Übergangsregierung. Nach Abspaltung des Spartakusbunds und der
Niederlage bei den Nationalversammlungswahlen wurde die marxistisch orientierte Partei 1920 mit 17,9%
zweitstärkste Fraktion. Danach verstrickte sich die USPD zunehmend in interne Kämpfe. Ende 1920 trat ihr
linker Flügel der KPD bei, die verbliebenen Teile vereinigten sich 1922 mit der MSPD.
 
Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) wurde am 30. Dezember 1918 vom Spartakusbund unter
Führung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gegründet. Die in der Bevölkerung anfangs nur schwach
verankerte Partei strebte die Errichtung einer bolschewistischen Rätediktatur nach sowjetischem Vorbild an. Sie
lehnte das parlamentarische System ab und trat zu den Nationalversammlungswahlen nicht an. Stattdessen versuchte
sie, durch Massenstreiks und Protestaktionen Anhänger zu gewinnen und die Demokratie zu bekämpfen.
Durch interne Flügelkämpfe und Abspaltungen geschwächt, erzielte die KPD bei den Reichstagswahlen 1920
lediglich 2,1% der Stimmen. Erst mit dem Übertritt von rund 300.000 Mitgliedern des linken Flügels der USPD
Ende 1920 avancierte die KPD zu einer von Moskau gelenkten Massenpartei, die rund ein Zehntel der Wähler an
sich zu binden vermochte. Die mit der Weltwirtschaftskrise einsetzende Radikalisierung ließ die Partei bei den
Reichstagswahlen seit 1930 zur drittstärksten politischen Kraft aufsteigen. Im Reichstag bildete sie zusammen
mit der NSDAP eine antiparlamentarische Sperrmajorität. Die von der KPD entfesselten Hetzkampagnen gegen
Demokratie und das „herrschende Finanzkapital“ haben wesentlich zum Untergang der Demokratie beigetragen.
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), 1919 gegründet und zunächst im sozial deklassierten
Kleinbürgertum Münchens verankert, suchte insbesondere nach Übertragung des mit diktatorischen
Vollmachten ausgestatten Parteivorsitzes an Adolf Hitler (1921) mit nationalchauvinistischen und antisemitischen
Protest- und Gewaltaktionen gegen den Versailler Vertrag und die Weimarer „Verzichtspolitiker“ (Dolchstoßlegende)
die in völkischen Kreisen verbreitete systemfeindliche Stimmung zu forcieren und das demokratische
System zu unterminieren. Nach dem gescheiterten Putschversuch vom 9. November 1923 („Marsch auf die
Feldherrnhalle“), nach Inhaftierung und Verurteilung Hitlers und zeitweisem Parteiverbot schwenkte die bis
1930 in Wahlen wenig erfolgreiche rechtsextremistische Partei (2,6-6,5%) auf einen pseudo-legalen Kurs ein.
Die Verunsicherung und soziale Verelendung breiter Bevölkerungskreise bot der antisemitischen und antikapitalistischen
Agitation der Nationalsozialisten breiten Raum. 1930 errang die NSDAP mit 18,3% einen erdrutschartigen
Wahlsieg. Als zweitstärkste Reichstagsfraktion mit 102 Sitzen konnte die Partei nicht nur ihren zersetzenden
Einfluss auf die parlamentarische Arbeit steigern, sondern auch ihr Ansehen in rechtsbürgerlichen Kreisen
deutlich vergrößern. Von immer mehr ehemaligen Wählern der konservativen und liberalen Parteien, aber auch
von vielen jungen und Nicht-Wählern wurde die NSDAP als unverbrauchte Kraft wahrgenommen, die mit ihrer
völkisch-rassistischen Gemeinschaftsideologie und ihrem aggressiven außenpolitischen Programm eine Lösung
der wirtschaftlichen und politischen Probleme versprach. Im Herbst 1931 schlossen sich NSDAP, DNVP und
nationalistische Kampfverbände zur „Harzburger Front“ zusammen, um den gemeinsamen Kampf gegen die
parlamentarische Demokratie zu intensivieren. Die von NSDAP und KPD betriebene Destabilisierungspolitik
führte zu einer raschen Abfolge nur vom Reichspräsidenten gestützter Regierungen ohne parlamentarische
Mehrheit und zu wiederholten Neuwahlen. Schließlich erwies sich die nationalsozialistische Machtposition als
so gestärkt, dass Reichspräsident Hindenburg – auch unter dem Druck einflussreicher rechtskonservativer Kreise
– Hitler trotz Verlusten der NSDAP bei den letzten demokratischen Reichstagswahlen zum Reichskanzler einer
Koalitionsregierung aus NSDAP und DNVP ernannte und damit der schwer erschütterten parlamentarischen
Demokratie den Todesstoß versetzte.

 

 
Parteienspektrum

links => rechts

KPD - SPD - DDP - Z - DVP - BVP - DNVP - NSDAP

 
Entwicklung der Parteien
     
Links Zur Parteienlandschaft der Weimarer Republik - Uni Mainz
http://www.politik.uni-mainz.de/cms/Dateien/Handout_Parteiensystem_WR.doc