virtuelles Geschichtsheft für den Unterricht am städtischen Louise-Schroeder-Gymnasium in München                                 

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<= Die innere Entwicklung des Deutschen Reichs bis 1890

Zur Außenpolitik Bismarcks =>

 

Die Gründung des Deutschen Reichs führt zur Vereinheitlichung des Rechtswesens (1872 Strafgesetzbuch, 1879 einheitliche Gerichtsorganisation, 1900 Bürgerliches Gesetzbuch), zu einem einheitlichen Maß-, Gewichts- und Finanzsvstem (1875) sowie zur Gründung der Reichspost durch Heinrich von Stephan (ohne Bayern). In der Innenpolitik kommt es in der Folgezeit mit den politischen Parteien zu harten Auseinandersetzungen, die von Bismarck mit obrigkeitsstaatlichen Maßnahmen geführt werden.


Quelle Haus der bayr. Geschichte
1871-90 Fürst Otto von Bismarck Reichskanzler  
1871-79 Kulturkampf. Der Gegensatz zwischen den von Bismarck vertretenen Staatsinteressen und den Interessen der katholischen Kirche und Minderheit, vertreten durch die Zentrumspartei, führt zum sog. Kulturkampf, der von Bismarck, mit Unterstützung der Liberalen, durch eine Reihe von Gesetzen geführt wird, um die Rechte der Kirche zu beseitigen und die Zentrumspartei zu zerschlagen. Zu den Kulturkampfgesetzen zählen: der Kanzelparagraph (Verbot politischer Äußerungen von den Kanzeln der Kirche) 1871, das Jesuitenverbot und die Einführung der staatlichen Schulaufsicht in Preußen 1872, die sog. Maigesetze (Überwachung der Ausbildung und Berufung der Geistlichen durch den Staat) 1873/74 und die obligatorische Zivilehe 1874,  die der Kirche das alleinige Recht auf Eheschließungen nimmt und diese staatlichen Standesämtern überträgt. Als der Kulturkampf nicht zu dem erhofften Erfolg führt, die Gegensätze sich weiter verschärfen und die Opposition der Zentrumspartei stärker wird, bricht ihn Bismarck ab.

 Karikaturen Kulturkampf

1879 Konkordat mit Papst Leo XIII. (1878-1903): Bismarck behauptet alle Gesetze mit Ausnahme der Maigesetze.
Staatliche Schulaufsicht und Zivilehe bestehen heute noch, das Jesuitenverbot wurde 1916, der Kanzelparagraph 1953 aufgehoben. Zugleich kommt es auf Drängen der Großagrarier und der Industrie zur Einführung von Schutzzöllen auf Getreide, Vieh, Holz und Eisen, um die deutsche Wirtschaft vor der ausländischen Konkurrenz zu schützen. Damit wird der bisherige Freihandel mit Zustimmung der Konservativen und des Zentrums gegen die Liberalen aufgegeben. Das Reich erhält zusätzliche Einnahmen und wird von den Ländern finanziell unabhängiger.
 
1878 Das starke Anwachsen der Wählerstimmen für die Sozialdemokratie (1877: 1.5 Mio) sowie zwei Attentate auf den Kaiser, die Bismarck ungerechtfertigterweise den Sozialdemokraten zuschiebt, nimmt er zum Anlass, gegen die Sozialdemokratie vorzugehen. Die Mehrheit des Reichstags erlässt auf Antrag Bismarcks das Sozialistengesetz, das sozialistische Vereine, Versammlungen und Druckschriften verbietet und die Verhaftung und Ausweisung der für die Partei aktiv Tätigen vorsieht. Es erreicht seine Wirkung nicht, die Zahl der SPD-Abgeordneten im Reichstag steigt von 12 (1881) auf 24 (1884). Nach der Entlassung Bismarcks (1890) wird das Sozialistengesetz aufgehoben. Gleichzeitig versucht er durch Sozialgesetze die Arbeiter für den Staat zu gewinnen.  
1883-89 Sozialgesetzgebung: Kranken- (1883), Unfall- (1884), Invaliden- und Altersversicherung (1889). Sie gelten noch heute und wurden zur Grundlage für die Entwicklung des deutschen Sozialstaats. Doch bleibt die beabsichtigte Wirkung in ihrer Zeit aus, da die Sozialgesetze unzulänglich sind, Bismarck gleichzeitig den Kampf gegen die SPD weiterführt und die Forderungen nach Streik- und Tarifrecht nicht erfüllt. =>  
  => Bismarcks Zielsetzungen

=> Entwicklungen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich

=> Parteien im Kaiserreich

=> Einwohnerentwicklung Deutsches Reich