Geschichte Irlandskopiert von der Seite: Irlandfan von Norbert Kulawik; wer diese Seite genauer studiert, wird wirklich zu diesem. Eine herzliche Einladung auf ein Guinness |
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| 80 | Der römische General Agricola erwägt die Invasion Irlands von Britannien aus. (Wie wir heute wissen, ließ er es aber sein.) |
| Um 120 | Irland erschien auf der Weltkarte des Ptolemäus. |
| Ab 300 | Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches dehnte Irland seine "Interessensphäre" aus. Irische Überfälle nach Wales, Schottland und Britannien legten den Grundstein für den dort bis ins 8./10. Jahrhundert andauernden irischen Einfluss. Die ersten Kelten wurden zum christlichen Glauben bekehret, relativ spät also, da Irland ohne römische Besatzung auskommen musste und "nur" durch Handel und Überfälle den neuen Glauben kennen lernen konnte. |
| Ab 350 | Verwendung der Ogham-Schrift auf Grabsteinen und Menhiren in Irland und im westlichen Britannien. |
| Um 400 | Irische Piraten verschleppten einen jungen Mann, Padraig sein
Name - oder Patricius, wegen seiner römischen Erziehung - aus dem römischen
Teil Britanniens nach Irland. Er konnte später fliehen und ward,
tiefreligiös, in Lérins und Auxerre zum Priesteramte ausgebildet. Weitere Informationen: |
| 431 | Papst Cölestin (Celestine) I. sandte einen ersten Bischof, den Gallier Palladius, nach Irland, um die christianisierten Bewohner in eine kirchliche Organisation einzubinden, vor allem im Süden Irlands. Einigen Quellen zufolge kam er aber gar nicht an, sondern starb vor seiner Ankunft. |
| 432 | Patrick kehrte als Bischof nach Irland zurück und begann,
das Land friedlich zum Christentum zu bekehren. Er verwarf die druidischen
Riten nicht, sondern deutete "heidnische" Bräuche geschickt um,
integrierte sie in den christlichen Glauben und kam so ohne das sonst übliche
Blutvergießen aus. Seine "Anpassungen" der neu entstehenden Kirche an die besonderen Umstände der irischen Kultur waren der Grund für spätere Reformbestrebungen. |
| 441 | Zahlreiche Sagen ranken sich heute um Patricks Leben. Die
bekannteste ist sicher die, nach der in diesem Jahr 40 Tage und Nächte
auf dem Berg verbrachte, alle "Schlangen" Irlands auf den Croagh
Patrick lockte (der damals noch nicht so hieß, sondern Cruachan Aigle)
und sie sich von dort ins Meer stürzten. Die Schlangen symbolisieren
wahrscheinlich die alten Naturreligionen. Auf dem heutigen Pilgerberg Croag Patrick gibt es eine kleine Kirche zu seinen Ehren, und man kann den Ruheplatz des Heiligen besichtigen. Jedes Jahr machen sich Tausende Pilger an den mühevollen Aufstieg. |
| 447 | Patrick machte Armagh zur kirchlichen Hauptstadt Irlands. Ab dem 6./7. Jhrhundert wurde er der Schutzheilige dieser Region, die eng mit dem Schicksal der großen Familie der Ui Néill, dem Geschlecht der Hochkönige von Tara, verbunden war. |
| 450 | Patrick taufte in Cashel den König Aengus und erhob den Ort zum Bischofssitz. |
| 461 | Patrick starb. Bereits kurz nach seinem Tod wurde er als St. Patrick Irlands Nationalheiliger. Irland ist vollständig christianisiert. |
| Um 484 | Das wahrscheinlich erste Kloster Irlands wurde auf den Aran Islands gegründet, nachdem sich der heilige Enda als Einsiedler dorthin begeben hatte. |
| 493 | Abtrünnige Quellen lassen Patrick in diesem Jahr ein zweites Mal sterben. Rein biologisch dürfte aber das Jahr 461 wahrscheinlicher sein. |
| Ab 500 | Die irische Mönchskirche stand in voller Blüte. Aus der episkopalen (bischöflichen) Kirche wurde eine keltische Mönchskirche. Es wurden viele Klöster gegründet (Armagh, Bangor, Kildare, Glonmacnoise), in vielen Fällen aufgebaut wie regelrechte Städte (die es sonst so nicht gab). Sie entfalteten gar große Macht, Reichtümer und Anziehungskraft und strahlten mit ihrer Kultur durch ganz Europa. Der Heilige Brendan soll im 6. Jahrhundert sogar nach Amerika vorgedrungen sein, fand dort jedoch niemanden, den er missionieren konnte. |
| 548/549 | Ein Pestausbruch forderte zahlreiche Todesopfer. |
| Um 560 | Latein wurde zur Hauptsprache der irischen Kirche. |
| 563 | Der heilige Columba der Ältere (genannt Colmcille oder Columbcille, "die Taube der Kirchen") verließt wegen eines Streits Irland, reiste nach Schottland und gründete ein Kloster auf der Hebrideninsel Hy (heute Iona). Es wurde eins der einflussreichsten Klöster, und deshalb wurden die von irischen Mönchen gegründeten Klöster später "Schottenklöster" genannt. Weitere Beispiele sind St. Emmeram in Regensburg, Metz, St. Fursey im französischen Péronne, St. Kilian in Würzburg (benannt nach einem Missionar, der 689 dort den Märtyrertod starb), St. Vergil in Salzburg und St. Gallen. Es ist eine bittere Ironie, dass irische Geistliche auch versuchten, das heutige England zu re-christianisieren. Am Ende scheiterte dieser Versuch jedoch an der Römischen Kirche. |
| 587 | Der heilige Columba der Jüngere (auch Columbanus) verließ Irland, um auf dem Kontinent zu missionieren. |
| 591 | Columbanus gründete ein Kloster in Luxeuil in Gallien. |
| 610 | Columbanus reiste nach Norditalien und gründete dort das Kloster von Bobbio (St. Columbanus), wo er 615 starb. |
| 630 | Auf der Synode von Magh Léna wurde der Zeitpunkt des Osterfestes festgelegt. |
| 635 | Der heilige Aidan begann eine Mission zur Konvertierung Nordumbriens (damals ein angelsächsisches Königreich, in etwa der Osten des heutigen Schottland) und gründete das Kloster Lindisfarne. |
| 663 | Erneuter Ausbruch der Pest, der vier Jahre dauerte. |
| 716 | Die irischen Mönche übernahmen nun doch den römischen Zeitpunkt für das Osterfest. Dies mag nebensächlich erscheinen, wirft aber ein Licht auf die damalige geistliche Macht und Unabhängigkeit der irischen Kirche. |
| Ab 795 | Wiederholte Überfälle der Wikinger (skandinavischer Piraten) auf Küstenstriche und die reichen Klöster, die damals als Ersatz für Städte Zentren von Kultur, Wirtschaft und Bildung waren. Die Wikinger gründeten später unter anderem Dublin, Waterford, Wexford, Cork und Limerick, verbesserten Schiffbau und Militär und führten die Wirtschaft mit dem Gelde ein. Einerseits. Andererseits plünderten, mordeten und sengten sie. Auch ihre Siedlungen (und zur Abwechslung auch mal ein Kloster) wurden später von den Iren geplündert. |
| Um 805 | Das Book of Kells wurde gefertigt, wahrscheinlich in Iona. |
| 837 | Zwei kleine Wikingerflotten drangen auf den Flüssen Boyne und Liffey bis weit ins Landesinnere vor. |
| 841 | Gründung von Dublin, als die Wikinger erstmals in Irland überwinterten und von Raubzügen zur Besiedlung übergingen. |
| 967 | Irische Krieger plünderten Limerick und probten den Aufstand gegen die Wikinger. |
| 976 | Brian Boru wurde König von Munster und wählte ein Jahr später Cashel zu seinem Hauptsitz. |
| 999 | Siltric Silkenbeard (Seidenbart), Wikingerführer von Dublin, unterwarf sich Brian Boru. |
| 1002 | Brian Boru wurde wegen militärischer Erfolge über die Wikinger zum Hochkönig gewählt. |
| 1014 | Hochkönig Brian Boru "besiegte" die "Nordmänner" in der etwas verworrenen Schlacht von Clontarf. In dieser Schlacht kämpften nicht einfach nur die Iren gegen die Wikinger, sondern es bekriegten sich ständig wechselnde Allianzen, und trotz des Sieges gegen die Wikinger blieben die Könige zerstritten, auch weil Brian Boru in der Schlacht starb, und viele Adlige suchten in England Schutz. In der Folgezeit wurden die Wikinger von der irischen Kultur assimiliert und christianisiert. |
