Ausrufung der Räterepublik in BayernSchülerreferate |
||
| Novemberrevolution 1918 = 1.
Revolution Kurt Eisner war der führende Kopf der Revolution in Bayern, die durch den Matrosenaufstand ausgelöst wurde. Nach einer Massenkundgebung am 7. November 1918 auf der Theresienwiese führte er zusammen mit dem Vertreter des revolutionären Flügels des Bayerischen Bauernbundes einen ständig wachsenden Demonstrationszug durch die Garnisonen Münchens bis zum Stadtzentrum an. Nachdem dieser Demonstrationszug auf fast keinen Widerstand traf, rief Eisner noch in der gleichen Nacht die Republik Bayern als „Freistaat“ aus. Damit erklärte er das Königshaus der Wittelsbacher für abgesetzt. Daraufhin wurde Eisner vom Münchner Arbeiter- und Soldatenrat zum ersten Ministerpräsidenten des „Freistaates Bayerns“ ernannt und er bildete kurz darauf ein Regierungskabinett aus SPD und USPD, indem er auch noch das Amt des Außenministers einnahm. Ludwig III. floh zunächst an den Chiemsee und später nach Österreich. Kurt Eisner lud am 14. November 1918 Gustav Landauer nach München ein um ihn wegen seiner rhetorischen und schriftstellerischen Begabung um Hilfe zu bitten. Landauer sagte zu „durch rednerische Betätigung an der Umbildung der Seelen mit[zu]arbeiten“. Während Eisners Amtszeit als Ministerpräsident war ein wesentlicher Streitpunkt die Frage der Einführung einer parlamentarischen- oder einer Rätedemokratie. Eisner stand für eine Zwischenlösung, in der die Räte eine beratende und kontrollierende Instanz gegenüber einem noch zu wählenden Parlament spielen sollten, er wollte ihnen aber auf längere Sicht keine legislative oder exekutive Gewalt zusprechen. „Die Revolution ist nicht die Demokratie. Sie schafft erst die Demokratie.“ (Kurt Eisner) Von der revolutionären Linken (KPD) wurde Druck auf die instabile Regierung aus SPD und USPD ausgeübt. Am 7. Januar 1919 gab es den Versuch von 4000 Arbeitslosen das Sozialministerium in München zu besetzten. Nach der Zerschlagung dieses Versuches durch die Polizei, ließ Eisner führende KPD-Mitglieder und Anhänger des Revolutionären Arbeiterrates als Hintermänner kurzfristig verhaften. Nach diesen Ereignissen rief die KPD zum Boykott der Landtagswahlen auf. Denn Kurt Eisner trat in den Augen der radikalen Linken zu unentschlossen gegenüber der SPD-Übermacht in der Regierung auf. Bei den Landtagswahlen am 12.1.1919 verlor die USPD insbesondere in der Landbevölkerung viele Stimmen und brachte es daraufhin nur noch auf 2,5% der Stimmen, die BVP zusammen mit den rechtsnationalistischen Kreise, die eine auf die Person Eisners ausgerichtete Kampagne gegen die „jüdisch-bolschewistische“ Revolution in München ausgelöst hatten, kamen auf 35%. Durch diese Niederlage sah sich Kurt Eisner zum Rücktritt gezwungen. Die Wahl im Januar 1919 und die 2. Revolution Nach der Auszehrung durch den Ersten Weltkrieg, und auch unter dem fernen Eindruck der Geschehnisse in Russland, kommt es in einigen deutschen Städten zu Revolutionen und Rätesystemen. München spielt dabei eine besondere Rolle. Am 4. Januar wurde ein vorläufiges Staatsgrundgesetz beschlossen. Es basierte auf der parlamentarischen Demokratie und enthielt keine Elemente des Rätesystems. Auf Druck der SPD fanden am 12. Januar 1919 Wahlen zu einem verfassungsgebenden Landtag statt, die von der KPD und ihren Anhängern sowie von Anarchisten boykottiert wurden. Bei diesen Wahlen galt erstmals das Verhältniswahlrecht und das Wahlrecht für Frauen. Die Verlierer der Wahl waren mit dem Bayerischen Bauernbund (9 %) und der USPD (2,5 %) die Parteien der Revolution. Gewinner waren die Bayerische Volkspartei, die Nachfolgepartei des Bayerischen Zentrums (35 %) und die SPD (33 %).Die Deutsche Volkspartei (DVP) bzw. Deutsche Demokratische Partei (DDP) erhielten zusammen 14 %, die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) zusammen mit der pfälzischen Mittelpartei 6 %. Eine erneute Großdemonstration auf der Theresienwiese, auf der die Ausrufung eines Rätesystems gefordert wurde, fand statt. Eisner wurde am 21. Februar auf dem Weg zur konstituierenden Sitzung des Landtags, wo er den Rücktritt seines Kabinetts anbieten wollte, vom rechtsradikalen Anton Graf von Arco auf Valley ermordet. Eisner hatte sich die politische Rechte nicht nur aufgrund seiner politisch-ideologischen Grundhaltung, seiner Anerkennung der deutschen Kriegsschuld und seines Versuchs, die Sozialistische Internationale wieder zu beleben, zum Feind gemacht, sondern auch vor dem Hintergrund seiner jüdischen Herkunft oder als „Preuße“, was die vom verbreiteten Antisemitismus und nationalistischen Chauvinismus der (nicht nur) bayerischen