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virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen
Louise-Schroeder-Gymnasium in München
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Europa im Zeitalter des Imperialismus |
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Die imperialistische Politik der europäischen Mächte hatte auch ihre Rückwirkung auf das Verhältnis der Staaten in Europa zueinander. Misstrauen, Spannungen, Krisen und Konflikte gewinnen zunehmend an Schärfe und finden im Ausbruch des 1. Weltkriegs ihren Höhepunkt. |
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| 1890 | Nach Bismarcks Entlassung leitet Kaiser Wilhelm II. durch
die Nichterneuerung des Rückversicherungsvertrags mit Russland einen »Neuen Kurs« der deutschen Außenpolitik
ein. Er und sein, Berater Baron von Holstein lehnen das
Bismarcksche Bündnissystem (S.•) als zu kompliziert und
unehrlich gegenüber dem Zweibundpartner Österreich ab. Stattdessen wollen
sie sich England zuwenden. Durch einen Tausch Sansibars (Ostafrika) gegen Helgoland wird die
Annäherung eingeleitet. Die Abwendung von Russland
führt dazu, dass die bereits bestehenden wirtschaftlichen Beziehungen Russlands zu Frankreich |
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| 1892 | durch eine russisch-französische Militärkonvention erweitert werden. Beide Partner versprechen sich gegenseitig Hilfe beim Angriff einer der Dreibundmächte. Die Gefahr eines 2-Fronten-Kriegs für Deutschland taucht erneut auf. | |
| 1896 | Die 1. Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen sollen einen Beitrag zur Völkerverständigung und Friedenssicherung liefern. | |
| 1898 | Die Faschoda-Krise
=>zwischen England und Frankreich löst eine akute Kriegsgefahr aus,
die durch das Zurückweichen Frankreichs beendet wird. Wilhelm II. bringt durch den Staatssekretär im Marineamt Admiral Alfred von Tirpitz (1849-1930) das 1. Flottengesetz ein. Es sieht den Aufbau einer starken deutschen Kriegsflotte vor. Sie soll Symbol der Weltmachtstellung Deutschlands sein und Gegner vor einem Angriff abschrecken (Risikoflotte). England empfindet sie als Bedrohung seiner Seemachtstellung und des Two-powers-standard (Größe der englischen Flotte soll der Größe der beiden nächstfolgenden Seemächte entsprechen). |
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| 1898-99 | Besetzung Tsingtaus, Pachtvertrag mit China =>, Kauf der Karolinen-, Marianen- und Palau-Inseln von Spanien, Teilung der Somoa-Inseln mit den USA. | |
| 1898-1901 | Der Versuch Englands, angesichts des kolonialen Gegensatzes zu Frankreich in Afrika und zu Russland in Asien die »splendid isolation« aufzugeben und sich mit Deutschland zu verständigen, scheitert. Deutschland wünscht die Einbeziehung Englands in den Dreibund, England will die Politik der freien Hand nicht aufgeben. Die deutsche Regierung baut in Verkennung der Lage auf die Verschärfung des Gegensatzes zu Frankreich und Russland und will einen günstigeren Zeitpunkt abwarten. | |
| 1899 | Die erste Friedenskonferenz in den Haag auf Vorschlag des Zaren führt zur Gründung des Haager Schiedsgerichts, das bei nationalen Streitigkeiten schlichten soll. | |
| 1902 | Frankreich sichert in einem Geheimabkommen Italien Libyen zu, Italien den Franzosen Marokko. Nach dem Scheitern der deutsch-englischen Verhandlungen schließt England mit Japan ein gegen Russland gerichtetes Bündnis (S. Z). In den folgenden Jahren baut England die kolonialen Gegensätze ab. Es schließt | |
| 1904 | die Entente cordiale mit Frankreich, in der Frankreich auf Ägypten und den Sudan verzichtet und dafür freie Hand in Marokko erhält. | |
| 1904-05 | Russisch-Japanischer Krieg - zum ersten Mal wird eine europäische Großmacht von einer asiatischen Macht besiegt. => | |
| 1905 | Vertrag von Björkö. Der Versuch einer Wiederannäherung
Wilhelms II. an den Zaren scheitert an der Ablehnung des
Vertrags durch die russische Regierung (»Zick-zack-Kurs«