| 1066 | In England reißen die Normannen unter Wilhelm dem Eroberer (William the Conqueror) die Macht an sich. |
| 1101 | Mit der Synode von Cashel begann die Abschaffung des lokalen religiösen Brauchtums und die Unterordnung der 36 irischen Bistümer und der Klöster unter die römische Kirche. Das setzte sich bei den Synoden von Rathbreasail und Kells fort. Der Heilige Malachius, Erzbischof von Armagh, war eine der treibenden Kräfte dabei. |
| 1111 | Synode von Rathbreasail. Irland wurde in die religiösen Provinzen Armagh und Cashel geteilt. |
| 1152 | Synode von Kells, geleitet von Paparo, dem ersten päpstlichen Gesandten in Irland. Irland wurde in die Erzbistümer Armagh, Cashel, Dublin und Tuam aufgeteilt. Der Bischof von Armagh wurde Oberhaupt der irischen Kirche. |
| 1155 | Heinrich II. von England (Henry II. Plantagenet) erhielt vom Papst Hadrian IV. (dem bisher einzigen englischen Papst) in der Bulle "Laudabiliter" die "Erlaubnis", zum Behufe der Reform und "zum Wohle" der irischen Kirche einzugreifen. Die Kirche sah ihre Macht im Zuge der zunächst erfolgreichen Kreuzzüge wachsen und wollte so auch die irische Klosterstruktur in hierarchische Bistümer zwingen (also unter päpstliche Kontrolle) und neue Ordensklöster gründen. |
| 1166 | Der neue Hochkönig Rory O'Connor vertrieb den König von Leinster und Anwärter auf das Hochkönigtum, Dermot MacMurrough (oder Diarmait Mac Murchada), aus seiner Burg. MacMurrough floh nach England und suchte dort militärische Hilfe, um sein Königreich zurückzuerobern. |
| 1167 | MacMurrough erhielt Hilfe von dem Anglo-Normannen Lord Strongbow ("Richard FitzGilbert de Clare, Earl of Pembroke und Herr von Strigoil" und Vasall Heinrich II.). Mit einer Abteilung Söldner kehrte er nach Irland zurück und eroberte seine Burg, seine Tochter wurde Strongbows Frau. Hiermit begann ein etwa drei Jahrhunderte währender Kampf zwischen Kelten und Normannen um die Vorherrschaft in Irland. |
| 1169 | Anglo-Normannische Truppen besetzten die Provinz Leinster auf den dringenden Ruf von MacMurrough hin. |
| 1170 | Weitere anglo-normannische Truppen unter Strongbow landeten bei Waterford. Die vereinten, den Iren waffentechnisch weit überlegenen Truppen (Stoff und Steinschleudern gegen Kettenhemden, Schwerter und Pfeil und Bogen) eroberten Dublin und Waterford. |
| 1171 | Heinrich II. kam nach Irland, nachdem er die Insel in erneuter Bestätigung der Laudabiliter-Bulle vom Papst als Lehen erhalten hatte, und um sich die Herrschaft nicht von seinem Vasallen Strongbow nehmen zu lassen. Einige der Provinzkönige unterwarfen sich ihm. |
| 1172 | Der irische Klerus huldigte in Cashel Heinrich II. als oberstem Lehnsherrn. Der zog anschließend ab, und seine Ritter teilten das Land auf. Papst Alexander III. wandte sich an die irischen Könige, sich ebenfalls Heinrich II. zu unterwerfen. |
| 1173 | Der Papst lobte Heinrich II. für seine Eroberung Irlands. |
| 1175 | Der Windsor-Vertrag: der irische Hochkönig Rory O'Connor erkannte die Oberherrschaft Heinrich II. an. |
| 1197 | Rory O'Connor starb. Er war der letzte Hochkönig Irlands. |
| 1199 | Das County (Grafschaft) Dublin wurde als
erstes Verwaltungsgebiet dieser Art in Irland gegründet. Es folgten später
weitere in den besetzten Gebieten. Die Normannen begannen in der Folgezeit, sich im besetzten Teil Irlands einzurichten: sie schufen ein Netz von Burgen und Wehrdörfern und entwickelten Handel und Handwerk. Sie führten eine Zentralregierung mit Vizekönig und Zweikammerparlament ein. |
| 1210 | Heinrichs Sohn, König John, kam nach Irland, um es für die englische Krone zu unterwerfen. Den Iren wurde in den folgenden Jahrhunderten eine neue Kultur aufgezwungen: bisher wurden bei ihnen die Führer gewählet, es gab keinen Privatgrundbesitz. Allerdings hatte diese Besetzung noch keine größeren Auswirkungen, da die englische Krone schwach blieb. Die neuen Herren, die anfangs zum Teil noch französisch sprachen, wurden im folgenden langsam von der irischen Kultur assimiliert (Angloiren). Das bewirkte bald neue Schwierigkeiten, weil England seine Macht schwinden sah. |
| 1213 | König John unterwarf sich Papst Innozenz III. und erhielt dafür Irland und England als päpstliches Lehen. |
| 1250 | Die Anglo-Normannen herrschten über die größten Teile von Munster und Leinster und sind in die Provinz Connacht und die östlichen Teile von Ulster vorgedrungen (insgesamt etwa 75% der Insel). Es bestanden die Counties Dublin, Cork, Waterford, Tipperary, Limerick, Louth und Kerry. |
| 1297 | In Dublin wurde ein Parlament abgehalten, zunächst nur mit Repräsentanten aus den freien und besetzten Provinzen, später auch aus den Städten. |
| 1315-1318 | Eduard Bruce, der Bruder des schottischen Königs Robert, überfiel mit starken Truppen Irland und ward 1316 König. Ziel war die Schaffung eines keltischen Reiches. 1317 kam Robert ebenfalls nach Irland. 1318 wurde Eduard getötet. |
| 1341 | Das irische Parlament kritisierte die schlechten englischen Verwalter. |
| 1347 | Die englische Regierung verbot englischen Siedlern, ohne Genehmigung Iren zu heiraten. 1351 kam die Order, auch den Kontakt mit Iren zu vermeiden. |
| 1366 | Die vom irischen Parlament verabschiedeten Statuten von Kilkenny versuchten durch Verbot der irischen Sprache, Gebräuche und Kleidung und trotz Androhung der Todesstrafe erfolglos, der Gälisierung bzw. Assimilierung der angloirischen Oberschicht Einhalt zu gebieten. |
| 1394/95 | Richard II. versuchte vergeblich, die angloirischen Herren aus den drei großen Geschlechtern der FitzGeralds bzw. Geraldines von Desmond, der FitzGeralds von Kildare und der Butlers von Ormond, zu unterwerfen. |
| Um 1400 | Die Macht Englands schwand mit der Assimilierung der Angloiren und beschränkte sich auf ein kleines Gebiet um Dublin, genannt "the Pale". |
| 1494 | Die Poynings-Akte (benannt nach Lord-Verwalter Edward Poynings) bestimmte, dass das irische Parlament nur mit Genehmigung des britischen Königs zusammentreten durfte. |
| 1514 | 60 irisch- und 30 englisch-stämmige "Chief Captains" herrschten zu diesem Zeitpunkt in unabhängigen Lordships außerhalb der englisch besetzten Gebiete. |
| 1517 | Martin Luther leitete, bildlich gesprochen, die Reformation ein, indem er in Wittenberg Thesen gegen den Ablasshandel an eine Tür nagelte. Die Lehren des wesentlich strengeren Reformators Johann Calvin hatten in England, Schottland und Frankreich jedoch stärkeren Einfluss. |
| 1520 | Der Earl of Surrey, König Tudor-Heinrich des VIII. neuer Lord Lieutenant, traf in Dublin mit dem Befehl ein, den Rest der Iren eher durch Überzeugung als durch Gewalt zu unterwerfen. |
| 1521 | Der Earl of Surrey verwüstete die Gebiete dreier Clans. |
| Ab 1534 | Der englische König Heinrich VIII., der der Reformation eigentlich kritisch gegenüberstand, verlangte mit anfechtbaren Argumenten von Papst Clemens VII., seine Ehe (also Heinrichs...) mit Katharina von Aregonien auzulösen. Clemens war durchaus bereit, dem zuzustimmen, allerdings stellte sich Kaiser Karl V., ein Neffe von Katharina, dem entschieden entgegen, und das päpstliche precetto wurde nicht ausgesprochen. Daraufhin wurde England anglikanisch, indem Heinrich sich selbst in der Suprematsakte zum Oberhaupt der englischen Staatskirche machte und das Land in eine tiefe religiöse Krise stürzte. Er dehnte seine Macht über ganz Irland aus. Die Reformation traf auf eine desolate irische Kirche. Im Zuge der Säkularisation wurden ca. 400 Klöster zerstört und als Steinbrüche benutzt. Allerdings stießen die Versuche, den Glauben der Iren selbst zu reformieren, auf unüberwindlichen Widerstand. |
