Die Revolution im Iran 1979
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Geschichte des Iran im 20. Jahrhundert
aus Wikipedia und
http://www.politische-bildung-brandenburg
zusammengestellt von Ahmad und Corinna K13
Facharbeit zum Thema:
http://members.aon.at/nima/ |
Im 1.
Weltkrieg (1914-1918) blieb der Iran neutral, aber es gab im Iran Kämpfe um
Ölfelder zwischen russischen und englischen Alliierten und den Türken. 1921
errichtete Reza Pahlavi, ein Divisionsführer, eine neue unabhängige
Regierung. Pahlavi selbst wurde Kriegsminister, 1923 Premierminister und
1925 sogar zum Schah gewählt. Damit endete die Kadscharen-Dynastie.
Die Pahlavis
Reza Schah Pahlavi (1878–1944)
stürzte 1925 den letzten Kadscharen (turkmenische Dynastie im Iran seit
1794) und ließ sich am 12. Dezember zum Schah
(=Kaiser) ausrufen. Er regierte bis 1941 und übergab das Amt danach an
seinen Sohn Mohammad Reza Pahlavi (* 26. Oktober 1919; † 17. Juli 1980).
Dieser war der letzte Schah von Persien. Nach der Revolution 1979 wird der
Iran zum islamischen Gottesstaat, zu einer Theokratie (= Herrschaft der
Priester/Mullahs).
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Vater und Sohn Pahlavi |
Chronik
Am 12. Dezember 1925 wurde Reza
Chan durch das Parlament zum Schah (Reza Schah Pahlavi) ernannt. In den
Jahren 1925 bis 1928 wurde das Wirtschafts-, Straf- und Zivilrecht nach
europäischen (französischen) Vorbildern unter Wahrung islamischer Elemente
umgestaltet. Am 24. April 1926 wurde Reza Chan zum Schah gekrönt, gleich
darauf setzt er die allgemeine Wehrpflicht und eine einheitliche Grundsteuer
ein. Zwischen 1927 und 1938 wurde die Transiranische Eisenbahn erbaut, Die
Nord-Süd-Linie wurde 1929 von der deutschen Firma Berger begonnen. Im Jahr
1927 wurde eine Zentralbank gegründet, die von der British Imperial Bank of
Persia das Privileg der Notenemission und andere Vorrechte übernahm. Von
1928 bis 1938 entdeckte man im Land große Ölfelder, 1928 wurden neue
Zollhandelsabkommen mit vielen Ländern geschlossen. Ein Jahr darauf wurde
westliche Kleidung bei Männern vorgeschrieben. 1931 führte der persische
Staat ein Außenhandelsmonopol ein. Der Iran wurde damit wie der Nachbarstaat
Türkei zu einem weltlichen (laizistischen), autoritär von einem Kaiser
regierten Land.
Am 21. März 1935 wurde die
Landesbezeichnung „Persien“ auch in Europa und Amerika durch die im Land
selbst gebräuchliche und offizielle Landesbezeichnung „Iran“ ersetzt. Im
selben Jahr wurden die Anglo-Iranian Oil Company sowie die Universität in
Teheran gegründet. Am 7. Januar 1936 wurde der Schleier (Tschador) bei den
Frauen verboten. Etwas mehr als ein Jahr darauf, am 8. Juli 1937, wurde ein
auf fünf Jahre befristeter Grenzvertrag zwischen der Türkei, Irak und
Afghanistan abgeschlossen.
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Quelle Karte: CIA - world fact book |
Zweiter Weltkrieg
Am 24. August 1941 rückten
britische und sowjetische Truppen von Westen und Süden in den neutralen Iran
ein. Am 10. September wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Die neue
Regierung akzeptierte die Forderungen Großbritanniens und der Sowjetunion,
darunter die Freistellung von Eisenbahn- und Straßenanlagen für den
Transport von Kriegsmaterial an die Sowjetunion. Der Iran war die sicherste
Verbindung zwischen den USA und der UdSSR. Sechs Tage später, am 16.
September, musste Reza Schah Pahlavi aufgrund seiner deutschfreundlichen
Haltung auf Druck der Alliierten zu Gunsten seines Sohnes Mohammad Reza
Pahlavi (1919-1980) abdanken. Sein erstes Exil war Mauritius, danach
Südafrika, Länder die unter britischer Verwaltung standen. Am 29. Januar
1942 wurde ein Bündnisvertrag zwischen Großbritannien, der Sowjetunion und
dem Iran geschlossen. Unter Artikel 5 wurde festgelegt, dass alle alliierten
Truppen spätestens sechs Monate nach Kriegsende den Iran verlassen müssen.
Etwas mehr als ein Jahr später, am 8. April 1943, schloss der Iran mit den
Vereinigten Staaten ein Handelsabkommen, das den US-amerikanischen Zoll auf
persische Teppiche und andere iranische Produkte gegen Konzessionen
herabsetzte. Am 9. September 1943 erklärte der Iran den Achsenmächten den
Krieg.
Der ehemalige Schah, Reza Schah
Pahlavi, starb am 26. Juli 1944 in Johannesburg. Am 22. Januar 1946 wurde
die Republik Kurdistan in Mahabad im Westen des Landes von Qazi Mohammed auf
dem Car-Cira-Platz ausgerufen. Er war dadurch Präsident des einzigen
kurdischen Staates der Neuzeit. Am 1. März 1946 verließen die britischen
Truppen den Iran. Am 6. Mai 1946 verließen auch die sowjetischen Truppen das
Land, nachdem die US-Regierung massiven Druck ausübte. Am 16. Dezember 1946
eroberten iranische Truppen die Republik Mahabad zurück, der Staat bestand
nicht einmal ein Jahr.
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Krönung des Schahs
Quelle Wikimedia commons |
Nachkriegszeit
Am 4. Februar 1949 fand ein
missglücktes Attentat auf den Schah an der Universität Teheran statt.
Mohammad Mossadegh (1881–1967) (politischer Gegner von Mohammad Reza Pahlavi),
wurde am 29. April 1951 Ministerpräsident. Mossadegh führte am 1. Mai die
Verstaatlichung der Anglo-Iranian-Oil Co. durch. Am 16. Juli 1952 trat
Mossadegh aufgrund der Ölkrise freiwillig zurück. Der Schah sah sich durch
landesweite Proteste gezwungen, ihn wieder einzusetzen. Am 16. August 1953
floh der Schah ins Ausland. Drei Tage darauf wurde Mossadegh durch die Armee
gestürzt – mit Hilfe der CIA, („Operation Ajax“). Am 28. Oktober 1954 wurde
ein neuer Vertrag mit der Anglo-Iranian-Oil-Co. beschlossen. Die beteiligten
17 Ölkonzerne gestanden die Hälfte des Gewinnanteils an Iran zu.