Rechten genährten Vorurteile besonders angeheizt hatte. Dass er nicht nur Feinde hatte, kann man an der Teilnahme von ca. 100.000 Menschen bei seiner Beisetzung erkennen[5]. Ein Mitglied des Revolutionären Arbeiterrats (RAR), der Metzger Alois Lindner, erschoss zwei Stunden nach dem Attentat auf Eisner in einem spontanen Akt der Rache von der Zuschauertribüne des Landtags aus zwei konservative Abgeordnete und verletzte Erhard Auer schwer. Als Reaktion vertagte sich der Landtag. Auer und der niedergeschossene Graf von Arco auf Valley wurden vom berühmten Arzt Ferdinand Sauerbruch behandelt. Nach einem Aufruf der USPD kam es zum Generalstreik. Die Macht übernahm nun der „Zentralrat der Bayerischen Republik“ unter Ernst Niekisch (SPD, später USPD). Über München wurde der Belagerungszustand verhängt. Am 25. Februar lehnte der elfköpfige Bayerische Rätekongress aus Mitgliedern von USPD, SPD und KPD den Antrag von Erich Mühsam, die Räterepublik auszurufen, zunächst noch ab. Die bürgerliche Presse wurde zensiert, es kam zu einer Radikalisierung der bisher eher unblutigen Revolution und zu einer zunehmenden Verschärfung der Auseinandersetzung zwischen Vertretern des Rätesystems einerseits und des Parlamentarismus andererseits. Nach der Ermordung Eisners durch den rechtskonservativen Grafen von Arco auf Valley übernahm ein neu gebildeter Zentralrat der Bayerischen Republik aus USPD- und KPD-Anhängern die politische Macht. Nach Wochen des Chaos wurde zunächst eine Regierung aus MSPD und USPD unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann (MSPD) gebildet. Diese Regierung befand sich jedoch in völliger Abhängigkeit vom Zentralrat, dessen USPD-Mitglieder am 7.4.1919 die Räterepublik ausriefen und den Rücktritt der Regierung Hoffmann sowie die Auflösung des Landtages bekanntgaben. Die zugrunde liegende Quelle ist ein Flugblatt, das vom revolutionären Zentralrat sowie dem revolutionären Soldatenrat am 7.4.1919 herausgegeben wurde. Es proklamiert die Räterepublik in "Baiern". Hintergrund der Revolution ist die zu diesem Zeitpunkt ungeklärte Frage des zukünftigen Systems: Während sich die MSPD für den Parlamentarismus einsetzt, befürworten die kommunistischen Parteien das Rätesystem. Das Flugblatt beginnt mit einer (idealisierten) Situationsbeschreibung. Anschließend werden, zunächst allgemein, die Ziele des Regimes dargestellt. Es folgt eine Vorstellung des Rätesystems und seiner Vorzüge gegenüber dem Parlamentarismus sowie die Ankündigung „Die Presse wird sozialisiert." Im nächsten Abschnitt werden die Maßnahmen zum Schutz der Räterepublik bekannt gegeben. Daraufhin wird die Parallele zum russischen und zum ungarischen Volk betont und der 7. April (Ausgabetag) zum Nationalfeiertag erklärt. Die Proklamation endet mit dem Satz „Es lebe die Weltrevolution!". Die Proklamation beinhaltet die Vorstellungen des revolutionären Zentralrates:
Außerdem werden Anweisungen für den Nationalfeiertag (7.April) gegeben. Die Räterepublik wurde gestützt von der USPD, Anarchisten, Teilen der MSPD sowie der KPD. Folglich ist auch die Quelle mit einer sozialistisch-kommunistischen Ideologie behaftet. Dieses ist z.B. an typisch kommunistischen Begriffen wie „Diktatur des Proletariats" oder der extremen Abneigung gegen den Parlamentarismus erkennbar. Die Aussagen der Quelle sind nur bedingt richtig und oftmals stark idealisiert. So wird z.B. von der Einigkeit der Arbeiter- und Bauernschaft gesprochen; das Gegenteil war der Fall, in Bayern tobte ein Bürgerkrieg. Zur Relevanz der Quelle ist zu sagen, daß sich die Räterepublik in Bayern nicht lange halten konnte. Bereits 6 Tage nach dieser Proklamation übernahmen die Kommunisten die alleinige Macht. Die nach Bamberg geflohene bayerische Regierung bat die Reichsregierung um Unterstützung. Anfang Mai, also nur einen Monat nach Ausrufung der Räterepublik, nahmen Reichskontingente und Freikorps zusammen mit bayerischen Truppen München nach schweren Gefechten ein. Damit war in Bayern der Versuch einer Räterepublik endgültig gescheitert. Die Quelle ist also nur für einen äußerst kurzen Teil der bayerischen Geschichte relevant. verwendete Literatur: Treml, M. : Oldenbourg Geschichte für Gymnasien 12. – Oldenbourg Verlag, München, 1994 Hirschfelder, H; Maier, L.; Nutzinger, W.; Pfändtner, B.; Schell, R.: Buchners Kolleg Geschichte - Ausgabe B Reich – Republik – Diktatur. – C:C: Buchners Verlag, Bamberg, 1993 Berg, R.; Selbmann, R.: Grundkurs Deutsche Geschichte 2 – 1918 bis zur Gegenwart. – Cornelsen Verlag Hirschgraben, Frankfurt a. M., 1988² Harenberg Kompaktlexikon in 3 Bänden. – Harenberg Lexikon Verlag, Dortmund, 1996
|