| 1540 | Heinrich VIII. begann eine Politik, die unabhängigen Lords ihre Herrschaft zusicherte, wenn sie sich ihm unterwarfen. Das taten auch viele in der Folgezeit. |
| 1541 | Heinrich VIII. nahm vom irischen Parlament den Titel König von Irland an (davor Lord of Ireland). England hatte seine Besitzungen auf dem Kontinent (insbesondere in Frankreich) verloren und suchte nun nach einem Ersatz. Heinrich versuchte durch verstärkte Ansiedlung von Protestanten, den englischen Einfluss in Irland zu erhöhen, da sich die Iren um die englische Macht kaum scherten. |
| 1553 | Maria Tudor ("die Katholische") bestieg den englischen Thron und begann, den Katholizismus in Irland wiederherzustellen. |
| 1558 | Elisabeth I., die Tochter Heinrichs und Halbschwester von Maria, bestieg den englischen Thron. Sie weitete die englische Herrschaft wieder aus, und es gab wieder Aufstände. |
| 1560 | Irland wurde unter Elisabeth I. wieder der englischen Staatskirche unterstellt. |
| 1569-83 | Der Aufstand gegen Elisabeth I. von England in Munster scheiterte trotz Unterstützung durch Spanien und den Papst, welchletztere in Irland einen willkommenen Stützpunkt im Kampf gegen den englischen Protestantismus sahen. |
| 1577 | Die "Piratenkönigin" Grace O'Malley aus Mayo unterwarf sich aus taktischen Gründen dem englischen Befehlshaber in Irland und erhielt so ihr Herrschaftsgebiet als Lehen zurück. |
| 1585 | Irland wurde kartiert und in 32 Grafschaften unterteilt. |
| 1588 | Die "Spanische Armada", 130 von König Philipp II. in kriegerischer Absicht nach England gesandte Schiffe, konnte nicht in England landen und wurde vor der Küste Irlands durch heftige Stürme aufgerieben. Die keltischen Stammesführer ließen die Schiffe plündern und Überlebende töten. Der Untergang der Armada läutete den Aufstieg Englands zur Weltmacht - auch zu Lasten Irlands - ein. |
| 1595 | Aufstand der drei mächtigsten Clanchefs von Ulster: Red Hugh O'Donnell, Hugh O'Neill und Maguire. Sie baten Philipp II. von Spanien um Unterstützung. |
| 1598 | Angespornt vom Erfolg der Rebellion in Ulster, brach in ganz Irland ein Aufstand aus. O'Donnell und O'Neill schlugen die Engländer bei Yellow Ford. Elisabeth sandte 20000 weitere Soldaten. |
| 1601 | 4000 Spanier landeten in Kinsale zur Unterstützung der Rebellen, aber trotzdem besiegte das englische Heer die Iren unter dem Earl of Tyrone entscheidend. Hugh O'Donnell floh nach Spanien, wo er 1602 starb. |
| Bis 1603 | Die irischen Führer des Aufstandes mussten sich im Vertrag von Mellifont dem Earl of Tyrone und damit Jakob (James) I. von England unterwerfen. Der "weiseste Narr der Christenheit" (the wisest fool in Christendom, Ausspruch des französischen "guten Königs" Henri IV.) war durch den Tod von Elisabeth gerade erst an die Macht gekommen. |
| 1605 | Die englische Regierung verbot gälische und katholische Bräuche. Alle Iren wurden Untertanen der englischen Krone. Teilnahme an protestantischen Gottesdiensten wurde Pflicht. Das soziale, kulturelle und politische Gefüge des gälischen Irland wurde ausgelöscht. |
| 1607 | "Flucht der Grafen" Rory O'Donnell (Bruder des Red Hugh O'Donnell), Hugh O'Neill und anderer aus der Provinz Ulster (heute größtenteils "Nordirland") ins Exil nach Spanien. Damit wurde der Platz frei für die ab |
| 1609 | erfolgende Ansiedlung englischer und schottischer Landbesitzer auf nahezu dem gesamten Gebiet der Provinz Ulster durch die Planation-Gesetze. Man hoffte damit, ein loyales Bollwerk für die englische Krone zu schaffen. In der Folge zeigten sich die angesiedelten Protestanten verständlicherweise als eifrige Verfechter der Union mit England (Unionists). Trotzdem befanden sich vorerst noch etwa 75% des Bodens in irischer Hand. |
| 1613 | Die Stadt Derry (Doire) wurde von Jakob I. den Londoner Zünften überlassen, die die Stadt neu planten und Verteidigungsanlagen errichteten und in Londonderry umbenannten. Katholische Einwohner wurden an den Stadtrand verdrängt. |
| 1641 | Es wurde ein Massaker an protestantischen plantation-Siedlern in Ulster verübt, eine Folge der 1640 begonnenen Verfassungskämpfe in England, der Schwäche des englischen Königs Charles I. und des Krieges in Schottland. Dem "Großen Aufstand" schlossen sich bald die Angloiren an, und der Papst klopfte auch schon wieder an die Tür. Zu diesem Zeitpunkt gehörten den Katholiken noch 59% des Landes. |
| 1642 | Die Aufständischen schlossen sich in der "Föderation von Kilkenny" zusammen, und auf Betreiben der katholischen Bischöfe gründeten sie ebenda ein (allerdings zerstrittenes) Parlament. Schottische Protestanten landeten in Carrickfergus. |
| 1643 | Es wurde ein einjähriger Waffenstillstand zwischen den irischen Royalisten und der Kilkenny-Föderation geschlossen. |
| 1646 | Dem Waffenstillstand folgte ein Friedensvertrag, der vom päpstlichen Gesandten verurteilt wurde. Die Schotten wurden geschlagen. |
| 1647 | Eine englische Armee von 2000 Mann wurde nach Irland geschickt. Die Royalisten übergaben Dublin. |
| 1649/50 | England schickte Oliver Cromwell, den "Lord Lieutenant", der gerade erst Charles I. geköpft hatte, mit 12000 Soldaten nach Irland, wo er mit äußerster Brutalität die Aufstände der "Papisten" niederwarf, die plantations-Gesetze mit Gewalt durchsetzte und die englische Herrschaft in Irland endgültig festschrieb. Die irische Bevölkerung wurde um fast die Hälfte dezimiert. Er unterwarf auch die von den Royalisten eroberten Gebiete. |
| 1652 | Das "Gesetz für die Besiedlung Irlands" wurde verabschiedet: katholische Landbesitzer, die ihre Treue zu England während der Kämpfe nicht nachweisen konnten, wurden praktisch enteignet, natürlich zugunsten von Protestanten, presbyterianischen Schotten, ehemaligen Soldaten und Abenteurern. Die Vertriebenen erhielten zum "Ausgleich" kargen Boden im Westen Irlands ("To hell or to Connaught"). Bis 1688 war der Landanteil im Eigentum von Katholiken auf 22% gesunken, bis 1770 auf 5%. In der Folgezeit wurden auch die Handelsmöglichkeiten der Iren stark beschnitten. |
| 1653 | Der irische Aufstand wurde vom Parlament
endgültig für gescheitert erklärt, nachdem sich die letzten Royalisten
den Cromwell-Truppen ergeben hatten. Insgesamt etwa 100000 arme und
heimatlose Iren wurden als Sklaven auf die Westindischen Inseln, die
karibischen Kolonien Englands, verkauft. Oliver Cromwell errang diktatorische Macht in England, festigte die koloniale Macht Englands und machte es zum mächtigsten Staat Europas, und seine parlamentarische Ordnung gilt zum Teil noch heute. |
| 1654/55 | Die Feiern zu Weihnachten und Ostern wurden verboten. |
| 1658 | Oliver Cromwell starb. Seine Versuche, in England eine Republik zu errichten, waren gescheitert. Charles II. übernahm 1660 die Krone und bestätigte die Beschlagnahmungen von Ländereien durch Cromwell. |
| 1661 | Das irische Parlament und die irische Kirche wurden neu gegründet. |