Am 14. September 1960 erfolgte
die Gründung der OPEC mit den Mitgliedsstaaten Iran, Irak, Kuwait,
Saudi-Arabien und Venezuela. Anlass der Gründung waren die Preisdiktate der
Mineralölkonzerne. Im Jahr 1962 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt, es
fand eine Landreform statt – die Krongüter wurden unter landlosen Bauern
aufgeteilt. Ein Jahr später leitete Mohammad Reza Pahlavi die Weiße
Revolution zur Modernisierung des Landes ein (unter anderem mit einer
Bodenreform sowie dem Frauenstimmrecht), er verweigerte aber eine
Demokratisierung der politischen Strukturen. Die Amerikaner hatten im Laufe
der Irankrise im Nahen Osten das Heft in die Hand genommen – mehr als drei
Jahre vor dem Konflikt um die Besetzung des Suezkanals in Ägypten. Im Iran
errichteten sie das Paradebeispiel eines korrupten und brutalen
Marionettenregimes. Gefüttert mit hoher Militär- und Wirtschaftshilfe sowie
gestützt durch einen rücksichtslosen Geheimdienst SAVAK, machten sie den
Schah für die nächsten fünfundzwanzig Jahre zur starken Figur im Land – und
zu einem der verhasstesten Diktatoren der islamischen Welt.
Massiv und mit Unterstützung
durch die USA trieb Mohammed Reza Schah Anfang der 60er Jahre die
Modernisierung des Landes voran. Der Iran war wichtiger militärischer
Verbündeter der USA im so genannten CENTO-Pakt (entspricht der NATO im
Nahen Osten). Als wichtige Stütze neben England, der Türkei und Pakistan
wurde die Verwestlichung Persiens vorangetrieben. Mit gewissem Erfolg: Gab es 1965 nur 694
Fabriken im Land, so stieg ihre Zahl bis 1972 auf 5661. Die Lebenserwartung
der Iraner erhöhte sich von 27 Jahren (1941) auf 46 Jahre (1976).
Gleichzeitig aber klaffte die Schere zwischen Reich und Arm, Stadt und Land
immer weiter auseinander. Wie ein Hohn wirkten da die prunkvollen Feiern zum
2500-jährigen Bestehen der iranischen Monarchie, welche der Schah 1971 in
Persepolis zelebrierte. Jegliche Opposition unterdrückte ein äußerst
repressiver Sicherheitsapparat im Keim.
Im Jahr 1964 wurde der
oppositionelle Geistliche Khomeini vom
Schah ins Exil in die Türkei geschickt. 1967 wurde das Gesetz zum Schutz der
Familie eingeführt. Dieses Gesetz erschwerte die Scheidung für Männer und
erleichterte sie für Frauen, und es gab Frauen die Möglichkeit, das
Sorgerecht für Kinder auszuüben. Am 26. Oktober 1967, seinem 48. Geburtstag,
krönt sich der Schah zum Kaiser (Ehefrau Farah Dibah).
1967 besucht der Schah die
Bundesrepublik. Bei Demonstrationen gegen die Diktatur des Schah und die
Gewalt des Geheimdienstes Savak werden Demonstranten von der Geheimpolizei
des Schah in Berlin niedergeprügelt. Ein Demonstrant, Benno Ohnesorg, wird
von einem Polizisten in Berlin in einem Hinterhof erschossen, was
gewalttätige Proteste auslöst und als eine der Ursachen für den bewaffneten
Widerstand der RAF in den 70er Jahren gilt.
Der Iran verfolgt eine
hegemoniale Politik. Die Aufrüstung Irans zur größten Militärmacht der
Region geschah zunächst mit US-Krediten, später waren bis zu 41.000
militärische und 20.000 zivile US-Berater im Iran. 1969 kam es zum Konflikt
mit dem Irak um die Grenze und Schifffahrt am Schatt al-Arab. Der Iran
kündigte den Vertrag von 1937. Ein Jahr darauf entführte die
Guerillabewegung „Iranische Befreiungsfront“ den amerikanischen Botschafter.
Die Täter wurden im Juni 1973 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt.
Im Jahr 1971 fand die 2500 Jahr-Feier Irans statt. Es wurde ein
5-Jahres-Plans für Rüstung verabschiedet und ein Abkommen mit den USA über
Waffenkäufe im Wert von 2 bis 3 Milliarden US-Dollar unterzeichnet. Die
Britischen Truppen zogen endgültig vom Golf ab.
Die Tumb-Inseln wurden
militärisch besetzt und die arabischen Bevölkerung vertrieben.
Marinestützpunkte zur Sicherung der Öltransporte durch die Straße von Hormus
wurden errichtet. Im Oktober 1972 wurde ein Abkommen über wirtschaftliche
und technische Zusammenarbeit mit der Sowjetunion anlässlich eines
Staatsbesuchs des Schahs in Moskau vom 10. bis 21. Oktober 1972
unterzeichnet. Am 31. Juli 1973 wurde ein Abkommen mit dem internationalen
Erdölkonsortium, bestehend aus den USA, Frankreich, Großbritannien und den
Niederlanden, geschlossen. Die National Iranian Oil Company (NIOC) übernahm
alle Anlagen der Erdölwirtschaft in Staatsbesitz, da nach Meinung der
iranischen Führung das Konsortium die restriktiven Maßnahmen durch das
Abkommen von 1955 nicht eingehalten hatte. Im Jahr 1975 wurde ein
Einparteiensystem eingeführt und ein Abkommen mit Irak zur Regelung offener
Grenzfragen abgeschlossen.