der deutschen Außenpolitik). 1. Marokkokrise. Wilhelm II. besucht den Sultan von Marokko und bekräftigt die Unabhängigkeit und die deutschen Interessen in Marokko gegen Frankreichs Interventionsabsichten. Die deutsche Regierung erreicht eine internationale Konferenz. |
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| 1906 | Konferenz von Algeciras. Sie bestätigt die formale Unabhängigkeit Marokkos und eine »Politik der offenen Tür«, räumt Frankreich aber Polizeirechte ein. Deutschland und Österreich stehen isoliert einer Front europäischer Mächte, der sich auch Italien anschließt, gegenüber. Die Isolation wird noch verstärkt | |
| 1907 | durch das
englisch-russische Abkommen in Petersburg
(S. Z) über Persien, das den Abbau des englisch-russischen
Gegensatzes in Asien bringt. Wilhelm II. spricht von einer bewussten »Einkreisung« Deutschlands durch England. Die
deutsche Regierung will durch verstärkte Aufrüstung der
Isolation entgegenwirken. Auf der 2. Haager Friedenskonferenz scheitert der Versuch einer Abrüstung vor allem an der Ablehnung Deutschlands. In der Haager Landkriegsordnung wird eine humane Behandlung der Kriegsgefangenen und Verwundeten beschlossen. |
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| 1908 | Bosnische Annexionskrise. Im Zusammenhang mit der jungtürkischen Revolution => annektiert Österreich das bereits seit 1878 von ihm verwaltete Bosnien und die Herzegowina. Bulgarien erklärt sich unabhängig. Russland kann jedoch die Öffnung der Meerengen gegen den Widerstand Englands und Deutschlands nicht erreichen. Deutschland stellt sich hinter Österreich (»Nibelungentreue«) und erzwingt den Rückzug Russlands, das sich einem Krieg noch nicht gewachsen sieht. Serbiens Gegensatz zu Österreich verschärft sich, da Serbien die von Österreich annektierten Gebiete mit serbischer Bevölkerung als Teil eines zukünftigen großserbischen Reichs betrachtet. | |
| 1911 | 2. Marokkokrise. Frankreich nimmt Unruhen in Marokko zum Anlass, das Land zu besetzen. Deutschland entsendet das Kanonenboot »Panther« zum Schutz seiner Interessen nach Agadir (»Panthersprung«). Die Krise kann im deutsch-französischen Marokko- und Kongo-Abkommen beigelegt werden. Marokko wird französisches Protektorat, Deutschland erhält eine unbedeutende Landentschädigung in Zentralafrika. Der ursprüngliche Plan der Gründung eines deutschen Kolonialreichs in Mittelafrika gelingt nicht. | |
| 1911-12 | Italienisch-türkischer Krieg =>. Er erweitert sich | |
| 1912-13 | zum 1. Balkankrieg. Serbien, Bulgarien, Montenegro und Griechenland verbünden sich durch Vermittlung Russlands zum Balkanbund und wollen die Schwäche der Türkei zur Aufteilung des türkischen Besitzes auf dem Balkan nutzen. Die Türkei muss nach Niederlagen fast ihren gesamten Besitz auf dem Balkan und alle Ägäischen Inseln aufgeben, kann aber die Meerengen behaupten. | |
| 1913 | Balkankrieg. Da sich die Sieger über die Verteilung der
Beute nicht einigen, greift Bulgarien Serbien an, das von
Rumänien, Griechenland und der Türkei unterstützt wird.
Friede von Bukarest: Bulgarien verliert Makedonien und
die Dobrudscha. Albanien wird mit Unterstützung Österreichs, das Serbien den Zugang zur Adria verweigert,
unabhängiger Staat. Die Gegensätze auf dem Balkan, dem
»Pulverfass Europas«, verschärfen sich.
Der Versuch, das Flottenwettrüsten zwischen Deutschland
und England zu beenden, scheitert, da England die von
Deutschland geforderte Neutralitätserklärung für den Fall
eines Kriegs nicht abgeben möchte. Es ist bereits zu stark
an die französisch-russische Entente gebunden.
In Europa stehen sich Mittel- und Ententemächte gegenüber.
Nur in einer verstärkten Rüstung glaubt man den Frieden
sichern zu können: Erhöhung der Dienstzeit in Frankreich auf drei Jahre,
Verstärkung des Friedensheeres in Deutschland auf 750000, in Russland auf 1.2 Mill. Mann. In führen- den Kreisen der Militärs und Politiker (Bethmann Hollweg, Baron von Hötzendorf) wird zunehmend die Meinung vertreten, dass ein Krieg nicht zu verhindern und je eher desto besser sei. |
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