| 1685 | James (Jakob) II. bestieg den englischen Thron und versuchte, England wieder zum Katholizismus zu bekehren. |
| 1688 | Die "Glorreiche Revolution" stürzte den autokratischen König James II., der nach Frankreich floh. Auf den Thron stiegen seine Tochter Maria und ihr gerade in England gelandeter Ehemann William III. (Wilhelm von Oranien bzw. William of Orange). England wurde endgültig zur konstitutionellen Monarchie. |
| 1689 | James II. kam mit einer Armee des französischen Königs Ludwig XIV. nach Irland, um seinen (englischen) Thron zurückzuerobern. Seine Armee belagerte Derry für 15 Wochen, konnte die Stadt aber aufgrund der von Londonern errichteten neuen Verteidigungsanlagen nicht einnehmen. Eine erste Armee Wilhelm von Oraniens landete in Irland. |
| 1690 | Sowohl französische Truppen als auch Wilhelm von Oranien selbst landeten in Irland. Erstere in Unterstützung für James, letzterer, um seine Armee anzuführen. James II. ward in die Flucht geschlagen in der Schlacht am River Boyne. Die Schlacht war verloren, der Krieg erst ein Jahr später. Interessanterweise hatte sich der Papst gegen ihn gewandt und unterstützte in dieser Schlacht William of Orange. Den Sieg in dieser Schlacht feiert der Oranier-Orden (gegründet 1795) noch heute mit den "Orange Marches", bei denen die Mitglieder triumphierend durch katholische Viertel marschieren, die Parole "No surrender!" ("Wir geben nicht auf!") aus der Derry-Belagerung rufen und die jedes Jahr zu Spannungen in "Nordirland" führen. |
| 1691 | Die Franzosen und Iren verloren auch die Schlacht von Aughrim. Auch Limerick wurden von den "Williamites" einen Monat lang belagert und schließlich eingenommen. Im Vertrag von Limerick, ausgehandelt vom letzten Kommandeur Patrick Sarsfield bei der Übergabe, wurde den Katholiken religiöse Toleranz zugestanden und den Unterstützern James II. die Erlaubnis gewähret, Irland zu verlassen. Sarsfield und viele andere Offiziere und Soldaten (insgesamt etwa 14000) machten sich auf den Weg nach Frankreich oder Spanien und bildeten in den dortigen Heeren irische Brigaden. Sie wurden später als die "Wildgänse" (wild geese) bekannt. |
| Ab 1695 | Beginn der "Protestant Ascendancy" (protestantische Überlegenheit), indem eine Reihe von Strafgesetzen (penal laws) gegen die Katholiken in klarem Bruch des Vertrages von Limerick verhängt wurden. Den Anfang machten in diesem Jahr Verbote für Katholiken, Waffen zu tragen, ihre Kinder auszubilden oder Schulen zu öffnen. Man half sich mit illegalen, so genannten Heckenschulen auf freiem Felde. |
| 1697 | Weitere Strafgesetze verboten Beisetzungen auf katholischen Friedhöfen und zwangen alle katholischen Würdenträger ins Exil. Der katholische Glaube und seine Ausübung wurden verboten. Messen wurden nur noch an verborgenen, abgelegenen und schwer zugänglichen Plätzen abgehalten. |
| 1699 | Exportverbote auf Wolle und später auch auf andere Güter wurden eingeführt. Damit durfte Irland nicht mehr selbst mit anderen Ländern oder Kolonien handeln, höchstens über englische Häfen. Die Politik des englischen Vizekönigs machte Irland zum rückständigen, verachteten und kolonial ausgebeuteten Armenhaus Großbritanniens. |
| 1704 | Weitere Strafgesetze wurden eingeführt: Katholisches Eigentum oder Pacht von Ländereien wurde stark eingeschränkt, Katholiken und Dissidenten durften keine Ämter mehr bekleiden. In der Folge rissen englische Protestanten den Großteil des Landes an sich. Viele Iren waren in den folgenden Jahrhunderten gezwungen zu emigrieren. |
| 1706 | Auf Grund der plantation-Gesetze und der Enteignungen im vergangenen Jahrhundert befanden sich nur noch 18% des Bodens in katholischem Besitz. Es begann eine Zeit von wiederholten Kämpfen zwischen Grundbesitzern und Pächtern, die beinahe zwei Jahrhunderte andauern sollte. |
| 1710 | Die älteste heute noch existierende Brauerei Irlands, Smithwick's, wurde in Kilkenny eröffnet. |
| 1711 | In der Provinz Connaught führte die Enteignung von Land für Weidezwecke zu den Aktivitäten der "Houghers", die tausende Schafe und Rinder abschlachteten. |
| 1719 | In Folge der Thronbesteigung George I. (1714), der Erleichterungen für "abtrünnige" Protestanten versprochen hatte, wurden eben diese durch den Toleration Act von den Strafgesetzen ausgenommen. |
| 1720 | Im Declaratory Act wurde die Oberhoheit des englischen über das irische Parlament festgeschrieben. |
| 1744 | Lord Lieutenant Chesterfield stellte fest, dass die Armen in Irland "schlimmer als Neger" benutzt werden. |
| 1759 | Arthur Guinness übernahm die halbverfallene St James's Gate Brauerei (ja) in Dublin für 9000 Jahre. Jährliche Gebühr: 45 Pfund. |
| 1778 | Wegen der Bedrohung durch fremde Invasoren (die Franzosen und diverse Piraten waren mal kurz da...) gründeten sich in Belfast und Dublin Freiwilligenbewegungen (Volunteers), die auch politische Ziele verfolgten. Es waren dies keine Bewegungen der verarmten und unterdrückten katholischen Landbevölkerung, vielmehr strebten die reichen Protestanten nach mehr Macht und weniger Bevormundung. An einer Verbesserung der Situation der Katholiken war ihnen dagegen nicht gelegen. |
| 1779 | In New York wurde die erste Parade zur Feier des St. Patricks Day abgehalten. |
| 1780 | Unter dem Druck der Volunteers wurde der freie Handel mit den Kolonien erlaubt. |
| 1782 | Das englische Parlament hob den Declaratory Act
von 1720 wieder auf und stellte somit die Unabhängigkeit des irischen
Parlamentes wieder her. Das Poynings-Gesetz von 1494 wurde zugunsten des
irischen Parlaments geändert (Yelverton's Act) und die irische Justiz
wurde ebenfalls unabhängig (Forbe's Act). Der zweite und der dritte
Catholic Relief Act (dt. etwa "Gesetz zur Entlastung der
Katholiken") führten Eigentumsrechte wieder ein und erlaubten
katholische Schulen. Generell lässt sich über die Zeit 1780 bis 1800 sagen, dass wegen der amerikanischen Unabhängigkeitskriege und Englands Kriege mit Frankreich in Folge der französischen Revolution der Druck auf Irland etwas nachließ und gleichzeitig die Iren in ihrem Unabhängigkeitswillen bestärkt wurden. Gleichwohl waren alle Relief Acts stark umkämpft, und längst nicht alle Vorschläge, die eingebracht wurden, wurden auch verabschiedet. |
| 1791 | Theobald Wolfe Tone und andere gründeten, beeinflusst vom Geist der französischen Revolution, die Society of United Irishmen (bestehend überwiegend aus protestantischen Angloiren) und forderten die Schaffung einer Irischen Republik. |
| 1793 | Hobart's Catholic Relief Act hob die meisten der existierenden Beschränkungen für Katholiken auf, auch wenn sie weiterhin keinen Zutritt zu höheren staatlichen Ämtern hatten. |
| 1795 | Nach der "Battle of the Diamond"
(religiösen Unruhen, die von den Protestanten niedergeschlagen wurden)
erfolgte die Gründung des Oranier-Ordens in Armagh, benannt nach dem
Sieger der Schlacht am River Boyne 1690, mit dem Ziel, die Interessen der
englischen Siedler zu vertreten. Die United Irishmen wurden wegen der Unterdrückung zu einer Geheimorganisation, die mit militärischen Mitteln die englische Besatzung beenden wollte. Wolfe Tone konferierte mit französischen Agenten in Dublin und in Amerika. |
| 1796 | Wolfe Tone ersuchte in Frankreich um Hilfe für einen Aufstand. Er begleitete eine französische Invasionsarmee unter Admiral Hoche nach Irland, sie konnten wegen Stürmen aber nicht landen. |