1977 rutschte das Land in eine
Versorgungskrise. Die von Intellektuellen getragene Nationale Front forderte
das Ende der Diktatur des Schahs. Am 7. und 8. Januar 1978 kam es zu
Demonstrationen für Ayatollah Chomeini. Am 8. August versprach der Schah
politische Freiheiten, freie Wahlen und die Pressefreiheit. Schwere Unruhen
waren die Folgen. Fünf Tage darauf wurde das Kriegsrecht in mehreren Städten
ausgerufen. Als Konzession an die Schiitenpartei wurde die Rückkehr zum
islamischen Kalender und die Schließung der Spielkasinos beschlossen sowie
politische Parteien wieder zugelassen. Am 7. September kam es zu einem
Generalstreik, die Streikwelle legte die Ölproduktion still. Das Kriegsrecht
wurde daraufhin auf alle Städte ausgedehnt. Gegen den Schah arbeiteten die
schiitische Geistlichkeit mit den, die westlichen Wirtschaftsreformen
fürchtenden Basaris (konservative Händlerschicht), den verarmten bauern und
den Studenten und der intellektuellen Oberschicht zusammen. Neun Tage später forderte das
zweitschwerste Erdbeben der iranischen Geschichte mindestens 25.000 Tote. Am
5. November bildeten Chomeini und die Nationale Front in Paris die
Iranisch-Islamische Nationalbewegung. Einen Tag später wurde eine
Militärregierung eingesetzt. Am 16. Januar 1979 verließ der Schah, Mohammad
Reza Pahlavi, den Iran. Zunächst hielt er sich bis zum 15. Dezember in den
USA auf, danach in Kairo. Dort starb er am 27. Juli 1980. Die oberste
Autorität wurde der Schiitenführer Ruhollah Chomeini (1902–1989), der am 1.
Februar in den Iran zurückkehrte. Die Koalition, die den Schah stürzte
zerbrach sehr schnell.
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Mossadegh

Der Schah in der BRD auf Staatsbesuch neben Bundespräsident Lübke |
Die Islamische Republik
Chomeini proklamierte am 1. April
1979 die Islamische Republik Iran. Islamische Revolutionäre besetzten 1979
die Botschaft der USA in Teheran. Die Gefangenen kamen erst im Januar 1981
frei (siehe Geiselnahme von Teheran und Operation Eagle Claw).
Der Krieg zwischen Irak und Iran
Da während der islamischen
Revolution die regulären Streitkräfte des Nachbarlandes faktisch zerschlagen
wurden, nutzen die Iraker die vermeintliche Gunst der Stunde und
marschierten im September 1980 in den Iran ein (mit Billigung und
Unterstützung des Westens). Nach Anfangserfolgen lief der Vorstoß fest, und
bis Juni 1982 mussten die irakischen Truppen hinter die völkerrechtlichen
Grenzen zurückweichen. Nunmehr versuchte sich das Mullah-Regime in der
„Befreiung“ der heiligen schiitischen Stätten des Irak. Der folgende
mörderische Stellungskrieg zog sich noch bis 1988 hin und forderte insgesamt
etwa eine Million Opfer. Der durch die Niederlage destabilisierte Irak blieb
ein Sicherheitsrisiko in der Region. Nachdem das Land bereits 1961 und 1973
einen „Anschluss“ des benachbarten Scheichtums Kuwait erzwingen wollte,
drang im August 1990 die Armee Bagdads in den Kleinstaat ein und besetzte
ihn. 1991 zwang eine UN-Armee unter Führung der USA den Irak zum Rückzug.
Allerdings zerschlugen die Alliierten das Sadam-Regime nicht völlig: Dieses
hatte noch Kraft genug, unter den Augen der Weltöffentlichkeit einen
Aufstand der Kurden und Schiiten brutal niederzuwerfen. => s. auch
Irak-Krieg
weitestes Vordringen des Irak im Iran Quelle
Wikimedia
Zu Beginn der Revolution wurde
Mehdi Basargan Ministerpräsident der provisorischen Regierung. Am 25. Januar
1980 wurde Abu l-Hasan Banisadr Präsident, er musste jedoch aufgrund
unüberbrückbarer Widerstände im Hinblick auf die zukünftige Politik am 10.
Juni 1981 den Iran verlassen. Er floh nach Paris. Durch den Wahlsieg der
religiösen Islamisch Republikanische Partei (IRP) im Jahr 1981 löste sich
der Revolutionsrat am 9. Mai auf. Ein verheerender Bombenanschlag am 29.
August auf die Parteiversammlung der IRP brachte, mit Hilfe der CIA, das
Gefüge der Revolution völlig durcheinander. Parteiführer Ayatollah Mohammed
Hussein Beheschti (* 1929) und über 70 weitere Abgeordnete wurden getötet.
Auch der neue Präsident Mohammad Al Radschani und der neue Ministerpräsident
Mohammad Javad Bahonar waren unter den Opfern. Am 2. Oktober wurde
Hojatoleslam Seyyed Al Chamenei Präsident - Mir Hossein Moussavi nahm den
Posten des Ministerpräsidenten ein.
1982 trat das Strafgesetz der
Islamischen Republik Iran vom 25. August in Kraft. Bei den Parlamentswahlen
am 15. April 1984 verlor die IRP die absolute Mehrheit, Moussavi blieb
jedoch Ministerpräsident. Am 16. August 1985 wurde Ali Chamenei als
Präsident wiedergewählt. Im Jahr 1986 wurden geheime Waffenlieferungen der
USA an den Iran in der Iran-Contra-Affäre aufgedeckt, welche die
Glaubwürdigkeit der iranischen wie auch der amerikanischen Seite
erschütterte. Die Auflösung der IRP am 2. Juni 1987 bestätigte nur das
völlige Abweichen des ursprünglichen Revolutionsgedankens. Am 2. Juni 1988
ernannte Chomeini (der Iran stand im Krieg gegen den Irak am Rande einer
Niederlage) den Parlamentspräsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani zum
amtierenden Oberkommandierenden. Chomeinis Fatwa gegen Salman Rushdie vom
14. Februar 1989 isolierte den Iran außenpolitisch völlig. Mit dem Tod von
Ayatollah Chomeini am 3. Juni begann der Kampf um die Nachfolge. Der
bisherige Staatspräsident Ali Chamenei wurde am 4. Juni vom Wächterrat zum
neuen religiösen Führer bestimmt. Den Kampf um die Macht gewann aber
Parlamentspräsident Rafsandschani. Er wurde zum Staatspräsidenten gewählt
und erhielt durch eine Verfassungsänderung größere exekutive Befugnisse
durch den Wegfall des Ministerpräsidentenamtes.
Bei den Parlamentswahlen am 10.
April 1992 gewannen die Anhänger Rafsandschanis rund 70 Prozent aller Sitze.
Rafsandschani wurde 1993 für weitere vier Jahre im Amt des Staatspräsidenten
gewählt. Bei den Präsidentschaftswahlen am 23. Mai 1997 siegte der ehemalige
Kulturminister Mohammad Chatemi. Ein beschränkter Liberalisierungsprozess
begann mit ihm, dessen Grenze stets von Wächterrat (Chamenei) eingeschränkt
wurde.