| 1797 | Im Hinblick auf die Aktivitäten der United Irishmen wurde das Kriegsrecht ausgerufen. |
| 1798 | Aufstände der United Irishmen im ganzen Land. Protestanten und einige Katholiken kämpften gemeinsam gegen die Unterdrückung. Sie wurden nach anfänglichen kleineren Siegen von den Engländern mit voller Härte niedergeschlagen. Auch eine französische Invasionsarmee scheiterte, und sieben von ihren zehn Schiffen gingen vor der Küste verloren. Wolfe Tone wurde gefangengenommen und beging Selbstmord im Gefängnis, nachdem er erfahren hatte, dass er nicht wie ein Soldat erschossen, sondern wie ein Verbrecher gehängt werden sollte. Ein neuer Mythos von tapferen, aber tragisch scheiternden Revolutionären ward geboren. Das irische Parlament wurde aufgelöst. |
| 1800/1801 | Aus Intrigen und Bestechung erwuchs der Act of Union, der die Auflösung des irischen Parlaments verfügte. Stattdessen entsandte Irland 100 Abgeordnete (später 105) nach Westminster, vorerst jedoch nur Protestanten. Das ganze Gebilde hieß nun "Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland". Damit war Irland endgültig Teil des britischen Imperiums. |
| 1803 | Robert Emmett ward hingerichtet, nachdem er mit einer Gruppe von 100 Mann erfolglos versucht hatte, Dublin Castle zu besetzen. Napoleon Bonaparte hatte zwar versprochen, sie zu unterstützen, es aber unterlassen. Zahlreiche Geheimbünde kämpften gegen die britischen Grundbesitzer. Diese "kleinen" Aufstände wurden meist von jungen, gebildeten, protestantischen und von der Bevölkerung unverstandenen Idealisten angeführt, die alle scheiterten, aber die Grundlage für einen bis heute anhaltenden ausgeprägten Märtyrerkult schufen. |
| 1823 | Daniel O'Connell, der "Befreier", gründete die Catholic Association, erstmals in der Geschichte eine wirkliche Massenbewegung. |
| 1828-1830 | Nach fünfjähriger Kampagne erreichte Daniel O'Connell mit gut organisierten Massendemonstrationen seiner inzwischen auf 3 Millionen Mitglieder angewachsenen Bewegung, dass einer begrenzten Zahl von Katholiken das Wahlrecht zugestanden wurde. Dieses wurde in den folgenden Jahrzehnten zögerlich auf immer mehr Einwohner ausgeweitet. O'Connell wurde 1828 gewählt, durfte aber nicht ins Parlament einziehen. Dann wurde 1829 das Gesetz geändert, aber nicht rückwirkend. Er wurde nocheinmal gewählt und konnte 1830 schließlich als erster Katholik ins Unterhaus einziehen. |
| 1838 | Father Theobald Matthew rief eine Anti-Alkohol-Kampagne ("Temperance Crusade", dt. etwa "Abstinenz-Kreuzzug") ins Leben. Fünf Millionen Iren gelobten in der Folgezeit Abstinenz. |
| 1846-51 | Die "Great Famine" (Große
Hungersnot), verursacht durch Vernichtung der Kartoffelernten durch
Kartoffelfäule und Kartoffelkäfer in mehreren aufeinanderfolgenden
Jahren im kartoffelmäßig nahezu monokulturellen Irland. Es folgten
Typhus-, Ruhr- und Choleraepidemien, die leichtes Spiel hatten, ebenso wie
extrem harte Winter. Protestantische Priester verteilten Nahrungsmittel
gegen Übernahme der Konfession, englische Händler verkauften
Nahrungsmittel wegen des höheren Profits lieber nach Engeland. Außerdem
war Irland einmal mehr Englands Kornkammer, weil dieses in den
napoleonischen Kriegen steckte. Eineinhalb Million Iren starben insgesamt,
eine weitere Million wanderte aus. 1901 hatte Irland nur 3,5 Millionen
Einwohner - vor der Hungersnot hatten 9 Millionen Einwohner Irland zum bevölkerungsreichsten
Land Europas gemacht. Nationale Erhebungen, darunter der Aufstand der
Young Irelanders unter Thomas Davis, scheiterten in dem geschwächten
Land. Die ausgewanderten Iren bildeten in ihren Gastländern feste Gemeinschaften und pflegen noch heute gälische Traditionen. Weiterführende Informationen: |
| 1847 | Daniel O'Connell, der "Liberator" (Befreier) starb in Genua, und seine Bewegung verlief sich im Sande. |
| 1858 | Die von James Stephens gegründete Irish Republican Brotherhood (IRB) verschrieb sich der Unabhängigkeit Irlands - wenn nötig mit Waffengewalt. |
| 1859 | In New York gründete sich eine der IRB ähnliche Vereinigung, die Bruderschaft der Fenier (Fenians). Dieser Name wurde bis zur Unabhängigkeit ein Synonym für radikale Unabhängigkeitskämpfer. |
| 1866 | Etwa 800 Fenier aus den USA zogen nach Kanada, besetzten Fort Erie für kurze Zeit und zogen sich nach kurzen Gefechten in die USA zurück. Ziel war wahrscheinlich eine Art Erpressungsaktion für die Befreiung Irlands. |
| 1867 | Ein Fenieraufstand in Irland, bei dem auch aus
den USA zurückgekehrte Iren mitkämpfen sollten, scheiterte wegen Verrat.
Fenierführer wurden exekutiert, und eine Bombe tötete 14 Menschen in
London (die Clerkenwell-Explosion). Der Bombenleger war ein Jahr später
der letzte öffentlich Hingerichtete in Britannien. In New York gründete Jerome J. Collins den Clan na Gael, eine Art irischer Separatistenbewegung. |
| 1869 | Der britische Premierminister Gladstone hob die anglikanische Staatskirche in Irland, die Church of Ireland, auf (Irish Church Act). |
| 1870 | Isaac Butt gründete die Home-Rule-Bewegung (Forderung nach irischer Selbstverwaltung und einem eigenen, wenn auch untergeordneten Parlament), die nicht unbedingt bei der britischen Regierung, aber besonders bei den nordirischen Loyalisten aus Angst vor Unterdrückung (warum wohl?) auf Ablehnung stieß. |
| 1877 | Charles Stewart Parnell, der "ungekrönte König Irlands", und ein paar andere Home-Rule-Anhänger blockierten die Geschäfte im Londoner Unterhaus. |
| 1879 | Michael Davitt gründete mit Parnells Unterstützung
die Land League, eine große genossenschatlich organisierte
Solidargemeinschaft, mit dem Ziel, die Pachtbauern vor Wucherzinsen und Kündigung
zu schützen und das Land wieder in die Hände von Iren zu bringen. Das
waren die so genannten "drei F's": fair rents, fixity of tenure,
free sale (dt. etwa: faire Pachten, Beständigkeit des Pachtvertrages,
freier Verkauf). Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts konnte die Land League
50 Prozent des Landes im Besitz von Katholiken vorweisen - Mitte des 18.
Jahrhunderts waren es ganze 5 Prozent. In Knock gab es eine Erscheinung der Heiligen Jungfrau. |
| 1880 | Charles Stuart Parnell forderte, dass jeder, der eine Farm, deren Eigentümer vertrieben worden war, übernimmt, von seinen Freunden gemieden werden solle. Der erste, dem dieses widerfuhr, war der Gutsverwalter und Lord Erne's Agent in Mayo Charles Boycott. Er wollte trotz schlechter Ernten die überhöhten Pachtzinsen eintreiben. Daraufhin arbeitete niemand mehr für ihn, und er musste schlussendlich aufgeben. Sein Name ging sowohl als Substantiv wie auch als Verb in den allgemeinen Sprachgebrauch ein, neben ähnlich entstandenen Begriffen wie Sabotage oder lynchen. |
| 1881 | Gladstone's zweiter Land Act (der erste war gescheitert) garantierte die drei F's. Parnell lehnte ihn wegen ungeklärter Schuldenfragen ab. |
| 1884 | Die in Thurles, Tipperary neu gegründete Gaelic Athletic Association setzt sich für traditionelle gälische Sportarten ein. |
| 1885 | Parnell unterstützte mit seinen 86 irischen Abgeordneten (mit denen er im Parlament das "Zünglein an der Waage" war) Premierminister Gladstone. Dafür versprach der öffentlich die Einführung irischer Home Rule. |
| 1886 | An der Home Rule entzündeten sich heftige Streitigkeiten im Parlament und in Irland. Gladstone's First Home Rule Bill wurde vom Unterhaus abgelehnt, woraufhin sich das Parlament auflöste und die Konservativen die hauptsächlich um die Home Rule geführte Wahl gewannen. In Irland (besonders in Ulster) gründeten sich verschiedene unionistische (die Union mit Britannien befürwortende) Vereinigungen gegen die Home Rule. |
| 1887 | In England wurde versucht, Parnell mit Hilfe von
Briefen, in denen er zwei politische Morde rechtfertigte, zu diffamieren. Die Gaelic Athletic Association führte zum erstenmal die (später jährlich durchgeführten) All Ireland Finals in den Sportarten Hurling und Gaelic Football durch. |
| 1889 | Parnell wurde rehabilitiert, nachdem die Briefe als Fälschungen erkannt wurden. Er erhielt "Standing Ovations" im Unterhaus. |
| 1890 | Die Home Rule scheiterte endgültig. Gladstone erklärte, dass mit Parnell als Vorsitzender der Irish Party die Home Rule nicht zu machen sei. Parnell's Fraktion zersplitterte. |
| 1891 | Parnell starb verbittert. Zu seinem Begräbnis in Dublin kamen 200000 Menschen. |
| 1893 | Die von Douglas Hyde (Schriftsteller) und Eoin Mac Neill gegründete Gaelic League machte sich zum Ziel, die irische Sprache neu zu beleben. |
| 1896 | James Connolly gründete die Arbeiterbewegung Irish Socialist Republican Party. |
| 1898 | Nach englischem Vorbild ward in Irland eine Art kommunale Selbstverwaltung eingeführt. |
| 1899 | In Afrika begann der Burenkrieg. England wollte die Gebiete der Buren, Nachfahren holländischer Siedler, im Süden des Kontinents unter seine koloniale Kontrolle bringen. In diesem Krieg erfanden die Briten eine Einrichtung namens Konzentrationslager. Major John MacBride bildete eine Irische Brigade, um den Buren zu helfen. |
| 1900 | Die United Irish League wurde gegründet. |
| 1904 | In Limerick kam es zu einem antisemitischen Pogrom. |
| 1905 | Arthur Griffith führte ein Programm mit dem Namen Sinn Fein (etwa "Wir selbst") ein. Später nannte sich auch seine Zeitung so. |
| 1907 | Aus der Verschmelzung mehrerer nationalistischer Bewegungen erwuchs die Partei Sinn Féin. |
| 1908 | Papst Pius erließ das Dekret "Ne Temere", durch das Mischehen zwischen Katholiken und Protestanten praktisch verboten wurden. Ein weiterer Grund dafür, warum die Protestanten in "Nordirland" die katholische Mehrheit fürchteten ("Home Rule = Rome Rule"). |
| 1912 | Das 1911 bei Harland & Wolff in Belfast vom
Stapel gelaufene Schiff Titanic, das damals größte Schiff der
Welt, sank auf seiner Jungfernfahrt in der Nacht vom 14. zum 15. April
1912 nach einer Kollision mit einem Eisberg im Nordatlantik. Drei Viertel der Protestanten in Ulster unterzeichneten ein Gelöbnis, jegliche Autonomiebestrebungen mit allen nötigen Mitteln zu verhindern, nachdem Premier Asquith die dritte Home Rule Bill eingeführt hatte und ein unionistischer Antrag, Ulster unter englischer Verwaltung zu belassen, gescheitert war. |
| 1913 | Die dritte Home Rule Bill scheiterte im Oberhaus. Im September eskalierte ein Streik der Dubliner Straßenbahnfahrer zu einer Straßenschlacht mit einem Toten und 500 Verletzten. Die Ulster Volunteer Force (UVF) wurde aus bestehenden paramilitärischen Organisationen gegründet mit dem Ziel, das Gelöbnis von 1912 zu erfüllen. Als Reaktion auf von der Polizei tolerierte Waffenlieferungen an die UVF gründeten nationalistische Kräfte die Irish Volunteers und begannen ebenfalls, Waffen nach Irland zu schmuggeln. |
| 1914 | Beginn des ersten Weltkrieges. Tausende Iren starben auf den Schlachtfeldern für die englische Armee. Die englischen Schwierigkeiten ausnutzend, formierte sich in Irland verstärkter Widerstand, allerdings kam es eben wegen des Krieges noch nicht zum Aufstand. Die Home-Rule-Gesetze wurden ausgesetzt. Über das Für oder Wieder der Unterstützung Englands im Krieg spaltete sich die nationalistische Bewegung in moderate und radikale Kräfte. |
| 1915 | Ein deutsches U-Boot brachte den Passagierdampfer Lusitania vor der Küste Corks zum Sinken. Etwa 1200 Menschen kamen ums Leben. Es wird heute angenommen, dass auf dem Schiff auch Waffen nach England gebracht werden sollten, da ein Torpedotreffer allein nicht den sofortigen Untergang des Schiffes bewirkt hätte. |
| 1916 | Der Osteraufstand: am 24. April erhoben
sich etwa 1000 Kämpfer der Sinn Fein und der Gewerkschafter James
Connollys unter dem Namen Irische Republikanische Armee gegen die Briten,
besetzten u.a. mit ca. 150 Mann das Hauptpostamt in Dublin sowie eine
Handvoll anderer Gebäude in der ganzen Stadt. Angeführt wurden sie vom
Lehrer Padraig Pearse und James Connolly. Schlecht bewaffnet und mit
Brotvorrat für eine Woche, rief Pearse die Unabhängigkeit und eine
irische Republik aus, in der Hoffnung, dass sich das Volk im ganzen Lande
erhebe. Nach fünf Tagen ward der Aufstand brutal niedergeschlagen, das
Postamt zerstört, Pearse und Connolly erschossen. Doch die öffentliche
Meinung in Irland begann sich endgültig gegen Großbritannien zu stellen.
Yeats schrieb: A terrible beauty is born. Der ehemalige englische Konsularmitarbeiter Sir Roger Casement reiste kurz zuvor mit einem U-Boot und einer Waffenladung von Deutschland nach Irland. Er wurde von den Engländern des Verrats angeklagt und gehängt. Weiterführende Informationen: |
| 1918 | Überwältigender Wahlerfolg für die Sinn Féin, die 73 Sitze gewannen, darunter einen für die Gräfin Markievicz, die bereits beim Osteraufstand mitgekämpft hatte und die nun als erste Frau überhaupt einen Sitz im englischen Unterhaus erhielt. Die Sinn Féin weigerte sich bereits vor der Wahl, das englische Parlament anzuerkennen. |
| 1919 | Die Sinn Féin rief das irische Abgeordnetenhaus
"Dail Eireann" in Dublin aus. Dieses gab eine Unabhängigkeitserklärung
heraus und wählte zunächst Cathal Brugha zum Präsident. Am selben Tag
(dem 21. Januar) begann mit der Tötung zweier Polizisten in Soloheadbeg,
Tipperary, der Unabhängigkeitskrieg gegen Britannien, eine Art
Guerilla-Kampf verschiedener Truppen gegen Polizei und britische Beamte.
Michael Collins und andere radikale Kräfte waren der Ansicht, dass die
Unabhängigkeit nur mit Waffengewalt zu erlangen sei. Drei Monate später
wurde Eamon de Valera, der mit Hilfe von Michael Collins aus dem Gefängnis
geflohen war, zum Präsidenten gewählt. Das alles erfolgte natürlich gegen den Willen der Engländer und ohne internationale Anerkennung. |
| 1920 | Britannien schickte brutale gewalttätige Söldnertruppen,
die "Black and Tans", rekrutiert aus Weltkriegsveteranen,
um die Royal Irish Constabulary (Polizei) zu unterstützen. Sie alle
terrorisierten auch und gerade die Zivilbevölkerung. Die Irish Republican Army (IRA) wurde offiziell gegründet. Obwohl schlecht bewaffnet, kämpfte sie effektiv gegen die Polizei. In Ulster wurde die Royal Ulster Constabulary (RUC) gegründet. In Indien meuterten die irischen Soldaten der dort stationierten Connaught Rangers. |
| 1921 | Es kam zu einem Waffenstillstand zwischen den
britischen Truppen und Sinn Féin. Sinn Féin schickte eine Delegation
unter Arthur Griffith und Michael Collins nach London. Auf der dort
abgehaltenen Anglo-Irischen Konferenz war Premier Lloyd George bereit,
Irland den Status eines Dominions (selbständiges Mitglied des
Commonwealth) zuzugestehen, unter der Bedingung, dass 6 Grafschaften der
Provinz Ulster nicht dazugehörten, andernfalls werde man den bewaffneten
Kampf wieder aufnehmen. Der Anglo-Irische Vertrag wird unterzeichnet.