Im Oktober 2003 wurde Schirin
Ebadi mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Nachdem bei
den Wahlen vom 20. Februar 2004 tausende von liberalen Kandidaten
ausgeschlossen waren und andere reformorientierte Politiker ihre Kandidatur
zurückgezogen hatten, war die Wahlbeteiligung nach offiziellen Angaben des
Innenministeriums mit nur 50,57 % die niedrigste seit Bestehen der
Islamischen Republik. Im Anschluss an die Wahlen kam es zu Straßenschlachten
mit den Sicherheitskräften in mehreren Städten, bei denen acht Personen
getötet wurden. Im November des Jahres gab der Iran bekannt, dass das Land
keine Atomwaffen entwickeln wolle; die USA, aber auch europäische
Regierungen betrachteten dieses Versprechen weiter mit einem gewissen
Misstrauen. Im Konflikt um das Atomprogramm des Iran kam es 2005 unter dem
Druck der USA und Großbritanniens zu Verhandlungen zwischen Iran und den
EU-3, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Im selben Jahr wurde
Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten gewählt. Dieser zeichnet sich durch
seinen Antisemitismus, seinen Wunsch Israel zu vernichten und seine
aggressive Suche nach Atomwaffen aus. Der Iran weigert sich, sein
Atomprogramm durch die internationalen Gremien überprüfen zu lassen. Es
besteht deshalb der Verdacht, dass in den Atomanlagen des Iran waffenfähiges
Uran durch Anreicherung hergestellt wird. Die Beziehungen zum Westen haben
sich dadurch weiter verschlechtert.
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Ankunft Chomeinis aus dem Exil in Paris Januar 1979


Geiselnahme 1979 in Teheran - Für 444 Tage werden Mitarbeiter der
US-Botschaft in Teheran als Geiseln gefangen gehalten. Ein Befreiungsversuch
1980 scheitert. |
Die Verfassung der
islamischen Republik:
http://www.eslam.de/manuskripte/verfassung_iri/verfassung_iri.htm
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Quellen
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Reden Ayatollah Khomeinis
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1st speech.
"I must tell you that Mohammad Reza Pahlavi, that evil traitor, has gone.
He fled and plundered everything. He destroyed our country and filled our
cemeteries. He ruined our country's economy. Even the projects he carried
out in the name of progress, pushed the country towards decadence. He
suppressed our culture, annihilated people and destroyed all our manpower
resources. We are saying this man, his government, his Majlis are all
illegal. If they were to continue to stay in power, we would treat them as
criminals and would try them as criminals. I shall appoint my own government.
I shall slap this government in the mouth. I shall determine the government
with the backing of this nation, because this nation accepts me."
1st speech.
"This government represents a regime, whose leader and his father were
illegally in power. This government is therefore illegal. The deputies
appointed to work in the Majlis are there illegally. The Majlis itself and
the Senate are illegal. How can anyone appointed by the Shah be legal? We
are telling all of them that they are illegal and they should go. We hereby
announce that this government, which has presented itself as a legal
government is in fact illegal. Even the members of this government before
accepting to be ministers, were considering the whole establishment to be
illegal. What has happened now, that they are claiming to be legitimate?
This gentleman, Dr Bakhtiar, does not accept himself, and his friends do not
accept him either. The nation does not accept him and the army does not
accept him. Only America is backing him and has ordered the army to support
him. Britain has backed him too and had said that he must be supported. If
one were to search among the nation, one would not find a single person
among all strata of the nation, who accepts this man, but he is saying that
one country cannot have two governments. Well of course, it is clear that
this country does not have two governments and in any case, the illegal
government should go. You are illegal. The government of our choice relies
on the nation's backing and enjoys the backing of God. If you claim that
your government is legal, you must necessarily be denying God and the will
of the nation. Someone must put this man in his place."
1st speech.
"We want our army to be independent. You army commanders, you generals
and major generals, do you not wish to be independent? What is our reward
for saying that we would like our army to be independent? Is it right to
punish us by killing our young men in the street just because we wish you to
be your own master rather than taking orders from foreign powers? At this
point I would like to thank those units of the army, which have joined the
ranks of the nation. We praise the NCOs, the air force, and officers of the
air force, who are already with us and call upon the rest of you to join.
Abandon your foreign masters and do not fear that if you abandon them , we
will come and hang you. Such rumours are spread by your enemies. Can you not
see your other comrades, the officers, the NCOs and the pilots, who have
joined us? We love them, we respect them and we want to keep our strong army
intact. We want to have a powerful country. We want to preserve the
structure of the army, but for the service of the nation."
1st speech.
(Read by Ayatollah Moussavi Ardabili.)
"Now that the armed forces have stepped back, have declared their
neutrality in the face of political affairs and have expressed support for
the nation, the dear and courageous nation is expected to maintain law and
order when the troops return to barracks. You should stop saboteurs, who may
try to create catastrophe and instruct them of their religious and
humanitarian obligations. Do not allow anyone to attack foreign embassies.
If, God forbid, the army were to enter the arena again, you must defend
yourselves with all your might. I hereby inform senior army officers that if
they were to stop the army's aggression, and instruct them to join the
nation and its legal Islamic government, we would regard the army as part of
the nation and vice versa. [Signed Ruhollah al-Mousavi al-Khomeini]."
zitiert nach BBC
http://www.bbc.co.uk/persian/revolution/khomeini.shtml |
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Kommentare
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Bewertung der Revolution aus marxistischer Sicht
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Die
iranische Tragödie 1979: Von der Arbeitermacht zur Ayatollahdiktatur
Jan Maas aus:
http://www.sozialismus-von-unten.de/archiv/svu7/iran_maas.html
Von der Revolution im Iran ist oft nur ein verzerrtes Bild übrig. Dass
das Regime des Schahs durch die Massen hinweggefegt wurde, ließ sich aus der
Geschichte nicht streichen. Aber der Umsturz wird als Terror unter Führung
fanatischer Islamisten dargestellt. Die wahre Geschichte der iranischen
Revolution ist ein Festival der Unterdrückten auf der Grundlage von
Arbeiterräten und Massenbewegungen. Jan Maas beschreibt, wie trotzdem die
Fundamentalisten die Macht übernahmen.
Der Iran galt einmal als Vorzeige-Entwicklungland.
Öleinkünfte ermöglichten ein riesiges Wirtschaftswachstum. Die
Verhandlungsposition der jungen iranischen Arbeiterklasse war so stark, dass
jährliche Lohnzuwächse von 30-50% möglich waren. Ab 1975 gingen die
Öleinnahmen zurück, Staatsverschuldung und Inflation stiegen. Die Zahl der
städtischen Armen explodierte. Es kam zu Zusammenstößen zwischen Staatsmacht
und demonstrierenden Studenten oder Slumbewohnern. Trotzdem erklärte der
Schah im Juni 1978: "Niemand kann mich stürzen. Ich habe die Unterstützung
von 700.000 Soldaten, eines Großteils des Volkes und aller Arbeiter".
Das änderte sich grundlegend. Die Forderungen der
Beschäftigten, die oft auf die Betriebe beschränkt gewesen waren, konnten
immer seltener erfüllt werden und neue Streikforderungen tauchten auf :
"Beendigung des Notstands" oder "Freilassung aller politischen Gefangenen".
Im September 1978 traten die mächtigen Ölarbeiter in den Ausstand. Sie kamen
aus den Fabriken und versammelten sich millionenstark in den Zentren der
Industriestädte. Die Flut stieg täglich. Medienangestellte verhinderten
regimetreue Radio- und Fernsehsendungen, Eisenbahner weigerten sich, Militär
zu befördern, Beschäftigte in den Atomkraftwerken streikten und erklärten:
"Die AKW sind dem Iran durch die Großmächte im Interesse des Atomkrieges
aufgezwungen worden". Zahlreiche Unternehmer verließen, als es heiß für sie
wurde, das Land.
Revolution
Die herrenlosen Fabriken wurden von den Beschäftigten
übernommen, die in Schoras (iran.: Räte) die Produktion kontrollierten. Am
16. Januar 1979 musste der verhasste Schah endlich das Land verlassen.
Euphorie breitete sich aus: Die Mengen warfen Soldaten Blumen zu und
verbündeten sich mit ihnen. Gemeinsam stürzten sie die Statuen des
Diktators.
Am 1. Februar kehrte Ajatollah Khomeini aus dem Exil
zurück. Er erklärte sich fünf Tage später zum Staatsoberhaupt. Der
Staatsapparat und der revolutionsfeindliche teil des Militärs kooperierten
sofort, heilfroh, wieder "Ordnung" schaffen zu können. Eine Doppelherrschaft
war entstanden: Die Macht über die Betriebe lag bei den Schoras, aber die
Macht über den Staat hielt Khomeini in seinen Händen. Die Einmischung von
Arbeitnehmern in leitende Funktionen wurde von der Regierung sofort für
unislamisch erklärt. Ein Shellarbeiter erzählt: "Die vom Staat ernannten
Manager haben die gleiche Einstellung wie die alten Manager. Die wissen,
dass ihr Schicksal besiegelt ist, wenn die Schoras ihre Macht behalten. Sie
können ihre arbeiterfeindliche Politik nicht direkt umsetzen; also bekämpfen
sie die Schoras erstmal auf der Grundlage des religiösen Glaubens".
Ende Februar erließ Khomeini Gesetze, die gegen die
Frauen gerichtet waren. Das Scheidungsrecht wurde allein den Männern zuteil,
gleichzeitig wurde ihnen die Polygamie erlaubt. Tag für Tag wurden Frauen
aus neuen Berufen verdrängt. Am Frauentag, dem 8.März, wurde eine
Gegendemonstration von Regierungstreuen angegriffen. Die gesamte Linke ließ
die Frauen im Stich und behauptete, Frauenrechte seien nur bürgerliche
Forderungen. Die islamische Reaktion erschien um so stärker, weil die Linke
sich nicht wehrte.
Machtkampf
Doch so schnell kam der Sieg nicht. Als eine
Arbeitslosendemonstration von Khomeinis Revolutionsgarden zusammengeschossen
wurde, besetzten ArbeiterInnen das Justiz- und das Arbeitsministerium. Einer
von ihnen sagte: "Ich schlage vor, dass wir an diesem Ort bleiben, bis
dieses Ministerium der Bosse zu einem Ministerium der Arbeiter wird. Werft
uns nicht Ungläubigkeit vor. Ihr erfüllt unsere Forderungen und wir werden
37 mal am Tag beten statt 17 mal". Auch die Demonstration am 1. Mai zeigte
die Stärke der iranischen Arbeiterklasse. Eineinhalb Millionen Menschen
marschierten sechseinhalb Stunden lang. Ihre Banner trugen Slogans wie
"Nieder mit den alten Arbeitsgesetzen - schreibt ein neues Gesetz unter
unserer Mitwirkung!" oder "Schulen für Kinder, nicht Kinderarbeit". Die
Islamisten antworteten mit Schlägertrupps.
Die Linke reagierte wieder nicht, weil sie
argumentierte, dass sie nur eine Minderheit sei. Also gelang es den Trupps,
Parolen wie "Lang lebe der Islam, Tod den Kommunisten" zu rufen und Banner
niederzureißen. Die Guerilleros der Modschahedin fürchteten, man könne ihnen
Gegnerschaft zur islamischen Republik vorwerfen und blieben der Kundgebung
fern. Schritt für Schritt drängte Khomeini mit religiösen Argumenten seine
GegnerInnen zurück. Doch bis zum Herbst stand der Iran im Zeichen der
Revolution: Frauen widersetzten sich massenhaft den Gesetzen, die Schoras
arbeiteten weiter und überall fanden Demonstrationen statt.
Niederlage
Im November ließ Khomeini die US-Botschaft in Teheran
besetzen. Er behauptete, damit den Kampf gegen den Imperialismus
aufzunehmen. Er appellierte an die nationale Einheit und erklärte damit alle
Aktivitäten, die der Regierungslinie widersprachen, für imperialistisch.
Alle linken Parteien akzeptierten dieses Argument. Sie fielen der
Arbeiterklasse in den Rücken. Um das zu rechtfertigen, sagten sie, der
Bewusstseinsstand der Beschäftigten sei zu niedrig - die Schoras hätten bloß
wirtschaftlichen Charakter!
Als 1980 der Irak in den Iran einmarschierte, schlug
Khomeini erneut erfolgreich in die Kerbe der nationalen Einheit. Damit war
der größte Teil der Opposition gebrochen. Die Linke hatte sich von ihrer
Unabhängigkeit verabschiedet. Das war aber nicht unvermeidlich. Sie hätte
auf Grundlage der Schoras für die Übernahme der politischen Macht kämpfen
können. Einzig die politischen Fehler der Linken haben den Sieg der Mullahs
zu verantworten. Eine revolutionäre Bewegung braucht eine politische Partei,
die kompromisslos für die Machtübernahme durch die Masse der Bevölkerung
kämpft.
Die Opposition der Islamisten
Die Basis des Klerus bestand vor allem aus
Kleinbürgern - den Basaris. Sie hatten, genau wie ArbeiterInnen und
StudentInnen, unter dem Schah zu leiden - allerdings aus anderen Gründen.