Irland ist unabhängig. Michael Collins sieht in der teilweisen Unabhängigkeit
einen ersten Schritt und akzeptiert sie, überwirft sich darüber aber mit
de Valera. Antikatholische Straßenkämpfe sind in Belfast an der Tagesordnung. Weiterführende Informationen: |
| 1922 | Der Dail ratifiziert den Anglo-Irischen Vertrag
nach heftiger Debatte mit 64 zu 57 Stimmen. Eamon de Valera trat als Präsident
zurück und verließ mit seinen Anhängern (später die "Irregulars"
genannt) den Dail. Am 16. Januar übergeben die Briten Dublin Castle
offiziell an Michael Collins. Bei der ersten freien Wahl im Freistaat
gewinnen die Vertragsanhänger eine klare Mehrheit. Die Irregulars besetzen die Four Courts (Gerichtsgebäude in Dublin). Mit dem Beschuss durch Truppen des Freistaats beginnt der Irische Bürgerkrieg. Die IRA (nunmehr Bezeichnung für die Rebellenarmee im Gegensatz zur Free State Army) geht in den Untergrund. Dail-Mitglieder werden ermordet, IRA-Gefangene exekutiert. Im August 1922 wird Collins bei einem Attentat der IRA im County Cork erschossen. |
| 1923 | Die schwindende Unterstützung für die IRA
erzwingt einen Waffenstillstand, welcher den geteilten Zustand
festschreibt. Nach dem Tod des militärischen Rebellenführers Liam Lynch
beendet de Valera am 24. Mai die Kampfaktionen der Vertragsgegner. Der Freistaat gründet eine eigende Polizei, die Garda Siochána, und tritt dem Völkerbund, dem 1919 gegründeten Vorläufer der UNO, bei. |
| 1924 Die neu gegründete Filmzensurbehörde verbietet über 100 Filme. 1925 Dublin erkennt de facto die Existenz eines unabhängigen "Nordirland" an. Die Unionisten kontrollieren in "Nordirland" praktisch das gesamte Parlament. Die Legalisierung von Scheidungen im Freistaat wird unterbunden. 1926 Eamon De Valera überwirft sich mit Sinn Fein und gründet die Partei Fianna Fáil ("Schicksalskameraden"). 1930 Die Zensurbehörde beginnt, Bücher und Publikationen zu verbieten. 1931 Der Public Safety Act (dt. etwa Gesetz für die öffentliche Sicherheit) erweitert Polizei- und Militärkompetenzen zur Bekämpfung politischer Verbrechen. 12 Organisationen werden verboten, darunter die IRA, die jedoch weiterhin Anschläge begeht. 1932 Eamon De Valera und seine Fianna Fáil gewinnen die Wahlen und stellen die neue Regierung. Politische Gefangene werden freigelassen, das Militärtribunal und der Treueschwur auf den König werden abgeschafft. De Valera beendet die jährlichen Pachtzahlungen an England, die noch aus den Zeiten der "Land Wars" herrühren. Deshalb kommt es zu einem Wirtschaftskrieg ("Trade War"): die britische Regierung belegt Importe aus Irland mit einer Einfuhrsteuer von 40%, was dramatische Einbrüche der irischen Wirtschaft zur Folge hat, die noch rein agrarisch geprägt ist und deshalb wirtschaftlich noch von Britannien abhängig ist. 1933 Diverse nationalistische Bewegungen und Veteranenvereinigungen verschmelzen zur Partei Fine Gael. 1936 Die Freistaatregierung trennt die meisten restlichen Verbindungen mit Britannien in Vorbereitung auf eine neue Verfassung. Die "Blueshirts", eine Gruppierung von Armeeveteranen, wird aus der Fine Gael hinausgeworfen. Eine Gruppe von 450 von ihnen kämpft im spanischen Bürgerkrieg auf der Seite des putschenden faschistischen Generals Franco. 150 Republikanische Kräfte bilden den James-Connolly-Zug in den gegen Franco kämpfenden Internationalen Brigaden. Die Fluggesellschaft Irish Sea Airways eröffnet ihre erste Verbindung. Später wurde sie zur Aer Lingus, der nationalen Fluglinie. 1937 Eamon De Valera schreibt die neue Verfassung Constitution of Éire. In ihr ist auch der Anspruch auf die gesamte Insel und die Wiedervereinigung festgeschrieben. Sie wird in einem Referendum vom Volke angenommen (zugleich die Fianna Fáil als Regierungspartei bestätigt) und tritt am 29. Dezember in Kraft, kann jedoch wegen des Kriegsausbruchs nicht korrekt umgesetzt werden und stößt in "Nordirland" wegen der Forderung nach Wiedervereinigung und wegen der engen Bindung an den katholischen Glauben auf Ablehnung. Irisch wird zur ersten Amtssprache. 1938 Verhandlungen beenden den Handelskrieg. Die Engländer geben ihre letzten militärischen Stützpunkte auf. 1939-1945 Der zweite Weltkrieg beginnt. Irland bleibt neutral, denn "England's difficulty is Irelands opportunity", "Englands Schwierigkeit ist Irlands Chance", und weigert sich auch, deutsche und japanische Diplomaten auszuweisen. Die Ansicht "Wer der Feind unseres Feindes ist, ist unser Freund" ist übrigens auch die Ursache, warum die Iren es in ganz seltenen Fällen z.T. heute noch mit Adolf Hitler nicht ganz so ernst nehmen. Die Nazis drehen mehrere abstruse, wenn auch inhaltlich nicht gänzlich falsche gegen England gerichtete Propagandafilme, die englische Verbrechen in Irland zum Gegenstand haben. "Nordirland" ist wegen seiner für Britannien kriegswichtigen Industrie wiederholt Ziel deutscher Bombardierungen. Einige deutsche Bomben treffen fälschlicherweise auch die Republik Irland. Die Einwohner legen aus weißen Steinen riesige Buchstaben "Eire" in die Landschaft, die heute noch zu sehen sind. Bis Kriegsende haben etwa 200000 Iren für die Alliierten gekämpft. Nach dem Krieg stritten sich Winston Churchill und Eamon De Valera über die Neutralität Irlands. England erkennt die irische Verfassung an und zieht es in der Folgezeit vor, die letzten Reste seines guten Rufes in anderen Teilen der Welt zu ruinieren, darunter Indien und Palästina, wo es nach Kräften hilft, den Grundstein für die bis heute dort andauernden Konflikte zu legen. 1946 Irlands Beitritt zu den Vereinten Nationen scheitert am Veto Russlands. Das Bord na Mona wird gegründet, um die irischen Torfvorkommen auszubeuten. 1947 Die Statue von Königin Victoria wird vom Vorplatz des irischen Parlaments in Dublin entfernt. 1949 Nach der Erklärung der Koalitionsregierung aus Fine Gael und Labour, eine Republik ausrufen zu wollen, garantiert die englische Regierung im Ireland Act (Irlanderlass) den Verbleib "Nordirlands" bei Britannien, solange eine Mehrheit dies will. Irland wird formell zur Republik, aus dem Commonwealth hinausgeworfen und tritt in den Europarat ein. Außerdem weigert sich die irische Regierung, der NATO beizutreten und so Irlands Neutralität zu kompromitttieren. 1952 Das Bord Failte wird gegründet, um den Tourismus in Irland zu fördern. Das Adoptieren von Kindern wird erlaubt, auch wenn das Kind keiner anderen Religion angehören darf und gemischtkonfessionelle Paare überhaupt nicht adoptieren dürfen. 1953 Wochenschau-Filme (Nachrichten im Kino in Zeiten, als es weder Fernsehen noch Internet gab) von der Krönung der englischen Königin Elisabeth II. werden in der Republik Irland verboten. 1954 Die irische Trikolore wird in "Nordirland" praktisch verboten. John Ronald Reuel Tolkien, Professor für englische Sprache in Oxford, erhält den Ehrendoktortitel für Literatur an der Universität Dublin. Er ist Erfinder einer von germanischen, keltischen und nordischen Legenden beeinflussten gigantischen Sagenwelt (einschließlich Sprachen), genannt "Mittelerde", in der auch sein bekanntestes Werk, "Der Herr der Ringe", spielt. 1955 Irland tritt den Vereinten Nationen bei. Seitdem werden irische Truppen bei vielen Blauhelmmissionen in aller Welt eingesetzt, das erste Mal 1958 als Beobachter im Libanon. 1956 Die IRA beginnt eine neue Angriffskampagne in "Nordirland". 1959 Im County Mayo wird eine geplante Strasse verlegt, weil sie sonst mitten durch einen Hügel des sagenhaften "Kleinen Volkes" geführt hätte. 1962 Die IRA beendet ihre Kampagne. 1963 Der (irischstämmige) amerikanische Präsident John Fitzgerald Kennedy besucht Irland. 1965 Irland und England gründen eine Freihandelszone. 