Die Basaris hatten in der kapitalistischen Entwicklung des Iran kaum noch
eine Bedeutung. Die politische Macht des Klerus war immer weiter
zurückgegangen. Die Mullahs in den Moscheen boten aber einen Sammelpunkt für
viele andere Kräfte, die gegen die "Verwestlichung" kämpften, weil ihre
Oppositionsrolle staatlich geduldet war. Die Unterstützung, die der
fortschrittliche Teil des islamischen Klerus erfuhr, gründete sich auf
revolutionäre Rhetorik. Er prangerte die Vernachlässigung der ökonomischen
Bedürfnisse der Arbeiter und Bauern, die barbarischen Gefängnisse, die
Einschränkung der Freiheit an. Der traditionelle Flügel, darunter zunächst
auch Ajatollah Khomeini, isolierte sich von den Massen. Khomeini sah diese
Entwicklung und zog die Konsequenz: Er fing an, die Forderungen der sozialen
Bewegung aufzunehmen. Dafür wurde er 1968 ausgewiesen. Auch aus dem Exil
konzentrierte er sein Feuer auf den Sturz des Schahs und baute so seine
Glaubwürdigkeit auf. Er wurde zur Hauptoppostitionsfigur. Bis zu seinem Tode
galt er als der "Revolutionsführer".
An den Massen vorbei: Stalinisten und Guerilla
Proteste der StudentInnen und der nationalen oder
religiösen Minderheiten hatten im Iran eine lange Tradition. Die mächtigste
Kraft gegen den Schah stellte aber der ArbeiterInnenwiderstand dar. Von all
diesen Bewegungen profitierten die linken Parteien. Die größte von ihnen war
die kommunistische moskautreue Tudeh-Partei. Die Tudeh-Partei wuchs mit
Stalins Volksfront-Taktik auf. Nach dieser Theorie sollten sich die
Kommunisten in sozialen Bewegungen auf fortschrittliche bürgerliche Kräfte
stützen, statt auf die Macht der Arbeiterklasse. Dies führte die Anhänger
dieser Taktik regelmäßig zu Fehleinschätzungen. Sie behaupteten trotz der
zunehmenden Aktivitäten der Arbeiterklasse, der Iran sei noch nicht reif für
eine sozialistische Revolution und trennten ihre Politik von den Interessen
der sich radikalisierenden Massen ab. 1946 hatten sie sogar im Interesse der
Profite ausländischer Investoren einen Generalstreik der Ölarbeiter
verhindert.
Die zwei iranischen Guerillabewegungen, die
Modschahedin und die Fedayin, spiegelten die revolutionäre Ungeduld der
iranischen Jugend gegenüber den traditionellen Oppositionsparteien wider.
Die Modschahedin hatten einen religiösen Hintergrund, die Fedayin waren eine
Abspaltung der Tudeh-Partei. Beide rekrutierten sich vor allem aus
städtischen Intellektuellen.
Mit Terroraktionen von den Bergen aus versuchten sie,
die Masse der Iraner in Aktivitäten gegen den Schah zu drängen. Gleichzeitig
schnitten sie sich damit von jeglicher Massenaktion in den Städten ab und
errangen nie breite Unterstützung. Beide Strategien zielten an den Massen
vorbei und mussten die fortschrittlichen ArbeiterInnen schließlich im Stich
lassen. Damit war das Schicksal der gerade begonnenen Revolution besiegelt -
der Fundamentalismus hatte freie Bahn.
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weiterer Kommentar
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http://moderne-geschichte-naher-osten-mittlerer-osten.suite101.de/article.cfm/die_iranische_revolution_von_197879
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....... von Jens
Bertrams aus dem Jahr 2000
Tatsächlich war die islamische
Revolution eine sehr ernste und schwierige Sache. Nach der Machtergreifung
der Revolutionsgarden und der Revolutionswächter, einer Gruppe strenggläubiger
Shiiten, wurden soziale Errungenschaften der letzten zwanzig Jahre sofort
zurückgedreht. Man verlangte islamisches Verhalten im Umgang und in der
Kleidung. Frauen, die ohne Schleier angetroffen wurden, wurden in den
ersten Monaten hingerichtet. Die Revolutionäre verjagten die Reste der
alten Machthaber und veranstalteten eine Volksabstimmung über die Einführung
einer islamischen Republik nach den Regeln des Khoran und der Sharia, des
islamischen Rechts. Bei dieser Abstimmung gab es nur eine Ja-Antwort-Möglichkeit,
und die Wahl war nicht geheim, das gehörte nicht zum islamischen
Rechtsverständnis, denn wer ein Ungläubiger war, sollte erkannt werden.
Khomeini übernahm als Revolutionsführer die Macht im Iran, und über
viele Jahre übte er sein Schreckensregime aus. Auch heute noch kann der Wächterrat,
ein vom geistigen Führer berufenes Gremium, die Entscheidungen des
Parlaments einfach aufheben, weswegen Iran auf dem vom jetzigen Präsidenten
angestrebten Weg zur Demokratie nicht weiterkommt.
Die islamische Republik Iran war das
erste Land der Welt, das für sich in Anspruch nahm, nach den Gesetzen
Allahs zu leben. Ihr folgte viele Jahre später Afghanistan, das jetzt
unter der Herrschaft einer ebenso radikalen Gruppe von Moslems steht.
Versuche zur Errichtung eines Gottesstaates gibt es in vielen Ländern,
und oft ist es eine Protestwelle gegen eine allzu westlich orientierte
Lebensweise. Der Sieg der Fundamentalisten im Iran hat die sogenannten
islamischen Befreiungsbewegungen in anderen Ländern wie Algerien und
Afghanistan sicherlich extrem ermutigt, und der daraufhin verstärkte
Streit zwischen weltlicher und streng religiöser Gesellschaftsform dauert
seither an.
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Frankfurter Rundschau
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Triumph des
Gottesstaates
Vor 30 Jahren stürzte Ajatollah
Khomeini den persischen Schah. Die islamische Revolution wurde von
Linken in Europa begrüßt. Unterdrückung und Terror herrschen
seither im Iran.
VON KARL GROBE
Flughafen Teheran-Mehrabad, 1. Februar
1979, 9.39 Uhr Ortszeit: Ein welthistorischer Augenblick. Ajatollah
Ruhollah Khomeini setzt einen Fuß auf iranischen Boden, zum ersten Mal
seit 15 Exiljahren. Millionen Iraner sind hinausgepilgert zum Airport,
Millionen stehen am Straßenrand. Der Heimkehrer spricht nicht zu ihnen,
er fährt zum Märtyrer-Friedhof Behest-e Zahra, erklärt die Regierung
für illegal, ruft die Armee zur Neutralität auf. Zehn Tage danach
folgt sie seinem Wunsch. Er weiß, dass er die Macht soeben dort
aufgelesen hat, wo sie in Zeiten des Umbruchs zu liegen pflegt: auf der
Straße.