1966 Zum 50. Jahrestag des Osteraufstandes wird die Nelson-Säule in der Dubliner O'Connell Street gesprengt, wahrscheinlich von IRA-Mitgliedern. Jemand stiehlt Nelsons Kopf. In diesem Jahr beginnen in "Nordirland" friedliche Demonstrationen von Katholiken und zum Teil auch Protestanten gegen die bestehenden sozialen und politischen Ungerechtigkeiten. Die Loyalisten begegnen diesen Demonstrationen mit Gewalt. Die Ulster Volunteer Force (UVF) wird gegründet. Weiterführende Informationen über die gesamte Zeit der "troubles": 1967 Die Northern Ireland Civil Rights Association wird gegründet und fordert ein Ende der Benachteiligung von Katholiken. Die Polizei greift sehr hart durch. Ähnliche Gruppen entstehen. Die Zensur in der Republik wird etwas gelockert. Die Folkgruppe The Dubliners hat zum ersten Mal internationalen Erfolg. 1969 Unter internationalem Druck leitet die britische Regierung Reformen ein, woraufhin die Protestanten protestieren und Bombenanschläge verüben. Als sie beginnen, katholische Viertel in Derry zu überfallen, kommt es zu gewaltigen Straßenschlachten ("Schlacht in der Bogside"). Katholische Einwohner errichten in Belfast Barrikaden, um einen der Oraniermärsche aufzuhalten. Die Polizei wird mit Steinen und Brandsätzen angegriffen. Britische Truppen besetzen "Nordirland", zunächst zum Schutz der katholischen Viertel. Innerhalb von zwei Tagen sterben 6 Menschen, 112 werden verletzt. Ganze Straßenzüge brennen nieder, da die Feuerwehr nicht durchkommt. Die Armee errichtet auch so genannte "Peace Lines", Mauern mit Stacheldraht, um verfeindete Viertel zu trennen, das irische Gegenstück zur Berliner Mauer. Das so genannte "Free Derry", ein Gebiet unter Verwaltung der IRA, in das sich die Briten nicht mehr hineintrauten, besteht mehrere Monate. In der Republik werden bildenden Künstlern und Schriftstellern Steuernachlässe gewährt, woraufhin sehr viele Bürger mit dem Schreiben beginnen. 1970 Die seit 1930 im Untergrund für eine Vereinigung Irlands kämpfende IRA spaltet sich in die Provisorische IRA (die "Provos") und die Official IRA. 1971 Der erste englische Soldat wird durch die IRA getötet. London verstärkt seine militärische Präsenz. Das Internierungsgesetz, nach dem Terrorismus-Verdächtige bis zu einem Jahr lang ohne Begründung, Anwalt oder Gerichtsverfahren festgehalten werden dürfen, wird von Nordirlands Premier Falkner in Bestätigung der ohnehin bereits gängigen Praxis erlassen. 1972 Die Gewalt in "Nordirland" wird direkt der britischen Regierung unterstellt (Vorsicht, doppeldeutig). Seitdem legt die IRA auch Bomben in England. Allein zwischen 1969 und 1972 wurden 60000 Menschen gezwungen, ihre Häuser zu verlassen (darunter 80% Katholiken) - die größte Umsiedlung in Europa zwischen dem zweiten Weltkrieg und dem Kosovo-Konflikt 1998/99. Am 30.1.1972, dem "Blutsonntag von Derry" (Bloody Sunday), demonstrieren Zehntausende trotz Verbots gegen die unrechtmäßige Verhaftung einiger Einwohner. Als Demonstranten Flaschen und Steine werfen, antwortet die Polizei wie überall auf der Welt mit Gummigeschossen, Tränengas und Wasserwerfern. Fallschirmjäger erschießen 14 unbewaffnete Bürgerrechtler. Nun war es der Armee natürlich unmöglich, sich länger als Schutzmacht gegen die Übergriffe loyalistischer Paramilizen darzustellen. In "Nordirland" wächst die Sympathie für die IRA unter den Katholiken. Am 2. Februar geht die britische Botschaft in Dublin in Flammen auf. In den folgenden Jahren verüben protestantische und katholische Gruppen immer wieder Bombenanschläge in "Nordirland", die IRA auch in Britannien und auf dem Festland, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben kommen. Zweimal wird auch die Downing Street angegriffen. Zeitweise sah Derry wie nach einem Luftbombardement aus, und nur 20% der Geschäfte konnten öffnen. 1973 Irland und Britannien werden Mitglied der EG. Die Regierungen der Republik Irland und Britanniens beschließen die Einrichtung eines gesamtirischen Rates. Loyalistische Gruppen in "Nordirland", darunter der Oranierorden und die Partei des rechtsradikalen Reverend (dt. eigentlich "Ehrwürden") Ian Paisley gründen den Ulster United Unionist Council (UUUC, dt. etwa Vereinter Unionisten-Rat in Ulster). 1974 Eine gemischtkonfessionelle Regierung in "Nordirland" scheitert, unter anderem wegen eines großangelegten Streiks der Loyalisten. Die Direktregierung wird wieder eingeführt. Loyalistische Terroristen legen drei Bomben in Dublin (24 Tote) und eine in Monaghan (6 Tote). 1975 Im Februar beginnt ein Waffenstillstand, der jedoch im November endet. In "Nordirland" wird eine Wahl für einen Verfassungskonvent abgehalten. Die geplante Versammlung findet jedoch nicht statt, weil die UUUC eine Machtteilung ablehnt. Eamon De Valera stirbt im Alter von 93 Jahren. 1976 Republikanische Gefangene weigern sich, normale Gefängniskleidung zu tragen, weil sie sich nicht als Kriminelle, sondern als politische Gefangene sehen. Sie tragen nur ihre Laken ("on the blanket", "blanket protest"). 1979 Am 27. August wird Louis Mountbatton, Onkel des walisischen Prinzen Charles, während seines Urlaubs in Irland (Mullaghmore, Co. Sligo) von der IRA mit seinem Boot in die Luft gesprengt. Am selben Tag werden bei einem anderen Anschlag der IRA an der südlichen Grenze "Nordirlands" 18 britische Soldaten getötet. Im Gegensatz zu ersterem Ereignis ist dies den englischen Zeitungen jedoch nur eine Fußnote wert. Papst Johannes Paul II. besucht Irland. Zu einer Messe unter freiem Himmel im Phoenix Park kommen 1 Million Menschen. Der Papst fordert Frieden in Nordirland. 1981 Zehn IRA-Häftlinge sterben bei einem Hungerstreik. Einige von ihnen waren von der Sinn Fein zur Wahl aufgestellt worden und rechtmäßig ins Parlament gewählt worden (damals gab es kein Gesetz, das das verhindert hätte). Mit der Wahl wurde auch das britische Argument von den "Terroristen ohne Rückhalt in der Bevölkerung" widerlegt. Allerdings hatte Sinn Féin weiterhin Sprechverbot in den Medien, und so wurden z.B. Interviews mit Gerry Adams von (im Laufe der Zeit mehreren verschiedenen) anderen Sprechern synchronisiert. Alle Meldungen aus "Nordirland" werden generell zensiert. Deshalb hört man in den Medien auch nur von Anschlägen der IRA. 1982 Die Republik Irland weigert sich, sich an Handelssanktionen der EG gegen Argentinien während des Falklandkrieges (ein zwischen Argentinien und Britannien mit riesigem Aufwand geführter Krieg um ein paar Inseln mit Schafen) zu beteiligen. 1983 In "Nordirland" beginnen die "Supergrass"-Prozesse. Als Supergrasses werden IRA-Gefangene bezeichnet, die im Verhör bzw. unter Psychoterror wie ein Wasserfall reden und sich und viele andere belasten. Das New Ireland Forum wird gegründet. 1984 Das New Ireland Forum veröffentlicht drei Vorschläge zur Lösung des Nordirland-Problems. Die IRA zündet eine Bombe in einem Hotel in Brighton, in dem eine Tagung der Konservativen stattfindet, und verfehlen Margaret Thatcher nur knapp. Einen Monat später lehnt sie die Vorschläge des New Ireland Forums ab. 1985 Das Hillsborough-Abkommen zwischen britischer und irischer Regierung beteiligt die Republik Irland erstmals offiziell an der Krisenbewältigung und sichert ihr ein begrenztes Mitspracherecht in nordirischen Fragen zu. Die Stadt Londonderry wird nach einem Sinn-Fein-Wahlsieg in Derry zurückbenannt, aus Rücksicht trägt die Stadt aber de facto beide Namen. 1988 In "Nordirland" treffen sich die Führer der SDLP und der Sinn Féin (dem inzwischen so genannten politischen Arm der IRA), John Hume und Gerry Adams. Hume wird dafür scharf kritisiert. Drei IRA-Mitglieder werden in Gibraltar von britischen SAS-Sondereinheiten erschossen. Während ihrer Beerdigung in Belfast tötet ein loyalistischer Terrorist drei Trauergäste und verletzt über hundert weitere. 1991 Die Urteile gegen die unschuldigen "Birmingham Six" und "Maguire Seven" werden aufgehoben. 1992 Die loyalistische UDA (Ulster Defence Association), eine Art antikatholische Killerorganisation, wird verboten, obwohl sie bekanntermaßen schon seit Jahrzehnten Morde an Katholiken begangen hat. Die Mehrheit der zivilen Opfer (einschließlich "militärischer Opfer" insgesamt etwa 3500 Tote) des Bürgerkrieges geht auf das Konto der UDA und ähnlicher Organisationen. Durch ein Referendum wird es irischen Frauen erlaubt, im Ausland eine Abtreibung durchführen zu lassen. |