Der Inhaber der Staatsgewalt, Mohammad Reza Schah Pahlavi (selbstgewählter
Beiname: Aryamehr, "Licht der Arier"), ist seit zwei Wochen weg.
Sein Regime ist zusammengebrochen, und keineswegs lautlos und unerwartet.
Unmut über die Korruption der oberen Viertausend", über den Hochmut
und die ins Unerträgliche wuchernde Arroganz des Kaisers und seiner
Hofschranzen, Ärger über die "Verwestlichung" und die Abhängigkeit
vom Ausland - vor allem den USA - hatten die Massen ergriffen. Und die
brutale, gezielt eingesetzte Gewalt des Geheimdienstes Savak schüchterte
nicht mehr ein. Im Gegenteil: Die Freilassung der über 25 000 politischen
Gefangenen wurde zur entschiedenen Forderung der Opposition, erst recht
nachdem der Schah im März 1977 genau 91 "Politische" amnestiert
hatte.
Lobeshymnen auf den Schah
Auf die USA konnte er noch bauen. Zu
Neujahr 1978 rühmte Präsident Jimmy Carter in Teheran den Schah-Staat
als "Insel der Stabilität" und versicherte den Schah
"tiefer Dankbarkeit und persönlicher Freundschaft". Während in
den Sommermonaten die Massenkundgebungen vom nördlichen Täbris bis zu
den proletarischen Öl-Städten im Süden zunahmen, fand auch Chinas
damals starker Mann, Hua Guofeng, im August in Teheran lobende Worte für
den Schah. Die schon zum aufrührerischen Alltag gehörenden "Allah
hu akbar"-Rufe von Dächern und Balkons hat er wohl nicht gehört.
Die Geistlichkeit hatte sich längst mit der Nationalen Front
zusammengeschlossen, der bürgerlich-demokratischen Bewegung, die das Erbe
des 1953 gestürzten Mohammed Mossadegh bewahrte, den ein vom
US-Geheimdienst CIA in die Wege geleiteter Putsch aus dem Amt gejagt
hatte. Die neue Opposition rief zum Generalstreik. Das Militär schoss
eine Demonstration nieder. An diesem 8. September 1978, dem
"Schwarzen Freitag", verlor das Regime den Rest seiner Legitimität.
Mullahs und Nationale Front waren nicht die einzigen Kräfte des
Aufbegehrens. Studenten und Literaten, politische Untergrundbewegungen und
im Elend der Teheraner Südstadt vegetierende, aus den Dörfern
vertriebene Bauern, Öl- und Bahnarbeiter rebellierten. Junge Frauen
legten aus Protest den Tschador an als Symbol politischer Emanzipation.
Es war eine Revolution. Aber nicht die, welche manche westliche Regierung
und manchen westlichen Kommentator ängstigte: die nach russischer
Oktober-Art, die "von Moskau gesteuerte" kommunistische.
Khomeini hatte seit 35 Jahren gegen den Schah gepredigt. Er war deutlicher
geworden, nachdem er aus dem Irak nach Frankreich hatte ausweichen müssen:
Saddam Hussein hatte dem Schah noch im Oktober des Revolutionsjahres den
Gefallen getan, den unerbittlichen Prediger des Landes zu verweisen.
Khomeini ließ seine Predigten mittels Kassettenrekorder verbreiten. Sein
Wort erreichte die Unzufriedenen, Aufbegehrenden an den Orten, die dem
Zugriff der Politik und des Savak weitgehend entzogen waren: in den
Moscheen. Es erreichte die Mullahs und die Analphabeten. Es war der Ruf
nach dem Gottesstaat.
Naivität - in Ost und West
"Staat im Islam heißt, die
Gesetzgebung, die Gott dem Propheten übertragen hat, zu verwirklichen und
sich ihr zu unterwerfen. Der Prophet ist tot. Seinen Auftrag haben die
Kenner des islamischen Gesetzes, die Imame, übernommen." Das war die
Botschaft. Sie wurde unterschätzt, auf naive Art von den Experten in West
und Ost, auf opportunistische Weise von den vielen weltlichen, liberalen,
linken Parteien und Strömungen im Lande. Die sahen den fast Achtzigjährigen
als mobilisierendes Element; sie würden ihn beerben. Es würde ihre
Revolution werden. Den Westlern aber war eine epochale Wende noch nicht
aufgefallen.
Politischer Islam - das war das Neue. In Pakistan hatte Militärdiktator
Zia ul-Haq seine Herrschaft durch Rückgriff auf den Islam gefestigt. In
Afghanistan standen Konservative unter der grünen Fahne gegen die
Modernisierer auf; nur ein Jahr nach Khomeinis Teheraner Triumphzug wurde
die Religion, von Pakistan, den USA und Saudi-Arabien gefördert, zum
einigenden Element des Widerstands gegen die Sowjetunion. In Algerien, in
Ägypten, im Sudan, in Indonesien begannen politische Bewegungen, unter
aus dem Islam entlehnten Parolen die etablierten Kräfte zu erschüttern.
Keine Parteien mehr, nur noch der Imam: Mit dieser unausgesprochenen
Parole ließ Khomeini von den Moscheen aus im ganzen Land
Revolutionskomitees einrichten. Sie nahmen den revolutionären
Konkurrenten die Massenbasis weg. Schnellgerichte begannen, das zu
schaffen, was in anderen Fällen revolutionärer Terror genannt worden ist
- die physische Vernichtung der alternativen gesellschaftlichen Kräfte.
Schließlich rettete unabsichtlich Saddam Hussein zum zweiten Mal
Khomeinis Regime durch seinen Überfall im September 1980. In dem Krieg,
der acht Jahre dauerte, ging Irans alte Armee unter, neue bewaffnete Verbände
übernahmen ihre Rolle, die Pasdaran und die Bassiji, nun auch als
Revolutionswächter gegen das Volk.
Das Volk hatte eine andere Revolution bekommen, als es sich erträumt
hatte. Nur Khomeinis Traum war wahr geworden, ein Alptraum für die
anderen.
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aus
http://islamicrevolutionservice.
wordpress
Grafik Quelle s. oben
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Die größte Errungenschaft der Islamischen
Revolution ist aber die vom Volk getragene geistige und geistliche Führung,
die nach dem Vorbild des Propheten ein bescheidenes Leben führt. Solch
eine Führung ist eine “echte“ Bedrohung für ein Weltsystem, dass den
materiellen Reichtum für die Führungselite anstrebt auf Kosten der Armut
in der Bevölkerung. Gekoppelt an diese Errungenschaft der Islamischen
Revolution ist eine seit Jahrhunderten eingeschlafene Hoffnung auf das
Erscheinen des gottgesandten Erlösers, die jetzt mit realen Inhalten gefüllt
wurde, ebenfalls deutlich zu beobachten, nicht nur bei Muslimen.
Es soll hier kein falscher Eindruck erweckt
werden: Niemand behauptet, dass die Islamische Republik Iran alle Ideale
perfekt umgesetzt hätte. Möglicherweise sind erst 15% der islamischen
Ideale realisiert, aber vor 15 Jahren waren es erst 5% und vor der
Islamischen Revolution herrschte über das Land solch eine Marionette der
Westlichen Welt, wie in vielen anderen Ländern der Region und Afrikas
noch immer! Auch soll hier nicht behauptet werden, dass in der Westlichen
Welt keines der islamischen Ideale verwirklicht wäre. Möglicherweise
sind heute in der Westlichen Welt sogar 20% der islamischen Ideale
verwirklicht (man denke nur – abgesehen von den USA – an das
Sozialsystem und die Versorgung von Behinderten), aber gestern waren es
hier eben noch 30%; und zu welchem Preis? Die Errungenschaften der
Westlichen Welt sind ja NIE mit den Mitteln aufgebaut worden, die man
selbst erwirtschaftet hat, sondern stets mit Mitteln, deren Zinsen die
noch nicht einmal geborenen Urenkel bezahlen müssen. Allein dieser
Systemfehler, wie auch die Verdeutlichung, dass das materialistische
Weltsystem eben nicht alle Bedürfnisse des Menschen befriedigen kann, ist
eine Errungenschaft der Islamischen Revolution.
Vor 30 Jahren dachte der absolut überwiegende
Teil der gesamten Menschheit, dass von der westlichen Welt – bei aller
Kritik und bei allen Schwächen – letztendlich Demokratie und
Menschenrechte ausgehen würden. Die Islamische Revolution hat diese Lügenmaske
so vieler westlicher Herrscher heruntergerissen. Heute glauben nicht
einmal mehr die eigenen Bürger der Westlichen Welt, dass jene Legende gültig
wäre.
Auch die anderen Religionen konnten sehr
stark von der Islamischen Revolution profitieren. Auf der einen Seite
stand die Rückbesinnung auf geistige Werte, die insbesondere bei Christen
in der Region zu beobachten ist. Auf der anderen Seite stand die
Demaskierung von heuchlerischen Gottesvertretern, die nur dadurch möglich
wurde, da aufrichtige Geistliche in allen Bereichen wirkten und die
“verbeamteten“ Geistlichen ablösen! Wenn heute hohe Herren in der
katholischen Kirche auftreten und behaupten, dass die Leugnung eines
geschichtlichen Ereignisses der Gottesleugnung gleich käme, dann ist das
eine “Befreiung“ für alle, die sich von solchen heuchlerischen Thesen
haben jahrelang in die Irre führen lassen, denn ihre Falschheit ist so
offensichtlich, dass der Propagandist selbst kaum daran glauben kann. Am
meisten – unter Nichtmuslimen – dürfte das Judentum von der
Islamischen Revolution profitiert haben, denn es hat die Chance erhalten,
sich von Israels Vereinnahmung zu emanzipieren. Und diese Chance nutzen
immer mehr Juden.
Zweifelsohne haben aber Muslime selbst am
meisten von der Islamischen Revolution profitiert, haben sie doch die
Inhalte ihrer Religion in ganz neuem Licht lernen und verstehen gelernt. Während
die Westliche Welt diesen Teil der Revolution, der eigentlich den
erheblich größeren Teil ausmacht, fast überhaupt nicht wahrgenommen
hat, wirkte er doch unter Muslimen am intensivsten. Aus 1400 Jahre lang
zumeist inhaltlosen Gebeten und Hungern an Fastentagen, wurde ein
inhaltvolles Gebet so vieler Millionen Menschen und ein wirklich
befreiendes Fasten.
30 Jahre Islamische Republik Iran ist der
Anfang einer weltweit wirkenden kulturellen und geistigen
Befreiungsbewegung, die eines Tages im Rückblick selbst die französische
Revolution in den Schatten stellen wird. Das Symbol dieser Islamischen
Revolution ist eine Tulpe. Sie findet sich im Emblem der neuen Flagge, die
das Glaubensbekenntnis in sich birgt, dass die Befreiung von allen
Gottheiten der irdischen Welt zum Ziel hat. Solch eine Befreiungsidee kann
auch helfen, westliche Gesellschaften von den Zwängen zu befreien, die
zur eigenen Krise geführt haben.
Die Geschichte der Region und der letzten
30 Jahre hat es mehr als verdeutlicht. Von der Islamischen Revolution im
Iran geht Freiheit für die ganze Menschheit aus, denn sie wollen den so
wichtigen Wert “Freiheit“ auf den ebenfalls wichtigen Werten
“Gerechtigkeit“ und “Frieden“ aufbauen. Es ist kein Wunder, dass
so mancher Mächtiger dieser Welt sich mit allen ihm zur Verfügung
stehenden Mitteln gegen den Wunsch nach Gerechtigkeit sträubt, würde sie
doch auch zu seiner oder ihrer Verurteilung führen.
Dem Bundesbürger kann in dieser Situation
nur empfohlen werden, nicht den Fehler zu machen, den die
Hofberichterstattung ihnen aufzwingen will. Beurteilen sie das System
erst, wenn sie die Originalschriften der wahren Vertreter gelesen haben
(es gibt sie inzwischen auch in deutscher Übersetzung), nicht aber
aufgrund der Beschreibung derjenigen, die Gerechtigkeit in der Politik
hassen.
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Arbeitsauftrag
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Vergleichen
Sie die Kommentare:
- Welches Ereignis, welche Entwicklung, welche
Folge wird ins Zentrum gerückt?
- Wird die Revolution in der Summe positiv oder
negativ bewertet?
- Wird Ayatollah Khomeini irgendwie bewertet? wie?
- Wer wollte die Revolution? Warum? Sind die
Erwartungen erfüllt worden?
- Wie wird die Herrschaft des Schah bewertet?
Warum?
- Wie wird das System der Mullahs und der
islamische Fundamentalismus bewertet?
- Ist die Entwicklung in Persien/Iran irgendwie
positiv zu sehen?
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